Von Akne bis Damenbart

September 2012 | Kosmetik & Pflege

Haut und Haare in den Wechseljahren
 
Akne, Falten, schlaffe, dünne und trockene Haut, borstige Härchen an Stellen, wo man sie gar nicht haben will, dafür weniger Haare am Kopf: In den Wechseljahren verändert sich vieles im Leben einer Frau, so auch die Körperhülle. Lesen Sie, warum das so ist und was dagegen hilft.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Meist ist es zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr so weit: Die Frau kommt in die Wechseljahre, der weibliche Hormonhaushalt verändert sich. Unregelmäßige Monatsblutungen, Brustspannen, Hitzewallungen, Müdigkeit, Gereiztheit und depressive Verstimmungen gehen meist damit einher. „Und bei etwa 70 Prozent der Frauen kommt noch hinzu, dass Haut und Haare Probleme bereiten“, weiß Univ. Prof. Dr. Eva-Maria Kokoschka vom Zentrum für präventive Dermatologie und ästhetische Medizin am Rudolfinerhaus in Wien. Der Grund: „Vom Beginn der Wechseljahre an produziert der Körper einer Frau immer weniger weibliche Sexualhormone, vor allem weniger Östrogene.“ Und diese spielen nicht nur eine wichtige Rolle, wenn es um die Fortpflanzungsfähigkeit geht, sondern haben auch einen großen Einfluss auf die Gesundheit der Haut. Sie bewirken etwa, dass die kollagenen Fasern, das sind Eiweißsubstanzen im Bindegewebe der Haut, aufquellen, Feuchtigkeit binden und so die Haut vor dem Austrocknen bewahren. Nimmt der Östrogenanteil im Hormonhaushalt ab, schaffen die Kollagene das nicht mehr, und die Haut wird trockener.

An den Schienbeinen beginnt’s

Der Prozess beginnt bei nahezu allen Betroffenen dort, wo die Haut schon von Haus aus eher trocken ist: an den Schienbeinen. „Das passiert nahezu jeder Frau und fängt bei vielen schon an, wenn die altersbedingten Veränderungen im Hormonhaushalt noch sehr geringfügig sind. Die Frauen sagen dann, dass sie schmieren und schmieren, ihre Schienbeine aber trotzdem trocken sind“, sagt die Ärztin. Die Trockenheit ist nicht nur unangenehm. Durch sie verringert sich auch die Lebensdauer der Hautzellen an der Hautoberfläche. Kokoschka: „Das hat zur Folge, dass sich die Haut schuppt, und dass sie juckt.“ Schlimmstenfalls entstehen Trockenheitsekzeme.

Trockenheit und Akne

Im Lauf der fünf Jahre, die die Wechseljahre durchschnittlich dauern, drosselt der Körper die Östrogenproduktion immer weiter. Das immer krassere Ungleichgewicht zwischen weiblichen Hormonen und dem männlichen Sexualhormon Testosteron, das auch der weibliche Körper bildet, kann dann zu weiteren unangenehmen Hautveränderungen führen. „Die Veränderung im Hormonhaushalt bewirkt, dass die Haut nach und nach am gesamten Körper trocken, dünner, schlapper und faltiger wird“, sagt Kokoschka. „Bei manchen führt der neue Überhang an Testosteron gegenüber den Östrogenen nicht nur zur Austrocknung, sondern gleichzeitig dazu, dass die Talgdrüsen im Gesicht, am Dekolleté und im Bereich des oberen Rückens mehr Talg als früher produzieren.“ Wenn die Drüsenausführungsgänge verstopft sind und sich im Talg verstärkt Bakterien sammeln, kann es zu Entzündungen kommen. Kokoschka: „So entstehen Pickel und Pustel, eine Akne der Wechseljahre.“

Ekzeme unter den Achseln

Hitzewallungen, die sich meist auf dem Höhepunkt der Wechseljahre einstellen, können auch die Körperhülle beeinträchtigen: „Durch das häufige starke Schwitzen kann ein weiteres Hautproblem auftauchen“, sagt Kokoschka: „Wenn die Bakterien, die sich im Schweiß sammeln, die Haut angreifen, können sich Ekzeme bilden.“ Am häufigsten entstehen diese Ekzeme dort, wo viel Schweiß produziert wird, wo der Schweiß nicht so leicht verdunsten kann und aufgrund der Körperbehaarung länger haften bleibt, also unter den Achseln, im Genick oder auf der Kopfhaut.

Damenbart und gelichtete Kopfhaut

Wenn schließlich das männliche Sexualhormon Testosteron nur noch auf einen sehr geringen Widerstand durch Östrogene im Körper der älter werdenden Frau stößt, verändert sich nicht nur die Haut, sondern auch das Haar. Kokoschka: „Die Behaarung wird dann männlicher, die Haare im Bereich der Schläfen, der Stirn und auch am Oberkopf werden feiner, das Haupthaar lichtet sich.“ Parallel dazu sprießt oberhalb der Lippen und am Kinn, bei manchen auch an den Wangen, ein Bart – mit besonders borstigen Härchen: der ungeliebte Damenbart.

Eine Hilfe: Hormonersatztherapie

Damenbart, immer weniger Haare, Ekzeme, Akne, Falten, schlaffe, dünne und trockene Haut: Müssen Frauen das alles hinnehmen, oder können sie etwas dagegen tun? „Wenn eine Frau nicht nur Probleme mit Haut und Haaren hat, sondern außerdem noch stark unter anderen Beschwerden leidet, die durch die Wechseljahre bedingt sind, ist eine Hormonersatztherapie durchaus empfehlenswert“, sagt Kokoschka. Dabei werden künstliche Östrogene über Tabletten zugeführt, und mit Gereiztheit, Müdigkeit und Hitzewallungen schwinden meist auch die Probleme mit der Körperhülle bzw. lassen sich manche Prozesse aufhalten, einige Veränderungen sogar zum Teil rückgängig machen. Allerdings hält der Erfolg nur so lange an, wie die Therapie andauert. Kokoschka: „Die Haut wird durch eine Hormonersatztherapie wieder etwas straffer, die Haare am Kopf wachsen wieder nach und der Bartwuchs lässt sich auch meistens eindämmen.“
Geht es lediglich darum oder um die Beseitigung von Wechseljahresakne und Ekzemen, hat eine Frau aber sonst keine oder nur geringe Wechselbeschwerden, dann würde die Expertin aber keine Hormonersatztherapie verordnen. „Bei lokalen Problemen braucht man nicht gleich den gesamten Organismus mit Hormonen überschwemmen, man kann auch lokal behandeln.“

Lokale Therapien als Alternative

Sowohl gegen den Damenbart als auch gegen Haarausfall am Kopf helfen z. B. bestimmte Cremen und Lösungen, die weibliche Sexualhormone enthalten und auf die Haut im Gesicht oder am Kopf aufgetragen werden. Trockene Haut wird geschmeidiger, wenn man Öle und Cremen mit feuchtigkeitsbindenden Substanzen wie Harnstoff verwendet. Ekzeme kann man gut mit medizinischen Salben behandeln. Durchhaltevermögen muss eine Frau bei diesen Therapien allerdings schon haben, so die Expertin: „Es kann einige Wochen dauern, bis die Probleme verschwinden oder erträglich werden.“ Vielfach müssen die Mittel auch öfter am Tag über einen noch längeren Zeitraum oder dauerhaft aufgetragen werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Mit richtiger Pflege vorbeugen

Den Erfahrungen Kokoschkas nach kann man den wechseljahresbedingten Problemen mit Haut und Haar an sich bzw. ihrer Verschlimmerung auch ein bisschen vorbeugen. „Wer gut zur Haut und zur Kopfhaut ist, wird nicht so sehr geplagt werden“, sagt sie. Gut sein bedeutet: Haut und Haare immer typgerecht pflegen, ausgedehnte Sonnenbäder meiden bzw. sich immer gut mit Sonnenschutzmitteln eincremen, nicht rauchen, da Nikotin die Haut belastet, und öfter Lebensmittel zu sich nehmen, die die Östrogenproduktion ankurbeln, wie z. B. Sojaprodukte oder Rotkleetee.

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Frauen im Wechsel:
Jede Zweite leidet stark

Die meisten Frauen kommen zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr in die Wechseljahre, die dann durchschnittlich fünf Jahre dauern und spätestens nach 15 Jahren abgeschlossen sind. Nach den Ergebnissen verschiedener Umfragen hat jede Fünfte gar keine Wechseljahresbeschwerden, 30 Prozent der Frauen leiden geringfügig, jede Zweite klagt über starke Beschwerden. Der Beginn des Wechsels deutet sich durch Unregelmäßigkeiten im Zyklus an, das Ende wird durch das Ausbleiben der Blutung über das gesamte zurückliegende Jahr definiert. Ausgelöst werden die Wechseljahre, die das Ende der Fortpflanzungsfähigkeit bedeuten, durch Veränderungen im weiblichen Hormonhaushalt bzw. die Reduktion der weiblichen Sexualhormone, allen voran der Östrogene, wodurch im Körper der Frau ein Überhang am männlichen Sexualhormon Testosteron entsteht.

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