Was ins Auge geht

Oktober 2011 | Medizin & Trends

Die sieben Feinde guter Sicht
 
Für das viele Schauen auf den Computer- und Fernseh-Bildschirm sind unsere Augen einfach nicht gebaut. Ebenso können schlechte Luft, Stress und verschiedene Krankheiten ins Auge gehen. MEDIZIN populär über die sieben wichtigsten Feinde guter Sicht und wie man sich vor ihnen schützt.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

1. Schlechte Luft

Wenn Smogalarm gegeben wird bzw. die Luftschadstoffgrenzwerte überschritten werden, haben Ozon & Co in der Luft eine Konzentration erreicht, die zu gesundheitlichen Problemen führen kann: Die Mischung aus Autoabgasen, Industriedämpfen und Rauch aus Heizungsanlagen kann für Beschwerden wie Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme und auch Husten sorgen. Und so wie schlechte Luft die Atemwege reizen kann, „kann sie auch die Augen reizen“, sagt Univ. Prof. Dr. Christoph Faschinger von der Augenklinik der Medizinischen Universität Graz. „Die Reizung kommt zustande, weil die schlechte Luft die Zusammensetzung des Tränenfilms verändert, der die Augen befeuchtet.“ So funktioniert die Befeuchtung nicht mehr richtig, man hat das Gefühl, einen Fremdkörper in den Augen zu haben, die Augen brennen, jucken und fühlen sich trocken an. Faschinger: „Dasselbe kann auch in Räumen mit trockener Luft passieren.“

Das schützt
„Gegen die Augenbeschwerden, die durch trockene oder schlechte Luft hervorgerufen werden, helfen Augentropfen“, sagt Faschinger. Zum einen vergrößern die Tropfen die Menge der Flüssigkeit in den Augen, wodurch die Schadstoffe mit dem Lidschlag besser weggewischt werden können. Zum anderen verbessern die Inhaltsstoffe der Tropfen die Zusammensetzung der Flüssigkeit, wodurch der Tränenfilm besser auf den Augen haftet und sie so vor Trockenheit schützt. „Augentropfen sollte man aber nur nach Rücksprache mit dem Arzt verwenden“, warnt Faschinger vor Selbstmedikation genauso wie vor Tatenlosigkeit: „Wer sich dauerhaft in trockener oder schlechter Luft aufhält und nichts gegen die Beschwerden unternimmt, riskiert, dass die trockenen Augen zu einem chronischen Leiden werden.“ Dieses sogenannte Sicca-Syndrom kann mittel- und langfristig zu Hornhautschäden führen und das Sehvermögen beeinträchtigen.

2. Bildschirmarbeit & Fernsehen

Wenn wir tagsüber viele Stunden vor dem Computer-Bildschirm sitzen und abends noch fernsehen, kann das den Augen zu schaffen machen: „Das lange Schauen in dieselbe Entfernung bringt mit sich, dass sich die Augenmuskeln verkrampfen. Das strengt die Augen nicht nur an, sondern hat auch zur Folge, dass wir zu wenig blinzeln“, sagt Faschinger. Bleibt das Blinzeln aus, verteilt sich der Tränenfilm nicht wie vorgesehen auf den Augen und befeuchtet sie nicht richtig. Faschinger: „So werden die Augen trocken und können brennen und jucken.“ Und bleiben die Augen dauerhaft zu trocken, kann sich daraus wiederum das chronische Sicca-Syndrom entwickeln.

Das schützt
„Vor den Beschwerden durch zu lange Bildschirmarbeit und zu langes Fernsehen schützt einerseits, alle zehn Minuten bewusst in die Ferne oder auch in die nächste Nähe zu schauen“, sagt Faschinger. Dadurch entspannen sich die Augenmuskeln. Ein weiterer guter Schutz: So oft wie möglich blinzeln, damit die Augen gut befeuchtet werden. Faschinger: „Das Schauen auf den Computerbildschirm kann man sich auch durch das Tragen einer Bildschirmbrille erleichtern.“ Durch sie erhöht sich die Sehschärfe – man kann sie nach Rücksprache mit dem Augenarzt beim Optiker besorgen.

3. Bluthochdruck

„Wer Bluthochdruck hat, hat oft auch erhöhte Blutfette bzw. Cholesterinwerte im Blut“, sagt Faschinger. „Das kann eine Verengung bis hin zur Verstopfung der Blutgefäße mit sich bringen, auch jener in den Augen.“

Das schützt
Bluthochdruck-Patienten sollten nicht zuletzt ihren Augen zuliebe in ärztliche Behandlung. „Unternimmt man nichts gegen das Problem, kann das schwerwiegende Folgen haben“, sagt Faschinger. Diese reichen von einer Schwellung im Bereich des gelben Flecks (Makula) bis hin zu einer Sehnervschwellung und einem Infarkt im Auge. Die Schwellungen von Sehnerv und Makula beeinträchtigen das Sehvermögen, der Infarkt führt zu einer Einschränkung des Gesichtsfelds und im schlimmsten Fall zu Erblindung.  

4. Stress

Faschinger: „Wer unter belastendem Stress steht, hat oft auch Bluthochdruck. So ist die Augengesundheit einerseits wie beschrieben durch die Verengung der Gefäße gefährdet.“ Andererseits werden bei Stress vermehrt Stresshormone ausgeschüttet. „Und diese können die Durchblutung des Auges drosseln und bewirken, dass ein winziges Loch im Bereich der Mitte des Augenhintergrunds entsteht, aus dem Flüssigkeit austritt“,  sagt Faschinger.

Das schützt
„In den meisten Fällen bildet sich das stressbedingt entstandene Loch ohne Zutun von selbst wieder zurück“, sagt Faschinger. Geschieht das nicht und bemerken die Betroffenen eine Verschlechterung des Sehvermögens, sollte ein Augenarzt aufgesucht werden. Faschinger: „Eine Verengung der Gefäße in den Augen, die auf stressbedingten Bluthochdruck zurückgeht, führt schlimmstenfalls zu Augeninfarkt und Erblindung.“ Maßnahmen zum Stressabbau, z. B. durch Sport, dienen also auch der Augengesundheit.

5. Diabetes

Jeder zehnte Österreicher leidet an Diabetes, und nach 20 Jahren Leben mit dieser Erkrankung tritt bei etwa 60 Prozent der Betroffenen eine diabetische Makuladegeneration auf. „Bei dieser Netzhauterkrankung lagert sich im Bereich der Netzhaut Fett ab, es kommt zu Schwellungen und der Neubildung von Gefäßen, die bluten“, sagt Faschinger. Selbst erkennt man die Erkrankung im Anfangsstadium daran, dass man verzerrt sieht.

Das schützt
Unternimmt man nichts gegen die diabetische Makuladegeneration, sieht man nach und nach immer schlechter. Faschinger: „Unbehandelt führt die Erkrankung letztlich zur Erblindung.“ Um sich davor zu schützen, „sollten Diabetiker jedes halbe Jahr zur augenärztlichen Untersuchung“, rät Faschinger. Wird die diabetische Makuladegeneration früh erkannt, kann ihr Fortschreiten mit Mitteln, die in die Augen injiziert werden, oder mit Laserstrahlen aufgehalten werden.

6. Sonnenlicht

„Wer sich starker Sonneneinstrahlung aussetzt und dabei keine Brille trägt, um die Augen ausreichend zu schützen, riskiert eine Bindehaut- oder Hornhautentzündung“, sagt Faschinger. Werden die Augen schutzlos extrem starkem Sonnenlicht ausgesetzt, kann das mit einer Zeitverzögerung von etwa sechs Stunden aber auch schlimmere Folgen haben. Faschinger: „Die Betroffenen können dann aufgrund der Entzündung vorübergehend nichts mehr sehen.“

Das schützt
„Die Entzündung sollte man unbedingt mit entsprechenden Medikamenten behandeln“, sagt Faschinger. „Unternimmt man nichts dagegen, riskiert man eine Veränderung des Tränenfilms und eine Erkrankung am trockenen Auge bzw. Sicca-Syndrom.“

7. Rauchen

Faschinger: „Rauchen erhöht das Risiko, eine Augenerkrankung zu bekommen.“ Die Gründe: So wie schlechte und trockene Luft wirkt sich der Rauch ungünstig auf die Zusammensetzung des Tränenfilms aus – wodurch die Augen unzureichend befeuchtet werden. „Außerdem nehmen durch das Rauchen auch die Gefäße in den Sehorganen Schaden. Dadurch werden die Augen nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, in der Folge wird die Netzhaut geschädigt.

Das schützt
Faschinger: „Raucher haben ein höheres Risiko, an der sogenannten Makuladegeneration  zu erkranken.“ Dabei wird die Netzhaut so geschädigt, dass Einschränkungen der Sehkraft bis hin zur Erblindung drohen. „Rauchen führt aber auch zu einem früheren Auftreten des Grauen Stars, bei dem die Augenlinsen trübe werden“, sagt Faschinger. Und Raucher, die bereits an einem Grünen Star (Glaukom) leiden, haben schlechtere Karten: Das Qualmen verschlechtert die Durchblutung des Sehnervs und damit die Erkrankung. Vor dem Augenfeind Rauchen gibt es freilich nur einen Schutz: Aufhören!

Buchtipp:
Wedrich, Faschinger, Schmut, Mein Auge.
Erkrankungen, Behandlungen, Informationen,
ISBN 978-3-902552-62-4, € 19,90, 256 Seiten, Verlagshaus der Ärzte

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