Morbus Crohn

Oktober 2011 | Medizin & Trends

Wenn der Darm zum Feind des Körpers wird
 
Immer mehr vor allem jüngere Menschen leiden an den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Warum das
so ist, beschäftigt die medizinische Forschung genauso wie die Suche nach noch besseren Behandlungsmöglichkeiten.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Geschätzte 60.000 bis 80.000 Österreicherinnen und Österreicher leiden derzeit an den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa – und es werden immer mehr. Warum das so ist, weiß man noch nicht genau, sagt Univ. Prof. Dr. Walter Reinisch, CED-Experte an der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am AKH Wien. Doch entsprechende Forschungen laufen. „Und aktuelle Forschungsergebnisse lassen einen Zusammenhang zwischen einem wiederholten Konsum von Antibiotika im Kleinkindalter und der Entstehung von CED vermuten, vor allem von Morbus Crohn“, sagt Reinisch. „Auch eine hohe Feinstaubbelastung wird heute mit CED in Zusammenhang gebracht.“ Andere schon länger bekannte Risikofaktoren sind Rauchen, chronischer Stress und eine ererbte Neigung zu Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Möglicherweise, so der Experte weiter, löst auch ein unbekanntes Bündel an Faktoren die Krankheiten aus, die den Darm zum Feind des Körpers machen. Sicher ist: Die CED sind eher Erkrankungen der Jüngeren. Bis zu 3000 Mal werden Morbus Crohn und Colitis ulcerosa hierzulande jedes Jahr neu diagnostiziert, und die weitaus meisten Betroffenen sind zwischen 15 und 40 Jahre alt, wobei Frauen etwas häufiger erkranken als Männer.

Erste Anzeichen

„Die ersten Symptome von Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa sind vielfältig“, sagt Reinisch. Meistens machen sich die beiden Erkrankungen durch Bauchschmerzen und Durchfall bemerkbar, aber auch Blut im Stuhl, Gelenksprobleme wie Schmerzen oder Schwellungen z. B. in den Ellenbogen oder Knien und Hauterkrankungen können Anzeichen für die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sein. Reinisch: „Oft treten die Beschwerden schubweise auf und verschwinden danach wieder völlig, was aus der Sicht vieler Betroffener einen Arztbesuch unnötig macht.“ Auch das ist ein Grund dafür, warum von der Erkrankung bis zur Diagnose durchschnittlich drei bis vier Jahre vergehen. „Das ist sehr bedauerlich“, sagt Reinisch, „denn den Patientinnen und Patienten bleibt eine wesentlich bessere Lebensqualität erhalten, wenn die Behandlung früh beginnt.“

Lebenslange Behandlung notwendig

Wie werden die CED diagnostiziert? Über eine Blutuntersuchung lässt sich feststellen, ob sich im Körper eine Entzündung gebildet hat und ob Eisenmangel besteht – ein mögliches Anzeichen für CED. Reinisch: „Ist beides der Fall, sollte eine Darmspiegelung von Dickdarm und Dünndarm gemacht werden.“ Werden dabei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa entdeckt, müssen entzündungshemmende Medikamente oder Mittel genommen werden, die das Immunsystem in Schranken halten. Vielen Patienten helfen auch die sogenannten Biologicals, die Entzündungsprozesse aufhalten können. „Unter der Voraussetzung, dass die Betroffenen lebenslang therapietreu sind und ihre Mittel nehmen, kann der Krankheitsfortschritt gut verzögert werden“, sagt Reinisch. Hilfreich ist oft auch eine Veränderung des Lebensstils, indem man beruflichen oder privaten Stress möglichst vermeidet und mit dem Rauchen aufhört.

Entzündung kann sich ausbreiten

Wird nichts gegen Morbus Crohn unternommen, bilden sich durch die permanente Entzündung im Darm oft schmerzhafte Fisteln und Stenosen (Verengungen), manchmal auch bösartige Tumore. Auch kann sich die Entzündung vom Darm aus über die Schleimhäute des gesamten Verdauungstrakts bis hin zur Mundschleimhaut ausbreiten und sogar andere Organe befallen. Eine unbehandelte Colitis ulcerosa führt irgendwann dazu, dass nicht mehr nur ein Teil, sondern die gesamte Dickdarmschleimhaut entzündet ist und sich auch dort bösartige Tumore bilden. Reinisch: „Bei beiden Erkrankungen drohen in fortgeschrittenem Stadium starke Beschwerden.“ Oft wird auch die Entfernung von Darmteilen oder des gesamten Darms notwendig und ein künstlicher Darmausgang (Stoma) muss gelegt werden.  
An Medikamenten, die beide Erkrankungen noch besser als die bisher erhältlichen in ihrem Fortschreiten aufhalten, wird geforscht, sagt Reinisch. Bis die CED heilbar sind, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. „Eine Heilung ist nur dann möglich, wenn man die genauen Ursachen kennt.“

Webtipp:
„Österreichische Morbus Crohn-Colitis ulcerosa ­Vereinigung“ (ÖMCCV): www.oemccv.at

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