Gesund am Golfplatz

Mai 2010 | Fitness & Entspannung

Golf spielen ohne Verletzungen
 
Immer mehr Österreicherinnen und Österreicher finden Freude am Golfen, einem Sport, der nicht nur Spass macht, sondern darüber hinaus gut für die Gesundheit ist. Doch das Spiel mit Ball und Schläger hat auch seine Tücken: Mehr als zwei Drittel der Golfer ziehen sich bei der Ausübung ihres Sports Verletzungen zu. Lesen Sie, wo die Schwachstellen der Golfer liegen, wie man „Golfschulter“, „Golferellenbogen“ & Co am besten behandelt – und vorbeugt.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Bilder von Golfern, die von Golfbällen oder vom Schläger des Golfpartners getroffen werden, hat man vor Augen, wenn man an Unfälle am Golfplatz denkt. Oder Golfer, die von Blitzen erschlagen und – was in Florida tatsächlich passiert ist – von Krokodilen angefallen werden. Doch in Wirklichkeit werden Golfer eher selten von Reptilien, Blitzen, Schlägern oder Bällen malträtiert. Sie ziehen sich ihre Verletzungen so gut wie immer aus eigenem Verschulden zu. Und zu diesen Verletzungen kommt es öfter als man meint. Aus Umfragen ist bekannt, dass sich 71 Prozent der Amateurgolfer schon einmal beim Golfspielen verletzt haben, das sind immerhin mehr als zwei Drittel. Die meisten, 25 bis 37 Prozent, ziehen sich Verletzungen am Rücken bzw. an der Wirbelsäule zu, 15 bis 30 Prozent an den Händen bzw. den Handgelenken, elf bis 33 Prozent an den Ellenbogen.
Mit der Zahl der Golfer – seit 1990 hat sich die Mitgliederzahl des österreichischen Golfverbandes von 14.000 auf 105.000 fast verachtfacht – hat auch die Zahl der genannten Blessuren zugenommen. „Abgesehen von Rücken und Wirbelsäule, Händen und Handgelenken sowie Ellenbogen zählen die Schultern, Hüften, Kniegelenke, Füße und Sprunggelenke zu den Schwachstellen der Golfer“, weiß Primar Univ. Prof. Dr. Harald Hertz, Unfallchirurg, ärztlicher Leiter des Wiener AUVA-Krankenhauses Lorenz Böhler und selbst leidenschaftlicher Golfer. Was Hertz auch weiß, ist, wodurch die Verletzungen am Golfplatz verursacht werden: „Der Großteil geht auf einseitige Belastungen beim Transport der Ausrüstung, falsche Bewegungen beim Golfschwung oder beim Abschlag und auf Überbeanspruchungen, zum Beispiel durch zu intensives Training, zurück.“ Wer umgekehrt Überbeanspruchungen vermeide und sich die richtige Technik für das Golfen zeigen lasse, der habe, so der Experte weiter, viel vom Spiel mit Schläger und Ball. „Golfen macht nicht nur Spaß, es entspannt auch, macht glücklich, wenn man Erfolgserlebnisse hat, und es wirkt sich positiv auf die körperliche Gesundheit aus.“ (siehe unten)

Schwachstelle 1: SCHULTERN

Die Ausrüstung von Golfern besteht aus bis zu 14 Schlägern und Bällen und wiegt bis zu 20 Kilogramm. Hertz: „Wer alles in einer Golftasche mit sich trägt, die er über eine Schulter hängt, riskiert eine einseitige Überbelastung der Schulter, die zu Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich führen kann.“ Um diese zu vermeiden, empfehle es sich, so der Experte weiter, einen Rucksackgurt zu verwenden. Wer Schläger & Co in einem Golfcaddy hinter sich herzieht, riskiert ebenfalls eine Überbelastung der Schulter und der Armmuskulatur. Die schonenden Alternativen:  Ein elektrisch betriebener Caddy, der von selbst fährt und nur gesteuert werden braucht. Oder man mietet ein elektrisch betriebenes Golfauto, verstaut die Ausrüstung darin und bewegt sich im Auto über den Platz – wobei man dabei allerdings auf die gesundheitlich vorteilhaften Trainingseffekte verzichtet, die mit dem Zu-Fuß-Gehen beim Golfen verbunden sind.
Auch durch die Drehbewegung beim Golfschwung mit anschließendem Abschlagen des Balls kann es zu Verspannungen, Zerrungen und Überbeanspruchungen der Schultergelenke kommen, die in die sogenannte Golfschulter mündet. „Das ist eine Entzündung im Gelenk, die mit Schmerzen verbunden ist, die nicht nur beim Golfen auftreten, sondern zum Beispiel auch beim Tragen von schweren Einkaufstaschen“, erklärt Hertz.

Therapie
Schonung der Schultergelenke, Massagen, Physiotherapie.

Vorbeugung
Aufbau der Schultermuskulatur durch Krafttraining mit Gewichten, Aufwärmen und Dehnungsübungen vor dem Golfen, Erlernen der richtigen Schwung- und Abschlagtechnik.

Schwachstelle 2: ELLENBOGEN

Ein weiteres typisches Leiden der Golfer sind die sogenannten Golferellenbogen. Hertz: „Golferellenbogen entstehen, wenn die Ellenbogengelenke beim Golfschwung und Abschlagen des Balls überbelastet werden.“ Auch beim Golferellenbogen ist das Gelenk entzündet, was zu Schmerzen führt, die bei jeder Belastung der Ellenbogen auftreten.

Therapie
Schonung der Ellenbogengelenke, Massagen, Physiotherapie.

Vorbeugung
Zur Entlastung der Ellenbogengelenke Aufbau der Ober- und Unterarmmuskulatur durch Krafttraining mit Gewichten, Erlernen der richtigen Golftechnik.

Schwachstelle 3: HÄNDE bzw. HANDGELENKE

Hertz: „Verletzungen an den Händen und Handgelenken entstehen meistens, wenn ein Golfer mit dem Schläger nicht den Ball, sondern ein Hindernis am Boden trifft wie etwa einen Stein.“ Aber auch durch die Kräfte, die während des Golfschwungs und in dem Moment, in dem der Schläger auf den Ball trifft, auf die Hände einwirken, können die Gelenke, Bänder, Sehnen und Muskeln der Hände und Handgelenke verletzt werden, wobei die Verletzungsgrade von der Sehnenscheidentzündung der Beuge- und Strecksehnen im Handgelenks- und Daumenbereich bis hin zum Riss der Sehnen reichen.

Therapie
Golfpause, Verbände zur Ruhigstellung der Handgelenke, Einnahme von schmerzstillenden und entzündungshemmenden Medikamenten.

Vorbeugung
Kräftigung der Unterarmmuskulatur und der Handmuskulatur mit Gewichten.

Schwachstelle 4: RÜCKEN bzw. WIRBELSÄULE

„Die Drehbewegung beim Schwingen des Schlägers und der Abschlag belasten den Rücken und die Wirbelsäule des Golfers“, sagt Hertz. Vor allem im unteren Lendenwirbelbereich könne es zu Schmerzen und Problemen mit den Bandscheiben, in seltenen Fällen auch zu einem Bandscheibenvorfall kommen.

Therapie
Golfpause und je nach Schweregrad der Verletzung Massagen, eine Physiotherapie oder eine Operation.

Vorbeugung
Kräftigung der Rücken- und Wirbelsäulenmuskulatur, Aufwärmen und Dehnungsübungen vor dem Golfen.

Schwachstelle 5: HÜFTEN

So wie der untere Lendenwirbelbereich werden beim Golfen durch die starke Drehbewegung beim Schwingen auch die Hüftgelenke belastet. Hertz: „Wer bereits Vorschäden an den Hüftgelenken hat, läuft Gefahr, das Leiden zu verschlimmern, wenn er die Technik des Golfspielens nicht richtig beherrscht.“

Therapie
Bei Schmerzen eine Golfpause einlegen und eventuell schmerzstillende Medikamente nehmen.

Vorbeugung
Aufwärmen und Dehnungsübungen vor dem Golfen, Erlernen der richtigen Golftechnik.

Schwachstelle 6: KNIEGELENKE

Auch die Kniegelenke machen beim Golfen mitunter Probleme. „Wenn man beim Schwingen und Abschlagen die Knie verdreht, können Zerrungen oder Risse an den Bändern und Sehnen entstehen oder auch bereits bestehende Schäden am Knorpel verschlimmert werden“, sagt Hertz.

Therapie
Je nach Schweregrad der Verletzung Einnahme schmerzstillender Medikamente, Anwendung von entzündungshemmenden Salben, Ruhigstellung der Kniegelenke, Operation.

Vorbeugung
Stärkung der Beinmuskulatur, da eine kräftige Beinmuskulatur das Kniegelenk entlastet und auch bei ungünstigen Drehbewegungen stabil hält; Aufwärmen und Dehnungsübungen vor dem Golfen, Erlernen der richtigen Technik beim Abschlagen.

Schwachstelle 7: SPRUNGGELENKE und FÜSSE

Mitunter kommt es beim Golfen auch zur Verletzung der Fußgelenke bzw. der Bänder und Sehnen des Sprunggelenks oder der Fußmuskulatur. „Das ist eigentlich aber nur dann der Fall, wenn man beim Schwingen oder Abschlagen ins Stolpern kommt oder mit dem Fuß umknickt“, sagt Hertz.

Therapie
Je nach Art und Ausmaß der Verletzung Golfpause, Ruhigstellung des Gelenks, Anwendung von entzündungshemmenden Salben und schmerzstillenden Medikamenten, Operation.

Vorbeugung
Aufwärmen und Dehnungsübungen vor dem Golfen, Erlernen der richtigen Standtechnik, passende Golfschuhe.

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Golfen – das bringt’s

Ausdauer
Bei einem 18-Loch-Spiel legen Golfer am Golfplatz bis zu zehn Kilometer in bis zu fünf Stunden zurück. So wird die Ausdauer verbessert.

Muskelkräftigung
Parallel sind das Gehen und das Tragen der bis zu 20 Kilogramm schweren Ausrüstung auch ein kräftigendes Training für die Muskeln des Bewegungsapparats.

Kalorienverbrauch
Während einer 18-Loch-Golfrunde werden im Durchschnitt etwa 1500 Kilokalorien verbraucht.

Stärkung der Konzentrationsfähigkeit
Beim Abschlagen des Balls verlangt der Golfsport Konzentration – die richtige Haltung muss eingenommen werden, Schwung und Schlagkraft müssen richtig dosiert, der Ball muss getroffen werden.

Entspannung und Glücksempfinden
Die Bewegung in der frischen Luft und in der Natur, aber auch die Konzentration auf das Spiel sorgen für Entspannung: Mit den fliegenden Bällen verfliegt auch viel Stress. Zudem sorgen eingelochte Bälle für Erfolgserlebnisse, die glücklich machen.

Informationen für Golfeinsteiger, Adressen von Golfclubs und Golfhotels, die Golfkurse anbieten, sind im Internet unter www.golf.at zu finden.

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