Heikle Haut

November 2012 | Kosmetik & Pflege

Die besten Pflegetipps für sensible Zonen
 
Ob Augenpartie, Hals, Dekolleté oder Lippen: Manche Hautstellen sind besonders heikel und bedürfen darum besonderer Pflege. MEDIZIN populär hat die besten Tipps für sensible Zonen.
 
Von Mag. Helga Schimmer

Draußen bläst ein unfreundlicher Wind, drinnen wird schon gut geheizt und die Luft ist staubtrocken – die Umgebungsbedingungen der kalten Jahreszeit bedeuten puren Stress für die Haut. Reizungen, Schuppungen, ja sogar Erfrierungen sind mögliche Folgen. Zudem verschlechtern sich jetzt viele Hautkrankheiten. Univ. Prof. Dr. Daisy Kopera von der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie in Graz nennt die Ursache: „Bei trockener Luft produzieren die Talgdrüsen zu wenig Fett. Der Haut kommt so der natürliche Schutzschild abhanden, sie reagiert mit Juckreiz, Entzündungen und Ekzemen.“
Als Abhilfe empfiehlt Kopera eine gewissenhafte Pflege, die der Haut regelmäßig Fett und Feuchtigkeit zuführt. „Die Zusammensetzung der Kosmetikprodukte sollte auf den individuellen Hauttyp abgestimmt sein. Für den Kälteschutz im Winter darf die Pflege jeweils eine Nuance fetter sein als in der warmen Jahreszeit.“ Abgesehen von dieser Grundregel haben empfindliche Hautzonen jedoch spezielle Bedürfnisse. Folgende Areale unseres natürlichen Schutzmantels verlangen jetzt nach einer Extraportion Aufmerksamkeit:

1. Augenpartie

Hier machen sich Anzeichen der Hautalterung am raschesten bemerkbar. Mit nur einem halben Millimeter ist die Haut rund um die Augen viermal dünner als an anderen Stellen des Gesichts. Aufpolsterndes Unterhaut-Fettgewebe ist kaum vorhanden. Dazu kommt die hohe mechanische Beanspruchung bei jedem Blinzeln und jeder Bewegung der mimischen Muskulatur. „Schon in Jugendjahren verliert die Haut in diesem Bereich merklich an Elastizität“, sagt Dr. Helga Perger-Markl, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie in Neusiedl am See. „Um der Faltenbildung vorzubeugen, kann bereits ab 20 morgens und abends eine Augencreme aufgetragen werden. Spätestens ab 40 sollte man zu einer gehaltvollen Augenpflege greifen – insbesondere im Winter.“
Benutzen Sie in der Augenregion nur ausgewiesene Augenpflegecremen, die gut mit der Augenbindehaut verträglich und auf den schwach basischen pH-Wert der Tränenflüssigkeit eingestellt sind. „Zu fettreiche Zubereitungen, sogenannte Wasser-in-Öl-Emulsionen, sind als Make-up-Unterlage aber ungeeignet, weil sie beispielsweise ein Verlaufen von Lidschatten und Ablösen der Wimperntusche bewirken können“, gibt Perger-Markl zu bedenken. Abschwellende Augengele sollten bei trockener Haut gemieden werden.
Übrigens: Die beste Anti-Aging-Creme nützt wenig, wenn Sie regelmäßig zur Zigarette greifen. Tabakkonsum ist einer der schlimmsten Faltenmacher, da unter dem Einfluss von Nikotin das für die Hautelastizität verantwortliche Protein Kollagen schneller ab- und langsamer aufgebaut wird.

2. Lippen

Die empfindliche, dünne Lippenhaut verfügt weder über Schweiß- noch über Talgdrüsen und trocknet deshalb besonders leicht aus. Beim Versuch, das Spannungsgefühl mit ständigem Lippenlecken zu lindern, verschlimmert sich das Problem – es bilden sich schmerzhafte kleine Einrisse, sogenannte Rhagaden. Lippenpflegeprodukte müssen daher sehr reichhaltig sein. Doch Vorsicht, Fett ist nicht gleich Fett. „Bestimmte Mineralöl-Bestandteile, Paraffine, in Lippenpflegestiften können der Haut Feuchtigkeit entziehen, sodass die Lippen erst recht spröde und rissig werden“, warnt Kopera. „Besser geeignet sind Lippenpflegeprodukte mit Dexpanthenol, Vitamin E oder Honig.“
Auch Krankheiten wie Diabetes, Neurodermitis, Eisen- und Vitamin-B2-Mangel oder eine schlecht sitzende Zahnprothese können die Lippen chronisch spröde werden lassen bzw. Entzündungen in den Mundwinkeln hervorrufen. Weiße oder gelbbräunliche Beläge rühren häufig von Infektionen mit Bakterien, Pilzen oder Herpes-simplex-Viren her. Kopera: „Diese Fälle bedürfen ärztlicher Behandlung mit entsprechenden verschreibungspflichtigen Wirkstoff-Salben.“

3. Nase, Ohren & Wangen

Exponierte Körperstellen wie Nase oder Ohrmuscheln sind weniger durchblutet und daher anfällig für Kälteschäden. Bei extremen Witterungsverhältnissen können auch Wangen und Kinn in Mitleidenschaft gezogen werden. „Auf Pflegelotionen mit hohem Wasseranteil sollte man bei niedrigen Temperaturen besser verzichten, weil sie auf der Haut gefrieren und dadurch Schaden verursachen können“, rät Kopera. Für den Kälteeinbruch unterwegs hat die Expertin einen Zusatztipp parat: „Streichen Sie ruhig einmal mit einem guten Lippenpflegestift über Nasenspitze und Wangen. Das schützt vor Kälteschäden und Erfrierungen.“
Extreme Kälte und Hitze sowie starke Temperaturschwankungen – Stichwort Sauna und Dampfbad – können außerdem Hautveränderungen wie Couperose begünstigen. Wer schon an „geplatzten Äderchen“ leidet, sollte auch Sonnenbäder, scharfes Essen und den Konsum von Alkohol, Kaffee und schwarzem Tee einschränken. Zur Behandlung der Couperose werden Antibiotika-Salben genutzt, Laserbehandlungen zeigen meist recht guten Erfolg, können aber der Neubildung von sichtbaren Äderchen nicht vorbeugen.

4. Hals & Dekolleté

Der Hals lügt nicht, heißt es, er verrät das wahre Alter, weil er sich nicht so gut mit Botox oder Hyaluronsäure „jung spritzen“ lässt. Der dünnen Haut hier mangelt es an Talg- und Schweißdrüsen sowie einer Unterpolsterung durch Bindegewebe. Dementsprechend anfällig ist sie für Faltenbildung und will in der täglichen Pflege keineswegs stiefmütterlich behandelt werden. Perger-Markl: „In der Halsregion wird meist ohnehin kein Make-up aufgetragen. Daher kann man durchaus auch tagsüber eine reichhaltige Wasser-in-Öl-Emulsion verwenden. Das macht besonders im Winter Sinn, wenn die Haut wegen der geringen Luftfeuchtigkeit mehr Wasser verdunstet.“ Von den Herstellern werden solche Produkte oft als Nachtcreme oder auch als Aufbau-, Vitamin- oder Intensivpflegecreme bezeichnet.
Das empfindliche Dekolleté wiederum ist besonders durch den steileren Einfallswinkel der UV-Strahlen gefährdet. Mitunter bilden sich unschöne Knitterfältchen und Pigmentflecken. „Die im Sommer angelegte Lichtschwiele, ein geringer natürlicher Sonnenschutz durch Bildung einer dickeren Hornschicht, hat sich durch die verminderte Intensität der UV-Strahlung im Herbst kontinuierlich abgebaut“, erläutert Kopera. „Bei winterlichen Fernreisen und beim Sport im Hochgebirge ist also ein gutes Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor von mindestens 15 sinnvoll.“

5. Hände & Füße

Kaum ein Hautbereich des Körpers wird so stark beansprucht wie die Hände. Ständig sind sie in Aktion und dabei belastenden Umwelteinflüssen wie Sonne, Wasser, Schmutz sowie Kälte und trockener Luft ausgesetzt. Häufiges Händewaschen entzieht der Haut viel Feuchtigkeit und schützendes Fett. „Nicht zu oft, nicht zu lange und nicht zu heiß“ lautet deshalb die Devise für den Kontakt zwischen Hand und Wasser. „Verzichten Sie bei der Reinigung auf normale, alkalische Seife und greifen Sie stattdessen zu rückfettenden Syndets mit einem hautneutralen pH-Wert von 5,5“, empfiehlt Helga Perger-Markl.
Die Füße stecken im Winter oft im Dilemma: Zu wenig vor Schnee und Matsch geschützt, werden sie feucht und klamm vor Kälte, zu viel eingepackt, werden sie schweiß­nass. Daisy Kopera: „Die Fußbekleidung soll der jeweiligen Witterung und Temperatur angepasst sein. Der winterliche Weg zur Schule oder ins Büro erfordert jedenfalls anderes Schuhwerk als die Tätigkeit dort.“ Die Fachärztin rät dringend zum Tragen von Hausschuhen aus Leder oder Wolle statt aus Kunststoff, damit man sich „keine Schweißfüße heranzüchtet“.
Zur Pflege von Händen und Füßen ist eine gute Fettcreme unerlässlich, denn die Haut des Hand- und Fußrückens besitzt nur wenige Talgdrüsen und den haarlosen Handinnenflächen und Fußsohlen fehlen die fetterzeugenden Drüsen überhaupt. Am besten eignen sich Wasser­in-Öl-Emulsionen, die zusätzlich Harnstoff (Urea) enthalten. Auch Substanzen wie Dexpanthenol, Nachtkerzen- und Oliven­öl wirken der Hautaustrocknung effektvoll entgegen.

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