Haupt-Problem Glatze

Oktober 2011 | Kosmetik & Pflege

Was hilft wirklich gegen Haarausfall?
 
So wie Haarausfall sich auf unterschiedliche Weise äußern kann, gibt es auch verschiedene Möglichkeiten, ihn zu stoppen und wieder an Haarfülle zu gewinnen. MEDIZIN populär hat bei einer Expertin nachgefragt, was wirklich hilft.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Für Männer wie Telly Savalas alias Kojak, Yul Brunner oder Bruce Willis wurde sie zum Markenzeichen und Inbegriff ihrer Männlichkeit, für andere wiederum wird sie buchstäblich zum Haupt-Problem: die Glatze. Und während die einen ihr kahles Haupt im Zuge der täglichen Rasur zur Vollendung bringen, stürzt andere schon die Andeutung von Geheimratsecken in eine Krise.
So unterschiedlich die Reaktionen auf die abnehmende Haardichte sind, die Ursache ist in den meisten Fällen dieselbe: männliche Hormone führen zu dieser – häufigsten – Form des Haarausfalls, der in der Fachsprache „androgenetische Alopezie“ genannt wird. Was genau steckt dahinter? „Die Haarwurzeln im oberen Bereich der Kopfhaut reagieren individuell unterschiedlich sensibel auf männliche Hormone im Blut, sodass hier Haarausfall einsetzt“, erklärt Univ. Prof. Dr. Daisy Kopera von der Universitätsklinik für Dermatologie in Graz. Dass Mann schließlich „oben ohne“ trägt, ist allerdings – wie die Bezeichnung „androgenetisch“ verrät – auf das Zusammenspiel von Hormonen und Genen zurückzuführen.

Genetisch bedingt

„Der hormonelle Haarausfall ist insofern genetisch bedingt, als die Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber männlichen Hormonen genetisch festgelegt ist“, verdeutlicht die Dermatologin Kopera. Demnach ist diese „Überreaktion“ quasi Teil des „männlichen Bauplans“. „Bis zu einem gewissen Grad sind praktisch alle Männer betroffen, weil die kindliche Form der Haaransatzlinie, die in einem geraden Bogen verläuft, sich im Erwachsenenalter immer ein wenig in Richtung Geheimratsecken verändert.“ Die Erscheinungsformen des männlichen Kahlschlags – Geheimratsecken, Haarkranz, Glatze – treten typischerweise in genau dieser Abfolge auf.
So belastend das Schütterwerden des einst üppigen Kopfschmucks für manche auch ist, der androgenetisch bedingte Haarausfall ist eher ein kosmetisches als medizinisches Problem, die Behandlung hängt wesentlich vom Leidensdruck des einzelnen ab.

Medikament stoppt Haarausfall

Was nun kann man tun, wenn die Haare im Übermaß ausfallen und sich das Haupthaar lichtet? Was hilft wirklich? „Am wirksamsten ist ein Enzymhemmer, der sogenannte 5-alpha-Reduktasehemmer Finasterid, der die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) verhindert, also in jene Form des Testosterons, das für die Haarwurzeln besonders problematisch ist“, betont Kopera. Durch das Schlucken einer Tablette täglich wird weniger DHT gebildet, der Haarausfall wird verlangsamt bzw. gestoppt, sodass die Haaransatzlinie nicht weiter zurückgeht. „Bei Personen, die optimal auf das Mittel ansprechen, wachsen sogar wieder Haare nach“, ergänzt die Ärztin. Je früher man mit der vom Arzt zu verschreibenden Behandlung beginnt, umso erfolgreicher ist sie.

Haarwasser forciert Haarwuchs  

Ein weiteres wirksames Mittel ist quasi ein Zufallsprodukt: Haarwasser mit dem Wirkstoff Minoxidil. „Minoxidil wurde ursprünglich in der Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt“, erklärt Kopera. „Dabei hat sich gezeigt, dass Personen, die es über längere Zeit eingenommen haben, vermehrten Haarwuchs haben.“ Das Haarwuchsmittel, das man je nach Konzentration ein- oder zweimal täglich auf die Kopfhaut aufträgt, ist nur für die Dauer der Anwendung wirksam. „Das Mittel fördert das Haarwachstum insofern, als wieder sehr feine Haare nachwachsen“, so Kopera. Für optimale Ergebnisse empfiehlt die Expertin, die Einnahme von Finasterid und die Minoxidil-Behandlung zu kombinieren.

Verpflanztes Eigenhaar

Eine besonders wirkungsvolle, wenn auch kostspielige Methode, ist die Transplantation von Eigenhaar. „Dabei wird aus dem hinteren Kopfbereich ein Stück Kopfhaut von etwa einem Zentimeter Breite und acht bis zehn Zentimetern Länge herausgeschnitten“, berichtet Daisy Kopera. „Unter dem Mikroskop werden aus dem Hautstück Minitransplantate angefertigt, die man dann in kleine Schlitze, die man vorher in die Kopfhaut geritzt hat, einsetzt.“ Wie kommt es, dass man dazu Eigenhaar, das einem schon am Oberkopf im Stich gelassen hat, verwendet? „Die Haare am Hinterkopf haben ein anderes genetisches Programm und bleiben deshalb länger bestehen“, erklärt die Expertin. Der Erfolg kann sich buchstäblich sehen lassen: „95 Prozent der gesetzten Haare wachsen an und bleiben dauerhaft erhalten“, so Kopera. „Auch das kosmetische Ergebnis ist sehr gut. Nach gut gemachten Haartransplantationen erkennen Laien keinen Unterschied zu natürlich gewachsenem Haar.“

Stärkende Nährstoffe

Nicht nur die Anzahl der Haare, auch die Haarstruktur spielt punkto Haarfülle eine Rolle. Wenn die Struktur zu wünschen übrig lässt, weil die Haare dünn und kraftlos sind, kann es sein, dass ein Mangel an bestimmten Mineralien oder Vitaminen dahintersteckt. In diesem Fall kann die (gesteigerte) Zufuhr verschiedener „Haarstrukturverbesserer“ zu kräftigerem Haupthaar verhelfen. „Zu diesen zählt Vitamin H, das Biotin“, sagt Kopera. „Biotin führt zwar nicht dazu, dass die Anzahl steigt, aber die Haare werden kräftiger.“ Biotin ist z. B. in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Eigelb enthalten. Auch Aminosäuren wie Kieselerde (z. B. in Hirse, Hafer, Kartoffeln, Karotten) stärken die Haarstruktur. Diese natürlichen Schönmacher kann man nach ärztlicher Rücksprache auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zuführen.

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Krankheit, Stress, Eisenmangel
Was außerdem zu Haarausfall führt

Während beim androgenetisch bedingten Haarausfall, der mit Abstand am häufigsten vorkommt, die Gene eine wichtige Rolle spielen, gibt es noch andere Ursachen für das Lichterwerden des Kopfhaars.
Schilddrüse
Haarausfall kann ein Hinweis auf eine Erkrankung der Schilddrüse sein. „Sowohl eine Schilddrüsenüber- als auch eine Schilddrüsenunterfunktion kann zu Haarausfall führen“, weiß die Grazer Dermatologin Univ. Prof. Dr. Daisy Kopera.

Stress
Andere müssen stressbedingt (zusätzliche) Haare lassen: „Stress hat eine den Haarausfall verstärkende Wirkung, weil in Stresssituationen vermehrt Nebennierenrindenhormone gebildet werden, die ähnlich wirken wie männliche Hormone“, verdeutlicht die Hautärztin.

Eisenmangel
Außerdem kann ein Eisenmangel, der sich am Blutbild ablesen lässt, zu vermehrtem Haarausfall führen. Kopera: „Liegt ein Mangel vor, muss Eisen zugeführt werden.“

Psychische Probleme
Die Ursachen für den kreisrunden Haarausfall sind zwar noch nicht genau bekannt, man nimmt aber an, „dass in sehr vielen Fällen psychische Belastungen dahinterstecken“, so die Medizinerin. Die kreisrunden, kahlen Stellen betreffen nicht nur das Haupt, sondern können am ganzen Körper, z. B. im Bart- oder Brustbereich, auftreten.

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Wenn Frauen Haare lassen:
Gleiche Ursache, andere Ausprägung

Seltener, aber doch sind auch Frauen von Haarausfall betroffen, in den Wechseljahren wird das Problem häufiger. „Wie bei den Männern ist diese Art von Haarausfall auf eine „Überempfindlichkeit“ gegen das männliche Hormon Testosteron durch die veränderte Hormonsituation zurückzuführen“, so die Dermatologin Univ. Prof. Dr. Daisy Kopera. „Bei Frauen ist der Haarausfall allerdings anders ausgeprägt.“ Anstelle von Geheimratsecken und Tonsur kommt es eher dazu, dass das Haar am Oberkopf schütter wird und sich besonders entlang des Scheitels lichtet.
Die Behandlung des weiblichen Haarausfalls? „Vor Eintritt in die Wechseljahre kann man ergänzend zur Minoxidil-hältigen Lösung mit antimännlichen Hormonen behandeln. Diese Antiandrogene wirken dem Haarausfall entgegen und lassen sich mit der Pille kombinieren“, berichtet die Hautärztin. „Nach der Menopause können auch Frauen Finasterid, den 5-alpha-Reduktasehemmer, schlucken.“

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Buchtipp:
Lindlbauer, Bauer, Gesund & schön von Kopf bis Fuß. Alles über Haut, Haare, Nägel, ISBN 978-3-902552-15-0, 250 Seiten, € 19,90
Verlagshaus der Ärzte

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