Stilles Leiden Fettleber

Januar 2011 | Medizin & Trends

Viele haben es, die wenigsten wissen es
 
Sie macht sich kaum bemerkbar, und daher wissen viele nichts davon, dass sie eine Fettleber haben. Doch Schätzungen zufolge ist jeder Dritte betroffen und riskiert unter Umständen lebensbedrohliche Folgeerkrankungen. Lesen Sie, wie man die Krankheit erkennen und behandeln kann.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Man ist oft müde und spürt einen Druck im rechten Oberbauch, also dort, wo die Leber sitzt: „Das können Anzeichen dafür sein, dass man an einer Fettleber erkrankt ist“, sagt Univ. Prof. Dr. Harald Hofer von der Gastroenterologischen und Hepatologischen Abteilung der Universitätsklinik für Innere Medizin III in Wien. Hofer: „Meistens nehmen die Betroffenen aber gar keine Symptome wahr.“ Das ist es, was das Leiden so gefährlich machen kann, das nach Schätzungen jeder Dritte hat – wobei etwas mehr Männer als Frauen betroffen sind und mehr Menschen über 40 als Jüngere. Unerkannt und unbehandelt kann sich die Fettleber entzünden, wodurch sich die Leberzellen verändern, was wiederum zu einer Leberzirrhose führen kann, also zum Absterben von Lebergewebe, oder zu einem Tumor. An Leberkrebs sterben laut Statistik Austria in Österreich fast 800 Menschen im Jahr.

Oft zufällig entdeckt

Weil die Fettleber von den Betroffenen selbst kaum bemerkt wird, entdeckt man sie oft zufällig: „Sehr oft erfolgt die Diagnose bei einer Kontrolle der Blutwerte, z. B. vor einer geplanten Operation oder im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung“, sagt Hofer. „Wenn das Blutbild zeigt, dass die Leberwerte und bestimmte Blutfettwerte erhöht sind, deutet das auf eine Fettleber hin.“ Ob man aber wirklich eine Fettleber hat, bei der die Leberzellen durch die Einlagerung von Fett sozusagen lahmgelegt sind und ihre Funktion nicht mehr erfüllen, können nur weiterführende Untersuchungen zeigen. Dazu zählt zunächst eine Untersuchung, bei der festgestellt wird, ob die Leber so vergrößert ist, wie es für eine Fettleber typisch ist. Anschließend wird ein Ultraschallbild von der Leber gemacht, auf dem man sieht, ob das Lebergewebe entsprechend verändert ist. Um andere Lebererkrankungen auszuschließen, erfolgt noch eine Leberbiopsie, bei der unter örtlicher Betäubung und nach einer Punktion Gewebe aus der Leber entnommen wird.
Ergibt die Analyse des Gewebes im Labor die Diagnose Fettleber, wird nach den Ursachen für die Entstehung des Leidens geforscht. Denn nur indem die Ursachen beseitigt werden, kann die Fettleber erfolgreich behandelt werden.

Alkohol und fettreiche Ernährung

Hofer über die häufigsten Gründe für die Entstehung der Fetteinlagerungen in der Leber: „Sehr oft geht die Fettleber darauf zurück, dass die Betroffenen über Jahrzehnte zu viel Alkohol konsumierten.“ Sie haben dann eine sogenannte alkoholische Fettleber. „Andere Betroffene haben sich ihr Leben lang zu energie- und fettreich ernährt, da kommt die Leber mit dem Fettabbau nicht nach, und die nicht-alkoholische Fettleber entsteht. Manchmal wird die Fettleber aber auch von Diabetes oder Infektionen mit Hepatitis-Viren verursacht. Seltener ist eine Fettleber die unerwünschte Nebenwirkung von Medikamenten gegen Herzrhythmusstörungen oder Störungen im Hormonhaushalt sowie von Nahrungsergänzungsmitteln, die z. B. dem Muskelaufbau dienen. Ebenfalls selten entsteht die Fettleber in Folge von Problemen nach Magenbypass- oder Darmoperationen. Oder sie geht auf die sehr selten vorkommenden Erbkrankheiten Hämochromatose oder Morbus Wilson zurück. Manchmal gibt es aber nicht nur eine, sondern mehrere Ursachen für die Fettleber.

Gute Chancen auf Heilung

Ist die Ursache oder das Ursachenbündel für die Fettleber erkannt und erfolgt die Behandlung bzw. Beseitigung der Ursachen so rechtzeitig, dass noch keine Folgeschäden in Form eines Umbaus des Bindegewebes aufgetreten sind – „dann sind die Chancen auf eine Heilung ausgesprochen gut“, sagt Hofer. Denn die fette Leber kann sich hundertprozentig regenerieren und wieder genauso funktionstüchtig werden wie eine gesunde Leber. Hofer: „Besonders schnell geht das, wenn die Behandlung der Fettleber darin besteht, dass man jene Medikamente meidet, die die Fettleber ausgelöst haben, oder wenn man Nahrungsergänzungsmittel durch andere ersetzt oder weglässt.“ Dann bilden sich die Fetteinlagerungen oft schon nach einigen Monaten zurück.
Um die Fettleber, die durch Hepatitis oder Diabetes verursacht wurde, zu therapieren, muss erst etwas gegen die genannten Krankheiten unternommen werden. So lässt der Behandlungserfolg unter Umständen etwas länger auf sich warten. Ist die Fettleber auf Lebensstilfaktoren zurückzuführen, so geht es in der Therapie um Veränderungen in diesem Bereich: weniger energie- und fettreich essen, Übergewicht langsam abbauen, weniger Alkohol trinken. In diesen Fällen hängt der Behandlungserfolg von der Disziplin und Zielstrebigkeit der Betroffenen ab. Hofer: „Es gibt auch Medikamente gegen die Fettleber, doch diese müssen genau auf den individuellen Bedarf der jeweiligen Betroffenen abgestimmt sein.“ In den vergangenen Jahren habe man, so der Leberexperte weiter, darüber hinaus Hinweise darauf gefunden, „dass eine Ernährung, die reich an Vitamin E ist, den Behandlungserfolg unterstützt“. Vitamin E steckt z. B. in Sonnenblumen- oder Maiskeimöl sowie in Peperoni, Nüssen, Kohl, Avocados.
Hat sich aus der Fettleber bereits eine Zirrhose entwickelt oder ist ein Tumor entstanden, „dann besteht die Behandlung sofern möglich darin, die abgestorbenen oder bösartigen Gewebeteile durch eine Operation zu entfernen oder eine Lebertransplantation durchzuführen“, sagt Hofer.
Am besten wäre es freilich, erst gar keine Fettleber zu bekommen. Dem Leiden lässt sich vorbeugen, indem man die häufigsten Ursachen vermeidet – also Alkoholmissbrauch und Übergewicht durch zu energie- und fettreiche Kost. Wer z. B. wegen Übergewichts bereits ein Risiko-Kandidat ist, sollte Medikamente meiden, die die Entstehung einer Fettleber zur Folge haben können.

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WISSEN: Die Leber

Die Leber eines Erwachsenen ist 1,5 bis zwei Kilogramm schwer – und damit das größte Organ des Menschen. Die Drüse befindet sich im rechten Oberbauch, ist weich und kann nachwachsen. Deshalb ist es möglich, bis zur Hälfte einer gesunden Leber zu spenden.

Das Organ …

  •  … wandelt giftige Fremdstoffe um bzw. baut sie ab,
  •   … speichert Blut, Fett, Zucker und einige Vitamine in einem Ausmaß, wie es zur Aufrechterhaltung der Gesundheit nötig ist,
  •  … erzeugt Gallenflüssigkeit,
  • … bildet Eiweißstoffe und andere Substanzen, die das Blut gesund halten und der Hormonproduktion dienen.

Die Leber galt früher als Sitz der Gefühle und des Temperaments eines Menschen. Von diesem Glauben zeugen heute noch Redensarten wie „eine Laus über die Leber gelaufen“, „frei von der Leber wegreden“, „die beleidigte Leberwurst spielen“.

Buchtipp:
Müller, Baumgart, Beleidigte Leber. Hepatitis, Zirrhose, Leberkarzinom & Co,
ISBN 978-3-902552-59-4, 148 Seiten, € 14,90, Verlagshaus der Ärzte

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