Leise rieseln die Schuppen

Dezember 2010 | Kosmetik & Pflege

Was hilft wirklich gegen das lästige Haupt-Problem?
 
Viele schlagen sich das ganze Jahr damit herum, noch mehr trifft es im Winter: Lesen Sie, was wirklich gegen Kopfschuppen wirkt.
 
Von Mag. Helga Schimmer

Eines gleich vorweg: Schuppen sind völlig normal, alle Menschen bilden sie. Die Kopfhaut erneuert sich ständig und stößt tote Hautzellen als mikroskopisch kleine Schuppen ab. Sichtbar – und damit störend – werden sie erst dann, wenn viele abgestorbene, stark verhornte Hautzellen in einem Zellaggregat zusammenhängen. Die Ursache dafür sind lokale Entzündungsherde der Kopfhaut. Wie es dazu kommt, beschreibt Univ. Prof. Dr. Jolanta Schmidt, Dermatologin und Leiterin der Haarambulanz im Allgemeinen Krankenhaus Wien: „Häufig entsteht die Entzündung durch falsche Haarkosmetik, etwa eine zu intensiven Reinigung mit entfettenden Shampoos. Dem Problem kann aber auch eine Besiedelung mit dem Hautpilz ,Malassezia furfur‘ zugrunde liegen. Oder aber die Kopfhaut produziert zu wenig oder zu viel Talg.“

Auch Stress kann zu Schuppen führen

Eine reduzierte Talgdrüsenfunktion (Sebostase) tritt oft bei älteren Patienten und als Begleiterscheinung einer allergischen Hauterkrankung wie Neurodermitis auf, eine übermäßige Talgproduktion (Seborrhoe) dagegen zeigt sich häufiger durch hormonelle Einflüsse in der Pubertät oder bei Einnahme bestimmter Medikamente, so Schmidt. Manche Menschen reagieren auch auf Stress – ebenfalls hormonbedingt – mit Schuppenbildung. Ferner können Mikroorganismen, die hautreizende Abbauprodukte ausscheiden, die Talgzusammensetzung negativ beeinflussen.
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Schuppenformen: kleine, trockene, weißliche, die im ganzen Haar verteilt sind und vom Kopf rieseln, sowie größere, klebrige, gelbliche, die einen Fettfilm hinterlassen, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt. Daneben gibt es noch andere, spezielle Formen kompakter Schuppenbildung im Rahmen von Haut- oder Haarerkrankungen.

Shampoos, Tinkturen & Co

Da Schuppen also nicht gleich Schuppen sind, machen gute Anti-Schuppenshampoos einen Unterschied zwischen trockenen, fettigen und hartnäckigen Schuppen, die oft mit Juckreiz einhergehen. „Solche Mittel sind in Apotheken erhältlich“, sagt Jolanta Schmidt. „Sie enthalten beispielsweise Steinkohlenteer, der die Zellerneuerung hemmt, oder antimikrobiell wirkende Substanzen wie Ketokonazol, Selensulfid oder Zinksalz.“ Bei vorübergehender Schuppenbildung kann mit den Spezialshampoos, die meist zweimal wöchentlich anzuwenden sind, bereits nach 14 Tagen eine deutliche Besserung erreicht werden. Erzielen jedoch herkömmliche Präparate nach ein bis eineinhalb Monaten keinen Effekt, sollten Leidgeplagte zur fachgerechten Beurteilung einen Hautarzt aufsuchen. Schmidt: „Insbesondere wenn die Kopfhaut juckt und gerötet ist, müssen andere Krankheiten wie verschiedene Ekzeme, Schuppenflechte oder Bakterien- bzw. Pilzinfektionen ausgeschlossen werden.“ Dermatologen verordnen dann – zusätzlich zu den erwähnten Spezialshampoos – Kopfhauttinkturen zum Beispiel mit dem Wirkstoff Ichthyol oder im Fall von Psoriasis auch mit Calcipotriol-Zusatz, die genau auf den Hautzustand des Patienten abgestimmt sind.    
„Im seltenen Fall einer allergischen Dermatitis kommen äußerlich anzuwendende Cortison-Lösungen zum Einsatz, bei bakterieller Besiedelung der Kopfhaut werden Antibiotika verschrieben“, erläutert Schmidt.  Auch Nahrungsergänzungsmittel stehen zur Schuppenbehandlung zur Verfügung.

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Vorsicht, Schuppen als Krankheitszeichen

Was zunächst wie eine Lappalie aussieht, kann ernste Ursachen haben, denn Schuppenbildung ist eine Begleiterscheinung von einigen Hauterkrankungen:

Seborrhoisches Ekzem
Hautausschläge und gelbliche, fettige Schuppen am Kopf, im Gesicht und bei Männern auch an behaarten Bereichen von Brust und Rücken sind die Kennzeichen dieser Krankheit. Als Ursache vermutet man eine erbliche Disposition, die bei Stresszuständen bzw. beeinträchtigtem Immunsystem zum Tragen kommt.

Atopische Dermatitis (Neurodermitis)
Auch bei dieser Störung scheint die Erbveranlagung eine wichtige Rolle zu spielen. Zusätzlich lassen Stress, Leistungsdruck, Wetterwechsel und bestimmte Nahrungsmittel die Neurodermitis aufflammen. Zur Symptomatik gehören entzündete, nässende und oft auch schuppende Hautstellen sowie quälender Juckreiz.

Milchschorf
Das ist ein krustiger Hautausschlag im Gesicht und am behaarten Kopf von Babys. Die Haut juckt kaum, ist jedoch gerötet, mit Bläschen übersät und schuppt sich. Milchschorf kann nach einigen Wochen spontan heilen oder in eine chronische Neurodermitis übergehen.

Allergisches Kontaktekzem
Es zeigen sich gerötete, geschwollene Hautareale, die meist mit Juckreiz und der Bildung von nässenden Bläschen verbunden sind. Wenn sich die Entzündung bessert, schuppt die Haut. Als Auslöser kommen verschiedene Allergene wie Nickel, Chromat, Farb- oder Duftstoffe in Betracht.

Psoriasis
Punktförmige bis handtellergroße Herde, die verhärten, stark abschuppen und sich entzünden, sind die Merkmale der Schuppenflechte. Besonders häufig zeigen sich diese sogenannten Plaques an der Kopfhaut, den Ellenbogen und Knien. Auch die Fingernägel können betroffen sein, und die Entzündung kann auf die Gelenke übergreifen.

Kopfpilz (Tinea capitis)
Die häufigsten Erreger dieser Pilzinfektion der Kopfhaut werden von Haustieren auf den Menschen übertragen. Die Erkrankung äußert sich durch scharf begrenzte Stellen mit abgebrochenen Haaren und oft starker Hautschuppung. Sie tritt vorwiegend bei Kindern auf. Über Gegenstände wie Plüschtiere oder Autositze können sich auch andere Kinder anstecken.

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Die Lösung schuppiger Haupt-Probleme

Die Anti-Schuppen-Strategie von Haut- und Haarexpertin
Univ. Prof. Dr. Jolanta Schmidt

Sanfte Reinigung
Viele Haarshampoos enthalten zu aggressive Tenside, die den natürlichen Säureschutzmantel der Haut gegen das Eindringen von Infektionskeimen zerstören. Auch Haarfärbemittel oder die tägliche Haarwäsche mit einem Duschgel kann bei empfindlicher Kopfhaut Schuppenbildung fördern.
Benutzen Sie nur milde Haarwaschmittel, z. B. Babyshampoos oder Shampoos mit einem hautneutralen pH-Wert von 5,5. Spezialshampoos gegen Schuppen aus der Apotheke sollten Sie höchstens zweimal pro Woche anwenden.

Richtige Pflege
Heißes Wasser und heißes Föhnen reizen die Kopfhaut und regen zu vermehrter Schuppenbildung an. Vermeiden Sie es, sich zu kratzen. Damit irritieren Sie ebenfalls Ihre Haut und begünstigen Infektionen.
Spülen Sie Ihr Haar nach dem Waschen ausgiebig mit lauwarmem Wasser, um Shampooreste gründlich zu entfernen. Zimmerluft ist der hautfreundlichste Haartrockner.

Hautärztlicher Check
Normale Schuppenshampoos aus Super- und Drogeriemärkten enthalten kein Antipilzmittel. Sie eignen sich deshalb nicht zur Behandlung von hartnäckigen Kopfschuppen. Einige dieser Präparate enthalten allerdings entzündungshemmende Zusätze wie Zink und können leichte Schuppen reduzieren.
Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn Sie die Schuppenbildung binnen eines Monats nicht in den Griff bekommen oder Sie den Verdacht haben, dass eine Erkrankung dahinterstecken könnte.

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