Wie Deos & Co wirken

Juni 2009 | Kosmetik & Pflege

Tipps gegen das Schwitzen
 
Die schweißtreibende Zeit ist da – und mit ihr der Wunsch, dem Schwitzen ein Ende zu bereiten. MEDIZIN populär wirft einen Blick auf Deodorants und Antitranspirantien, erklärt deren Wirkung und gibt hilfreiche Tipps für die sichere Anwendung.
 
Von Mag. Helga Schimmer

Tag und Nacht sind sie im Einsatz, die zwei bis drei Millionen Schweißdrüsen in unserer Haut. Die meisten sitzen an den Handinnenflächen und Fußsohlen, an der Stirn und in den Achselhöhlen. „Ihre Aufgabe ist die Temperaturregulation“, sagt Dr. Helga Procher-Markl, Fachärztin für Haut- und Gefäßerkrankungen in Neusiedl am See. „Sie schützen den Körper vor einer Überhitzung, denn die austretende Flüssigkeit sorgt für Kühlung.“ Das selbst produzierte Nass tut der Haut auch gut, es hält sie widerstandsfähig.

Wenn Schweiß aus den Poren tritt, ist er geruchlos. Probleme mit unangenehmen Gerüchen ergeben sich ab der Pubertät. Dann beginnen neben den so genannten ekkrinen Schweißdrüsen, die über den ganzen Körper verteilt sind, auch die so genannten apokrinen Drüsen zu arbeiten. Diese sitzen vor allem in den Achselhöhlen und im Genitalbereich und spielen eine wichtige Rolle im Sexualverhalten. Zwar ist ihr Sekret ebenfalls geruchlos, es wird jedoch von bestimmten Hautbakterien zersetzt. So entsteht der für jedes Individuum typische Geruch, der von anderen mitunter als unangenehm wahrgenommen wird.  „Konkret wandeln Kokken die im Hautfett vorhandenen langkettigen Fettsäuren in kurzkettige Fettsäuren um“, erläutert die Dermatologin. „Den typisch männlichen Körpergeruch verursachen bestimmte Corynebakterien, die das Sexualhormon Testosteron zu übel riechenden Steroiden abbauen.“

Das Bakterienwachstum hemmen

Genau an dieser Stelle setzen Deos an: Sie enthalten Stoffe, die das Bakterienwachstum hemmen und die entstehenden Geruchsstoffe binden. Procher-Markl: „Das gelingt den meisten Deos für einen gewissen Zeitraum mit Erfolg.“ Außerdem werden Parfumstoffe zur Geruchsüberdeckung eingesetzt, und desinfizierender Alkohol verzögert gleichfalls das Bakterienwachstum.
Antitranspirantien sind darüber hinaus Aluminiumchlorhydrate zugefügt, die die Ausgänge der Schweißdrüsen verengen und so die Schweißmenge um 20 bis 50 Prozent verringern. „Dagegen bestehen aus medizinischer Sicht keine Bedenken, denn der Schweiß findet genügend andere Körperstellen, an welchen er ungehindert austreten kann“, beruhigt Procher-Markl. Dennoch, die Aluminiumsalze geraten immer wieder als Verursacher von Brustkrebs ins Gerede. Wie diese Stoffe in die Zellen gelangen, ist allerdings ungeklärt. Eine neue wissenschaftliche Arbeit, die alle bisherigen Untersuchungen zum Thema zusammenfasst, kommt zu dem Schluss, dass es keine Belege für die Brustkrebs-Theorie gebe.

Am besten trägt man Antitranspirantien abends auf, denn während der Nacht schwitzt man unter den Achseln weniger als bei Tag. Die Mittel können dann besonders gut in die Haut einziehen und ihre Wirkung entfalten. Jedoch sind Antitranspirantien für Personen, die zu geröteter, trockener oder juckender Haut neigen, weniger geeignet, da sie leichter zu Reizungen führen. Empfindlichen rät die Hautärztin daher, auf alkoholfreie Deodorants in Form von Sticks, Cremes oder Rollons zurückzugreifen.

Hautprobleme durch Deos

Als Schweißhemmer und Konservierungsstoff ist Deodorants oft Formaldehyd zugesetzt. „Diese Substanz und auch bestimmte Duftstoffe können bisweilen eine Kontaktdermatitis auslösen“, warnt Dr. Procher-Markl. „Oder die Haut in den Achselhöhlen wird durch die Kombination von Deo und körpereigenem Schweiß irritiert.“ In jedem Fall zeigt sich zunächst eine Rötung und Schwellung, meist verbunden mit Juckreiz und Bläschenbildung. Später platzen, nässen und verkrusten die Bläschen. Wenn die Entzündung sich bessert, schuppt die Haut. Dazu die Expertin: „Die auf der Haut verbleibenden Deodorants rufen eher allergische Reaktionen hervor als Shampoos, die abgespült werden.“

Und was soll man tun, wenn es zu Unverträglichkeitsreaktionen kommt? „Meist hilft es, das Deo vorübergehend abzusetzen oder auf ein anderes Produkt umzusteigen. Vorzugsweise auf eines, das weder Parfum und Alkohol noch Farb- und Konservierungsstoffe enthält und nach Möglichkeit auch ein hautneutralen pH-Wert von 5,5 aufweist“, sagt Helga Procher-Markl. Nachsatz: „Interessanterweise treten Hautprobleme in der Achselhöhle fast nur bei rasierten Leuten auf.“ Gleichwohl mindert die Rasur der Achselhaare den schlechten Geruch, weil mit den Haaren auch die anhaftenden schweißzersetzenden Bakterien entfernt werden. Weite Kleidung aus Baumwolle und der Verzicht auf Alkohol, Kaffee, Tee und scharfes Essen sind ebenfalls probate Maßnahmen, um das Schwitzen und die damit verbundenen störenden Nebenerscheinungen einzudämmen. Die Mittel der ersten Wahl aber bleiben nach wie vor Wasser und Seife.

DEOTIPPS:

Hygiene
Wasser und Seife sind die wichtigsten Mittel gegen unangenehmen Körpergeruch. Tragen Sie Deodorants nur auf die gewaschene Haut auf. Wer rasch noch einmal vor dem Ausgehen die verschwitzten Achseln damit behandelt, riskiert Hautreizungen.

Haarentfernung
Achselhaare bieten ideale Tummelplätze für Bakterien. Ihre Entfernung hilft gegen Schweißgeruch. Ein Deo sollten Sie aber erst wieder am nächsten Tag benützen, sonst kann die Haut ebenfalls gereizt reagieren.

Milde Produkte
Greifen Sie bei empfindlicher Haut möglichst auf ein Deodorant zurück, das frei von Alkohol, Parfum, Farb- und Konservierungsstoffen ist und einen hautneutralen pH-Wert von 5,5 aufweist.

Ernährung
Schränken Sie den Genuss von Alkohol, Kaffee, heißem Tee und scharfen Gewürzen ein. Eine Tasse lauwarmer Salbeitee indessen kann die Schweißproduktion hemmen.

Kleidung
Tragen Sie vor allem bei großer Hitze weite Textilien aus Baumwolle oder anderen atmungsaktiven Materialien. Ungünstig sind eng anliegende Shirts aus Kunstfaser, die unter den Armen klemmen.

Übermäßiges Schwitzen
Falls Sie oft sehr stark schwitzen und mit handelsüblichen Deos nichts dagegen ausrichten, lassen Sie die Ursache ärztlich abklären. Es gibt wirksame Maßnahmen zur Schweißreduktion.

3 Fragen und Antworten zum Thema Schweiß

1)  Wie viel Schwitzen ist normal?
Auch an einem mäßig warmen Tag ohne körperliche Anstrengung vergießen wir – üblicherweise unbemerkt – mindestens einen halben Liter Schweiß. Hitze, Stress und scharfe Speisen kurbeln die Schweißproduktion zusätzlich an. Auch Sport bringt den Stoffwechsel in Wallung und lässt den Schweiß stärker fließen. In Extremfällen, etwa im Hochleistungssport, sind bis zu zehn Liter pro Tag möglich.

2)  Warum schwitze ich mehr als andere?
Neben Sport und Stress sind Fieber, starkes Übergewicht, hoher Blutdruck, eine Überfunktion der Schilddrüse und Diabetes schweißtreibende Faktoren. Viele Frauen kämpfen während der Wechseljahre mit Hitzewallungen. Außerdem können manche Medikamente wie Betablocker, Antidepressiva, Kortison oder Hormonpräparate das Krankheitsbild des übermäßigen Schwitzens (Hyperhidrosis) auslösen. Bei etwa einem Prozent der Bevölkerung treten die Beschwerden aber ohne erkennbaren Grund von Kindesbeinen an auf. Die Ursache dafür liegt in den Genen: Die Betroffenen leiden an einer Fehlsteuerung des vegetativen Nervensystems.

3)  Wie hilft der Arzt?
Zunächst muss die Ursache für das übermäßige Schwitzen gefunden werden. Steckt eine Erkrankung wie die Schilddrüsenüberfunktion dahinter, erfolgt die entsprechende Therapie. Sind andere Erkrankungen ausgeschlossen, behandelt man die betroffenen Hautareale mit einer hoch dosierten Aluminiumchlorid-Lösung, die die Ausführgänge der Schweißdrüsen verengt. Eine andere Möglichkeit sind Injektionen von stark verdünntem Botulinumtoxin, einem von Bakterien erzeugten Nervengift, das die Nervenimpulse zu den Schweißdrüsen unterbindet.

Wenn die Problemzonen an Händen und Füßen liegen, können Gleichstromanwendungen, die so genannte Leitungswasser-Iontophorese, die Beschwerden lindern. Es gibt zudem bestimmte Medikamente, die über das Gehirn die Schweißproduktion dämpfen. Sie sind jedoch für Menschen mit erhöhtem Augeninnendruck oder einer Blasenstörung nicht geeignet. Erst wenn Aluminiumsalze, Gleichstrombäder und Medikamente nicht helfen, erwägt der Arzt eine Operation, bei der partiell Schweißdrüsen entfernt oder gezielt Nervenfasern durchtrennt werden. Eine solche chirurgische Maßnahme greift allerdings wesentlich in die Regulationsvorgänge des Körpers ein und ist für Patienten, die am ganzen Körper stark schwitzen, nicht möglich

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