Leben mit Asthma

August 2012 | Medizin & Trends

„Ich hatte fürchterliche Anfälle”
 
Er ging erst zum Arzt, nachdem er während einer Wanderung auf einmal keine Luft mehr bekommen hatte und zusammengebrochen war. Asthma lautete die Diagnose, die Roland Rieger (78) vor nunmehr 27 Jahren erhielt. Im Gespräch mit MEDIZIN populär erzählt der frühere Werkmeister der Voest-Alpine in Linz, wie er seither mit der Krankheit lebt.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Herr Rieger, wissen Sie, warum Sie Asthma haben?

Roland Rieger
Das war wohl eine Kombination aus ungünstigen Faktoren. Zum Teil habe ich die Krankheit geerbt. Meine Mutter hat Asthma gehabt, mein Großvater auch. Außerdem hat mein Vater immer viel geraucht, meine Arbeitskollegen bei der Voest auch, ich selber nie, aber ich habe immer mitgeraucht. Und die Luft an meinem Arbeitsplatz und in Linz generell war auch nicht die beste. Und außerdem hatte ich eine Pollenallergie, die aber nie behandelt wurde.

Wie haben Sie selber bemerkt, dass mit Ihren Atemwegen etwas nicht stimmt?
Das war während einer Bergwanderung. Da habe ich, obwohl ich eine sehr gute Kondition hatte, auf einmal fast gar keine Luft mehr bekommen und bin zusammengebrochen. Das war so arg, dass ich geglaubt habe, ich muss sterben. Danach bin ich zum Lungenfacharzt gegangen, und der stellte fest, dass ich mittelschweres Asthma habe.

Davor haben Sie nie etwas bemerkt?
Naja, ich habe schon ein paar Mal ein bisschen schwerer als sonst Luft bekommen, aber das habe ich dann immer auf etwas anderes zurückgeführt.

Wie ist es Ihnen nach der Diagnose gegangen?
Da war ich schockiert, und ich wollte nicht glauben, dass ich eine chronische, unheilbare Krankheit habe. Ich habe dem Arzt sogar gesagt, ich kriege das schon weg. Der hat dann nur gemeint, da wären Sie aber der erste, und hat mir Medikamente zum Inhalieren und Sprayen verschrieben.

Und als Sie die Medikamente genommen haben, ist es Ihnen gleich besser gegangen?
Nein, damals waren die Medikamente noch nicht so gut wie heute. Und mein Problem war, dass ich die Mittel nicht so genommen habe, wie es richtig gewesen wäre. So habe ich über die Jahre immer wieder fürchterliche Asthmaanfälle gehabt.

Hatten Sie diese Anfälle wieder während sportlicher Betätigung?
Nur wenn ich mich sehr stark belastet habe. Einmal war auch Schimmel hinter einem Kasten in einem Zimmer, wo ich übernachtet habe, der Auslöser. Und die eine oder andere Stresssituation hat auch zu Anfällen geführt.

Wie oft haben Sie heute einen Asthmaanfall?
Ich habe nun seit acht Jahren keinen mehr gehabt.

Wie das?
Nach einiger Zeit mit der Krankheit hat es bei mir „Klick“ gemacht, und ich habe begonnen, sie als etwas zu akzeptieren, das ich wohl nicht mehr loswerde. In der Folge habe ich damit angefangen, mich über die Krankheit zu informieren, zu Atemschulungen zu gehen, mich für die Oberösterreichische Asthma-Allergie- und COPD-Selbsthilfegruppe im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz als stellvertretender Obmann zu engagieren – der ich übrigens immer noch bin. Und ich habe über all die Jahre die Medikamente dann wirklich dauerhaft genommen, und nicht nur dann, wenn es mir schlecht gegangen ist. Das ist am wichtigsten.

Gibt es noch etwas, was Sie gegen die Krankheit tun?
Ich fahre auch regelmäßig auf Rehabilitation. Und wenn die Luft schlecht ist, was  im Sommer in Linz oft der Fall ist, übersiedle ich in meine Wochenendhütte in den Bergen. Nach zwei Stunden dort oben habe ich den ganzen Schleim, der sich angesammelt hat, weggehustet, und danach geht es mir sehr gut.

Gehen Sie heute auch noch Bergwandern?
Ich habe eigentlich die ganze Zeit über seit der Diagnose weiter viel Sport betrieben. Und ich gehe nach wie vor Bergwandern, aber auch Mountainbiken und Schwimmen, im Winter Skilanglaufen.

Was würden Sie jemandem raten, der heute erfährt, dass er betroffen ist?
In eine Selbsthilfegruppe zu gehen und alles in Anspruch zu nehmen, was einem empfohlen wird: Atemschulungen, Schulungen über den richtigen Gebrauch der Mittel zum Inhalieren und Sprayen, und vor allem: Die Medikamente durchgehend nehmen, auch dann, wenn es einem gut geht. Ich zumindest möchte nicht mehr die Anfälle erleben, die ich gehabt habe, als ich mich nicht an das gehalten habe, was mir die Ärzte gesagt haben, und nicht verstanden habe, wie man richtig mit der Krankheit umgeht.

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