Blutdruck, Blutfette, Blutzucker

Dezember 2011 | Medizin & Trends

Alles über das Trio der Herzgesundheit
 
Ein hoher Blutdruck schadet dem Herzen genauso wie schlechte Blutfettwerte. Und ein erhöhter Blutzuckerspiegel macht das gefährliche Trio komplett. Zuletzt herrschte einige Verwirrung darüber, wie hoch bzw. niedrig diese Werte sein sollen, um das Herz gesund zu erhalten. MEDIZIN populär über den aktuellen Stand der Dinge.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Sie liegen unangefochten auf Platz eins der Liste der häufigsten Todesursachen in Österreich: Herz- und Kreislauferkrankungen. Nach den jüngsten Zahlen der Statistik Austria aus 2009 stirbt hierzulande fast jeder Zweite an Herzinfarkt, Schlaganfall & Co – der Folge von hohem Blutdruck, schlechten Blutfettwerten und einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Jeder einzelne dieser drei Werte ist wichtig für die Herzgesundheit. Gibt es bei allen dreien Entgleisungen, so werden sie zum gefährlichen Trio: Dann steigt das Risiko, z. B. einen Herzinfarkt zu erleiden, gleich um das Zigfache (siehe Gefährliches Trio: Risiko 16 Mal höher).
Wie hoch bzw. niedrig Blutdruck, Blutfett und Blutzuckerspiegel sein sollten, wurde in den letzten Jahren immer wieder diskutiert. Über den aktuellen Stand der herzgesunden und herzgefährlichen Werte informiert Univ. Prof. Dr. Otmar Pachinger, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie in Innsbruck und Präsident des Österreichischen Herzfonds.

1) Blutdruck

  • Das ist gesund

„Der optimale Blutdruckwert eines Erwachsenen liegt, wie wir heute wissen, bei 135/80“, sagt der Herzspezialist Pachinger. 120/80 galt zuletzt als ideal, doch der Wert erwies sich für viele Menschen als zu niedrig, wie der Facharzt erläutert. Der erste (systolische) Wert bezeichnet den Druck, der in der Anspannungsphase des Herzens herrscht, der zweite (diastolische) steht für den Druck in der Entspannungsphase.

  • Das ist gefährlich

Durch den Druckwechsel wird das Blut durch den Körper gepumpt. Geschieht das mit zu hohem Druck, wird das Herz gleich auf vielfache Art und Weise geschädigt. Pachinger: „Durch zu hohen Druck wird der Herzmuskel zu stark beansprucht, wodurch er größer wird.“ Der größere Herzmuskel hat es aber nicht leichter beim Pumpen des Bluts durch den Körper, sondern im Gegenteil schwerer, weil er durch seine Größe belastet ist. „Aufgrund der stärkeren Belastung des Herzens durch den Bluthochdruck entsteht im Lauf der Zeit eine Herzschwäche, die lebensgefährlich sein und zum Tod führen kann“, sagt Pachinger.
Ein hoher Blutdruck ist aber auch aus einem anderen Grund eine Gefahr fürs Herz: „Wird das Blut mit großem Druck durch die Gefäße gepumpt, ändert sich der Blutfluss. So kommt es zu abnormalen Scherkräften und Turbulenzen, wodurch sich Ablagerungen bilden“, erklärt der Kardiologe. Ablagerungen in den Gefäßen führen wiederum zu Gefäßverengungen und diese über kurz oder lang zu lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen. Wird aus der Verengung eine Verstopfung, kann man einen ebenfalls lebensgefährlichen und nicht selten todbringenden Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommen.

  •  So wird gemessen

Das Fatale am hohen Blutdruck ist: „Man bemerkt ihn nicht, da er keine Beschwerden verursacht“, so Pachinger. Um Bluthochdruck zu erkennen, muss er gemessen werden, und zwar richtig: an 30 aufeinander folgenden Tagen, immer etwa zur selben Zeit. „Liegen die Werte an sieben oder mehr dieser 30 Tage über dem optimalen Wert von 135/80, hat man einen zu hohen Blutdruck“, sagt Pachinger.

  • So wird behandelt

Lebensstiländerungen stehen an erster Stelle der Behandlung von Bluthochdruck: „Wer ein Bewegungstraining mit dreimal 30 Minuten Ausdauersport pro Woche beginnt, gegebenenfalls Übergewicht abbaut und mit dem Rauchen aufhört, kann schon binnen sechs Wochen eine deutliche Verbesserung des Blutdruckwerts erzielen“, weiß Pachinger. Bleiben die Blutdruckwerte trotz dieser Maßnahmen hoch, verschreibt der Arzt ein blutdrucksenkendes Medikament.

2) Blutfette

  • Das ist gesund

„Ein LDL-Wert von 120 gilt heute als ideal. Wenn aber jemand bereits Herzprobleme hat, sollte der Wert unter 100 liegen“, so Pachinger über den aktuellen Stand. Noch vor einiger Zeit galt ein LDL-Wert von 130 als Gefahrengrenze, doch man entdeckte, dass die Zahl zu hoch angesetzt war. LDL steht für „Low Density Lipoproteins“, wasserunlösliche Blutfette bzw. Cholesterine geringer Dichte, die wesentlich zur Gefäßverkalkung beitragen. Oft geht ein hoher LDL-Wert mit einem niedrigen HDL-Wert einher, also einem niedrigen Anteil sogenannter High Density Lipoproteins, was fatal ist, da HDL die Gefäßwände vor Verkalkungen schützen würden. Gut für die Herzgesundheit ist ein HDL-Wert über 55. Der Gehalt an den sogenannten Triglyzeriden, dem neutralen Blutfett, sollte übrigens maximal bei 180 liegen. „Ein höherer Triglyzeridwert ist aber nur dann gefährlich, wenn auch der LDL-Wert hoch und der HDL-Wert im Verhältnis dazu niedrig ist“, sagt Pachinger.

  • Das ist gefährlich

„Durch die Verkalkungen kommt es zu Gefäßverengungen, die wiederum zu Herzrhythmusstörungen führen können und – sobald ein Gefäß verstopft ist – zu Herzinfarkt und Schlaganfall“, sagt Pachinger. Beides ist lebensbedrohlich und kann tödlich sein.

  • So wird gemessen

Egal, um welchen Blutfettwert es sich handelt: Alle drei können nach einer einmaligen Blutabnahme im Labor gemessen werden.

  • So wird behandelt

„Schlechte Blutfettwerte gehen einerseits auf eine fettreiche Ernährung zurück, andererseits werden sie vererbt“, so der Experte. Wer davon betroffen ist, kann also versuchen, die Werte durch eine fettarme Ernährung zu senken. „Gelingt das nicht, sollten unbedingt Medikamente genommen werden“, sagt Pachinger. Durch sie kann der LDL-Wert rasch gesenkt und dauerhaft niedrig gehalten werden.   

3) Blutzucker

  • Das ist gesund

„Der Blutzuckerspiegel sollte im nüchternen Zustand unter 110 liegen“, sagt Otmar Pachinger. Nüchtern heißt, dass acht Stunden vor der Messung nichts gegessen und getrunken wurde. Auch dieser Richtwert ist in den vergangenen Jahren ein wenig nach unten gesetzt worden, da die Gefahr eines erhöhten Blutzuckerspiegels unterschätzt worden war.

  • Das ist gefährlich

„Zu viel Zucker im Blut schädigt das Herz doppelt“, warnt der Herzspezialist. Zum einen begünstigt der Zucker Ablagerungen in den Blutgefäßen, die zu Verengungen der Gefäße führen – wodurch wiederum Herzrhythmusstörungen drohen. Und wird aus der Verengung eine Verstopfung, drohen die lebensgefährlichen und mitunter todbringenden Herzinfarkte und Schlaganfälle. Zum anderen schädigt, so Pachinger, zu viel Zucker im Blut die Blutgefäßwände und macht sie durchlässig für Schadstoffe. Sind die Schadstoffe dann einmal durch die Gefäßwände gedrungen, lagern sie sich z. B. am Herzen ab und belasten es stark, was das Infarktrisiko erhöht.

  • So wird gemessen

Gemessen werden kann der Blutzuckerspiegel mit einem entsprechenden Messgerät nach einem kleinen Stich in den Finger – oder im Zug einer umfassenden Blutuntersuchung. Liegt der Wert über 110, wird eine sogenannte Blutzuckerbelastungsprobe durchgeführt: Dazu trinken die Patienten eine spezielle Zuckerlösung, bevor zwei Stunden später noch einmal der Blutzucker gemessen wird. Liegt der Wert dann über 140, lautet die Diagnose Diabetes mellitus Typ 2.

  • So wird behandelt

„Gegen den sogenannten Altersdiabetes sollte man zuerst mit einer Lebensstiländerung vorgehen“, sagt Pachinger. Das heißt: auf eine zuckerarme Ernährung umstellen, Bewegungstraining in den Alltag einbauen und im Fall des Falles Übergewicht abbauen. Gelingt es so binnen sechs Wochen nicht, den Blutzuckerwert zu senken, müssen blutzuckersenkende Medikamente genommen werden.

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Gefährliches Trio: Risiko 16 Mal höher

Wer einen zu hohen Blutdruck, schlechte Blutfettwerte und einen hohen Blutzuckerspiegel hat, hat gegenüber Gesunden ein 16-fach höheres Risiko, Herz- und Kreislauferkrankungen zu bekommen“, sagt Univ. Prof. Dr. Otmar Pachinger. Gelingt es, alle drei Risikofaktoren auszuschalten, also Blutzuckerspiegel, Blutfette und Blutdruck in den Griff zu bekommen, lässt sich das Risiko drastisch senken.

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Kälte geht zu Herzen: Risiko im Winter höher

Sinkt die Quecksilbersäule des Thermometers gegen Null und darunter, verengen sich die Blutgefäße im gesamten Körper – auch im Herzen. Sind die Gefäße bereits durch Ablagerungen verengt, kann es durch die nochmalige kältebedingte Verengung zu einem Gefäßverschluss kommen. „Niedrige Temperaturen sind daher   ein Risikofaktor für Herzinfarkte und Schlaganfälle“, sagt Univ. Prof.
Dr. Otmar Pachinger. Das wiesen Forscher der Universitätsklinik für Kardiologie in Innsbruck in einer Studie mit mehr als 1500 Patientinnen und Patienten nach, die als Skiurlauber nach Tirol gekommen waren – und mit Herzinfarkten in der Klinik landeten. Als Ostösterreicher, Deutsche und Holländer waren sie allerdings die Höhe nicht gewohnt, wo das Atmen schwerer fällt, was ebenfalls das Herz belastet – die Infarkte passierten auf Skipisten in durchschnittlich 1350 Metern Seehöhe. 70 Prozent von ihnen hatten zudem einen hohen Blutdruck, schlechte Blutfettwerte oder einen erhöhten Blutzuckerspiegel und/oder rauchten – was über den damit verbundenen Blutdruckanstieg ebenfalls das Herz gefährdet.

Buchtipp:
Steurer, Gruber, Herz. Intakt statt Infarkt, ISBN 978-3-902552-81-5
144 Seiten, € 14,90, Verlagshaus der Ärzte 2010

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