Gerhard Tötschinger

April 2011 | Prominente & Gesundheit

„Dank der Prothese kann ich wieder fast wie früher gehen“
 
Schauspielerei, langjährige Intendanz des Salzburger „Festes in Hellbrunn“ und des „Theaters im Burgenland“, Gründung der Kobersdorfer Schlossspiele, Mitbegründung der 1. Haydn-Tage, Mitwirkung an einer Vielzahl an Hörfunk- und Fernsehsendungen des ORF und anderer Kanäle: Alles das liegt hinter Gerhard Tötschinger. Und auch gesundheitlich hat der 64-Jährige, der mit seiner Lebensgefährtin Christiane Hörbiger in Baden bei Wien und in Zürich lebt, schon einiges hinter sich. Im Gespräch mit MEDIZIN populär erzählt er, warum er als Kind eine Aversion gegen Krankenhäuser entwickelt hat und wie es ihm seit seiner Fußamputation vor zwei Jahren geht.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Herr Tötschinger, gerade eben ist Ihr jüngstes Buch erschienen, für das Sie sich auf die Spuren von Franz Liszt begeben haben. Wissen Sie auch, ob Liszt gesund gelebt hat?

Gerhard Tötschinger
Liszt hat unfassbar viel gearbeitet, als Komponist, Pianist, Dirigent. Er ist viel gereist und hat gern gefeiert, viel Schnaps und Wein getrunken und dicke Zigarren geraucht. Er hat überhaupt nicht auf seine Gesundheit geschaut und daher auch immer wieder Schwierigkeiten damit gehabt. Er hat sich außerdem nie an das gehalten, was ihm die Ärzte gesagt haben, und sich nie geschont, wenn es nötig gewesen wäre. An den Folgen dieses Verhaltens ist er letztlich auch gestorben.

Wie sehr schauen Sie auf Ihre Gesundheit?
Ich habe in meiner Kindheit einiges mitgemacht. Da hatte ich eine Lungentuberkulose und konnte die erste Klasse der Volksschule nur zwei Monate lang besuchen. Die restliche Zeit bin ich im Bett gelegen, habe mit Hilfe meiner Familie lesen gelernt und auch ständig gelesen. Danach habe ich mir gedacht, ich will nie wieder ein Krankenhaus von innen sehen, und bin nur sehr selten zum Arzt gegangen. Ich habe auch nur selten ein Problem gehabt, wahrscheinlich weil ich in meinen jungen Jahren sehr sportlich gelebt habe. Ich war Leistungssportler, Basketballer und Leichtathlet. Aber auf der anderen Seite habe ich gern Pfeife geraucht und auch einmal einen Cognac oder Grappa getrunken…

Mit dem Grappa und dem Rauchen ist es nun vorbei?
Ja, seit meinem 50. Geburtstag. Außerdem verzichte ich auf Süßigkeiten, esse kaum Fleisch, und wenn, dann nur mageres. Dafür gibt es viel Gemüse, Dinkelbrot und andere Vollkornprodukte. So fühle ich mich wohler, und die Ergebnisse meiner Blutuntersuchungen bestätigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin!

Nun musste bei Ihnen ja vor zwei Jahren ein Fuß amputiert werden. Wie geht es Ihnen denn heute beim Gehen?
Erfreulicherweise wieder fast wie früher! Ich habe eine gute Prothese, mit der ich wieder sehr oft und viele Stunden lang gehe. Das Gehen genieße ich sehr, ob in Baden, in Zürich oder im Waldviertel, wo ich manchmal ganze Tage lang von Dorf zu Dorf marschiere. Das einzige, was sich nun gegenüber früher geändert hat, ist, dass ich zögerlich gehe, wenn es rutschig ist, weil ich Angst habe, hinzufallen. Und vielleicht war mein Gang früher schöner, aber ich gehe ja nicht, um dabei schön auszusehen (lacht).

Die Amputation war nach einer Verletzung bei einem Radunfall notwendig. Warum?
Im Juni 2007 war ich mit dem Fahrrad unterwegs und bin im dichten Gras gegen niedere Mauern geprallt. Dabei habe ich mir die Schienbeine und die Sprunggelenke verletzt, und im Zuge dessen ist bekannt geworden, dass ich eine Venenerkrankung habe. Im Jänner 2009 habe ich dann ganz plötzlich hohes Fieber bekommen, 39,4 Grad. Da hat jeder an Grippe gedacht. Als meine Temperatur dann auf einmal auf 36 Grad gesunken ist, anschließend aber wieder gestiegen ist, bin ich ins AKH nach Wien gefahren – und ein paar Stunden später war der Fuß weg. Das war schon ein Schock! Ich hatte eine Sepsis, und wäre der Fuß nicht amputiert worden, wäre ich an der Sepsis gestorben. Daran denke ich, wenn ich eine Phase habe, in der ich mich wegen der Amputation selber bedauere. Und ich denke auch oft an meinen Vater, der im Krieg ein Bein verloren und auch sehr lang mit einer Prothese gelebt hat.

Im Juni werden Sie 65 Jahre alt. Wie werden Sie feiern?
In ganz kleinem Kreis, nur mit meinen Verwandten und engsten Freunden. Groß gefeiert werden bei mir die runden Geburtstage – als nächstes ist also der 70-er dran!

 
Infotipps:
Gerhard Tötschinger, Franz Liszt. Vom Dorf in die Welt,
Verlag LangenMüller 2011, ISBN 978-3-7844-3260-1

Mehr über Gerhard Tötschinger und die Termine seiner Lesungen unter www.gerhard-toetschinger.at

Ausgabe 04/2011

 

 

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