Scharf macht heiß

Februar 2011 | Ernährung & Genuss

Gesund im Winter mit Chili, Paprika, Pfeffer & Co
 
Wenn die Kälte draußen kein Ende nehmen will, hilft Wärme von innen: Scharfe Einheizer wie Chili, Paprika, Pfeffer, Ingwer und Kren treiben aber nicht nur die Kälte aus, sondern tragen auch wesentlich dazu bei, dass wir im Winter gesund bleiben.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Die Zunge brennt, man beginnt zu hecheln, das Gesicht wird rot, auf der Stirn bilden sich Schweißperlen? Wenn Symptome wie diese von Chili, Paprika, Pfeffer, Ingwer oder Kren ausgelöst wurden, heißt es nun Milch trinken, ein Joghurt oder Käse essen, Schokolade naschen oder den Mund mit Olivenöl ausspülen. Denn: „Die Schärfestoffe in den Früchten und Gewürzen lösen sich in Fett auf, und deswegen lässt sich das Brennen, das sie erzeugen, nur durch den Konsum von fettreichen Lebensmitteln mildern“, sagt Ernährungscoach Mag. Manuela Göbl, die auch Diätologin und Gesundheitswissenschafterin im Allgemeinen Krankenhaus in Linz ist. „In Wasser lösen sich die Schärfestoffe nicht auf“, warnt Göbl vor dem weit verbreiteten Irrtum, das Brennen mit einem Schluck Wasser löschen zu wollen.
Was ebenfalls nichts bringt: Aus Angst vor Hecheln, Brennen & Co auf die Scharfmacher verzichten. Denn roher oder pulverisierter Kren, Pfeffer, Paprika, Ingwer und Chili heizen uns nicht nur ein, sie können auch einiges für unsere Gesundheit tun.

Chili

„Chilischoten und Chilipulver sind deshalb scharf, weil sie Capsaicin enthalten“, erklärt Göbl. Capsaicin wirkt im Mund auf die Schmerzrezeptoren und erzeugt ein schmerzhaftes Brennen. Weil die Schmerzrezeptoren gleichzeitig auch die Hitze-Sensoren sind, löst Capsaicin über den Kontakt mit Mundschleimhaut und Zunge Hitzewallungen bis hin zu Schweißausbrüchen aus. Es wird einem warm, das Herz- und Kreislaufsystem wird trainiert, und „die Durchblutung des gesamten Verdauungstrakts wird gefördert“, so Göbl. Durch die vermehrte Durchblutung können verschiedene Krankheitserreger, die wir über die Nahrung aufnehmen, nicht so leicht wie sonst die Barriere der Magen- und Darmschleimhaut überwinden und unsere Gesundheit gefährden. Auch wird mehr Magensaft produziert, und die Darmtätigkeit wird angekurbelt. „Auf diese Art und Weise fördert das Capsaicin in Chili die Verdauung“, sagt Göbl. Mit speziellen Pflastern auf der Haut fixiert, hilft die Substanz in Chili auch gegen Schmerzen, die bei rheumatischen Erkrankungen auftreten, und sie kann Juckreiz lindern, der bei verschiedenen Hautleiden auftritt.

Paprika

„Auch scharfe, rote Paprikaschoten und scharfes rotes Paprikapulver enthalten den Stoff Capsaicin, wenn auch nicht in so großer Konzentration wie Chili“, weiß Göbl. Mit Einschränkung kann uns also auch der Genuss von scharfen Paprikaschoten einheizen, das Herz- und Kreislaufsystem stärken und die Verdauung fördern. Abgesehen von Capsaicin enthalten roter, aber auch grüner und gelber Paprika außerdem besonders viel Vitamin C: Schon eine halbe Schote deckt den Tagesbedarf des Vitamins, das die Abwehrkräfte für den Kampf gegen krankmachende Bakterien und Viren stärkt. „Vor allem roter Paprika enthält darüber hinaus sehr viel Vitamin A“, sagt Ernährungsexpertin Göbl. Und dieses Vitamin tut der Gesundheit von Haut, Haaren und Nägeln gut, kann aber auch die Sehkraft stärken.

Pfeffer

„Die Substanz, die Pfeffer scharf macht, heißt Piperin“, sagt Göbl. „Am meisten Piperin ist im schwarzen Pfeffer enthalten, weißer Pfeffer enthält nur halb soviel Piperin wie schwarzer Pfeffer, und in rosa Pfeffer ist Piperin nicht enthalten.“ Piperin ist zwar nur halb so scharf wie das Capsaicin in den Paprika- und Chilischoten, doch es erzeugt ebenfalls über ein Schmerzempfinden Wärme und fördert die Durchblutung. So tut auch Piperin dem Herz- und Kreislaufsystem sowie den Abwehrkräften gut, und es kurbelt die Verdauung an. Wie Capsaicin wirkt auch Piperin antibakteriell und verringert so das Risiko für bestimmte Magen- und Darmerkrankungen.

Ingwer

„Ingwerknollen und Ingwerpulver enthalten die Inhaltsstoffe Gingerole und Shoagole als scharfe aromatische Substanzen“, erläutert Göbl. Beide Substanzen erzeugen innere Wärme, weil auch sie über die schmerzende Schärfe die Durchblutung anregen. Außerdem wirken sie, so die Expertin weiter, antioxidativ. „Das bedeutet, sie wirken im Körper wie eine Schutzpolizei gegen schädliche Substanzen.“ Gut für die Gesundheit der Haut sind Gingerole und Shoagole auch, weil sie Entzündungen hemmen. Göbl: „Die entzündungshemmende und die antioxidative Wirkung von Ingwer macht man sich insbesondere im asiatischen Raum nicht nur bei der Pflege der Haut zunutze, sondern darüber hinaus bei der Behandlung  von Erkältungen, Muskelschmerzen und rheumatischen Erkrankungen.“ Ingwer kann aber noch mehr. „Er wirkt auch gegen Übelkeit, und es wird ihm nachgesagt, die Speichel-, Magensaft-, und Gallenbildung anzuregen“, sagt Göbl. Die letztgenannten Eigenschaften tun wiederum der Verdauung gut.

Kren

„Die Krenwurzel und Kren in pulverisierter Form beinhalten die scharfmachenden Senföle Gluconasturtiin und Sinigrin“, sagt Göbl. Auch diese Stoffe treiben die Kälte aus bzw. erzeugen eine innere Wärme, indem sie die Durchblutung fördern. Schon dieser Effekt allein stärkt die Abwehrkräfte. Göbl: „Kren enthält aber außerdem ätherische Öle, die Schnupfen und Husten vorbeugen und auch lindern können.“ Darüber hinaus stecken in dem Scharfmacher Kren Allicin, eine Substanz, die die Vermehrung von Bakterien hemmt, und viel Vitamin C, das den Körper ebenfalls bei der Abwehr von Krankheitserregern unterstützt. „Weil Kren auch harntreibend ist, hilft er dabei, die Heilung von Nierenbecken- und Harnwegsentzündungen zu beschleunigen“, sagt Göbl. So wie die anderen Scharfmacher auch regt die Krenwurzel außerdem über die verbesserte Durchblutung die Produktion der Verdauungssäfte vom Speichel über den Magensaft bis hin zur Gallenflüssigkeit an. Ernährungsexpertin Göbl: „So sorgt Kren dafür, dass die Verdauung besser funktioniert, und auch schwer verdauliche Speisen besser verdaut bzw. vertragen werden.“

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Tipps für Kauf & Lagerung

Ernährungsexpertin Mag. Manuela Göbl: „Beim Kauf von Chili, Paprika & Co sollte man darauf achten, dass die Scharfmacher frisch sind und noch nicht zu lang gelagert wurden, denn die gesundheitlich wertvollen Inhaltsstoffe verflüchtigen sich mit der Zeit.“ Das gilt für die rohen Schoten, Knollen und Wurzeln genauso wie für die Gewürze.
Daheim sollten die rohen Scharfmacher möglichst rasch konsumiert werden. Die Gewürze lagert man am besten in möglichst luftdichten Dosen oder Gläsern. „Durchsichtige Gläser sollten im Kühlschrank gelagert werden, damit die Gewürze nicht dem Licht ausgesetzt sind“, sagt Göbl. „Denn so wie Luft trägt auch Licht dazu bei, dass sich die gesunden Inhaltsstoffe auflösen.“

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Vorsicht bei Empfindlichkeit

So gesund sie auch sind, die Scharfmacher Kren, Ingwer, Pfeffer, Paprika und Chili können –  egal ob roh gegessen oder als Gewürz einer Speise beigefügt – bei sehr empfindlichen Menschen über den Schmerzreiz der Schleimhäute im gesamten Verdauungstrakt zu Sodbrennen führen und die Magenschleimhaut reizen. „Ob man mit solchen Beschwerden auf die Scharfmacher reagiert, kann man aber nur herausfinden, indem man sie probiert“, sagt Ernährungsexpertin Mag. Manuela Göbl.
Stellt sich heraus, dass der Genuss von Chili, Paprika & Co Sodbrennen oder Magenschmerzen erzeugt, empfiehlt Göbl, mildere Sorten zu probieren, die bis zu einem gewissen Grad ebenfalls die geschilderten gesundheitsfördernden Wirkungen haben. Das rät die Ernährungsexpertin auch Menschen, die mit allergischem Husten oder Schnupfen auf den Genuss der Scharfmacher Paprika und Pfeffer reagieren. Hilft der Umstieg auf mildere Sorten nicht, bleibt nur der Verzicht.

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Tipps für die Zubereitung

„Chili und Paprika entfalten ihr Aroma und ihre Wirkung am besten, indem man die Schoten roh isst, Pfeffer, indem man die Körner erst kurz vor dem Verwenden zu Pulver zerreibt, Ingwer und Kren, indem man die Knollen und Wurzeln kurz vor der Verwendung reibt oder zerdrückt“, erklärt Ernährungsexpertin Mag. Manuela Göbl. Wer die Scharfmacher in roher Form oder als Gewürz gebratenen oder gekochten Speisen beifügen möchte, sollte das, so die Expertin weiter, erst kurz vor dem Gar-Werden von Speisen tun, weil ein Teil der gesunden Inhaltsstoffe auch durch das Kochen verlorengeht.

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