„Dr. Spargel“ ordiniert wieder

Mai 2011 | Ernährung & Genuss

Jetzt ist er wieder für uns da, der frische Spargel mit seinen beachtlichen Heilkräften. Lesen Sie, warum die weißen, grünen und violetten Stangen so gesund sind.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Sie wachsen einen halben bis eineinhalb Meter aus dem Boden, haben einen Durchmesser von etwa zwei bis drei Zentimetern und enden in einem knospenartigen, spitzen Kopf: Die Stangen der Spargelpflanze, deren Name von dem griechischen Wort „aspháragos“ kommt, was soviel wie „junger Trieb“ bedeutet. Wegen seiner Form wurde dem Spargel seit jeher eine aphrodisierende Wirkung zugesprochen – ob sie wirklich besteht, ist nicht erwiesen. Jedenfalls glaubten schon die alten Ägypter, Chinesen und Römer daran. Und die wussten immerhin auch von den Heilkräften von „Dr. Spargel“, weshalb sie die Stangen u. a. bei Blasenleiden und Nierenerkrankungen verordneten.

Für mehr Leistungsfähigkeit

Dass Spargel stark entwässernd wirkt und daher gut für Blase und Nieren ist, kann auch die Wiener Ernährungswissenschafterin und Ernährungsberaterin Dr. Claudia Nichterl bestätigen. „Die entwässernde Wirkung hat der Spargel, weil er zu mehr als 90 Prozent aus Wasser besteht und darüber hinaus besonders viel Asparaginsäure und viel Kalium enthält, und das sind harntreibende Substanzen“, sagt sie. Abgesehen von Blase und Nieren haben auch noch andere Organe etwas von der spargelbedingten Entwässerung. Nichterl: „Bei Menschen, die viel sitzen, staut sich oft Wasser in den Beinen. Wenn man etwas Entwässerndes zu sich nimmt, geht das Wasser ab. Das entlastet nicht nur die Venen und damit das Herz, sondern kann auch Cellulite lindern.“ Dem nicht genug: Dadurch, dass beim Spargelessen zuerst Flüssigkeit zugeführt wird und es dann zu einer Entwässerung kommt, wird, so Nichterl, der Flüssigkeitshaushalt rasch erneuert und optimiert. Und das erhöht die Leistungsfähigkeit des Menschen insgesamt, also nicht nur des Körpers, sondern auch des Geists.

Macht gesund und schön

Weil die Stangen des Spargels, die hierzulande im Mai und Juni geerntet werden, reich an Fasern sind, sind sie auch reich an Ballaststoffen. „Das bedeutet, dass man mit einem Spargelessen auch sehr gut die Verdauung ankurbeln und so die Gesundheit des Darms fördern kann“, sagt Nichterl.Darüber hinaus tut die Folsäure im Spargel dem Blut gut, weil sie die Bildung von roten Blutkörperchen fördert. Kalzium, das ebenfalls in den Stangen steckt, fördert die Dichte der Knochen und beugt so der Osteoporose vor. Der hohe Anteil an Magnesium tut wiederum den Muskeln gut bzw. hilft, Muskelschwäche und Muskelkrämpfe zu vermeiden. Spargel ist aber auch reich an Vitaminen aus dem B-Komplex: Diese dienen der Gesundheit und Schönheit von Haut, Haaren und Nägeln.

Grün & violett sind gesünder

Selbst der etwas bittere Geschmack des Spargels und seine Farbe haben einen Gesundheitswert. Nichterl: „Bestimmten Aromastoffen, die den bitteren Geschmack von Spargel bewirken, wird eine Cholesterin senkende und Krebs vorbeugende Wirkung nachgesagt.“ Dieselben Aromastoffe sind auch dafür verantwortlich, dass der Urin nach einem Spargelmenü ungewöhnlich riecht. Das mag lästig sein, ist aber kein Grund zur Besorgnis: „Der typische Geruch des Urins nach dem Spargelessen kommt schlicht und einfach daher, dass der Körper die gesunden Inhaltsstoffe des Spargels verarbeitet“, erklärt Nichterl.
Ob „Dr. Spargel“ in einen weißen, grünen oder violetten Kittel schlüpft, hängt von der Art des Spargelanbaus ab. Weiß bleiben die Stangen der Spargelpflanze, wenn sie während der Wachstumsphase vor Sonnenlicht geschützt werden – entweder durch Folien, die das Spargelbeet bedecken, oder durch Erdwälle, die man auf dem Beet errichtet. Grün werden die Spargelstangen, wenn die Sonne direkt auf sie scheint. An der Spitze violett verfärben sie sich, wenn man sie etwas länger reifen lässt. „Durch die Sonnenbestrahlung sind grüner und violetter Spargel gesundheitlich noch etwas wertvoller als weißer Spargel“, sagt Nichterl. „Das liegt daran, dass sich beim grünen Spargel durch die Einwirkung des Sonnenlichts der Pflanzenfarbstoff Chlorophyll bildet und beim violetten Spargel der Farbstoff Anthocyan.“ Beide wirken antibakteriell und enthalten viel Vitamin C, das die Abwehrkräfte stärkt, sowie Vitamin A, das gut für die Augen und die Haut ist sowie die Körperzellen schützt.

Auf die Beilage kommt es an

Kann man die Wirkung des Spargels durch die richtige Beilage noch erhöhen? Nichterl: „Man kann!“ Von der Sauce Hollandaise, die hierzulande üblicherweise zum Spargel gereicht wird, rät die Ernährungsexpertin allerdings ab. „Die enthält Butter und Mayonnaise und ist daher so fett, dass sie den Gesundheitswert eines Spargelessens fast wieder zunichte macht.“ Stattdessen empfiehlt Nichterl, die Stangen mit Zitronensaft oder Speiseölen wie Oliven- oder Walnussöl zu beträufeln. „Dadurch werden die Aufnahme und Verarbeitung insbesondere der Vitamine A und C, des entwässernden Kaliums, des Kalziums und Magnesiums erleichtert.“
Der ebenfalls übliche Schinken als Beilage zu den Stangen soll, so Nichterl, hingegen sogar sein. „Eine Mahlzeit wird zu einer vollwertigen Mahlzeit, wenn man Gemüse wie Spargel mit etwas Eiweißreichem wie Schinken, Spiegelei oder auch Tofu kombiniert.“

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Tipps & Tricks

  • Kaufen Sie nur frischen Spargel: Den erkennt man daran, dass der knospenartige, spitze Kopf fest geschlossen ist und dass es quietscht, wenn man die Stangen aneinanderreibt, was an dem noch hohen Wassergehalt liegt.
  • Wer den Spargel nicht sofort verarbeitet, sollte die Stangen an den unteren Enden mit einem feuchten Geschirrtuch umwickeln und in der Gemüselade des Kühlschranks lagern, wo er bis zu drei Tage lang frisch bleibt. Damit der Spargel seine Farbe behält, sollte man ihn mit Zitronensaft beträufeln.
  • Spargel lässt sich, in Stücke geschnitten, in einer Gefrierbox gut einfrieren.
  • Auch in Gläsern kann man Spargel aufbewahren: Dazu die weich gekochten Stangen in einen Sud aus Essig und Gewürzen einlegen.
  • Zubereiten kann man Spargel entweder aufrecht und zu Bündeln gebunden in einem Spargeltopf, wo er acht bis 15 Minuten weich gekocht wird. Oder man schneidet die Stangen in Stücke und kocht sie weich, oder man brät sie zirka fünf Minuten lang in Öl in einer Pfanne an.

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Das Gicht-Gerücht

Das Gerücht hält sich hartnäckig: Spargel, so heißt es, könne bei Menschen, deren Harnsäurespiegel im Blut erhöht ist, die schon an Gicht leiden oder eine eingeschränkte Nierenfunktion haben, einen Gichtanfall auslösen: „Das entspricht nicht der Wahrheit“, stellt Ernährungsexpertin Dr. Claudia Nichterl klar.
Das Gerücht geht darauf zurück, dass Spargel Purine enthält. Das sind Substanzen, die den Harnsäurespiegel erhöhen, was zur Kristallisation von Harnsäure bzw. zu einem Gichtanfall führen kann. Nichterl: „So viel Spargel auf einmal wird normalerweise nicht gegessen, dass der Puringehalt im Blut so hoch wird, um einen Gichtanfall auszulösen.“ Wenn jemand nach einem Spargelessen Schmerzen in den Gelenken vor allem der Finger und Zehen hat, dann ist, so die Expertin, wohl eher nicht der Spargel schuld daran, sondern z. B. besonders fettreiche Beilagen wie die Sauce Hollandaise oder fettes Fleisch.

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Online-Befragung:
Warum wir essen

Warum essen wir? Weil wir echten Hunger haben? Weil Essenszeit ist? Weil wir Stress haben, uns langweilig ist? Viele Ernährungsexperten sind der Meinung, die Menschen in Industrieländern könnten sich beim Essen nicht mehr auf ihr Hungergefühl verlassen. Uwe Knop, Ernährungswissenschafter aus Frankfurt am Main, will es nun genau wissen und dem Essverhalten der Deutschen, Österreicher und Schweizer in einer Online-Befragung auf den Grund gehen. Teilnahme für Interessierte unter: www.echte-esser.de

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