Die Leiden des Sommers

August 2012 | Medizin & Trends

Vom Blasenentzündung bis Reisekrankheit: Das schützt
 
Kaum haben die ersten Sonnenstrahlen Herz und Seele erwärmt, ist es oft schon wieder vorbei mit der Freude. Denn der Sommer öffnet auch so manchen Leiden Tür und Tor. Lesen Sie, was davor schützt.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

1. Blasenentzündung
Bringen Sie sich ins Trockene!
   
Das Verweilen in nassen Badesachen oder auf kühlen Sitzflächen zählt zu den klassischen Wegbereitern des „Sommerleidens“ Harnwegsinfekt samt seinen Begleiterscheinungen: Schmerzen, Brennen beim Wasserlassen, ständiger Harndrang. „Speziell Menschen, die ohnehin zu Harnwegsinfekten neigen – das sind Frauen mehr als Männer –, sollten berücksichtigen, dass wir in feuchter Badebekleidung übermäßig viel Körperwärme abstrahlen“, betont Dr. Joachim Huber, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Notarzt und Reisemediziner in Wien. Zur fatalen Abkühlung, die schließlich den Organismus schwächt, kommt es auch, wenn man länger auf kaltem oder feuchtem Untergrund – einem Stein, dem nassen Badetuch – sitzt. Ist der Körper erst geschwächt, können Bakterien umso leichter in die Harnwege eindringen. Vorbeugend gilt: sich nach dem Baden sofort gründlich abtrocknen, nasse gegen trockene Sachen tauschen, sich auf trockenen Sitz- und Liegeflächen niederlassen. „Wichtig ist außerdem, viel zu trinken, um die Blase gut zu spülen“, ergänzt Huber. „Ich empfehle warmen Tee, etwa Jasmintee, und klares Wasser.“ Kohlensäurehältige Getränke sollte man meiden, da sie die Harnwege reizen.

2. Steifer Nacken
Vorsicht bei Klimaanlage und Fahrtwind!

Es ist nicht so sehr das warme Sommerlüfterl, das exponierten Stellen wie Nacken oder Schultern zusetzt: „Die Hauptfeinde des Nackens sind vielmehr die Klimaanlage und der Fahrtwind beim Autofahren mit offenem Dach“, erklärt Facharzt Huber. Wieder ist es die Abkühlung der betreffenden Regionen, die zu Beschwerden führt – wer schwitzt, ist besonders gefährdet. „Wenn man im Nackenbereich verschwitzt und dadurch feucht ist, und es kommt zur Abkühlung, verspannen sich die Muskeln und verursachen schließlich Schmerzen“, betont Huber. „Auch bei angestrengter Büroarbeit kann es zum Transpirieren und in der Folge durch Klimaanlage oder Ventilator zu Verspannungen kommen.“ Ob man im klimatisierten Büro sitzt oder eine Spritztour im offenen Sportwagen unternimmt: Nacken- und Halsbereich sollten z. B. mit einem Tuch oder leichten Schal geschützt werden. Auch sollte man nicht direkt im kühlenden Luftstrom von Ventilator oder Klimaanlage sitzen. Besonders gefährdet sind untrainierte Menschen, die ohnehin zu Verspannungen neigen.

3. Sonnenbrand
Gut bekleidet, behütet & eingecremt

Die Kombination Sonne und Zugluft ist auch dann problematisch, wenn man aufgrund eines frischen Lüfterls auf ausreichenden Sonnenschutz vergisst oder verzichtet. „Der beste Schutz gegen Sonne ist, sich entsprechend zu kleiden“, betont Facharzt Huber. Die „Sonnenschutzbekleidung“ bedeckt – nach dem Vorbild aus dem saudiarabischen oder asiatischen Raum – den ganzen Körper, sie besteht aus dicht gewebten Stoffen und wird durch Kopfbedeckung (Strohhut, Kappe, Tuch) und Sonnenbrille komplettiert. Für den Nachmittag am Strand bewährt sich neben dem Eincremen mit der dem Hauttyp entsprechenden Sonnenschutzcreme der regelmäßige (Kontroll-) Blick auf die Uhr: „Wie lange bin ich schon in der Sonne?“ Dann läuft man nicht Gefahr, stundenlang zu „braten“ und sich gefährliche gesundheitliche Probleme einzufangen. Vor allem beim Badeurlaub ist es wichtig, sich vorwiegend im Schatten aufzuhalten und sich zur Mittagszeit von 11 bis 15 Uhr – z. B. zur ausgedehnten Siesta – zurückzuziehen.  

4. Kreislaufschwäche
Flüssigkeit zuführen, Schongang einlegen

Hitzköpfe aufgepasst! Allzu sorgloses Verhalten kann in der heißen Jahreszeit auch zu (lebens)gefährlichen Herzkreislaufproblemen – Bluthochdruck, Hitzekollaps, Hitzschlag – führen. Die wichtigste Vorbeugung: ausreichend trinken! „Kinder und junge Menschen reagieren besonders sensibel auf ein Flüssigkeitsdefizit“, so der Kardiologe. „Verantwortungsvolle Eltern lassen ihre Kinder nur gut eingeschmiert und mit entsprechender Kopfbedeckung im Wasser spielen. Damit beugt man einer Infrarot-Überbelastung, Sonnenstich und Hitzschlag vor.“ Dem Herzkreislauf zuliebe solle man sich besonders an heißen Tagen schonen und nicht, wie viele Jugendliche, stundenlang in der Sonne Sandballspiele betreiben, warnt der Experte. „Dann ist man abends aufgrund der Anstrengung in der Hitze und weil man vielleicht zu wenig getrunken hat, ausgetrocknet, und es kann zu einem Hitzestau kommen.“ Erste-Hilfe-Maßnahmen: beengende Kleidung öffnen, feuchte Tücher auf die Beine legen, viel trinken.

5. Geschwollene Beine
Sport und Stützstrümpfe

Zu den typischen Anzeichen des Sommers gehören für viele, vor allem für viele Frauen, schwere, geschwollene Beine und Knöchel. Betroffen sind etwa Menschen mit einer chronischen Venenschwäche. „Diese hat zur Folge, dass die Venen das Blut weniger gut zurückpumpen, sodass es vorübergehend zu Wassereinlagerungen kommt“, sagt Internist Huber. Chronisch Venenkranke könnten z. B. Stützstrümpfe tragen (es gibt auch spezielle für den Sommer), um die Venen in ihrer Rückpumpleistung zu unterstützen; außerdem gibt es gut wirksame pflanzliche Mittel. Auch sollte man ausreichend trinken, betont der Mediziner und weist auf einen verbreiteten Irrtum hin: „Manche glauben, sie könnten Wassereinlagerungen in den Beinen verhindern, indem sie weniger trinken.“ Das Gegenteil ist der Fall: „Wenn man zu wenig trinkt, staut sich die Flüssigkeit noch mehr, weil das Blut langsamer fließt und damit Gelegenheit hat, Flüssigkeit ins Gewebe rundum abzugeben.“ Nicht zuletzt stärken bestimmte Übungen die Venen: auf Zehenspitzen gehen, in Rückenlage Rad fahren, Beine ausschütteln.

6. Insektenstiche
Schützende Kleidung, Ruhe bewahren

Ob Gelsen, Bienen, Wespen, Bremsen: Der beste Schutz vor den Stichen und Bissen der kleinen Plagegeister: dicht gewebte Kleidung, die auch Arme und Beine bedeckt, und das Auftragen von Insektenschutzmitteln. Auch sollte man angesichts des surrenden und summenden Getiers Ruhe bewahren. „Wer wild herumfuchtelt, ist für Wespen oder Bienen ein Aggressor und wird eher gestochen“, warnt Huber. Im Fall eines Stichs sollte man vor allem nicht kratzen. „Dadurch verteilt man das Gift, sodass die betroffene Stelle umso mehr schmerzt“, warnt der Arzt. Neben kalten Umschlägen helfen spezielle Thermostifte, mit denen man das Gift durch Überhitzung neutralisiert. Bienen- oder Wespenstichallergiker müssen immer ihren Allergie-Pen dabei haben, um sich nach einem Stich sofort das Kreislauf stabilisierende Adrenalin zu injizieren.
Und wer beim Baden im Meer von Stechfisch, Seeigel oder Qualle erwischt wurde? Experte Huber rät, sich mit einer Parfumviole Salmiakgeist zu wappnen: ein, zwei Tropfen auf die Stichstelle geträufelt, und das schmerzende Gift ist neutralisiert. „Alternativ gibt es auch fertige Anti­bite-Stifte“, ergänzt der Arzt.

7. Reisekrankheit
Druckausgleich und Mentaltraining

Ob man per Auto, Schiff oder Flugzeug unterwegs ist, Empfindliche können in jedem Transportmittel mit flauem Magen und Übelkeit – der Reisekrankheit – reagieren. „Betroffene könnten vorbeugend einen Kaugummi gegen Reisekrankheit ausprobieren“, rät Reisemediziner Huber. „Gerade in Flugzeugen oder auf Schiffen ist es außerdem hilfreich, sich während der Fahrt mit den Augen einen entfernten Punkt zu suchen und diesen zu fixieren“, sagt der Arzt. „Keinesfalls sollte man die Augen schließen oder lesen.“ Auch mentales Training kann helfen: „Man sollte sich klar machen: ,Ja, das Flugzeug, das Schiff bewegt sich, aber es wird mir nichts passieren.‘“ Schließlich reist bei mehr als der Hälfte der Reisekranken die Angst mit, weiß Huber. Mit gezieltem Druckausgleich (z. B. durch Gähnen, Schlucken) wird der Gleichgewichtssinn unterstützt. „Kindern könnte man – dem Alter entsprechend – Kaugummi oder ihr Fläschchen anbieten“, regt der Arzt an. „Durch die Kaubewegung fällt der Druckausgleich leichter.“

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