Verhüten, aber richtig!

September 2012 | Partnerschaft & Sexualität

Die sieben häufigsten Irrtümer um Pille, Kondom & Co.
 
Sicher, gut verträglich und einfach in der Anwendung – Frauen wissen ganz genau, was ihr Verhütungsmittel können muss. Weniger gut wissen sie allerdings über die Verhütung selbst Bescheid. MEDIZIN populär über die sieben häufigsten Irrtümer um Pille, Kondom & Co.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Wenn ich die Pille absetze, hält die Wirkung noch ein paar Monate an.“ – „Regelmäßige Pillenpausen sind wichtig, damit mein Körper sich erholen kann.“ – „Ein Kondom schützt vor allen übertragbaren Krankheiten.“ – „Hormonelle Verhütungsmittel machen unfruchtbar“: Immer noch kursieren zahlreiche Gerüchte rund um die Empfängnisverhütung. Besonders um das Verhütungsmittel Nummer eins – fast 40 Prozent der Frauen nehmen die Antibabypille – ranken sich zahlreiche Mythen. Dabei ist ein Verhütungsmittel umso sicherer, je besser frau darüber Bescheid weiß. Was also ist an den verschiedenen Gerüchten wirklich dran?

„Die Pille verursacht Brustkrebs.“

Die Angst, dass durch die Pilleneinnahme das Brustkrebsrisiko steigt, sei unbegründet, beruhigt der Wiener Gynäkologe Dr. Michael Elnekheli: „Alle verfügbaren Studien haben gezeigt, dass dies nicht der Fall ist.“ Wie es zu den Befürchtungen, die sich hartnäckig halten, gekommen ist? Elnekheli: „Der Mythos rührt vielleicht daher, dass weibliche Sexualhormone in der Hormonersatztherapie im Wechsel aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen in Kritik geraten sind.“

„Wer lange hormonell verhütet, wird unfruchtbar.“

„Dass die Anwendung von hormonellen Verhütungsmitteln zu Unfruchtbarkeit führt, ist ein verbreitetes Gerücht“, bestätigt Michael Elnekheli. „Auch glauben viele Frauen, dass es nach dem Absetzen der Pille lange braucht, bis die Fruchtbarkeit wieder zurückkehrt.“ Tatsache ist: Die Pille beeinflusst die Fruchtbarkeit weder kurz- noch langfristig. „Das heißt, unmittelbar nach dem Absetzen der Pille ist eine Schwangerschaft möglich“, betont der Facharzt.

„Die Pille macht dick.“

Die Pille als Dickmacher? Das stimmt nur bedingt: So kann es beispielsweise aufgrund bestimmter östrogenhältiger Präparate zu Wassereinlagerungen kommen. Andere Pillen, die ausschließlich Gelbkörperhormone enthalten, haben diese Wirkung nicht. Daneben gibt es Mikropillen, die sogar entwässernd wirken.
Indirekt sei eine Gewichtszunahme möglich, weil sich durch die herkömmliche Pille der Kohlehydratstoffwechsel verändert: Der Blutzucker steigt an, was wiederum das Hungergefühl beeinflussen könnte. Eine mögliche Alternative stellt ein neues Präparat dar, das anstelle eines künstlichen Östrogens ein dem menschlichen identes enthält. „Wir haben Hinweise darauf, dass dies etwa einen positiveren Effekt auf den Kohlehydratstoffwechsel, den Insulinspiegel und den Fettstoffwechsel hat“, betont die Gynäkologin Dr. Doris Linsberger.
 
„Der Körper braucht Pillenpausen, um sich zu erholen.“

„Dieser Mythos rührt daher, dass man in den Anfängen der Pillenanwendung nicht wusste, welche möglichen Auswirkungen eine lange Einnahme hat“, erklärt Elnekheli. „Deshalb hat man sich mit einer Notlösung beholfen und Pillenpausen empfohlen.“ Mittlerweile sind alle Antibabypillen so niedrig dosiert, dass eine Unterbrechung der Einnahme unnötig ist. Andererseits muss die Pille auch nicht (weiter) genommen werden, wenn „im Moment kein besonderer Bedarf besteht und kein Zusatznutzen erwartet wird“, so der Gynäkologe. Viele Frauen befürchten, dass eine Unterbrechung ungünstig sei. Irrtum: „In dem Fall ist es sogar vernünftig, die Pille abzusetzen“, sagt der Arzt.

„Einmal Pille vergessen, ist halb so schlimm.“

Relativ verbreitet ist eine gewisse Sorglosigkeit punkto Pilleneinnahme: „Die Pille zu vergessen ist aber ungünstig“, sagt Elnekheli. „Es gibt ein Sicherheitsfenster von zumeist zwölf Stunden – in dieser Zeit sollte man die Pille nachnehmen.“ Wird dies verabsäumt, muss – um auf Nummer sicher zu gehen – für den gesamten aktuellen Zyklus zusätzlich verhütet werden, z. B. mit Kondom.
Alternativen für jene, die zum Vergessen neigen und doch hormonell verhüten möchten: „Der Verhütungsring wird einmal eingesetzt und erst nach drei Wochen wieder getauscht“, erklärt Elnekheli. „Verhütungspflaster oder Verhütungsstäbchen, die die Hormone über die Haut abgeben, bieten den zusätzlichen Vorteil, dass sie zum Beispiel auch bei Durchfall sicher bleiben.“  

„Das Kondom schützt vor allen sexuell übertragbaren Krankheiten.“

So wirksam das Kondom vor vielen bakteriellen Infektionen und klassischen Geschlechtskrankheiten schützt – vor der Ansteckung z. B. durch humane Papillomaviren (HPV) ist man nicht gefeit, weil diese den gesamten Genitaltrakt überziehen. „HPV-Infektionen werden fast ausschließlich durch Sexualkontakt übertragen und treten bei sexuell aktiven Menschen zumindest einmal im Leben auf“, so der Facharzt. „Bei wenigen  Frauen kann durch die fortbestehende Infektion über viele Jahre Gebärmutterhalskrebs entstehen.“

„Antibiotika haben keinen Einfluss auf hormonelle Verhütungsmittel.“

Irrtum! Wer Antibiotika einnehmen muss, sollte für diesen Zyklus zusätzlich ein „Barrieremittel“ wie Kondom oder Diaphragma verwenden. „Antibiotika machen die Pille weniger wirksam, sodass man in dem jeweiligen Zyklus zusätzlich verhüten muss“, bestätigt  Elnekheli.

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Von Pille bis Spirale:
Welche Verhütung ist für mich die beste?

„Es gibt für jede Frau das richtige Verhütungsmittel“, betont Dr. Doris Linsberger, Gynäkologin in Krems und Wien. „Und manche Verhütungsmittel sind für manche Frauen absolut nicht anwendbar.“ Auf dem Weg zur passenden Empfängnisverhütung ist die eingehende Beratung durch die Gynäkologin oder den Gynäkologen das A und O.
Ein Ausschlusskriterium für östrogenhältige Verhütungsmittel wie Pille oder Hormonspirale ist das Rauchen, weil sich dadurch das Thromboserisiko erhöht. Auch Frauen, die übergewichtig sind oder eine angeborene Blutgerinnungsstörung haben, sollten Abstand davon nehmen; auch mit zunehmendem Alter (ab 35 Jahren) steigt das individuelle Risiko. Alternativ dazu gibt es z. B. Methoden, die nur Gelbkörperhormone (Gestagene) enthalten. „Bei nur gestagenhältigen Verhütungsmitteln ist das Thromboserisiko deutlich geringer“, erklärt die Gynäkologin. „Und bei korrekter Anwendung haben diese Verhütungsmittel – die Gelbkörperhormonspirale, die Dreimonatsspritze, die Gelbkörperhormonpille – eine hohe Verhütungssicherheit.“
Daneben gibt es auch verschiedene hormonfreie Methoden. „Gut geschützt vor unerwünschten Schwangerschaften ist man mit hormonfreien Barrieremethoden wie Kupferspirale und Kupferkettchen“, betont die Gynäkologin. „Sie sind für Frauen geeignet, die längerfristig, aber nicht hormonell, verhüten und ihren Zyklus haben wollen.“
Diese Alternativen eignen sich auch für die Zeit nach der Geburt und in der (ersten) Stillzeit, wenn die Frau östrogenhältige Methoden meiden sollte.

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Bei PMS, Schmerzen, Akne:
Die Pille als Therapie

Die Verhütungsmethode soll sicher, gut verträglich und einfach anzuwenden sein, auch soll das Verhütungsmittel nicht dick machen – so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts Spectra bei Frauen, die hormonell verhüten. Hinzu kommt, dass viele Frauen auch von dem Zusatznutzen der Hormone (Gestagene) profitieren wollen. Zum Beispiel werden beim prämenstruellen Syndrom, das sich durch Wassereinlagerung, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen kurz vor der Regel äußert, die Beschwerden deutlich gebessert. Auch bei starken Regelschmerzen ist die Pille ein wirksames Therapeutikum. Bestimmte Pillenpräparate sind bei Hautproblemen wie Akne wirksam. Wenn die Monatsblutung sehr stark ausfällt, ist wiederum die Hormonspirale „ein wunderbares Verhütungsmittel“, sagt die Gynäkologin Dr. Doris Linsberger. „Sie wird bei Myomen oder einer Endometriose sogar empfohlen.“

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