Leben mit Morbus Crohn

Oktober 2011 | Medizin & Trends

Ein Betroffener über seinen Alltag mit der Krankheit
 
Vor 16 Jahren wurde bei Rudolf Breitenberger die chronisch entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn diagnostiziert. Im Interview mit MEDIZIN Populär erzählt der heute 47-jährige Grafiker, wie die Krankheit sein Leben beeinflusst.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Herr Breitenberger, bei Ihnen wurde die chronisch entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn diagnostiziert, als Sie 31 Jahre alt waren. Wie war es für Sie, von der Krankheit zu erfahren?

Rudolf Breitenberger
Das war sehr schlimm. Ich war geschockt, obwohl ich vor der Diagnose schon etliche Jahre lang Probleme mit dem Darm gehabt habe.

Welche Probleme hatten Sie denn?
Schmerzen und Durchfall. Bei einer Untersuchung wurde dann festgestellt, dass sich aufgrund von Morbus Crohn Fisteln im Analbereich und Verengungen im Dickdarm gebildet hatten. Dazu kam noch ein entzündlicher Tumor im Übergang vom Dünndarm zum Dickdarm. Das alles musste entfernt werden, also wurde ich operiert. Als ich nach der Operation aufgewacht bin, hatte man mir nicht nur die Fisteln, den Tumor etc. entfernt, sondern zur Entlastung des Dickdarms einen künstlichen Darmausgang gelegt. Das hat mich noch mehr schockiert als die Diagnose Morbus Crohn.

Wie lang hatten Sie den künstlichen Darmausgang?
Den habe ich immer noch! Ich wollte ihn behalten, als ich bemerkt habe, dass er meine Lebensqualität enorm verbessert. Vor der Operation musste ich ja wegen meines Durchfalls teilweise bis zu 25 Mal am Tag aufs Klo gehen. Die Angst, keine Toilette vorzufinden, wenn man eine braucht, begleitet einen da immer. Alltägliche Dinge wie zum Beispiel Schlangestehen an der Supermarktkasse sind dann oft ein riesiges Problem. Da muss man aufpassen, dass man nicht noch zusätzlich eine psychische Störung entwickelt und sich wegen dieser permanenten Angst isoliert und nirgends mehr hingeht.

Und im Job hatten Sie in dieser Situation keine Probleme?
Nein, ich hatte Glück. Ich war damals schon viele Jahre in derselben Firma. Das war ein kleiner Betrieb, dort sind alle mit meiner Krankheit sozusagen mitgewachsen. Und seit ich meinen künstlichen Darmausgang habe, kann ich ohne Einschränkung meinen Job erledigen.

Wie geht Ihr privates Umfeld mit Ihrer Erkrankung um?
Ich habe immer offen über die Erkrankung gesprochen und zu verstehen gegeben, dass es mir so, wie es mir jetzt geht, gut geht. Diese positive Einstellung spiegelt sich wider, also haben auch meine Frau, meine Familie und meine Freunde keine Schwierigkeiten mit der Krankheit und meinem künstlichen Darmausgang.

Nehmen Sie Medikamente?
Ich nehme Präparate, die entzündungshemmend wirken. Und wenn sich bei der Blutuntersuchung, zu der ich alle drei Monate gehe, herausstellt, dass ich einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel habe, nehme ich Nahrungsergänzungsmittel, die den Mangel ausgleichen. Solche Mängel habe ich immer wieder, weil durch die Entzündung im Darm der Stoffwechsel gestört ist.

Müssen Sie beim Essen irgendetwas beachten?
Ich esse nichts schwer Verdauliches, aber ansonsten muss ich mich an keine Regeln halten.

Sie engagieren sich als Präsident der „Österreichischen Morbus Crohn-Colitis Ulcerosa Vereinigung“ auch für andere Betroffene. Warum machen Sie das?
Ich habe gemerkt, dass ich sehr gut mit meiner Darmerkrankung umgehen kann, anders als viele andere Betroffene. Ihnen möchte ich beistehen und helfen, und das geht in der Selbsthilfevereinigung sehr gut.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dass mein Gesundheitszustand so bleibt wie jetzt, und dass ich in meinem Beruf als Grafiker irgendwann ganz normal in den Ruhestand gehen kann.

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