Pflege für Haut und Haare

April 2010 | Kosmetik & Pflege

Schuppen, trockene Haut, starkes Schwitzen, Orangenhaut, Hornhaut: Von Kopf bis Fuß können die verschiedensten Probleme auftreten. Dr. Sebastian Reischle, Facharzt für Dermatologie und Venerologie in Wien, gibt Tipps für die richtige Pflege von Haut und Haar.
 
Von Mag.Sabine Stehrer

1. Schuppen am Kopf

Ursache
„Kopfschuppen sind nicht gleich Kopfschuppen“, sagt Reischle. „Es gibt weiße, trockene Schuppen, die von der Kopfhaut herunterfallen und auf der Kleidung gut sichtbar sind, und gelbliche, eher fettige Schuppen, die auf der Kopfhaut festsitzen.“ Sowohl die gelblichen, als auch die weißen Schuppen bestehen aus mehreren Kopfhautzellen.
Grundsätzlich entstehen Kopfschuppen, wenn sich die Hautzellen am Kopf schneller erneuern als vorgesehen und die alten Zellen daher schneller abgestoßen werden. Dass es zu diesem Prozess kommt, könne, so Reischle, die verschiedensten Gründe haben. „Die häufigste Ursache für die Bildung von Kopfschuppen ist ein Zusammenspiel zwischen einem langen Aufenthalt in trockener Luft und einer falschen Pflege der Haare.“

Lösung
„Man wird die Schuppen wieder los, indem man die Kopfhaut schont“, sagt Reischle. Das heißt: Die Haare höchstens zwei- bis dreimal in der Woche mit einem ph-neutralen Shampoo, das die Kopfhaut nicht austrocknet, waschen, und nicht zu heiß fönen.

Wann zum Arzt?
Reischle: „Wenn die Kopfhaut nicht nur schuppt, sondern auch juckt und gerötet ist, sollte man sicherheitshalber einen Hautarzt oder eine Hautärztin aufsuchen.“ Denn auch eine Pilzerkrankung oder die Bildung eines Trockenheitsekzems können hinter dem lästigen Leiden stecken. „Sowohl gegen Trockenheitsekzeme am Kopf, als auch gegen Pilzerkrankungen helfen am besten medizinische Haartinkturen.“ Gegebenenfalls ergänzen entzündungshemmende oder juckreizstillende Medikamente die Behandlung.

2. Trockene Haut im Gesicht

Ursache
Woran liegt es, wenn die Haut im Gesicht spannt, juckt und mitunter sogar Rötungen oder Schuppung zeigt? „Trockene Gesichtshaut entsteht am häufigsten durch ein Zusammenspiel von falscher Pflege und äußeren Einflüssen wie trockene Luft oder Kälte“, sagt Reischle. Auch eine mangelnde Flüssigkeitszufuhr kann zu trockener Haut im Gesicht führen.

Lösung
Ist die Haut im Gesicht nur vorübergehend und für kurze Zeit trocken, könne man, so der Hautarzt, versuchen, die Haut wieder in den Normalzustand zu bringen, indem man hin und wieder abends die Haut anfeuchtet und ein Pflegeöl einmassiert.

Wann zum Arzt?
„Wenn die Gesichtshaut länger als zwei bis drei Wochen Trockenheitssymptome zeigt, ist es am besten, eine Hautärztin oder einen Hautarzt aufzusuchen“, sagt Reischle. Die Medizinerin oder der Mediziner wird die Haut analysieren und passende Pflegeprodukte verschreiben bzw. empfehlen. Ausgeschlossen werden sollte auch, ob die trockene Haut ein erstes Symptom von Trockenheitsekzemen, von Psoriasis oder Neurodermitis ist. Reischle: „Neurodermitis, Psoriasis und Trockenheitsekzeme sind mit einer Kombitherapie aus kortisonhältigen Cremen oder Salben und Medikamenten zu behandeln.“


3. Spröde Lippen

Ursache
„Die Lippenhaut neigt grundsätzlich zur Trockenheit“, sagt Reischle. Der Grund: Nur am Rand der Lippen befinden sich Talgdrüsen, die die Haut mit schützendem Talg versorgt. „Wenn die Lippen spannen, neigen wir dazu, sie mit der Zunge zu befeuchten“, so der Experte weiter. „Aber das macht die Lippen nur noch trockener.“

Lösung
Reischle: „Am besten ist es, die Lippen regelmäßig mit einem Lippenpflegestift zu pflegen.“ Sind die Lippen sehr spröde und schuppen sie, schmiert man sie am besten mit einer Creme mit hohem Fettgehalt ein.

Wann zum Arzt?
Schuppen die Lippen andauernd und reißen auch die Mundwinkel immer wieder ein, sollte man, so Reischle, einen Hautarzt oder eine Hautärztin aufsuchen. „Auch ein Eisenmangel oder ein Vitamin-B-Mangel, eine Pilzerkrankung oder ein Bakterienbefall können spröde Lippen verursachen.“ All das muss entsprechend ausgeglichen oder mit Medikamenten behandelt werden.

4. Starkes Schwitzen unter den Achseln

Ursache
„Wer mehrmals täglich die Kleidung wechseln muss, weil sich Schweißflecken gebildet haben, kann davon ausgehen, dass er unter übermäßigem Schwitzen, in der Fachsprache Hyperhidrose genannt, leidet“, sagt Reischle. Schwitzen ist die natürliche Reaktion des Körpers auf hohe Außentemperaturen, körperliche Anstrengung, auch auf das Empfinden von Angst, auf Fieber, sexuelle Erregung oder andere hormonelle Einflüsse. Wer übermäßig schwitzt, tut das meist aus Veranlagung, sprich: Das Leiden wird vererbt. Begünstigen  können das übermäßige Schwitzen aber auch bestimmte Nahrungsmittel wie Alkohol, Kaffee oder scharfe bzw. scharf gewürzte Speisen.

Lösung
Reischle: „Deos, die Aluminiumchloridsalze enthalten, können die Schweißproduktion eindämmen.“ Auch Botulinum Toxin (Botox) kann gegen das übermäßige Schwitzen eingesetzt werden. Gezielt in die Schweißdrüsen unter den Achseln injiziert, tritt nach einigen Tagen die Wirkung ein. Man schwitzt weniger, und das bis zu sechs Monate lang.

Wann zum Arzt?
„Wenn das übermäßige Schwitzen andauernd auftritt und kein äußerer Anlass dafür besteht, sollte man ärztliche Hilfe suchen“, sagt Reischle. Hinter dem lästigen Leiden könnten auch verschiedene Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder eine Schilddrüsenfehlfunktion stecken.

5. Altersflecken an den Armen und Händen

Ursache
Sie sind hell- bis dunkelbraun, rund und verschieden groß: Altersflecken, die zum Alterungsprozess der Haut einfach dazugehören. Wann und wie viele davon man bekommt, hängt zum Teil mit der genetischen Veranlagung zusammen. Reischle: „Die Entstehung der Flecken wird aber auch durch häufiges, intensives Sonnenbaden ohne ausreichenden Sonnenschutz begünstigt.“

Lösung
„Man kann versuchen, die Altersflecken durch bleichende Cremen weniger sichtbar zu machen“, sagt Reischle.

Wann zum Arzt?
Reischle: „Wer die Altersflecken als stark störend empfindet, kann sie von einem Hautarzt oder einer Hautärztin mittels Laser entfernen lassen.“ Zum Arzt gehen sollte man auch, wenn sich die Flecken schnell und stark verändern – denn das könnte ein Hinweis auf eine Hauterkrankung sein.

6. Raue Haut an den Händen

Ursache
„Die raue Haut entsteht durch äußere Einflüsse wie häufiges Händewaschen, das den hauteigenen Fettmantel zerstört, aber auch durch das Hantieren mit hautreizenden Substanzen wie Reinigungsmitteln oder Haarfärbemitteln“, sagt Reischle.

Lösung
Reischle: „Am besten hilft es, die Hände mit fetthältigen Cremen oder Salben einzuschmieren.“ Außerdem gut: Beim Händewaschen entweder nur warmes Wasser oder ph-neutrale Seifen bzw. Waschlösungen verwenden.

Wann zum Arzt?
Sind die Hände anhaltend trocken, schuppen sie und haben sich bereits Risse gebildet, sollte man, so Reischle, unbedingt einen Hautarzt oder eine Hautärztin aufsuchen. „Es könnte sein, dass sich ein Trockenheitsekzem entwickelt hat.“ In
diesem Fall müsste die Haut mit medizinischen Cremen oder Salben behandelt werden. Auch eine begleitende medikamentöse Therapie ist nötig. Ebenfalls nicht auszuschließen: Die raue Haut ist das Symptom einer Allergie oder von Schuppenflechte. Reischle: „Auch dann ist es ratsam, die Haut
mit Spezialprodukten zu pflegen und gegebenenfalls parallel entsprechende Medikamente einzunehmen.“


7. Eingerissene Fingernägel

Ursache
Als häufigste Ursache für eingerissene Fingernägel ortet Hautarzt Reischle Pflegefehler.

Lösung
„Richtige Pflege besteht in einem Handbad mit warmem Wasser, bevor man am besten mit einer Sandblattfeile die Nägel kürzt“, sagt Reischle. Auch sollte man Polierfeilen meiden und die Nägel täglich mit einer feuchtigkeitsspendenden Nagelcreme eincremen.

Wann zum Arzt?
Hält das Leiden an, auch wenn man alle Pflegetipps berücksichtigt, könnte man, so Reischle, über einen Bluttest beim Hausarzt oder bei der Hausärztin, abklären lassen, ob die Bildung der Risse auf einen Eisenmangel oder einen Vitamin-C-Mangel zurückzuführen ist.

8. Orangenhaut an den Schenkeln

Ursache
Die Cellulite-Dellen, die sich am liebsten an den Oberschenkeln zeigen, können leichter und stärker ausgeprägt sein, die Ursache ist immer dieselbe: „Orangenhaut entsteht, wenn sich Fettzellen durch das Bindegewebe drücken und auf der Hautoberfläche sichtbar werden“, sagt Reischle. Zu diesem Vorgang kann es kommen, wenn das Bindegewebe schwach ist und die Fettzellen größer werden, wie es bei einer Gewichtszunahme, einer Schwangerschaft oder anderen hormonellen Veränderung der Fall sein kann.

Lösung
Reischle: „Gegen Cellulite kann man Ausdauer- und Kraftsport betreiben, um Muskeln und Bindegewebe zu stärken.“ Ebenfalls gut: Der Verzicht auf rasche Gewichtsabnahmen, die das Bindegewebe schwächen.

Wann zum Arzt?
Wer sehr unter der Cellulite leidet, kann ärztliche Hilfe suchen. Reischle: „Mit der Mesotherapie, bei der bestimmte Anti-Cellulite-Wirkstoffe durch Injektionen direkt in die Haut eingeschleust werden, lassen sich gute Ergebnisse erzielen.“ Die Dellen können sich durch diese Maßnahme zurückbilden, die Haut sieht wieder glatter aus.

9. Hornhaut an den Füssen

Ursache
Reischle: „Die Haut wird überall dort dicker, wo die Schuhe drücken.“

Lösung
„Besonders schonend entfernt man sie, indem man ein Fußbad nimmt, das die Hornhautschichten aufweicht“, sagt Reischle. Danach entfernt man die Hornhaut am besten mit einem Bimsstein. Um die neuerliche Hornhautbildung einzudämmen, cremt man die Füße mit einer fetthältigen Salbe ein. Ebenfalls gut: Auf enge Schuhe verzichten.

Wann zum Arzt?
Wenn die Bildung der Hornhaut auf Fußfehlstellungen wie Platt- und Spreizfuß zurückgehen könnte, sollte man einen Orthopäden aufsuchen, um abzuklären, ob das Tragen von Schuheinlagen notwendig ist.

10. Eingewachsene Zehennägel

Ursache
Die Neigung, eingewachsene Zehennägel zu bekommen, wird vererbt. Das Übel, so der Experte, kann aber auch durch falsche Pflege entstehen, wenn die Zehennägel beim Kürzen an den Seiten abgerundet werden.

Lösung
Reischle: „Man kann versuchen, die eingewachsenen Zehennägel selbst zu entfernen, indem man zunächst ein Fußbad nimmt und die Nagelhaut aufweicht, anschließend mit einer Nagelschere das eingewachsene Stück abschneidet und aus dem Nagelbett herauszieht.“ Ist der Nagel schon weit in das Nagelbett hineingewachsen, sollte man eine Fußpflegerin aufsuchen, die den eingewachsenen Nagel mit Spezialwerkzeug entfernen kann. Damit der Nagel nach der Entfernung nicht wieder einwächst, sollte man zur Vorbeugung die Oberfläche der Nägel in der Mitte dünner feilen.

Wann zum Arzt?
„Zum Hautarzt oder zur Hautärztin sollte man, wenn der eingewachsene Nagel bereits Schmerzen bzw. eine Entzündung verursacht hat“, sagt Reischle. „In diesem Fall muss bei lokaler Betäubung der gesamte Nagel entfernt werden.“

Buchtipp:
Lindlbauer, Bauer, Gesund & schön von Kopf bis Fuß. Alles über Haut, Haare, Nägel, ISBN 978-3-902552-15-0, 250 Seiten, €19,90 Verlagshaus der Ärzte

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