Leben mit Nahrungsmittelunverträglichkeit

Februar 2011 | Ernährung & Genuss

Eine Betroffene über ihren schwierigen Essalltag
 
Sie verträgt keine Fruktose, keine Laktose und kein Histamin: Angelika Widhalm, 56 Jahre alt, leidet seit 36 Jahren an mehreren Nahrungsmittelunverträglichkeiten – und das noch dazu sehr ausgeprägt. Im Interview mit MEDIZIN populär erzählt die pensionierte Wienerin, wie sie mit ihrem Problem umgeht.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Frau Widhalm, wann und wie haben Sie herausgefunden, dass Sie an Nahrungsmittelunverträglichkeiten leiden?

Angelika Widhalm
Ich glaube, ich war ungefähr 20 Jahre alt, als mir aufgefallen ist, dass ich immer einen Schnupfen bekomme, wenn ich bestimmte Sachen esse. Um den Schnupfen zu vermeiden, habe ich begonnen, genau zu beobachten, wann die Nase rinnt. Da hat sich dann herausgestellt, dass das immer dann der Fall war, nachdem ich Lebensmittel gegessen hatte, die Fruktose, also Fruchtzucker, enthalten wie Obst und Gemüse. Aber auch nachdem ich Lebensmittel mit Laktose, also Milchzucker, zu mir genommen hatte, musste ich niesen und hatte eine verstopfte Nase. Milchzucker steckt ja leider nicht nur in der Milch, sondern auch in den meisten Milchprodukten. Später habe ich mich von einem Arzt testen lassen und erfahren, dass ich außerdem nichts vertrage, was Histamin enthält, und das ist auch in bestimmten Käsesorten drin, in Schokolade, Knabbergebäck, Nüssen …

Wie lang hat denn der Schnupfen angehalten, wenn Sie diese Lebensmittel zu sich genommen haben?
Drei, vier Tage? Aber es ist ja nicht nur beim Schnupfen geblieben. Im Lauf der Jahre war ich manchmal unvorsichtig, und das musste ich dann schwer büßen.

Wie denn?
Ein paar Mal habe ich nach dem Essen einen asthmaartigen Anfall bekommen, keine Luft mehr gekriegt und musste sogar den Notarzt rufen. Oft habe ich auch als Reaktion auf ein Essen einen Hautausschlag bekommen, der ausgeschaut hat wie Verbrennungen und erst nach Tagen und nach der Einnahme von Medikamenten wieder weggegangen ist. Sehr oft war mir nach dem Essen übel. Oder ich habe einen Blähbauch und Durchfall bekommen. Ich darf beim Essen halt einfach keine Fehler machen, denn wenn ich Fehler mache, geht es mir schlecht.

Wenn Sie in einem Restaurant essen, lassen Sie sich dann genau sagen, was im Essen enthalten ist?
Das habe ich früher gemacht, als ich noch berufstätig und viel auf Dienstreisen war. Heute ist mir das zu kompliziert. Das heißt, ich vermeide es möglichst, auswärts zu essen. Bei allem, was ich für mich zubereite, halte ich mich strikt an die Regeln, die ich von einem Arzt und einer Diätologin bekommen habe und die alle zwei Monate aktualisiert werden.

Was dürfen Sie denn nach diesen Regeln essen?
Ich darf bestimmte Brotsorten essen, auch Kartoffeln, Reis, gekochtes Hühnerfleisch, manche Arten von Fisch, Bananen. Ich kann auch ganz kleine Mengen bestimmter Gemüse- und Salatsorten zu mir nehmen. Oder Käse, der weder Laktose noch Histamin enthält. Und trinken kann ich Tee und Wasser. Leider keine heiße Schokolade, die ich so gern mag, denn die enthält ja nicht nur Laktose, sondern auch Histamin. Aber so bleibe ich wenigstens schlank (lacht).

Nehmen Sie regelmäßig Medikamente?
Ich lasse immer wieder ein Blutbild machen und nehme dann die Substanzen, die mir laut Blutbild fehlen, in Form von speziellen Nahrungsergänzungsmitteln zu mir, die mir mein Arzt und meine Diätologin empfehlen. Gegen die Nahrungsmittelunverträglichkeiten selbst nehme ich keine Medikamente. Die nehme ich nur, wenn ich einen Fehler gemacht habe und einen Ausschlag oder Durchfall habe. Ich habe auch versucht, die Unverträglichkeiten mit Akupunktur zu lindern, aber das hat nicht funktioniert. Auch eine homöopathische Behandlung habe ich schon ausprobiert, aber auch das hat nicht dauerhaft geholfen.

Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür, dass Sie so viele Nahrungsmittel nicht vertragen?
Ich denke, ich habe das geerbt. Meine Eltern sind auch betroffen, sie hatten ähnliche Beschwerden wie ich. Außerdem hatte ich im Berufsleben jahrelang eine 60-Stunden-Woche und viel Stress. Das hat vielleicht vieles verschlimmert.

Meinen Sie, dass die Nahrungsmittelunverträglichkeiten eines Tages wieder vergehen?
Ich hoffe darauf!

Sie sind auch in einer Selbsthilfegruppe für andere Betroffene aktiv. Was raten Sie Ihren Leidensgenossen?
Sie sollen sich unbedingt von einem Arzt und einem Diätologen einen Ernährungsplan erstellen und den Plan in regelmäßigen Abständen erneuern lassen, so wie ich das mache.  

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