Krebs: Die Zukunft der Krebstherapie

August 2011 | Medizin & Trends

Die Wunderpille gegen Krebs gibt es noch nicht, neue Therapieformen und Medikamente haben aber in den letzten Jahren die Chancen im Kampf gegen bösartige Tumore erheblich erhöht – und die Zukunftsaussichten geben Krebskranken und ihren Angehörigen Grund zum Optimismus.
 
Von Dr. Kurt Markaritzer

Natürlich zählen Krebserkrankungen trotz aller Fortschritte nach wie vor zu den größten gesundheitlichen Bedrohungen in unserem Land. Pro Jahr wird bei rund 19.000 Männern und bei 17.000 Frauen Krebs diagnostiziert, 11.000 Männer und 9000 Frauen sterben jährlich an diesen Erkrankungen, die insgesamt für etwa ein Viertel der Todesfälle verantwortlich sind.
Allerdings zeigt die Statistik auch, dass sowohl das Risiko einer Neuerkrankung als auch die Gefahr, am Krebs zu sterben, alles in allem zurückgehen und dass die Überlebenschancen nach einer Krebsdiagnose in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen haben.
„Es ist keine Frage: Der allgemeine Fortschritt im Kampf gegen den Krebs ist nicht zu übersehen, er ist aber nicht bei allen Krebsarten gleich“, sagt Univ. Prof. Dr. Christoph Zielinski, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin I und Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie der Medizinischen Universität Wien, die rund 50 Prozent der Krebspatienten aller Spitäler des Wiener Krankenanstaltenverbunds versorgt und an zahlreichen entscheidenden klinischen Studien beteiligt ist, die oftmals direkt zu neuen oder erweiterten Formen der Therapie führten.

Überlebenschancen steigen weiter

Die wissenschaftliche Arbeit ist weltweit eine der wichtigsten Säulen der modernen Medizin, sie hat beträchtlich zu einer Verbesserung der Überlebenszahlen bei Krebserkrankungen beigetragen: Überlebten in den USA laut den Statistiken des US-amerikanischen National Cancer Institute (NCI) 1950 bis 1954 nur insgesamt 35 Prozent aller Patienten ihre Krebserkrankung über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren, waren es in den Jahren 1999 bis 2005 insgesamt 69,1 Prozent.
Auch in Österreich beweist die Krebsstatistik, dass die Überlebenschancen nach einer Krebsdiagnose in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen sind. 1983 überlebten durchschnittlich nur 40 Prozent der Patienten die Krankheit länger als fünf Jahre, 20 Jahre später waren es bereits 62 Prozent – und die Tendenz ist seither weiter steigend.
In einem 2010 erstellten Positionspapier der Klinischen Abteilung für Onkologie heißt es dazu: „Generell sind die Mortalitätstrends an Krebs von 1997 bis 2006 rückläufig. Erfreulich ist, dass sich dieser Trend der Verbesserung der Prognose besonders deutlich für den bei Frauen häufigsten Tumor, den Brustkrebs, niederschlägt, wo es in den Vergleichzeiträumen 1975 bis 1977 und 1999 bis 2005 zu einer statistisch signifikanten Verbesserung der Fünf-Jahres-Überlebensrate gekommen ist.“ Ähnliches gilt für den Dickdarmkrebs.

Moderne Therapie ist maßgeschneidert

Dass entscheidende Fortschritte erzielt wurden, ist also unbestreitbar. Zielinski über die Gründe: „Die Abnahme der Zahl der neuen Krebserkrankungen und der Todesfälle hängt einerseits ganz sicher mit besseren Lebensbedingungen und mehr Möglichkeiten zur Frühdiagnose zusammen. Vor allem aber hat sich die Behandlung entscheidend gewandelt.“
Im letzten Jahrzehnt wurden erstmals in der Geschichte der Onkologie Therapien klinisch angewendet, die vorher bei Forschungsarbeiten im Labor gründlich vorbereitet wurden. So ist es gelungen, bei der Behandlung der Patienten auf ganz bestimmte, im Labor identifizierte Signalwege einzugehen, die für das unkontrollierte Wachstum sowie die Vermehrung und Ausbreitung von Tumorzellen verantwortlich sind. Darüber hinaus ist zunehmend bewusst geworden, dass Krebs nicht gleich Krebs ist: Zwischen den einzelnen Tumoren und ihrer Wirkung auf den einzelnen Patienten gibt es enorme Unterschiede, die in der modernen, sogenannten „personalisierten Therapie“ berücksichtigt werden.

Fortschritte je nach Krebsart

Wie weit ein wissenschaftlich belegbarer Zusammenhang zwischen den neuen Therapieoptionen und den verbesserten Überlebenschancen besteht, lässt sich aus der Krebsstatistik allerdings nicht direkt ablesen, weil diese Therapien zum Teil nicht für alle Patienten in Österreich verfügbar sind und manche Medikamente erst vor wenigen Jahren von den zuständigen Behörden zugelassen worden sind. Um ein klareres Bild zu bekommen, hat man am Wiener AKH die Klinischen Studien der Abteilung für Onkologie präzise analysiert und damit auf beachtliche Datenmengen zurückgreifen können. Immerhin werden dort jährlich etwa 5900 Patienten betreut, rund 18 Prozent davon im Rahmen klinischer Studien. Bei der Untersuchung, was die neuen Therapien bewirken, haben sich die Experten auf Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen mit Metastasen konzentriert, also auf Kranke, bei denen die Prognosen zur durchschnittlichen Lebenserwartung besonders ungünstig waren.
Zielinski berichtet, dass sich dabei durchaus markante Unterschiede zwischen verschiedenen Arten von Krebs ergeben haben: „Die Strategien der Behandlung hatten immer eine schrittweise Verbesserung der Prognose und eine schrittweise Verlängerung der Überlebensdauer zum Ziel. Wie unsere Daten belegen, ist die Verbesserung bei manchen Krebserkrankungen dramatisch, bei anderen dagegen eher geringfügig. Der allgemeine Fortschritt ist unübersehbar, er ist aber auf unterschiedliche Weise ausgeprägt.“

Gewonnene Lebensmonate dank neuer Therapien
Die Ergebnisse zeigen, wie sich die durchschnittliche Überlebenszeit bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium bei verschiedenen Tumorarten innerhalb eines Jahrzehnts verlängert hat.

  • Bei bösartigen Hirntumoren (Glioblastom) stieg sie von durchschnittlich acht bis zwölf auf 15 bis 23,4 Monate,
  • beim Multiplen Myelom (bösartige Wucherung von Plasmazellen im Knochenmark) von 36 auf 72 Monate,
  • bei Lungenkrebs von 10,6 bis 11,5 auf 13,4 bis 16,8 Monate,
  • beim Dickdarmkarzinom von 14,2 auf 29,3 Monate,
  • bei Brustkrebs von 22 auf bis zu 58 Monate,
  • bei HNO-Karzinomen (dazu zählen unter anderem Kehlkopf- und Luftröhrenkrebs) von 29,3 bis 30 auf 49 bis 66 Monate.
  • bei Nierenzellkarzinom (Nierenkrebs) von 15,2 auf 26,4 bis 43,6 Monate und
  • bei bösartigen B-Zell-Lymphomen (bestimmten Formen von Lymphknotenkrebs) von 37 auf 91 Monate.

Zielinski: „Manche dieser Zahlen scheinen nicht besonders beeindruckend zu sein. Man darf aber nicht vergessen, dass für viele Krebspatienten jeder Monat, den sie länger in guter Qualität leben, ein unschätzbar wertvolles Geschenk ist. Und etwas muss man bei Statistiken immer dazu sagen: Sie geben Durchschnittswerte an, bei einzelnen Patienten kann die Überlebenszeit viel länger sein und Jahre dauern!“

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Österreich hat gute Krebsversorgung

Herr und Frau Österreicher können Vertrauen in ihre medizinische Versorgung haben, auch wenn sie an Krebs erkrankt sind, konstatiert das renommierte schwedische Karolinska-Institut in Stockholm. Es stellt unserem Land bei der Verwendung der modernsten medikamentösen Therapien gegen Krebs ein sehr gutes Zeugnis aus. Bei der Verwendung dieser Präparate – und auch bei den dafür aufgewendeten Finanzmitteln – liegt Österreich europaweit mit an der Spitze. Die schwedischen Experten: „Bei Lungenkrebs zum Beispiel werden in Österreich im europäischen Vergleich mit 28 Prozent mehr Erkrankungen in einem noch heilbaren Stadium erkannt als anderswo. Ein Vergleich von 13 EU-Staaten zeigt, dass Österreich bei der Verwendung der neuen Krebs-Medikamente bei Aufwendungen pro 100.000 Einwohner mit 3,5 Millionen Euro deutlich über dem EU-Schnitt von 2,6 Millionen liegt.“

Webtipps:
Hilfreiche Informationen für Krebspatienten und ihre Angehörigen finden sich unter www.krebs-patienten.info und www.krebsinfo.at

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