Hautpilz

April 2010 | Kosmetik & Pflege

Pilzinfektionen richtig behandeln
 
Sie sind lästig und langwierig: Pilzinfektionen, die die verschiedensten Regionen des Körpers befallen können. Füße, Hände, Nägel, aber auch der Intimbereich sind besonders häufig betroffen. MEDIZIN populär über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.
 
Von Mag. Helga Schimmer

Eines gleich vorweg: Auch auf gesunder Haut und intakten Schleimhäuten können Pilze in geringer Zahl wachsen. Normalerweise sind diese Mikroorganismen, die weder dem Tier- noch dem Pflanzenreich angehören, ungefährlich. Treffen die Erreger allerdings auf besonders günstige Wachstumsbedingungen, können sie sich am oder auch im menschlichen Organismus vermehren und Krankheitssymptome hervorrufen. Das Spektrum der Beschwerden reicht von lästigen Hautveränderungen bis hin zu einem lebensbedrohlichen Befall innerer Organe. Jedoch kann man dem Entstehen einer Pilzinfektion durch einige wirkungsvolle Maßnahmen vorbeugen, und für den Fall einer Erkrankung stehen wirksame Medikamente zur Verfügung.

Feucht-warmes Klima

Zumeist betreffen Pilzinfektionen die Haut oder die Schleimhäute. Da Pilze ein feucht-warmes Mikroklima bevorzugen, siedeln sie sich am ehesten in Hautfalten, zwischen den Zehen, im Genitalbereich, im Mund, bei Babys im Windelbereich, aber auch an Kopfhaut und Nägeln an. Die Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten Dr. Claudia Heller-Vitouch, Leiterin des Pilzambulatoriums Wien-Hietzing, beschreibt die Anzeichen der Erkrankung: „Pilzbefall der Haut äußert sich meist in Form von Ekzemen. Die Haut rötet sich, schuppt und juckt oft beträchtlich. Die Erscheinungsbilder sind je nach Körperregion verschieden – teilweise charakteristisch, meist aber klinisch nicht eindeutig von Ekzemen anderer Ursache zu unterscheiden.“
Deshalb ist für die richtige Diagnose ein Abstrich zum mikrobiellen Pilznachweis unverzichtbar. Dabei werden mit einer sterilen Skalpellklinge Schuppenmaterial und Haare vom Rand des Herdes abgekratzt und auf einen Objektträger aufgebracht. „Unter dem Mikroskop können die charakteristischen Merkmale des Pilzes sofort nachgewiesen werden. Zur Spezifikation der Erreger und damit zur gezielten Auswahl eines wirksamen Antipilzmittels ist das Anlegen einer Pilzkultur erforderlich, was einige Wochen in Anspruch nimmt“, erläutert Heller-Vitouch.

Füße, Hände, Kopf

Die häufigste Hautpilzerkrankung betrifft die Füße. Die Ansteckung erfolgt oft in Schwimmbädern, Saunen, durch kontaminiertes Schuhwerk oder über Hotelteppiche. Dort sammeln sich die winzigen Hautschüppchen, die wir tagtäglich unbemerkt verlieren. Ausgangspunkt der Infektion sind fast immer die Zehenzwischenräume. Heller-Vitouch: „Die Haut wirkt weißlich, wie gekocht, löst sich fetzig ab und bildet scharf begrenzte, schmerzende, offene Stellen. Die Symptome können auf die Fußsohle, den Hohlfuß, die Ferse und den seitlichen Fußrand übergreifen. Man spricht dann von einer ‚Mokassin-Mykose‘.“
Weitaus seltener kommt es zu einer Pilzinfektion an den Händen. Sie tritt meist einseitig an einer Handfläche und häufig zusammen mit einem Nagelpilz auf und ist durch eine feine gelblich-weiße Schuppung hauptsächlich im Bereich der Handlinien gekennzeichnet. Eine Pilzerkrankung der Körperhaut wird manchmal durch den Kontakt mit infizierten Haustieren, insbesondere jungen Katzen, ausgelöst: Microsporum canis heißt der Erreger, der scheibenförmige Herde mit scharfem Rand und leicht erhöhtem, schuppendem Saum bildet. Von einem Pilzbefall des behaarten Kopfes sind nahezu ausschließlich Kinder betroffen. „Die Symptomatik kann von diskreter Schuppenbildung über umschriebenen Haarausfall bis hin zu schweren eitrigen Entzündungen reichen“, weiß Hautärztin Heller-Vitouch. „In Wien bemerken wir eine saisonale Häufung der Fälle in den Herbstmonaten, die auf die Rückkehr von Urlauben auf dem Bauernhof mit intensivem Tierkontakt zurückzuführen ist.“

Behandlungsmöglichkeiten

Pilzerreger sind mit speziellen Eiweißstoffen (Enzymen) ausgerüstet, die die Zellverbindungen in den oberen Hautschichten auflösen. In der Folge können sie zwischen den Zellen in die Tiefe wachsen. Sind die Eindringlinge erst einmal so weit vorgestoßen, ist eine spezifische Therapie notwendig, um die Infektion zu stoppen. Die Behandlung erfolgt üblicherweise durch äußerlich anwendbare Arzneimittel. Eine Salbe, eine Lösung oder ein Shampoo muss ein- bis zweimal täglich auf die betroffenen Hautpartien aufgetragen werden. „Es sind zahlreiche gleichwertige Medikamente auf dem Markt, wobei der neu zugelassene Wirkstoff Flutrimazol gut verträglich ist und gleichzeitig den Vorteil einer einmal täglichen Anwendung bietet“, sagt Claudia Heller-Vitouch. Bei allen Präparaten sollte die Behandlung auch nach dem Abklingen der Symptome fortgesetzt werden, um ein erneutes Ausbrechen der Infektion zu verhindern. In der Regel nimmt die Therapie zwei bis drei Wochen in Anspruch.
Die Behandlung von Nagelpilz gestaltet sich aufwendiger, da täglich zunächst eine den Nagel aufweichende Substanz und anschließend ein Antipilzmittel aufgetragen werden müssen. Unterstützend kann der Arzt Tabletten verordnen, die sich über die Blutbahn in den befallenen Regionen anreichern und dort ihre Wirkung entfalten. Ist die Mundschleimhaut betroffen, kommen spezielle Mundspülungen zum Einsatz.

Risikogruppen

Einige Grunderkrankungen können dazu beitragen, ein pilzfreundliches Milieu zu schaffen: Bei Diabetikern etwa ist die Abwehrlage gegen Pilze herabgesetzt. Auch bei Patienten mit Durchblutungsstörungen können die betroffenen Zellen sich nicht ausreichend gegen die Eindringliche zur Wehr setzen. Übergewichtige wiederum neigen zur verstärkten Schweißbildung in Hautfalten, wo die Pilze günstige Wachstumsbedingungen vorfinden. Dr. Heller-Vitouch: „Menschen mit solchen Erkrankungen sollten stets auf die Anzeichen einer beginnenden Mykose achten.“

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Hartnäckig: Pilze im Intimbereich

75 Prozent aller Frauen kennen die Symptome: Starker Juckreiz, weißer bröckeliger Ausfluss, Schwellung und Rötung des Genitalbereichs. Etwa fünf bis zehn Prozent werden den lästigen Vaginalpilz nicht mehr los: Es entwickelt sich ein chronisch wiederkehrendes Beschwerdebild mit mehr als vier Krankheitsepisoden pro Jahr. Um das Problem in den Griff zu bekommen, ist eine sorgfältige Diagnose nötig. Ein wenig Scheidensekret wird im Mikroskop auf das Vorhandensein von Pilzelementen untersucht, das Anlegen von Kulturen erlaubt die genaue Identifikation des Erregers. Meist sind Sprosspilze der Gattung Candida die Ursache der Infektion. Behandelt wird häufig mit Vaginalzäpfchen und einer Creme für den äußeren Genitalbereich. Auch eine sogenannte systemische „Single Shot“-Therapie, bei der einmal eine Kapsel geschluckt wird, ist möglich. Bei immer wiederkehrenden Infektionen kann eine Intervall-Therapie über einen längeren Zeitraum erwogen werden. Einflüsse, die eine Pilzinfektion begünstigen, sollte man in jedem Fall vermeiden: etwa übertriebene Körperhygiene, die die Vaginalflora durcheinanderbringt, und das Tragen von engen Hosen und Slips aus Synthetikfasern.

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Gefährlich: Pilze an inneren Organen

Sogenannte systemische Mykosen sind ernsthafte, lebensbedrohliche Erkrankungen. Die Erreger wie z. B. der hefeähnliche Ständerpilz Cryptococcus neoformans oder Schimmelpilze der Gattung Aspergillus gelangen meist über die Lunge in den Blutkreislauf und befallen innere Organe wie Leber, Milz und Nieren. Dies geschieht fast ausschließlich bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem, etwa bei Patienten nach einer Transplantation, einer Chemotherapie oder einer HIV-Infektion. Außerhalb Europas existieren Pilzarten, die auch bei Menschen mit weitgehend gesundem Immunsystem systemische Mykosen verursachen können (z. B. Blastomyces, Histoplasma). Bei diesen schweren Erkrankungen müssen Arzneimittel gegen Pilzinfektionen intravenös verabreicht werden. Häufig gelangt dabei die Stoffgruppe der Azole zum Einsatz, die bestimmte Proteine in den Zellmembranen der Pilze schädigt, allerdings auch Nebenwirkungen wie Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit und Veränderungen des Blutbildes hervorrufen kann.

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Vorbeugende Maßnahmen gegen Pilzinfektionen:

Ausreichend weite, atmungsaktive Schuhe tragen.
Füße, insbesondere Zehenzwischenräume und auch Hautfalten stets sorgfältig abtrocknen.
Bei der Fuß- und Handpflege Verletzungen und einwachsende Nägel vermeiden.
Bequeme, nicht einengende Bekleidung aus Naturfasern bevorzugen.
Bei Säuglingen: Windeln regelmäßig wechseln und Haut trocken halten.

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