Eis: Schlecken ohne Reue

August 2010 | Ernährung & Genuss

So genießen Sie gesundheits- und kalorienbewusst
 
Was so angenehm kühl auf der Zunge schmilzt, verursacht oft ein schlechtes Gewissen: Gilt Speiseeis doch nicht nur als Kalorienfalle, die bleibende Spuren an Bauch, Hüften & Co hinterlässt, sondern auch als Fett- und Zuckerbombe. Doch Eis ist besser als sein Ruf: Wer es bewusst konsumiert, kann damit sogar etwas für seine Gesundheit tun, sagt eine Ernährungsexpertin und gibt Tipps für einen unbeschwerten Eisgenuss.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Vanille, Schokolade, Erdbeere, Stracciatella und Haselnuss: Wer Herrn und Frau Österreicher fragt, welches Eis sie am liebsten schlecken, bekommt diese Sorten genannt. So war das schon 2008 bei einer Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Gfk-Austria mit 1000 Teilnehmern. Und so war es auch 2009 bei einer Befragung des Online-Markt- und Meinungsforschers www.meinungsraum.at im Internet, der aktuellsten Umfrage zu diesem Thema, an der sich 500 Menschen beteiligten.
Die Vorlieben für die genannten Eissorten haben die Österreicherinnen und Österreicher übrigens mit den Menschen anderswo auf der Welt gemein, und was den Verbrauch anbelangt, liegen die hiesigen Eisschlecker im Mittelfeld: Zwischen sechs und sieben Liter der kühlen Köstlichkeit werden in Österreich pro Kopf und Jahr gegessen, in den „Eisnationen“ Neuseeland und USA ist die Menge mit mehr als 20 Litern dreimal so groß.
Ob in Europa oder Übersee: Wer sich gesundheitsbewusst ernährt, isst beim Eisschlecken immer eine gehörige Portion schlechtes Gewissen mit. Schließlich gilt die wohlschmeckende Süßigkeit als Kalorienbombe, die sich auf Bauch, Hüften und andere Körperteile schlägt, und dem Streben nach ausgewogener Ernährung stehen womöglich zuviel Fett und Zucker entgegen, das Speiseeis enthält. Ist Eisgenuss also die reinste Sünde?

Vitamine und Mineralstoffe

„Zwar ist Eis eine Süßigkeit, und für den Körper ist es nicht unbedingt notwendig, Eis zu essen“, räumt die Wiener Ernährungswissenschafterin Mag. Marika Miklautsch ein, die an der Abteilung für Ernährungsmedizin der Wiener Universitätskinderklinik im Team von Univ. Prof. Dr. Kurt Widhalm tätig ist. „Nur möchten die meisten Menschen nicht auf den Genuss von Speiseeis verzichten“, so Miklautsch weiter. Und das brauchen sie nach Meinung der Ernährungswissenschafterin auch nicht, denn wer Eis bewusst genieße, könne damit sogar ein bisschen etwas für seine Gesundheit tun.
 So enthalten alle Speiseeissorten beispielsweise die Vitamine A, C und K, die gut für die Augen und die Haut, die Abwehrkräfte und die Blutgerinnung sind. In Eis finden sich auch die Mineralstoffe Kalzium, das gut für die Knochen und die Zähne ist, Kalium, das die Muskel- und Nervenerregung positiv beeinflusst, Phosphat, das ebenfalls gut für die Knochen und Zähne ist, und schließlich Magnesium, das den Knochen- und Zahnaufbau fördert und Muskeln und Nerven entspannt.

Gibt es das „gesündere“ Eis?

Lässt sich der gesundheitliche Benefit erhöhen, indem man bestimmte Sorten wählt? Ist Fruchteis gesünder, weil Obst so gesund ist? Stecken etwa in einer Kugel Erdbeereis zusätzlich zu den genannten Mineralstoffen und Vitaminen auch noch die wertvollen Inhaltsstoffe der Erdbeere? Und ist Schokoladeneis aus dunkler Schokolade besser, weil dunkle Schokolade einen hohen Anteil an sogenannten Polyphenolen hat, die erwiesenermaßen gefäßerweiternd wirken und außerdem die Produktion des Glückshormons Serotonin anregen? Zu diesen Fragen meint Ernährungswissenschafterin Miklautsch: „Ob der Genuss der entsprechenden Eissorten die genannten positiven Effekte hat, ist fraglich, da die Mengen an dunkler Schokolade oder Früchten, die den Eissorten beigemengt sind, sehr gering sind, ganz auszuschließen sind die genannten Effekte aber nicht.“
Und wie steht es mit Milcheissorten wie Vollmilcheis, das zu mindestens 70 Prozent aus Milch bestehen muss, und Cremeeis, das mindestens 50 Prozent Milch enthalten muss, sowie Oberseissorten, die reich an Milchfett sind? Tut man mit der zusätzlichen Zufuhr von Kalzium, das in der Milch enthalten ist, der Gesundheit von Knochen und Zähnen etwas Gutes? „Da verhält es sich ähnlich wie bei den Früchten im Fruchteis oder der Schokolade im Schokoladeneis“, sagt Miklautsch. „Milcheissorten können nicht den gesamten Bedarf an Kalzium decken, aber einen kleinen Beitrag zur ausreichenden Versorgung mit Kalzium leisten, das wichtig für die Knochen und Zähne ist.“

Kalorien sparen beim Eisessen

Den Kalziumbedarf allein durch Milcheisschlecken zu decken, sei vor allem aus einem Grund nicht empfehlenswert: Eis enthält viel Fett und Zucker. Ernährungswissenschafterin Miklautsch: „Am kalorienreichsten ist Oberseis, gefolgt von Cremeeis, Eissorbet, Sojaeis und Vollmilcheis.“ Oberseis hat 224 Kalorien pro 100 Gramm, wobei eine Kugel zwischen 50 und 70 Gramm wiegt, 100 Gramm Eiscreme liefern rund 160 Kilokalorien, dieselbe Menge Sorbet und Sojaeis 140 Kilokalorien, Vollmilcheis 130 Kilokalorien. Doch wer die genannten Eissorten in Maßen genießt, brauche sich um den Kaloriengehalt des Eises keine Sorgen machen, meint Miklautsch. Auch könne man ja hin und wieder zu kalorienärmeren Sorten greifen wie zu Fruchteis, Magermilcheis, Eiscreme aus fettarmem Joghurt. Besonders schonend für die Figur ist Wassereis: Eine Portion davon hat nur halb so viele Kalorien wie eine Portion Oberseis.
Und Miklautsch nennt noch eine weitere Möglichkeit für alle, die nicht auf den Genuss von Speiseeis verzichten, aber kalorienbewusst schlecken möchten: „Bestellen Sie Eis im Becher und lassen Sie Tüten und Waffeln weg!“ Denn immerhin schlägt eine Waffel mit 50 und 150 Kalorien und eine Eistüte je nach Größe mit 100 bis 250 Kalorien zu Buche.

Achtung vor verdorbenem Eis!

Worauf sollte man noch achten, wenn man Eis genießen möchte, ohne sich Gedanken um seine Gesundheit machen zu müssen? „Darauf, dass das Eis nicht verdorben ist“, sagt Miklautsch. Und sie sagt auch gleich, wie das möglich ist: „Wichtig ist, dass das Wasser rein ist, in dem der Eisverkäufer seinen Portionierer eintaucht.“ Außerdem gut: Auf die Reinheit der Behälter und Sauberkeit in der Umgebung der Behälter achten, in dem das Eis bzw. die Eistüten und Eisbecher aufbewahrt werden.
Wer Eis im Supermarkt kauft, sollte es in einer Isoliertasche nach Hause transportieren, daheim gleich in die Tiefkühltruhe bzw. ins Gefrierfach legen und bei minus 18 Grad Celsius lagern.
Einmal aufgetautes Eis – erkennbar an der Bildung von Wasserkristallen an der Oberfläche – sollte man nicht wieder einfrieren. Denn so wie auch Eis, das sich stellenweise dunkel verfärbt hat, ist es zum Genuss nicht mehr geeignet. Der Grund: Es kann Erreger für Krankheiten enthalten, die vor allem den Magen und Darm belasten. Miklautsch: „Wird verdorbenes Eis gegessen, lassen Anzeichen wie Übelkeit, Erbrechen oder Bauchkrämpfe auf eine mögliche Salmonelleninfektion schließen.“ Wer diese Symptome aufweist, sollte ärztliche Hilfe suchen.

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