Richtiger Sonnenschutz

Mai 2009 | Medizin & Trends

So bleibt die Haut gesund
 
Wenn die Sonne der Haut ans Leder will, gibt es einiges zu beachten, damit keine schlimmen Folgen drohen. MEDIZIN populär hat bei Univ. Prof. Dr. Hubert Pehamberger, dem Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien, Antworten auf sieben brennende Fragen zum Thema Sonnenschutz eingeholt.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

1   Wie dick sollte man sich eincremen?

Wirklich geschützt ist, wer das Sonnenschutzmittel nicht nur rechtzeitig – rund eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad – aufträgt, sondern sich außerdem dick genug eincremt. Hier wird sehr häufig an der falschen Stelle gespart – die meisten Sonnenanbeter tragen nur rund 0,5 bis 1,5 Milligramm pro Quadratzentimeter auf. Es braucht aber eine Auftragsmenge von zwei Milligramm pro Quadratzentimeter, damit der auf dem Produkt angegebene Lichtschutzfaktor erreicht wird. Entsprechend sollte ein Erwachsener durchschnittlich 40 Gramm, also fünf bis sechs Esslöffel Sonnencreme, für den ganzen Körper verwenden.

2   Wie lange verträgt die Haut die Sonne?

Das lässt sich nicht verallgemeinern – das Allerwichtigste ist der vernünftige Umgang mit der Sonne: nicht zu lange in der Sonne bleiben, einen Sonnenbrand vermeiden und sich – speziell von 10 bis 15 Uhr – ausreichend schützen, mit Sonnenschutzmittel, Kleidung, Kopfbedeckung, Sonnenbrille. Die maximale Aufenthaltsdauer ist z. B. von der Sonnenintensität und dem persönlichen Hauttyp abhängig. Der Hauttyp gibt auch Aufschluss über die Eigenschutzzeit, also über jene Zeitdauer, in der man sich in direkter Sonne aufhalten kann, ohne dass die Haut sich rötet.  

3   Wie oft sollte man nachcremen?

Nach dem ersten Auftragen der Sonnencreme sollte man regelmäßig, spätestens nach zwei Stunden, nachcremen. Besonders wichtig ist das, wenn man schwitzt, nach dem Baden, Sport oder Liegen, weil dabei der Schutzfilm der Haut „löchrig“ wird und komplettiert werden muss. Achtung: Durch das regelmäßige Nachcremen bleibt die Schutzwirkung des Sonnenschutzmittels lediglich aufrecht, sie lässt sich dadurch weder erhöhen noch verlängern. Der UV-Schutz kann nämlich nur einmal pro Tag aufgebaut werden, danach benötigt die Haut Erholung.

4   Wie hoch soll der Lichtschutzfaktor (LSF) wirklich sein?

Das ist von der Sonnenintensität abhängig – sie variiert je nach Jahres- oder Tageszeit und hängt außerdem davon ab, wo man sich gerade aufhält: Im Schatten oder bei Bewölkung ist die Intensität um bis zur Hälfte reduziert, am Wasser oder im Sand ist sie aufgrund der Reflexion um bis zu 85 Prozent erhöht – entsprechend höher sollte auch der LSF sein. Der UV-Schutz muss außerdem auf den Hauttyp abgestimmt werden – je heller die Haut, desto höher der LSF.

Für die Berechnung des UV-Schutzes gilt: Der auf Sonnenschutzmitteln angegebene Lichtschutzfaktor zeigt an, um wie viel länger man im Vergleich zur ungeschützten Haut in der Sonne bleiben kann. Die vom Hauttyp abhängige Eigenschutzzeit (siehe Kasten) multipliziert sich also um den Lichtschutzfaktor.

5   Hat Vorbräunen eigentlich Sinn?

Selbst wenn schon eine Bräunung vorhanden ist, sollte man die Haut nicht zu lange exponieren und sie allmählich an die Sonne gewöhnen. Die Bräunung, etwa nach dem Besuch eines Solariums, bietet nämlich nur einen geringfügigen, sicherlich keinen absoluten Schutz. Zudem belastet auch jeder Solariumbesuch die Haut, da es hier zu einer sich ansammelnden Wirkung von UV-Strahlen kommt. Dies wirkt sich auf die Alterung der Haut sowie auf das Hautkrebsrisiko aus. Besonders gewarnt vor dem Bräunen im Solarium seien  Jugendliche unter 18 Jahren und Kinder, deren Haut wesentlich empfindlicher ist als jene der Erwachsenen. Die Vorbräunung mittels Selbstbräuner bietet übrigens keinen Schutz.

6   Wie wasserfest ist „wasserfest“?

Wasserfeste Sonnenschutzmittel sind im Vergleich zu anderen Produkten beständiger gegen das Abwaschen durch Wasser oder Schwitzen. Nach internationalen Richtlinien gilt ein Sonnenschutzprodukt dann als „wasserfest“, wenn nach zwei Aufenthalten im Wasser der angegebene UV-Schutz wenigstens noch zur Hälfte vorhanden ist. Das Prädikat „sehr“ oder „extra wasserfest“ erhalten Produkte, die diesen Schutz auch noch nach insgesamt vier Bädern bieten. Fazit: Auch bei wasserfesten Sonnenschutzmitteln muss regelmäßig nachgeschmiert werden, damit der Lichtschutz erhalten bleibt.

7   Welche Pflege braucht die Haut nach dem Sonnen?

Weil das Sonnenbad die Haut beansprucht und das Schwitzen, Sporteln und Baden die Haut austrocknet, sollte man besonders auf die Hautpflege danach achten – feuchtigkeitsspendende Produkte unterstützen die Regeneration der Haut. Generell sollte man einem milden, unparfümierten „After-Sun-Produkt“ den Vorzug geben. Hat man sich trotz aller Vorsichts- und Schutzmaßnahmen einen Sonnenbrand eingefangen, sollte man diesen im Fall einer leichten Rötung mit kühlenden Salben behandeln, bei starker Rötung oder Blasenbildung sollte man eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.

Die 4 Hauttypen

Typ 1  „Keltischer Typ“, sehr helle Haut, rothaarig, Sommersprossen. Wird ­immer rot, nie braun, Eigenschutzzeit fünf bis zehn Minuten.

Typ 2  „Germanischer Typ“, hellhäutiger Europäer, blond- bis braunhaarig. Wird immer rot, manchmal braun, Eigenschutz-zeit zehn bis 20 Minuten.

Typ 3  Dunkelhäutiger Europäer, helle bis hellbraune Haut, dunkelblond bis braunhaarig. Wird manchmal rot, immer braun, Eigenschutzzeit 15 bis 25 Minuten.

Typ 4  Mediterraner Typ. Wird nie rot, immer braun, Eigenschutzzeit 20 bis 30 Minuten.

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Seit langem intensiv beforscht:
Schutzimpfung gegen Hautkrebs

Seit rund 15 Jahren wird intensiv an einer Impfung gegen das Melanom, den Hautkrebs, geforscht – trotz der Erfolge unterschiedlicher Ansätze steht den Patienten jedoch derzeit noch keine Impfung zur Verfügung. „Bislang gibt es noch keine einzige Impfung, die einen wirklichen Überlebensvorteil oder einen Vorteil für die Verlängerung von Tumorfreiheit gezeigt hat“, berichtet Univ. Prof. Dr. Hubert Pehamberger, Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie am Wiener AKH und Past-Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV).

Eine Forschungsgruppe rund um Univ. Prof. Dr. Heimo Breiteneder und Priv. Doz. Dr. Stefan Wagner (Abteilung für Medizinische Biotechnologie, Institut für Pathophysiologie) forscht derzeit an einem Melanom-Impfstoff. Erste Erfolg versprechende Ergebnisse aus präklinischen Studien konnten kürzlich präsentiert werden.
Wie funktioniert die Wiener Impfung? „Auf Basis bestimmter Eiweißkörper, so genannter Mimotope, wird im Körper eine Immunantwort hervorgerufen, die gegen den Tumor gerichtet ist“, erklärt Pehamberger. „Dadurch konnten im Tiermodell Tumore einerseits zur Rückbildung gebracht und andererseits das Entstehen von Tumoren verhindert werden.“ Die Forscher sind bereit, in einem nächsten Schritt klinische Studien durchzuführen. Pehamberger: „Wir setzen Hoffnung auf dieses Impfkonzept.“

Neue Kennzeichnung von Sonnenschutzmitteln:
Leicht, mittel, hoch, sehr hoch

Sonnenanbeter haben es in Hinkunft leichter, die für sich passende Sonnenschutzcreme zu finden. In der EU gelten neuerdings einheitliche Richtlinien für die Kennzeichnung von Sonnenschutzmitteln. Ein wesentlicher Unterschied: Bislang bezogen sich die Angaben über den Lichtschutzfaktor(LSF) meist nur auf den Schutz vor UV-B-Strahlen, ab nun muss auch der UV-A-Lichtschutzfaktor, der wenigstens ein Drittel des UV-B-LSF ausmachen sollte, angegeben werden. Die langwelligeren UV-A-Strahlen sind etwa für die vorzeitige Hautalterung verantwortlich, UV-B-Strahlen können Sonnenbrand verursachen und sind wesentlich an der Entstehung von Hautkrebs beteiligt.

Zusätzlich wird die Kennzeichnung des Lichtschutzfaktors vereinfacht: Es gibt nun Produkte mit der Kennzeichnung „leicht“ (LSF 6 bis 10), „mittel“ (LSF 15 bis 25), „hoch“ (LSF 30 bis 50), „sehr hoch“ (LSF 50+).

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