Rosacea : Rosenblütchen im Gesicht

Februar 2011 | Kosmetik & Pflege

Hautproblem mit schönem Namen und unschönen Folgen
 
Rote Wangen nach dem Sport, eine rote Nase nach dem Winterspaziergang – harmlose Phänomene, die schnell wieder vergehen. Nicht so die Rötungen im Gesicht, die auf Rosacea zurückzuführen sind. Die „Krankheit der Europäer“ tritt besonders häufig bei Frauen über 40 in Erscheinung.
 
Von Mag. Ursula Müller

Rosacea heißt übersetzt Rosenblütchen. Ein schöner Name, der all jenen wie ein Hohn erscheinen muss, die unter einer schweren Form dieser entzündlichen Erkrankung der Gesichtshaut leiden: Nase und Wangen sind gerötet, es schimmern bläulich rote Äderchen durch die Haut, auf der geröteten und großporigen Haut bilden sich entzündliche Knötchen und Pusteln, also Eiterbläschen, und es kann zu knollenartigen Wucherungen der Nase kommen. „Der Patient mit der Knollennase ist jedoch eine Ausnahme, eine extreme Ausnahme“, beruhigt Univ. Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer, Vorstand der Dermatologischen Abteilung am SMZ-Ost Donauspital in Wien und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie.
Wie genau es zu Rosacea kommt, ist bislang nicht eindeutig geklärt. „Es handelt sich um eine Erkrankung, die wahrscheinlich vor allem die Gefäße der Haut betrifft“, erklärt die Dermatologin. „Es kommt dabei zu einer Erweiterung der Blutgefäße, und die Weit- und Engerstellung der Gefäße funktioniert nur mangelhaft.“ Durch die erweiterten Blutgefäße erscheint die Haut rötlich. Volc-Platzer: „Dieses Erröten, in der Fachsprache auch Flushing genannt, ist eines der ersten Anzeichen von Rosacea und kann sich bereits zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr zeigen.“ Stärkere Symptome treten häufig erst ab dem 40. Lebensjahr auf.

Krankheit der Europäer

Von Rosacea sind mehr Frauen als Männer betroffen. Auch dafür kennt man den genauen Grund noch nicht. Möglicherweise begünstigen Menstruation, Schwangerschaft und Klimakterium das Problem. Es mag aber auch damit zusammenhängen, dass Frauen oft ausgiebigere Sonnenbäder nehmen als Männer, denn die Wärme spielt bei der Entstehung der Rosacea eine wichtige Rolle. Volc-Platzer: „Durch die Wärme, durch die Hitze steigt die Körpertemperatur, und das führt dann zu einer Weitstellung der Gefäße und zum Erröten der Gesichtshaut.“
Rosacea „ist eine Krankheit der Europäer. Bei dunkelhäutigen Menschen kommt sie praktisch nicht vor und in Asien viel seltener als in Europa“, sagt Volc-Platzer. Und hier leiden sehr viele darunter: In den Ländern Mittel- und Nordeuropas sind schätzungsweise zehn Prozent der Bevölkerung von Rosacea betroffen. Hellhäutige Personen, die leicht einen Sonnenbrand bekommen, sind besonders gefährdet. Die Krankheit entwickelt sich nach und nach, verläuft in Schüben und wird in verschiedene Typen eingeteilt:

Die Couperose

Rosacea beginnt meist unscheinbar mit Hautrötungen, die wie ein Sonnenbrand wirken. Sie tauchen bei Hitze oder bei einem Wechsel von Kälte und Wärme auf und verschwinden wieder. Dieses Erröten zeigt sich vor allem auf den Wangen und auf beiden Seiten der Nase, es können aber auch Kinn und Stirn betroffen sein. Irgendwann bleibt die Rötung bestehen, es bilden sich sichtbare Äderchen und Schwellungen. „Dies sind deutliche Hinweise, dass sich eine Rosacea entwickelt“, fasst Volc-Platzer zusammen und empfiehlt eine hautärztliche Untersuchung: „Denn durch eine entsprechende Behandlung kann der Verlauf der Rosacea sehr gemildert werden.“ Bei der Couperose handelt es sich um ein Frühstadium der Rosacea, die Erkrankung kann sich weiterentwickeln, muss aber nicht.

Die akneartige Rosacea

Die Haut ist gerötet, geschwollen, großporig und es treten Entzündungen um die Talgdrüsen auf. Es bilden sich Eiterbläschen, und diese Pusteln treten immer an denselben Stellen, meistens an der Nase und an den Wangen auf. Es gibt eine entzündliche Form der Rosacea, die der Akne sehr ähnlich ist. Manchmal kommt es dadurch zu Fehldiagnosen. Aber, so die Dermatologin Volc-Platzer: „Bei Patientinnen und Patienten, die unter Rosacea leiden, wird man nie Mitesser finden, das ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal.“

Die Augenrosacea

Bei einem Teil der Rosacea-Patienten sind auch die Augen betroffen. Es kommt zu Lidrandentzündungen sowie zu Bindehaut- und Hornhautentzündungen, und die Augen fühlen sich sehr trocken an. Am Auge treten also chronische Entzündungen auf, die unbehandelt bis zur Erblindung führen können. Wer an Rosacea leidet, sollte sich auf jeden Fall augenärztlich behandeln lassen.
In ganz seltenen Fällen tritt die Rosacea nur an den Augen auf. Beatrix Volc-Platzer: „Eine sorgfältige Untersuchung und ein ausführliches Patientengespräch zeigen dann oft, dass es bereits erste Symptome wie Rötungen und Schwellungen im Gesichtsbereich gab. Wenn also der Verdacht auf Augenrosacea besteht, sollte unbedingt auch ein Dermatologe aufgesucht werden.“

Die Knollennase

Frauen sind zwar häufiger von Rosacea betroffen als Männer, doch in der Regel nimmt diese entzündliche Erkrankung beim weiblichen Geschlecht einen milderen Verlauf. Bei Männern kann es zu einer Veränderung der Nase kommen. Die knollenartige Wucherung wird in der Medizin als Rhinophym bezeichnet und mitunter als Schnapsnase verunglimpft. Volc-Platzer: „Aber auch Männer, die keinen Alkohol trinken, können eine Knollennase bekommen. Darüber hinaus gibt es eine genetische Veranlagung. Menschen, die an Rosacea leiden, sollten auf jeden Fall Alkohol meiden, da Alkohol zur Erweiterung der Gefäße führt.“

So wird behandelt

Die Behandlung der Rosacea umfasst die tägliche Pflege, die Therapie mit Cremen und Salben sowie die Einnahme von Medikamenten. Bei der täglichen Pflege zu Hause wird die Gesichtshaut mit lauwarmem Wasser und einer alkalifreien Seife gereinigt und mit einem weichen Handtuch vorsichtig getrocknet. Die verwendeten Kosmetika sollten keine Zusatzstoffe enthalten. Es gibt spezielle Produkte für Menschen, die an Rosacea leiden.
Schwerere Formen der Rosacea werden in der Regel mit Antibiotika behandelt, und zwar mit Tetracyklinen. Heute können diese auch niedrigdosiert eingesetzt werden. Volc-Platzer weist darauf hin, dass die Behandlung der Rosacea ausreichend lang erfolgen muss: „Das Mittel muss mindestens zwei bis drei Monate lang eingenommen werden und wird im allgemeinen gut vertragen.“
Antibiotika werden auch äußerlich angewendet. So wird beispielsweise Metronidazol in einer genau definierten Menge zu Cremen gemischt. „Diese Antibiotika werden nicht primär deshalb gegeben, weil sie antibiotisch wirksam sind, also bakterielle Entzündungen heilen“, erläutert die Dermatologin. „Sie werden verabreicht, weil sie eine ganz allgemeine entzündungshemmende Wirkung haben und weil sie eine Rückbildung der neugebildeten Blutgefäße bewirken und somit die Hautrötung wieder zurückgeht.“

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Wichtig: Auslöser meiden!

Weil die „Rosenblütchen“ im Gesicht durch Rötungen, Schwellungen, Pusteln nicht zu übersehen sind, werden sie als sehr belastend empfunden. Die Betroffenen können aber einiges dazu tun, damit das Problem nicht schlimmer wird. Bei einer Neigung zu Rosacea gilt: Keine Sonnenbäder, keine Saunagänge und keine heißen Vollbäder! Auf heiße Getränke, scharf gewürzte Speisen und Alkohol sollte verzichtet werden, weil es dadurch zu Gefäßerweiterungen und in der Folge zu Gesichtsrötungen kommt. Auch fettende Cremen, Salben, die Kortison enthalten, sowie Kosmetika mit Alkohol, Menthol oder Duftstoffen sollten vermieden werden. Es empfiehlt sich, regelmäßig eine Sonnenschutzcreme zu verwenden und die Gesichtshaut bei einem starken Temperaturwechsel zu schützen. Wie wichtig es ist, über die Auslöser der Rosacea Bescheid zu wissen, fasst Univ. Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer so zusammen: „Wer schon im Frühstadium der Rosacea Lebensstil und Hautpflege auf diese Erkrankung abstimmt, kommt möglicherweise sogar ohne Medikamenteneinnahme aus.“

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