Futter für die Abwehrkräfte

Januar 2012 | Ernährung & Genuss

Wärmende Gerichte für die Winterszeit
 
Welche Lebensmittel uns jetzt die notwendigen Nährstoffe liefern, warum Rohkostesser auch an ihrer Abwehrkraft knabbern und wie man mit traditionellen Gerichten den „Energietank“ speist.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Dauerfröstler, chronische Kaltfüßler und Schnupfennasen aufgepasst! Die jetzt so wichtigen Abwehrkräfte lassen sich auf recht genüssliche Weise mobilisieren: Wer in der kalten Jahreszeit beim Essen auf das Wie und Was achtet, hat ein wirksames Rezept für Wohlgefühl und Vitalität auf dem Teller.  

Eintöpfe, Suppen, Kompotte:
Wärmespender mit Tradition

Das oberste Gebot (nicht nur) für den winterlichen Speisezettel lautet Ausgewogenheit. „Um die Immunkraft nachhaltig zu stärken, brauchen wir alle Vitamine und Mineralstoffe. Deshalb ist die ausgewogene Ernährung – mit ausreichend Obst, Gemüse, Getreide, Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchten –  in der Grippezeit besonders wichtig“, betont die Wiener Ernährungswissenschafterin Dr. Claudia Nichterl. „Dabei können wir uns an unseren traditionellen Ernährungsgewohnheiten orientieren, die sich im Winter auf Gerichte mit Kraut, Kohl, Roten Rüben, Sellerie, auf Lagerobst wie Äpfel und Birnen und Trockenfrüchte konzentrieren.“ Die Zutaten, die die Natur uns jetzt liefert, gilt es dann entsprechend dem physiologischen Bedürfnis nach Wärme in den Speiseplan „einzuarbeiten“: Denn während wir in der Sommerzeit vermehrt kühlende Kost (Salate, frisches Obst, Joghurt) benötigen, sind es in der Winterszeit vor allem warme – und damit wärmende – Mahlzeiten.
Die Wärmezufuhr über die Nahrung bewirkt, dass wir weniger frieren und uns insgesamt vitaler fühlen. Weil der Körper dadurch weniger Energie für die Verdauungsarbeit benötigt, wird er entlastet – und hat damit mehr (Abwehr-) Kraft zur Verfügung. „Empfehlenswert sind Eintöpfe, Gemüsesuppen, Gerichte mit Hülsenfrüchten, lang gekochte Rinds- und Hühnerbrühen, Obstkompotte – eben Gerichte, wie wir sie auch früher gegessen haben.“
Suppen (siehe auch Rezeptteil) sind besonders wertvolle Energiespender. „Kraftsuppen sind durch ihre lange Kochzeit besonders stärkend, sie enthalten viele Mineralstoffe, sind leicht verdaulich und gut bekömmlich. Durch die Zugabe von frischem Gemüse, Kräutern, Getreide und Fleisch werden sie zu einer vollwertigen Mahlzeit“, so die Expertin. Als ballaststoffreiche Snacks kurbeln Trockenfrüchte (z. B. Kletzen, Dörrzwetschken, getrocknete Feigen) die Verdauung an und gelten außerdem als regelrechtes Seelenfutter. Und wann – wenn nicht in der kalten, dunklen Zeit im Jahr – haben wir Gute-Laune-Kost nötig?

Nudeln, Eier, Trockenfrüchte:
Futter für gute Stimmung

„Unser seelisches Wohlbefinden wird von Nervenbotenstoffen und Hormonen regiert, deren bekanntester Vertreter Serotonin ist“, erläutert Claudia Nichterl. Für die Herstellung des „Gute-Laune-Hormons“ benötigt der Körper den Eiweißstoff Tryptophan, der über die Nahrung zugeführt werden muss und z. B. in Tro­ckenfrüchten, Nüssen, Hülsenfrüchten, Pilzen, Fisch, magerem Fleisch, Avocados enthalten ist. Die „ideale Glücksnahrung“ sind der Expertin zufolge Eierteigwaren. „Eier liefern Tryptophan und Nudeln die Kohlenhydrate, die dem Tryptophan helfen, ins Gehirn zu kommen und dort zu wirken.“ Winterliche Nudelgerichte machen also nicht nur satt, sie heben auch die Stimmung.

Saisonales Gemüse:
Nährstoffe für die Abwehr

Mit der traditionellen Kost ist auch die Zufuhr aller wichtigen Nährstoffe sichergestellt. „Speziell Kartoffeln, Sauerkraut, Kraut und Rote Rüben sind sehr vitaminreiche Lebensmittel“, erläutert die Er­näh­rungswissenschafterin. In kleinen Mengen darf auch vitaminhältige, knackige Frischkost nicht fehlen. „Man sollte zu Keimlingen aus heimischem Getreide und Hülsenfrüchten greifen – zu Dinkel- und Weizenkeimen, Linsensprossen“, sagt Nichterl. „Bei den Salaten empfehlen sich Wintersalate wie Chicorée oder Endiviensalat.“ Von heimischen Biobauern werden neuerdings Asiasalate wie Pak Choi oder der würzige Mizuna angeboten. „Dieses vitaminreiche Grüngemüse hält auch Temperaturen bis minus zehn Grad aus und ist deshalb ökologisch günstig anzubauen.“

Wärmende Tees, heisses Wasser:
Energie zum Trinken

Nicht zuletzt lässt sich über die Flüssigkeitszufuhr das Immunsystem stärken. „Ein Klassiker aus der Traditionellen Chinesischen Medizin ist Ingwertee, weil der scharf-würzige Geschmack des Ingwers die Abwehrkraft fördert“, weiß Nichterl. „Günstig sind auch Gewürztees mit Zimt, Kardamom, Anis oder Fenchel.“ Oder selbst gemachter Punsch: „Dazu kocht man Orangensaft auf und gibt wärmende Gewürze wie Zimt dazu“, so die Expertin. Heißes Wasser ist der ideale Durstlöscher für jene, die ständig frieren. „Man erhitzt Wasser im Wasserkocher und trinkt es in kleinen Schlucken“, erklärt Nichterl. „Manche kochen es auch für fünf Minuten ab, weil es dann leicht süßlich schmeckt.“

Hitzkopf oder Fröstler:
Wie viel Warmes brauche ich?

Wie viel Gekochtes bzw. wie viel Rohkost nun jemand im Winter benötigt, ist individuell verschieden und hängt z. B. davon ab, ob jemand leicht friert oder eher ein Hitzkopf ist. „Sehr hitzige Menschen oder Frauen in den Wechseljahren vertragen durchaus kleine Mengen Rohkost, zum Beispiel hin und wieder ein Joghurt“, erklärt die Ernährungswissenschafterin Claudia Nichterl. „Jene, die ständig frieren und oft müde sind, können schon mit einem warmen Frühstück die Verdauungskraft und den Stoffwechsel ankurbeln.“ Energetisierend und zugleich wärmend wirken z. B. gekochte Haferflocken.
Die traditionelle Kost gibt aber nicht nur Kraft, mitunter wirkt sie sich auch günstig auf das Körpergewicht aus. „Gerade Menschen, die aus Sicht der TCM eine schwache Verdauungskraft haben, können mit Rohkost nur schwer abnehmen. Wenn sie dann im Winter auf Kürbissuppen, Linseneintöpfe, Kompotte umsteigen, purzeln die Kilos oft von selber.“ Von diesem Nebeneffekt abgesehen, eignet die Grippezeit sich allerdings besonders schlecht für Abnehmkuren. „Eine Kalorienreduktion kann zur Folge haben, dass man die notwendige Tagesdosis an Vitaminen und Mineralstoffen nicht zuführt und damit den Körper schwächt“, präzisiert Nichterl.

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Zwei wärmende Rezepte von Dr. Claudia Nichterl zum Gratis-Download.

Stand 01/2012

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