Mit Krebs leben

Juni 2012 | Medizin & Trends

Was Körper und Seele stärkt
 
Ein Schock ist die Diagnose allemal. Doch dank des medizinischen Fortschritts entwickelt sich Krebs zunehmend von der akuten Lebensbedrohung zu einem chronischen Leiden.
Rund 300.000 Menschen in Österreich sind davon betroffen. Für sie geht es darum, nicht nur am, sondern im Leben zu bleiben. Lesen Sie, wie Körper und Seele dafür gestärkt werden können.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Rund 300.000 Menschen in Österreich leiden an einer Krebserkrankung – und sind dadurch mit großen Herausforderungen konfrontiert: Sie müssen nicht nur die schockierende Diagnose verkraften, aufkommende Ängste bewältigen und die nötigen Behandlungen samt Nebenwirkungen durchstehen. Bei alledem gilt es, den Lebenswillen nicht zu verlieren.
Die Krebspatienten bei diesen Herausforderungen zu unterstützen, mit gezielten Maßnahmen zu stärken und zu begleiten – das ist die erklärte Absicht der „integrativen Onkologie“ (siehe unten). „Ziel ist, die klassischen, etablierten Therapieverfahren gezielt zu ergänzen, in ihrer Wirksamkeit zu verstärken und deren Nebenwirkungen zu reduzieren“, berichtet der Allgemeinmediziner und Immunologe Dr. Ralf Kleef, der seit mehr als 20 Jahren mit den wissenschaftlich fundierten Methoden der integrativen Onkologie arbeitet. „Dadurch lässt sich nachweislich das Überleben und vor allen Dingen die gesundheitsbezogene Lebensqualität deutlich verbessern.“ Um die psychischen und körperlichen Belastungen besser zu verkraften und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, braucht es vor allem eine gute körpereigene Abwehr. Um das Immunsystem zu stärken, baut man im Wesentlichen auf jene Eckpfeiler, die auch für die Krebsvorsorge gelten: eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, geistige und psychische Ausgeglichenheit.

Bewusste Ernährung

„Die richtige, also eine vitaminreiche Ernährung spielt eine sehr große Rolle in der begleitenden Tumortherapie“, weiß Ralf Kleef. Günstig sei die mediterrane Ernährungsweise mit viel frischem Obst, Gemüse und ungesättigten Pflanzenölen sowie Fisch. „Besonders wichtig ist, viel dunkelgrünes Gemüse – Blattsalate, Brokkoli, Mangold, Grünkohl – zu essen, weil dieses sehr viel Chlorophyll enthält“, betont der Arzt. „Wertvolle Proteinträger sind Hülsenfrüchte wie zum Beispiel Linsen oder Bohnen.“ Trinken sollte man vor allem „viel frisches Wasser“.
Von Weißmehl, Zucker oder rotem Fleisch sollten sich Krebspatienten fernhalten. Weiters warnt der Arzt vor Geschmacksverstärkern wie Glutamat und künstlichen Süßstoffen. Der Grund: „Diese Nahrungsmittel fördern die Entzündungsprozesse im Körper – und damit die Krankheit. Heute gibt es immer mehr Erkenntnisse darüber, dass Krebs im Gegensatz zu einer akuten Entzündung eine bösartige chronische Entzündung darstellt“, erklärt Kleef. „Die Behandlung geht immer mehr in die Richtung, diese Entzündung zu therapieren.“ Sinnvoll sei außerdem, zu testen, ob Unverträglichkeiten gegen bestimmte Nahrungsmittel bestehen. Die Darmgesundheit lasse sich weiters mithilfe einer Darmsymbioselenkung, also einer gründlichen Waschung des Darms, fördern. „Schließlich ist eine intakte Mikroflora im Darm die Basis für ein leistungsfähiges Immunsystem“, erläutert der Arzt.

In Bewegung bleiben

Im Leben bleiben bedeutet außerdem, in Bewegung zu bleiben: „Es gibt heute unzählige internationale Studien, die zeigen, dass das Risiko für einen Rückfall  bei Brustkrebspatientinnen deutlich reduziert wird, wenn sie regelmäßig Sport betreiben“, berichtet Ralf Kleef. „Dreimal 30 Minuten pro Woche moderates Ausdauertraining bei einer Pulsfrequenz von rund 130 auszuüben, ist das absolute Minimum.“
Patienten, die regelmäßig Sport betreiben, profitieren auf vielfältige Weise: „Moderates Ausdauertraining wirkt günstig auf den Stoffwechsel, das Herzkreislaufsystem, steigert die Entgiftungskapazität des Organismus und die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff“, weiß der Immunologe. Auch werden bestimmte Hormone wie das „Glückshormon“ Serotonin auf den Plan gerufen. „Letztlich verbessert regelmäßige Bewegung die gesundheitsbezogene Lebensqualität und hat Einfluss auf die Rückfallhäufigkeit und die Lebenserwartung“, sagt Kleef.

Gute Gedanken

Als „vielleicht wichtigsten Punkt“ nennt der Mediziner den Einfluss, den Psyche und Geist auf den Körper und seine Gesundung haben. „Unsere Gedanken und Gefühle beeinflussen ganz entscheidend unsere immunologischen Funktionen und dadurch den Heilungsverlauf“, betont Ralf Kleef. Nicht nur eine Psychotherapie vermag die Patienten dabei zu unterstützen. „Zahlreiche Studien zeigen, dass etwa Yoga, Meditation, Qi Gong oder Tai Chi – all jene körperorientierten Therapien, die auch stark ins Seelische hineinwirken – einen entscheidenden Einfluss auf das Krankheitsgeschehen, die Lebensqualität und die Überlebenszeit haben können“, erklärt Kleef.

Entspannung suchen

Während chronischer Stress das Immunsystem erwiesenermaßen schwächt und damit auch an der Entstehung einer Krebserkrankung beteiligt sein kann, gilt Entspannung als förderlicher Faktor, um möglichst gut und lange mit der Erkrankung zu leben. Entspannte Patienten haben ein besseres Immunsystem. „Eine wichtige Rolle spielt das autonome Nervensystem, das man durch Methoden des Biofeedbacks, durch Yoga, Atem- und Bewusstseinstrainings beeinflussen und auf die Weise auch Einfluss auf das Immunsystem nehmen kann“, so der Mediziner. Durch die Messung der Herzratenvariabilität kann indirekt auch auf die Fähigkeit der Patienten, sich zu entspannen, geschlossen werden.

Soziales Netzwerk

Außerdem stärkt ein liebevolles soziales Umfeld – Partner, Familienmitglieder, Freunde – die Patienten. „Die Einbettung in ein Netzwerk von geliebten und liebenden Menschen kann gar nicht hoch genug geschätzt werden und beeinflusst den Krankheitsverlauf erwiesenermaßen positiv“, betont der Experte. Dabei müsse es sich nicht unbedingt um menschliche Angehörige handeln. „Auch ein Haustier, die Katze oder der Hund, kann dem Menschen helfen, das Leben aktiv, lust- und freudvoll zu gestalten.“ In diesem Zusammenhang kann auch der Beruf ein starker Anker sein – vor allem dann, wenn dieser gerne ausgeübt wird. „Die Krebsdiagnose kann auch dazu führen, dass die Menschen ihr gesamtes bisheriges Leben in Frage stellen, ihren Beruf wechseln und neue Verwirklichung in Bereichen finden, die sie vorher vielleicht gar nicht in Betracht gezogen haben“, weiß Ralf Kleef.

Verantwortung übernehmen

Schließlich wollen immer mehr Patienten aktiv an ihrer Gesundung mitwirken und das Leben (wieder) in die Hand nehmen. „Aus der Forschung ist bekannt, dass diese Patienten bessere Überlebenschancen haben als diejenigen, die sich passiv den Negativprognosen ergeben“, berichtet der Arzt. „Es gibt es genügend Beispiele von Menschen, die ihre statistisch vorausgesagten Überlebenszeiten weit überleben.“ Entsprechend wichtig sei, die „gewaltige Kraft unserer Gedanken, unserer Hoffnungen“ zu nutzen und zu kultivieren. „Schaut nicht dauernd auf den Krebs oder die Metastasen, sondern auf die Fähigkeit eures Körpers zu gesunden! Vertraut auf eure Selbstheilungskräfte und darauf, dass die verabreichten Medikamente und Chemotherapeutika gezielt die Krebszellen angreifen und das Immunsystem nicht schädigen!“ so der Appell des Mediziners. „Diese Gedanken können ungeheuer stark wirken. Die Erwartung, die Patienten an sich und ihren Körper haben, beeinflusst das Krankheitsgeschehen unmittelbar.“
 
Lebenslust statt Todesangst

Im günstigsten Fall gelingt es, die Erkrankung (auch) als Wendepunkt und Neuanfang im Leben zu verstehen. „Paradoxerweise wird vielen Menschen angesichts der Diagnose bewusst, dass sie jetzt anfangen müssen, wirklich zu leben“, beobachtet Kleef. „Viele haben dies zum Anlass genommen, ihr Leben völlig neu und aktiver zu gestalten – und ihre Prognosen bei weitem überlebt.“

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Integrative Onkologie:
Ergänzt Therapie, lindert Beschwerden

„Die integrative Onkologie steht in keinem Gegensatz zur klassischen Onkologie, sondern hat zum Ziel, ihre Therapieverfahren gezielt zu ergänzen“, betont der Allgemeinmediziner und Immunologe Dr. Ralf Kleef. Mit den wissenschaftlich fundierten Methoden lassen sich z. B. die Begleiterscheinungen der Erkrankung (wie Ängste, Depressionen) lindern und die Nebenwirkungen der Krebstherapie (wie Schmerzen, Gewichtsverlust) reduzieren. Um das „große Spektrum der integrativen Onkologie eines Tages der Allgemeinheit zugänglich zu machen“, hat der engagierte Mediziner eine Stiftung ins Leben gerufen.

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