Sonnenschutz

Mai 2011 | Kosmetik & Pflege

Zehn brandgefährliche Irrtümer und wie man sie vermeidet
 
Im Schatten ist man sicher, Solarienbesuche sind eine gute Vorbereitung für gesundes Sonnenbaden, ein hoher Lichtschutzfaktor ist nur beim Strandurlaub unter südlicher Sonne angebracht – brandgefährliche Irrtümer wie diese halten sich hartnäckig. Alles über den richtigen Sonnenschutz.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

1. Im Schatten brauche ich keinen Sonnenschutz

„Schatten ist nicht gleich Schatten“, sagt Univ. Prof. Dr. Adrian Tanew von der Abteilung für Allgemeine Dermatologie am Wiener AKH. „Wenn man auf einer Terrasse sitzt, die von einer Markise überdacht ist, ist man sicher besser vor der Sonne geschützt, als wenn man im Schatten eines Sonnenschirms oder einer Mauer liegt.“ Weitere Faktoren, die den Sonnenschutz im Schatten beeinflussen, sind der Ort, die Jahres- und Tageszeit, die den Einfallswinkel der Sonne bestimmen, und die Bodenbeschaffenheit. Tanew: „Sonnenbestrahlung, die von Sand oder Schnee reflektiert wird, kann die Haut auch dann schädigen, wenn man im Schatten ist.“ Daher sollte man, so der Experte, sicherheitshalber auch im Schatten Sonnenschutzmittel verwenden.

2. Ein bisschen Sonnenbrand ist nicht gefährlich

„Auch leichte Sonnenbrände, die nicht weh tun und nicht sichtbar sind, schaden in Summe der Haut“, sagt Tanew. Die Belastung der Haut durch UV-Strahlen im Lauf des gesamten Lebens bestimmt das Ausmaß der Hautalterung und das Hautkrebsrisiko. So gehen z. B. die Bildung von Falten und Pigmentflecken an Körperregionen, die häufig dem Licht ausgesetzt ist, wie Gesicht, Hals, Dekolleté und Handrücken, zu 80 Prozent auf die Sonne zurück und sind nur zu 20 Prozent auf die biologische Hautalterung zurückzuführen. Tanew: „Außerdem steigt bei übermäßigem Sonnenbaden das Risiko, an weißem und schwarzem Hautkrebs zu erkranken.“

3. Beim Einschmieren muss man nicht dick auftragen

„Sonnenschutzmittel sollte man so auf die Haut auftragen, dass wirklich die gesamte Haut gut mit dem Mittel bedeckt ist, und zwar auch an Stellen, die oft vergessen werden, wie an den Ohren, im Nacken oder an den Füßen“, sagt Tanew. „Wenn man das tut, benötigt man mindestens sechs Esslöffel voll Sonnenschutzmittel.“ Wer weniger verwendet, riskiert trotz der Verwendung von Cremen, Lotionen und Sprays mit hohem Sonnenschutzfaktor einen unzureichenden Schutz.

4. Vorbräunen im Solarium härtet die Haut ab

Tanew: „Durch eine Vorbräunung der Haut im Solarium kann man sich auf keinen Fall ausreichend vor der Sonne schützen.“ Die Bräunung, die durch Solarien hervorgerufen wird, bewirkt nämlich nur einen Lichtschutzfaktor von 1,5 bis 3 und liegt somit weit unter dem Schutz, der durch die Anwendung von Sonnenschutzmitteln besteht. „Um Sonnenschäden zu vermeiden, muss man daher auch dann Sonnenschutzmittel verwenden, wenn man eine solariumgebräunte Haut hat“, sagt Tanew.

5. Gebräunte Haut braucht weniger Schutz

„Auch wenn man durch die natürliche Sonneneinstrahlung z. B. während eines zurückliegenden Badeurlaubs bereits leicht oder auch stärker gebräunt ist, ist man nicht vor Sonnenschäden geschützt“, sagt Tanew. Um zu vermeiden, auf der gebräunten Haut einen Sonnenbrand zu bekommen und auch um das Risiko langfristig auftretender Hautschäden zu verringern, sollte man, so der Experte weiter, die Haut auch vor neuerlichen Aufenthalten in der Sonne gut mit Sonnenschutzmittel versorgen. Tanew: „Auch Haut, die mit Selbstbräunungsmitteln vorgebräunt ist, ist kaum vor der Sonne geschützt und braucht Sonnenschutzmittel, um von Schäden verschont zu bleiben.“

6. Durch Kleidung dringen keine Sonnenstrahlen

Tanew: „Es gibt Textilien, die tatsächlich einen fast kompletten Schutz vor der Sonne bieten, aber das ist eine Spezialkleidung, die primär für Kinder oder für extrem gefährdete, weißhäutige Menschen in Gebieten mit extremer Sonneneinstrahlung gedacht ist.“ Für normale Kleidung gilt: Je dünner die Webart, je heller und je feuchter sie ist, desto stärker dringen die Sonnenstrahlen zur Haut durch. „Ein dünnes weißes T-Shirt, das nass geschwitzt ist, schützt nur teilweise vor der Sonne“, sagt Tanew. „Ein Hemd aus einem dichten und dickeren Leinenstoff, das dunkel und trocken ist, ist schon ein besserer, aber auch noch kein 100-prozentiger Sonnenschutz.“

7. Einen hohen Lichtschutzfaktor brauche ich nur beim Strandurlaub

Ganz egal, ob in der Karibik oder in Caorle, am Donaustrand, am Wörthersee oder in den Bergen: „Man sollte, insbesondere zu Beginn des Urlaubes, auf jeden Fall ein Sonnenschutzmittel mit einem hohen Lichtschutzfaktor verwenden“, sagt Tanew. „Je höher, desto besser.“ Zwar wird man umso langsamer braun, je höher der Lichtschutzfaktor ist, so der Experte weiter. „Aber dafür bleibt die Haut länger jung und man erhält sich abgesehen vom jüngeren Aussehen auch die Hautgesundheit“, sagt Tanew.

8. Mit einem Sunblocker kann ich den ganzen Tag in der Sonne bleiben

„Wenn man das Wort Sunblocker hört oder liest, meint man, dass das Mittel, das so bezeichnet wird, die Haut zu 100 Prozent vor der Sonne schützt, doch so ein Mittel gibt es nicht“, sagt Tanew. Selbst ein Sonnenschutzmittel mit einem Sonnenschutzfaktor von 50 lässt immer noch zwei Prozent der Strahlung durch, so der Experte weiter. „Das kann bei einem längeren Aufenthalt in der prallen Sonne und zu dünnem Auftragen des Sonnenschutzmittels durchaus zu Hautschäden führen.“ Neu auf den Markt kommende Sonnenschutzprodukte dürfen nach den neuen EU-Richtlinien daher die Bezeichnung Sunblocker nicht mehr tragen.

9. Sonnenschutzmittel haben kein Ablaufdatum

Tanew: „Sonnenschutzmittel sollten sicherheitshalber ein bis zwei Jahre nach dem Öffnen aufgebraucht sein.“ Denn ist schon einmal Luft in die Substanz geraten, war sie schon einmal länger in der Hitze oder sind eventuell auch Sandkörner, Erde und Bakterien in das Mittel geraten, verändern sich die Inhaltsstoffe bzw. deren Zusammensetzung. „Es kann sein, dass das Mittel durch diese Veränderungen die Haut nicht mehr gut genug schützt und man Sonnenschäden bekommt, auch wenn man genug davon auf die Haut aufträgt“, sagt Tanew. Auf jeden Fall nicht mehr zu gebrauchen sind Mittel, die schlecht riechen, sich verfärbt oder in der Konsistenz verändert haben, rät der Experte.

10. Nachcremen verlängert die Schutzzeit

„Dass man durch wiederholtes Auftragen eines Sonnenschutzmittels den Sonnenschutzfaktor erhöhen kann, ist ein Irrtum“, sagt Tanew. Wer z. B. ein Mittel mit dem Lichtschutzfaktor 30 in ausreichender Menge auf die Haut aufträgt, kann 30 Mal so lange in der Sonne bleiben, bis sich ein Sonnenbrand einstellt, wie ohne Sonnenschutzmittel. Ein zweifaches oder dreifaches Auftragen des Sonnenschutzes erhöht den Lichtschutzfaktor aber nicht auf 60 oder 90. Tanew: „Wenn man innerhalb der Schutzzeit im Wasser war oder stark geschwitzt hat, ist Nachcremen allerdings notwendig.“ Denn durch das Schwitzen oder Baden werden selbst wasserfeste Filtersubstanzen teilweise von der Hautoberfläche abgelöst, wodurch sich die Schutzwirkung verringert.

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Sonnenschutz der Augen:
Bitte immer mit Brille!

Wer sich in der Sonne aufhält, ist gut beraten, die Augen mit einer Sonnenbrille vor der Sonnenbestrahlung zu schützen. Denn die Sonne setzt Augen mitunter ordentlich zu: Augenreizungen, Bindehautentzündungen und sogar nicht mehr rückgängig zu machende Hornhautschäden können durch ein Zuviel an Sonne hervorgerufen werden. Wie gut eine Brille vor der Sonne schützt, wird in Stufen angegeben. Stufe vier eignet sich für Gletscherwanderungen und Aufenthalte in praller südlicher Sonne, die Stufen zwei bis drei reichen für den normalen Alltagsgebrauch.

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