COPD

März 2010 | Medizin & Trends

Die schleichende Krankheit der Lunge
 
Etwa eine Million Menschen über 40 Jahren leidet in Österreich an „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“, kurz COPD und im Volksmund Raucherlunge genannt. Rauchen und Passivrauchen sind die häufigsten Ursachen für die Erkrankung. Wer Frühsymptome wie Husten, Auswurf und Atemnot ignoriert, riskiert eine schleichende, über Jahre und Jahrzehnte immer stärkere Schädigung des Lungengewebes, die über die immer unzureichendere Versorgung des Körpers mit Sauerstoff zu Invalidität und frühzeitigem Tod führen kann. Früh erkannt und behandelt, stehen jedoch die Chancen gut, das Leiden in Schranken zu halten und relativ beschwerdefrei und lange zu leben.
 
von Mag. Sabine Stehrer

Husten, Auswurf und Atemnot bei körperlichen Belastungen wie Stiegensteigen:
Das können erste Symptome für eine Erkrankung an COPD, der „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“ sein. „Leider halten die meisten Betroffenen diese Frühsymptome für harmlos“, weiß Primar Univ. Prof. Dr. Otto Burghuber, Vorstand der I. Internen Lungenabteilung am Otto-Wagner-Spital in Wien.

Was er sagt, bestätigen auch die Ergebnisse einer Studie, die 2007 am Landeskrankenhaus in Salzburg durchgeführt wurde. Damals wählte man 1300 Menschen über 40 nach dem Zufallsprinzip aus und lud sie zu einer Untersuchung ein. Vier von fünf der Frauen und Männer litten bereits an den genannten Symptomen. Und bei einem Viertel von ihnen wurde tatsächlich eine leichte, mittelschwere oder schwere COPD festgestellt. Auf alle Österreicher hochgerechnet bedeutet dieses Ergebnis, dass hierzulande eine Million Menschen an der Krankheit leidet, davon 550.000 an einer leichten Form, 400.000 an einer mittelschweren und 50.000 an einer schweren.

Hauptursache Rauchen

Burghuber über die häufigste Ursache für das weit verbreitete Leiden: „80 bis 90 Prozent der Betroffenen rauchen seit mehr als 20 Jahren mindestens eine Packung Zigaretten am Tag.“ Bei den übrigen zehn bis 20 Prozent ist COPD auf jahrelanges Passivrauchen, jahrelanges, oft berufsbedingtes Einatmen von Feinstaub, auf häufige Atemwegsinfektionen, eine Asthmaerkrankung oder den angeborenen Mangel eines bestimmten Enzyms, des Alpha-1-Antitrypsins, zurückzuführen. Egal, wodurch COPD verursacht wurde: „Die Krankheit ist charakterisiert durch eine chronische Entzündung und Verengung der Bronchien sowie eine Schädigung des Lungengewebes“, erklärt Burghuber.

Die Schädigung führe wiederum zur Bildung von Lungenblasen, das sind Überblähungen des Gewebes, wodurch die Lunge immer weniger elastisch werde. Burghuber: „Die Betroffenen tun sich dann auch schon im Ruhezustand schwer beim Atmen, und der Körper wird schleichend mit immer weniger Sauerstoff versorgt.“ Im weiter fortgeschrittenen Stadium der Krankheit kommt es dadurch zu Schwächungen und zur Einschränkung der Bewegungsfähigkeit, im Spätstadium zu Gewichtsverlust und Muskelschwund und schließlich zu Invalidität und frühzeitigem Tod.

Lungenfunktionstest genügt

„Je früher COPD erkannt und behandelt wird“, sagt Burghuber, „desto besser stehen die Chancen, den Fortschritt der Krankheit aufzuhalten und den Betroffenen ihre Lebensqualität zu erhalten bzw. ihnen ein langes Leben zu ermöglichen“.
Die Diagnose ist einfach und schmerzfrei: Sie besteht in einem Lungenfunktionstest, der sogenannten Spirometrie, bei der mit einem Atemstoß die Funktion der Lunge exakt getestet werden kann. Mit dem „Bronchospasmolyse-Test“, einem zweiten Atemstoßtest nach der Gabe eines bronchienerweiternden Medikaments, kann eine Asthma-Erkrankung ausgeschlossen werden.

Behandlung je nach Stadium

Und die Therapie? Burghuber: „Im Frühstadium der Erkrankung ist die Behandlung einfach und effektiv.“ Bei der großen Mehrheit der Betroffenen, die Raucher sind, reiche es aus, „mit dem Rauchen aufzuhören und mit einem Ausdauertraining zu beginnen wie Nordic Walking, Radfahren oder Laufen“. Zusätzlich empfiehlt der Experte den Erkrankten, sich gegen eine Grippe- und Pneumokokken-Infektion impfen zu lassen, um möglichst keine Lungenentzündung zu riskieren. „Diese Erkrankungen stellen eine zusätzliche Belastung für Bronchien und Lunge dar, die vermieden werden sollte“, sagt Burghuber.

Ist die COPD schon mittelschwer ausgeprägt, werden zusätzlich zu diesen empfohlenen Maßnahmen Medikamente gegeben, die die Bronchien erweitern und entzündungshemmend wirken. Haben sich Lungenareale mit ausgeprägten Überblähungen gebildet, können diese operativ entfernt werden.

In der mittelschweren bis schweren Ausprägung werden die Betroffenen mit einem Gerät für zuhause versorgt, mit dem sie vorbeugend und 16 Stunden am Tag Sauerstoff erhalten. „Diese Langzeitsauerstofftherapie ist eine Maßnahme, die das Leben dieser Patienten verlängert“, sagt Burghuber.

„Für schwer an COPD Erkrankte, die unter 65 Jahre alt sind und deren sonstiger Gesundheitszustand gut ist, gibt es darüber hinaus die Möglichkeit der Lungentransplantation.“ Dabei werden je nach Grad der Lungenschädigung einer oder beide Lungenflügel von einem Spender transplantiert – ein Eingriff, der meist nicht nur zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität führt, sondern auch zu einer höheren Lebenserwartung.

So kann man vorbeugen

Kann man sich vor COPD schützen? „Ja“, sagt Burghuber. „Indem man nicht mit dem Rauchen beginnt bzw. noch vor dem 30. Lebensjahr damit aufhört, schädigende Einflüsse wie das Einatmen von Feinstaub möglichst meidet und sich vor Infektionen schützt.“

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