Rudolf Buchbinder

Februar 2010 | Prominente & Gesundheit

„Ich bin ein Genussmensch in allen Lebensbereichen“
 
Schon als Kleinkind spielte er am Klavier Melodien aus dem Radio nach, mit fünf Jahren wurde er als jüngster Student aller Zeiten an der Hochschule für Musik in Wien aufgenommen. Nach seinem ersten öffentlichen Konzert, das er als Neunjähriger gab, wurde er vom damaligen Bundeskanzler Julius Raab persönlich gefördert.
Heute liegen 54 Jahre als Pianist hinter Rudolf Buchbinder, eine Zeit, in der er mit allen großen Orchestern der Welt aufgetreten ist, auch vom Klavier aus dirigierte und mehrfach für sein Werk ausgezeichnet wurde. Seit 2007 ist der 63-Jährige außerdem künstlerischer Leiter des Musik-Festivals auf Schloss Grafenegg in Niederösterreich. Im Gespräch mit MEDIZIN populär erzählt er, warum sein Lampenfieber mit zunehmendem Alter immer schlimmer wird, wie er sich das Rauchen abgewöhnt hat, wie er sich fit hält, und warum er nichts, was er macht, zur Regel macht.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Sie sind ein Routinier, sowohl als Pianist wie auch als Dirigent und inzwischen auch als Intendant. Haben Sie noch Lampenfieber?

Rudolf Buchbinder
Ja, und es wird mit zunehmendem Alter sogar immer schlimmer, weil man sich die Latte immer höher legt. Wenn ich als Intendant bei einem Konzert unter den Zuhörern sitze, bin ich sehr nervös, will immer aufspringen und auf die Bühne laufen, um den Musikern zu helfen, obwohl die meine Hilfe gar nicht brauchen. Wenn ich als Pianist vor einem Auftritt stehe, werden meine Finger kurz davor immer ganz kalt und starr. Aber da muss ich durch und trotzdem anfangen zu spielen, sonst gibt es kein Mittel dagegen.

Seit 54 Jahren geben Sie öffentlich Konzerte, in den vergangenen Jahrzehnten waren es nie unter 100 pro Jahr. Machen Sie etwas, um Ihre Hände bzw. Finger zu schonen oder um die Beanspruchung auszugleichen?

Ich spiele, das ist das einzige, was ich mache. Ich bin nicht einmal ein Handschuhträger, selbst wenn es sehr kalt ist, weil mich Handschuhe stören. Vielleicht würden sie mich sogar krank machen (lacht). Die Sänger, die immer einen Schal tragen, sind auch die, die sich immer verkühlen!

Was machen Sie denn, um gesund zu bleiben?

Da muss ich jetzt nachdenken… Naja, ich habe in meiner Jugend viel Sport betrieben, da habe ich Fußball gespielt und bin oft Fahrrad gefahren, deswegen bin ich auch heute noch sehr muskulös und stabil. Wegen der Verletzungsgefahr darf ich diese Sportarten aber schon seit längerem nicht mehr ausüben. Ich gehe stattdessen aber oft Schwimmen und sehr viel Spazieren. Und an den Tagen vor Konzerten mache ich immer einen Nachmittagsschlaf, das ist vielleicht auch gesund. Es ist zugleich übrigens auch die einzige Regel, die ich einhalte. Ansonsten mache ich lieber nichts, was ich mache, zur Regel, denn das macht das Leben eintönig, einen selber intolerant und unflexibel, und das will ich nicht.

Also halten Sie sich auch bei der Ernährung an keine besonderen Regeln?

Wie in allen Lebensbereichen bin ich auch da ein Genussmensch. Ich esse am liebsten Steaks, hin und wieder aber auch Fisch mit Salat, aber ich mag zum Beispiel kein Gemüse, und ich trinke gern Whiskey. Dafür habe ich mir vor Jahren das Rauchen abgewöhnt.

Gab es dafür einen Anlass?

Ich habe bis zu 70 Zigaretten am Tag geraucht und schon in der Früh gleich nach dem Aufwachen und noch im Bett liegend damit begonnen. So abhängig wollte ich irgendwann nicht mehr sein. Also habe ich mir von einem Tag auf den anderen gesagt, es muss Schluss damit sein. Geschafft habe ich das wahrscheinlich, weil ich mich als Ex-Raucher nicht bemitleidet habe, sondern mir stattdessen zum Beispiel gedacht habe, ohne Zigarette schmeckt der Kaffee doch viel besser.

Beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit auch mit Musik?

Beim Autofahren höre ich mir am liebsten etwas von Oscar Peterson, dem Jazzpianisten, an und von Frank Sinatra, das entspannt mich. Die beiden würde ich auch anderen Menschen empfehlen, nicht nur zur Entspannung, sondern auch, wenn sie einmal in einer Gemütsverstimmung sind.

Kommen Gemütsverstimmungen bei Ihnen auch vor?

Nein! Da komme ich nie auch nur annähernd hin, ich bin ein absoluter Optimist.

Was tun Sie noch, um zu entspannen?

Ich male gern Aquarelle, dabei kann ich schön zur Ruhe kommen. Und im Urlaub erhole ich mich am besten, wenn ich nicht verreise. Das ist mir viel zu strapaziös, vielleicht auch deshalb, weil ich beruflich sowieso immer so viel unterwegs bin.

Und wo geht es in Zukunft hin?

Mein Wunsch ist, dass ich weiterhin über meine Auftritte und auch über meine Tätigkeit als Intendant von Grafenegg den Menschen die Musik nahe bringen kann. Musik tut den Menschen gut, sie ist eine Sprache, die jeder spricht, und die man überall versteht. Deswegen denke ich, sie kann auch völkerverbindend wirken und ein Friedensinstrument sein.

Webtipps:
Mehr über Rudolf Buchbinder auf www.buchbinder.net.

Ausgabe 02/2010

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