Gerstenkorn

April 2010 | Gesundheitslexikon

Nicht herumdrücken!

Was steckt dahinter?

Anfangs ist das Augenlid ein wenig gerötet und reagiert empfindlich auf Druck, beim Wimpernschlag empfinden manche ein unangenehmes Fremdkörpergefühl, später schwillt die entzündete Stelle an, sie schmerzt und füllt sich mit Eiter: Ein Gerstenkorn (Hordeolum) ist eine akute, infektiöse Entzündung der Talgdrüsen der Augenlider.
Man unterscheidet zwischen äußerem und innerem Gerstenkorn. Das äußere ist gut sichtbar, ein Teil des Lides ist hochrot, überwärmt, geschwollen und buckelig vorgewölbt. Beim inneren ist vor allem die Lidinnenseite entzündet, weshalb es oft erst beim Umdrehen des Lides sichtbar wird. Die Wurzel des Übels? Wenn sich die Ausführungsgänge der Talgdrüsen am Lidrand durch eine lokale Entzündung verstopfen, kann das Sekret, das den Lidrand einfettet und als Bestandteil des Tränenfilms für die Beweglichkeit der Augenlider verantwortlich ist, nicht mehr abfließen. Das Sekret staut und entzündet sich – ein Gerstenkorn entsteht.  
Wenn man regelmäßig – alle paar Monate – von einer derartigen Entzündung betroffen ist, kann das auf ein geschwächtes Immunsystem deuten. In diesem Fall sollten Stoffwechselerkrankungen, allen voran Diabetes mellitus, ausgeschlossen werden. Auch Patienten mit einer chronischen Lidrandentzündung sind für die Entstehung eines Gerstenkorns besonders anfällig.

Was hilft?

Im akuten Entzündungsstadium lässt sich das Gerstenkorn auf zwei verschiedene Arten behandeln:
Entweder man forciert seine spontane Entleerung, indem man beispielsweise warme, trockene Umschläge auflegt oder das Lid mit Infrarotlicht bestrahlt. Rötung und Schwellung nehmen in der Folge weiter zu, bis der verstopfte Ausführungsgang aufgeht und das Sekret abfließt. Eher abzuraten ist von feuchter Wärme wie dem Auflegen von Kamillenteesäckchen, weil dies zum Aufweichen der Haut führt, was die Verschleppung der Keime zur Folge haben kann.
Anstatt die Entleerung zu forcieren, kann man auch versuchen, die akute Entzündung mit Hilfe von antientzündlichen und antibiotischen Tropfen oder Salben zum Abklingen zu bringen. Beim äußeren Gerstenkorn hat sich außerdem das Kühlen mit einem desinfizierten metallischen Gegenstand, z. B. einem Teelöffel, bewährt.
Bildet sich die Entzündung nicht binnen weniger Tage komplett zurück, besteht die Gefahr, dass eine abgekapselte, meist harmlose Talgansammlung zurückbleibt, die – wenn sie als störend empfunden wird – vom Augenarzt chirurgisch entfernt werden kann.

Zum Arzt sollte man, wenn …

… das Gerstenkorn nicht binnen fünf Tagen von selbst „aufbricht“ bzw. verschwindet.
… die Entzündungszeichen zunehmen oder zusätzlich leichtes Fieber oder geschwollene Lymphknoten auftreten.
… die Entzündung das gesamte Lid betrifft.

Expertentipp

Auf keinen Fall sollte man versuchen, das Gerstenkorn durch Drücken oder Quetschen zum Platzen zu bringen. Dadurch können sich die in der Drüse befindlichen Bakterien verbreiten und andere, mitunter gefährliche Infektionen hervorrufen.
Übrigens: Im Unterschied zum Gerstenkorn ist bei einem Hagelkorn (Chalazion) die entzündliche Verstopfung der Talgdrüsen chronisch und kaum schmerzhaft. Da die spontane Rückbildung sehr selten ist, muss das Hagelkorn meist chirurgisch vom Augenarzt entfernt werden.

von Mag. Alexandra Wimmer mit fachlicher Untersützung von Dr. Wolfram Geyer, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie in Herzogenburg.

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