Claudia Bandion-Ortner

März 2010 | Prominente & Gesundheit

„Auch ein Diabetiker kann Karriere machen“
 
Bekannt geworden ist sie als Leiterin der aufsehenerregenden Prozesse rund um den BAWAG-Skandal und die Konsum-Pleite, seit etwas mehr als einem Jahr ist die frühere Richterin nun parteiunabhängige Justizministerin. Als solche hat sie Arbeitstage, die oft 14 Stunden und nicht selten noch länger dauern: Claudia Bandion-Ortner. Im Gespräch mit MEDIZIN populär erzählt die 43-Jährige, die im Salzburger Lungau aufgewachsen ist, wie sie in der Freizeit Entspannung findet, was sie macht, wenn Termine ausfallen, warum sie immer am Abnehmen ist, und wie sie mit der Zuckerkrankheit umgeht, an der sie seit 17 Jahren leidet.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Frau Justizministerin, Sie sind seit 17 Jahren Diabetikerin? Wie haben Sie die Krankheit bemerkt?

Claudia Bandion-Ortner
Vor der Diagnose war ich immer sehr müde und hatte ungewöhnlich großen Durst. Also habe ich mich irgendwann von einem Allgemeinmediziner untersuchen lassen. Er hat meine Zuckerkrankheit, den Diabetes mellitus Typ 1, gleich erkannt. Dann war ich zwei Wochen im AKH, um mich medikamentös einstellen zu lassen.

Wie ist es Ihnen mit der Diagnose ergangen?
Anfangs war ich erschrocken, auch weil es für mich keine erkennbare Ursache gab. Doch im AKH lag eine Frau mit mir im Zimmer, die einen Hirntumor hatte. Das hat mir den Schrecken vor meiner Diagnose genommen und mir vor Augen geführt, dass dies wirklich ein weitaus geringeres Übel ist. Außerdem wurde mir im Laufe der Zeit klar, dass man mit dieser Krankheit ein völlig normales Leben führen kann. Ich muss drei- bis viermal am Tag meinen Zuckerwert messen und bei Bedarf Insulin injizieren, dann geht es mir sehr gut. Dann gehe ich noch jedes halbe Jahr zur ärztlichen Kontrolle und mache jedes Jahr eine einwöchige Kur, um mich gründlich untersuchen und medikamentös neu einstellen zu lassen.

Wie funktionieren das Messen und Injizieren, wenn Sie auf der Regierungsbank sitzen?
Zugegebenermaßen vergesse ich gelegentlich darauf, meinen Zuckerwert zu messen. Gerade wenn ich viel um die Ohren habe und im Stress bin. Deswegen habe ich meine Mitarbeiter angewiesen, mich ans Messen zu erinnern. Das funktioniert gut. Ein Messgerät habe ich immer dabei. Und wenn es gar nicht anders geht, dann injiziere ich mir das Insulin eben während einer Sitzung. Wenn das jemand sieht und mich darauf anspricht, habe ich kein Problem darüber zu reden und es zu erklären.

Ihre Arbeitstage dauern oft 14 Stunden und mehr. Wie halten Sie das durch?
Ich arbeite sehr gerne. Allerdings versuche ich mir die Wochenenden von beruflichen Terminen freizuhalten und so viel Zeit wie möglich mit meinem Sohn und meinem Mann zu verbringen. Diese Zeit empfinde ich als sehr entspannend.

Betreiben Sie Sport?
Ich gehe sehr gerne Radfahren. Und meine Sporttasche steht immer gepackt im Büro. Sobald ein Termin ausfällt, gehe ich ins nächstgelegene Fitnessstudio und mache Ausdauertraining am Crosstrainer oder Stepper und ein paar Übungen mit Gewichten. Das verbessert meine Zuckerwerte und tut mir körperlich gut. Ich bekomme durch das Training auch den Kopf frei. Außerdem ist es das beste Mittel, um abzunehmen …

Sie möchten Gewicht verlieren?
Eigentlich bin ich immer am Abnehmen (lacht). Ich nehme mir stets vor, mich so viel wie möglich zu bewegen und so wenig wie möglich zu essen. Was das Essen anbelangt, könnte ich am ehesten auf das Mittagessen verzichten, aber das geht wegen der Zuckerkrankheit nicht. Also versuche ich das Mittagessen so oft wie möglich durch eine Obstmahlzeit zu ersetzen.

Wie schaffen Sie es, mit der Kritik umzugehen, der Sie als Politikerin ausgesetzt sind?
Am Anfang habe ich mir damit sehr schwer getan. Die eine oder andere Kritik hat meine Zuckerwerte in die Höhe getrieben. Aber inzwischen habe ich schon eine dickere Haut und nehme solche Attacken mit Gelassenheit und Humor. Und konstruktive Kritik sehe ich als positiv an.

Ihr Rat an Menschen, die wie Sie Diabetiker sind?
Auf jeden Fall optimistisch bleiben, die Krankheit aber auch nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn wenn man nicht halbwegs diszipliniert ist, drohen gesundheitliche Folgeschäden. Abgesehen davon rate ich Betroffenen, jede Diskriminierung aufzuzeigen. Man ist mit dieser Krankheit voll leistungsfähig und kann auch als Diabetiker Karriere machen.

Ausgabe 03/2010

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