Schon wieder eine Fieberblase?

November 2010 | Kosmetik & Pflege

Wie man das lästige Leiden loswird
 
Einmal Fieberblasen – immer Fieberblasen? Die juckenden, brennenden, schmerzhaften und unschönen Bläschen an den Lippen heilen zwar nach einiger Zeit ab, doch haben sie die lästige Tendenz, immer wiederzukommen. Warum das so ist, wie man Fieberblasen am besten bekämpft und wie man sie erst gar nicht bekommt.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Erst juckt es, dann spannt und rötet sich die Haut und brennt. Eine Fieberblase? Nicht schon wieder! Wer die Blase einmal hat, muss damit rechnen, dass sie ihm bis zu zehn Tage erhalten bleibt und in der Zeit immer wieder aufplatzt und blutet. „Durch die Blutung, aber auch die Rückbildung der Blase kommt es zur Krustenbildung. Fällt die Kruste ab, ist die Fieberblase abgeheilt“, beschreibt Univ. Prof. Dr. Daisy Kopera, Dermatologin an der Medizinischen Universität in Graz, den weiteren Verlauf des lästigen Leidens. „Narben bleiben normalerweise keine zurück.“
Allerdings müssen Betroffene damit rechnen, dass das Leiden wiederkommt: „Wenn man einmal eine Fieberblase hatte, ist die Wahrscheinlichkeit groß, immer wieder eine zu kriegen“, sagt Kopera. Zu begründen ist das mit der Natur des Erregers: Lippenherpes, wie die Bildung von Fieberblasen auch genannt wird, ist eine Viruserkrankung und wird vom Herpes-simplex-Virus Typ 1, kurz HSV 1, übertragen.
„Die Erstinfektion mit HSV 1 erfolgt bei den meisten Menschen schon im Kindesalter bei der gemeinsamen Benutzung von Gläsern, Tassen oder Besteck, durch die Berührung mit jemandem, der gerade eine Fieberblase hat, oder über eine Tröpfcheninfektion zum Beispiel beim Küssen“, sagt Kopera. Auf dieselbe Art und Weise kann man sich aber auch erst im Erwachsenenalter infizieren. Mit HSV 1 infiziert ist nahezu jeder. Kopera: „Bei den über 50-Jährigen sind es sicher 98 Prozent.“ So ist das Virus praktisch allgegenwärtig.
 
Geschwächte Abwehr

Sind die Viren einmal ins Blut und über die Blutbahn in den Körper geraten, wandern sie zu einem bestimmen Nervenknoten im Gehirn, dem sogenannten Gangliom trigeminale, und nisten sich dort ein. Kopera: „Bei etwa der Hälfte
der Infizierten bleiben die Erreger dort und werden nicht aktiv. Bei der anderen Hälfte vermehren sich die Erreger, und der Lippenherpes bricht entweder sofort oder irgendwann im Lauf des Lebens aus. Und dann kommt er meistens immer wieder.“
Warum HSV 1 bei den einen zur Entstehung von Fieberblasen führt und bei den anderen nicht, hänge von der Immunabwehrlage der Menschen ab, sagt Kopera. „Mögliche Auslöser für eine Abwehrschwäche, die dann zur Blasenbildung führen kann, sind Müdigkeit und Stress, Magen- und Darmprobleme, eine Erkältung und bei Frauen hormonelle Veränderungen durch Menstruation, Schwangerschaft oder Wechseljahre.“ Auch zuviel Sonnenbestrahlung z. B. bei einem Urlaub in den Bergen oder am Meer kann über eine Reizung der Haut um die Lippen die Entstehung von Fieberblasen begünstigen.
Wobei Fieberblasen nicht immer auf den Lippen auftreten müssen. Die lästigen Bläschen können sich auch an den Wangen, an den Nasenlöchern, selten auch um die Augen herum bilden – oder in Form von sehr kleinen roten Tupfen auch an der Zungenspitze auftreten.

Erste Anzeichen behandeln

Was man tun kann, wenn man anfällig für die Bildung von Fieberblasen ist? „Das richtet sich nach dem Auslösefaktor“, sagt Kopera. Wer etwa an sich beobachtet hat, dass er immer Lippenherpes bekommt, wenn er viel in der Sonne ist, sollte in dieser Zeit die Lippen mit einem Sunblocker vor den UVA- und UVB-Strahlen schützen und mit Lippenpflegemitteln pflegen, die viel Feuchtigkeit spenden und die Haut geschmeidig halten. Lassen eher Müdigkeit, Stress oder eine Erkältung die Blasen erblühen, sollte man bereits beim Auftreten der Frühsymptome, also Rötung der Lippen und Spannungsgefühl, eine spezielle Herpes-Creme oder eine Zinksulfat-Paste auf die Haut auftragen. Kopera: „Diese Maßnahmen wirken entzündungshemmend, und wenn sie rechtzeitig angewandt werden, kann man damit die Ausprägung der Fieberblase verhindern.“ Ist das Problem einmal da, kann das Eincremen mit Zinksulfat-Paste oder Herpes-Creme zumindest den Heilungsprozess beschleunigen.

Erhöhte Vorsicht

In der Zeit, in der die Fieberblase oder auch mehrere Fieberbläschen auf den Lippen prangen, ist außerdem Vorsicht angesagt: „So sollte man etwa beim Essen gut aufpassen und beim Trinken eventuell einen Strohalm verwenden, um zu vermeiden, dass die Blase aufplatzt“, sagt Kopera. Außerdem sollte man die Blase möglichst nicht mit den Fingern berühren – sonst platzt sie, und die Viren können schlimmstenfalls mit den Fingern an andere Körperstellen übertragen werden, wo sie ebenfalls Herpesinfektionen auslösen.
Um die Übertragung des Virus auf andere Menschen zu vermeiden, gilt darüber hinaus: Gläser, Tassen, Besteck und Zahnbürste nicht mit anderen Menschen teilen. Und: Aufs Küssen verzichten! Ist die Infektion vorbei, sollte man sicherheitshalber die Zahnbürste wechseln, um sich über die dort zurückgebliebenen Viren nicht gleich wieder selbst zu infizieren.

Tabletten als Vorbeugung

Menschen, die mehr als vier- bis sechsmal im Jahr an Fieberblasen auf den Lippen, auf der Zunge, der Wange oder an der Nase leiden, rät Kopera nicht nur zu den beschriebenen Vorsichtsmaßnahmen und der raschen Reaktion auf die Frühsymptome wie dem Eincremen, schon wenn sich die Haut nur rötet und spannt: „Ihnen empfehle ich, eine Langzeitprophylaxe“, sagt die Ärztin. Diese besteht in der Einnahme von antiviralen Tabletten einmal täglich über einen Zeitraum von einigen Monaten. Das bewirke, dass die Betroffenen während der Therapie frei von Fieberblasen bleiben, und dass sich die Zeitspanne bis zum Auftreten der nächsten Fieberblase verlängert. Da HSV 1 im Körper aber nicht ganz abgetötet werden kann, ist Lippenherpes derzeit noch nicht heilbar – Forscher bemühen sich aber bereits um die Entwicklung entsprechender Medikamente.

Folgen für die Gesundheit

In sehr seltenen Fällen sind die Viren nicht nur lästig, sondern verursachen auch gröbere gesundheitliche Probleme. So kann bei Kindern unmittelbar nach der Erstinfektion hohes Fieber auftreten, und die Bläschen können sich über die Lippen auf die Zunge, das Zahnfleisch und in den Gaumenbereich ausbreiten. „Das ist sehr schmerzhaft und erfordert manchmal eine Therapie mit Infusionen“, sagt Kopera. Wegen des fauligen Mundgeruchs werde das beschriebene Leiden auch Mundfäule genannt. Die Mundfäule ist schmerzhaft, die erkrankten Kinder tun sich beim Essen und Trinken schwer. Bis die Bläschen verschwinden und das Fieber abklingt, vergeht oft bis zu einer Woche. Kopera: „In der Zeit kann man die Mundfäule lindern und den Heilungsprozess beschleunigen, indem man schmerzstillende Gels oder Mundspüllösungen anwendet und fiebersenkende Mittel gibt.“
Ebenfalls sehr selten ist eine Augeninfektion mit HSV 1. Sie kann zu einer Hornhautentzündung führen, die die Sehkraft verschlechtert. „Wer während einer Lippenherpes eine Augenentzündung bemerkt, sollte so rasch als möglich einen Augenarzt aufsuchen“, sagt Kopera.  
Noch seltener kommt es dazu, dass der Lippenherpes-Erreger eine Gehirnhautentzündung hervorruft, die sich in Fieber und starken Kopfschmerzen äußert, manchmal auch in Sprachschwierigkeiten und Lähmungsgefühlen in den Armen oder Beinen. Kopera: „Wer diese ungewöhnlichen Symptome an sich bemerkt, sollte ebenfalls sofort ärztliche Hilfe suchen.“

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Lippenherpes: Das sollten Sie beachten

  • Bei den ersten Anzeichen (Rötung oder Spannungsgefühl auf den Lippen) die Stelle sofort mit einer Herpes- oder Zinksulfatsalbe eincremen.
  • Hat sich eine Fieberblase gebildet, nicht mit den Fingern darauf herumdrücken.
  • Beim Essen und Trinken nicht mit Besteck, Gläsern oder Tassen auf die Fieberblase drücken.
  • Beim Zähneputzen darauf achten, nicht mit der Zahnbürste auf die Fieberblase zu drücken.
  • Besteck und Geschirr nicht mit anderen teilen.
  • Aufs Küssen verzichten.
  • Nach Abheilung der Fieberblase, also wenn die Kruste abgefallen ist, die Zahnbürste wechseln.

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