Osteoporose

September 2011 | Medizin & Trends

Wie stark sind Ihre Knochen?
 
Die WHO zählt Osteoporose bereits zu den zehn häufigsten chronischen Krankheiten. Das Frausein und das fortschreitende Alter sind zwei der Ursachen für das Leiden. Dagegen kann man nichts tun. Umso wichtiger ist es, vermeidbare Risikofaktoren zu vermeiden und das eigene Osteoporoserisiko zu kennen. Erfahren Sie im Selbsttest, ob Sie gefährdet sind.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Traurig, aber wahr: Sobald wir den 30-er überschritten haben, beginnen unsere Knochen schwächer zu werden – die Knochensubstanz schwindet sozusagen altersbedingt dahin. Normalerweise geht dieser Prozess sehr langsam vor sich, und wir bleiben bis ans Lebensende nahezu beschwerdefrei. Von Osteoporose, dem krankhaften Knochenschwund, spricht man, „wenn mehr Knochensubstanz abgebaut als aufgebaut wird“, erklärt Dr. Karin Aul, Fachärztin für Orthopädie und Leiterin des Instituts für Osteoporose im Warmbad Villach. Durch diese Vorgänge verschlechtert sich die Qualität der Knochen, die Knochenmasse nimmt ab, die Knochen werden schwach.

Lebensgefährliche Knochenbrüche

Das ist laut Österreichischem Osteoporosebericht von 2007 bei rund 700.000 Österreicherinnen und Österreichern der Fall, wobei das Leiden Frauen doppelt so häufig trifft wie Männer, und die Osteoporose-Patientinnen eher älter sind. So leidet in der Generation 40-plus jede Achte am krankhaften Knochenschwund und unter den über 50-Jährigen bereits jede Dritte. Aul über die Folgen des oft unterschätzten Leidens: „Sind die Knochen geschwächt, drohen osteoporotische Knochenbrüche.“ Und wegen solcher Knochenbrüche werden hierzulande jedes Jahr fast 29.000 Menschen im Spital behandelt. Etwa die Hälfte davon wegen Oberschenkelhalsbrüchen, andere wegen Wirbel-, Rippen- und Armbrüchen sowie Brüchen im Bereich der Handgelenksknochen, die eines gemeinsam haben, so Aul: „Diese Brüche erfolgen meistens aus äußerst geringem Anlass.“ Manche rutschen nur aus oder stolpern, fallen aus dem Stand hin, und schon ist es geschehen. Bei einigen knackt es bereits, wenn sie eine ruckartige Bewegung machen oder etwas Schweres heben. „Diese Frakturen sind nicht nur schmerzhaft, sie ziehen dazu noch häufig einen längeren Krankenhausaufenthalt nach sich“, sagt Aul. Und jeder Fünfte der über 70-Jährigen stirbt sogar in Folge eines osteoporotischen Oberschenkelhalsbruchs.

Früherkennung ist wichtig

Das Tückische an dem Leiden, das vor allem aufgrund der steigenden Lebenserwartung immer weiter verbreitet ist und von der Weltgesundheitsorganisation WHO bereits zu den weltweit zehn häufigsten chronischen Krankheiten gezählt wird: Selbst sieht man die Osteoporose weder, noch spürt man sie. Aul: „Ob man gefährdet ist, kann man aber durch die Beantwortung einiger Fragen prüfen.“ (siehe Selbsttest). Früherkennung ist schließlich auch bei Osteoporose wichtig. Denn je früher die Therapie erfolgt, desto besser sind die Chancen.  
Eine Knochendichtemessung, eventuell ein Röntgen der Wirbelsäule und ein ärztliches Gespräch über den Lebensstil reichen, um festzustellen, ob man bereits Osteoporose hat, oder ob die Gefahr besteht, daran zu erkranken. Es gibt Risikofaktoren, die sich nicht vermeiden lassen: Das Frausein zählt dazu, aber auch das fortschreitende Alter. Andere Risikofaktoren lassen sich aber sehr wohl meiden (siehe unten: „Die wichtigsten Risikofaktoren“). Wer nicht (mehr) raucht oder der körperlichen Trägheit abschwört, kann damit dem Leiden nicht nur vorbeugen, sondern im Krankheitsfall sogar zur Heilung beitragen.

Neu: Halbjahresspritze

Zur Behandlung von Osteoporose gehört freilich ganz wesentlich die medikamentöse Therapie, die beständig verbessert wird. Neu ist die sogenannte Osteoporose-Impfung, die es erst seit Anfang des Jahres gibt. „Bei dieser Impfung handelt es sich eigentlich nicht um eine Impfung, sondern um eine Halbjahresspritze“, sagt Aul. Die injizierte Substanz bewirkt, dass weniger jener Zellen gebildet werden, die die Knochen abbauen. Aul: „Die Halbjahresspritze ist für Patientinnen und Patienten gedacht, die die bisherigen Therapien bzw. ihre Nebenwirkungen nicht so gut vertragen haben.“ Zwar können auch bei der Halbjahresspritze Nebenwirkungen auftreten, doch damit muss man eben nur zweimal statt viermal im Jahr rechnen. So oft, nämlich alle drei Monate, musste die bisherige Osteoporose-Spritze gegeben werden. Einmal pro Woche müssen die Anti-Osteoporose-Tabletten genommen werden, die ähnlich wie die injizierten Substanzen die Knochen fressenden Zellen verringern und/oder den Knochenaufbau fördern. Eine verbreitete Nebenwirkung der Tabletten sind Magenbeschwerden und auch Grippe-ähnliche Symptome. Wer weder die Tabletten noch die Spritzen mag, kann sich einmal im Jahr eine Infusion gegen Osteoporose geben lassen.
Ob man nun die gängige Behandlungsform mit Tabletten gewählt hat, jene mit Injektionen oder Infusionen: Mit Behandlungserfolgen ist nach zwei Jahren Therapie zu rechnen. Hat die Behandlung nichts bewirkt und ist es trotz der Therapie bereits zu Knochenbrüchen gekommen, ist noch möglich, sich täglich selbst eine bestimmte Substanz zu injizieren, die den Krankheitsfortschritt aufhält und den Knochenaufbau fördert.

Mangelnde Therapietreue

Als wesentlichen Grund für Misserfolge in der Therapie nennt Aul die mangelnde Therapietreue der Betroffenen. „Viele Patientinnen und Patienten nehmen die Tabletten oder Injektionen nur eine Zeitlang. Dann stellen sie fest, dass sie jedes Mal danach z. B. Bauchweh haben, während ihnen die Osteoporose an sich keine Beschwerden verursacht. Also lassen sie die Anti-Osteoporose-Medikamente weg.“ Und verkennen so den Ernst der Lage. „Wer ein Problem mit der Therapie hat, sollte unbedingt den behandelnden Arzt darauf ansprechen und gemeinsam mit ihm nach einer passenden Lösung suchen“, sagt Aul. Man kann die Nebenwirkungen etwa durch andere Mittel eindämmen – oder Medikamente mit anderen Substanzen probieren. Aul: „Die Anti-Osteoporose-Therapie sollte jedenfalls ohne Pause und lebenslang erfolgen, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen.“

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Die wichtigsten Risikofaktoren

Nicht vermeidbar:

  • Frausein. Die Hormonumstellung während der Wechseljahre der Frau bringt den Knochenstoffwechsel durcheinander und schwächt die Knochen.
  • Alter über 65 Jahre. Auch altersbedingt werden die Knochen schwächer. Erbliche Vorbelastung. Hatten die Mutter oder der Vater bereits Osteoporose, steckt die Neigung, daran zu erkranken, in den Genen.
  • Bestimmte Krankheiten wie Diabetes, chronische rheumatoide Polyarthritis, Gicht oder Erkrankungen der Nebenschilddrüse. Sie alle schwächen den Stoffwechsel oder bringen den Hormonhaushalt durcheinander und schwächen auf diese Art und Weise die Knochen.

Vermeidbar:

  • Bewegungsarmut. Werden die Muskeln bewegt, entsteht ein Zug auf die Knochen. Und den brauchen sie, um stark zu bleiben.
  • Mangel-Ernährung. Eine unausgewogene Ernährung enthält oft zu wenig Kalzium, das für den Knochenaufbau wichtig ist und in großen Mengen in Milchprodukten steckt. Außerdem wichtig für die Knochen ist Vitamin D, das man über eine Fischmahlzeit und  einen Spaziergang in der Sonne tanken kann.
  • Zuviel Cola und Alkohol. Cola enthält Phosphat, und Phosphat gilt als Knochenräuber. Wer viel Alkohol trinkt, verhindert durch die Aufnahme der darin enthaltenen Substanzen die Aufnahme von ausreichend großen Mengen an jenen Mineralstoffen und Vitaminen, die für den Knochenaufbau notwendig sind.
  • Rauchen. Wer raucht, verbraucht für den Kampf gegen die Gifte jene Vitamine, die u. a. für den Knochenaufbau notwendig sind – und schwächt so indirekt die Knochen.

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Wie groß ist mein Osteoporose-Risiko?

Wer mehr als drei der folgenden zehn Aussagen mit Ja beantwortet, sollte sich auf Osteoporose untersuchen lassen.

  • Ich bin eine Frau und über 65 Jahre alt.   
  • Meine Mutter und/oder mein Vater hatte/n Osteoporose.   
  • Krankheitsbedingt musste ich schon einmal über mehrere Monate lang Kortison-Präparate einnehmen.     
  • Ich leide an einer Kuhmilch- bzw. Lactose-Unverträglichkeit und meide daher Milchprodukte.
  • Ich mag keine Milchprodukte und esse sie daher nicht.    
  • Ich leide an einer Stoffwechselerkrankung wie z. B. Diabetes, chronische rheumatoide Polyarthritis, Gicht.
  • Ich trinke täglich viel Alkohol.    
  • Ich rauche.    
  • Ich hatte schon einmal aus geringem Anlass einen Knochenbruch.
  • Meine Mutter/mein Vater hatte/n einmal aus geringem Anlass einen Knochenbruch.

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