Glück braucht die Anderen

Januar 2012 | Psyche & Beziehung

Der Egoismus, der in unserer Leistungsgesellschaft um sich greift, macht uns unglücklich! Wer glücklich sein will, braucht dazu die anderen. Warum das so ist, erklärt der Grazer Stressforscher Univ. Prof. Dr. Sepp Porta in seinem neuen Buch „Glück machen!“ und im Gespräch mit MEDIZIN populär.
 
von Mag. Alexandra Wimmer

MEDIZIN populär
Herr Prof. Porta, in Ihrem neuen Buch „Glück machen!“ liefern Sie sozusagen einen Bausatz für mehr Lebensfreude. Können Sie uns eine Kurzanleitung geben?

Univ. Prof. Dr. Sepp Porta
Die einzige Strategie, die zu Glück führt, ist, seine Stärke in die Umgebung zu investieren, indem man über die eigenen Grenzen hinausgeht und die eigene Energie anderen zur Verfügung stellt. Je mehr Personen mich – zumindest teilweise – als Ursache ihres Wohlergehens identifizieren, umso besser wird es mir auch selbst gehen.

Warum ist das so?
Unser körpereigenes Belohnungssystem, das vom Hormon Dopamin beherrscht wird, springt nur dann an, wenn ein Vorhaben besser gelungen ist als ursprünglich geplant – dann werden Belohnungs- und Glücksgefühle erzeugt. Dabei scheint, dass die Weitergabe der eigenen Stärke das einzige ist, das vom Körper goutiert und deshalb belohnt wird. Überflüssige Stärke, die man angesammelt hat, muss in die Umgebung investiert werden – und kommt dann zurück in Form von Wohlwollen, Respekt, Achtung. Diese für unser Glück unerlässlichen Faktoren kann man nicht selbst produzieren – man erhält sie nur über andere.

Ich kann mein Glück also nur bis zu einem gewissen Grad selbst machen?
Genau. Dabei ist es wichtig, den Zeitpunkt richtig einzuschätzen, ab dem man seine Stärke nicht mehr nur sich selbst zugute kommen lässt, sondern mit anderen teilt. Wenn ich diesen Moment versäume, bin ich ein Selbstverwirklichungsegoist – und werde von der Umgebung à la longue abgelehnt.

In unserer Leistungsgesellschaft gilt nun aber als erfolgreich, wer eine tolle berufliche Karriere und ein gut gefülltes Bankkonto vorweisen kann. Taugen diese Kriterien überhaupt zum Glücklichsein?
Glück als Illusion ist immer dann zu finden, wenn man nur auf sich selbst konzentriert ist und das soziale Miteinander vernachlässigt. Wenn also der Ich-Zentrierte alle Stärke nur auf sich vereinigt und das Wagnis der Beteiligung seiner Umwelt am eigenen Wohlbefinden scheut. Das Resultat ist letztlich nicht Glück, sondern Vereinsamung durch Ablehnung.

Demnach macht uns das ausschließliche Streben nach Erfolg und Selbstverwirklichung unglücklich?
Ist man auf dem Selbstverwirklichungstrip, dann funktioniert das Belohnungssystem nicht und die Sucht nach Erfolg wird mehr und mehr beschleunigt: Wir müssen dann immer schneller immer mehr schaffen, um das Belohungssystem zu aktivieren. Aus biochemischer Sicht steckt dahinter ein ganz ähnliches System wie bei Spielsüchtigen.

Es gibt viele Menschen, die nie genug bekommen können, dabei unglücklich sind und die Verantwortung für ihr Unglück auf andere schieben. Umgekehrt schwärmen jene, die sich freiwillig in den Dienst anderer stellen, häufig davon, wie gut ihnen dieser Dienst selbst tut. Lautet die Glücksformel also: „Helfen macht glücklich, Egoismus unglücklich“?
So ist es. Leute, die immer die Verantwortung an andere abgeben, sind eigentlich schwach und deshalb unglücklich. Auch von Burnout Betroffene sind schwach und unglücklich, weil sie nichts mehr zu geben haben. All jene sollten sich erst einmal darauf konzentrieren, sich selbst Stärke zukommen zu lassen. Das gelingt, indem man regelmäßig Pausen einlegt: Nur in Phasen der Regeneration kommt es zum zukunftsweisenden Stärkeaufbau. Wenn man wieder Stärke hat, sollte man sie freigiebig mit anderen teilen, ohne sich selbst zu berauben. Denn ein Schelm ist, der mehr gibt als er hat.

Bei aller (Nächsten-)Liebe darf man also auch sich selbst nicht vernachlässigen. Glücklich ist demnach, wer den Balanceakt meistert und sich genügend um sich selbst sowie um andere ­kümmert?
Genau. Man muss immer schauen, dass man etwas zu geben hat, um Glück aufbauen zu können. Man muss also sowohl auf sich selbst schauen, als auch in die Anderen investieren.

Buchtipp:
Porta, Hlatky, Glück machen! Ein Bausatz
ISBN 978-3-99052-012-3, 152 Seiten, € 17,90
Verlagshaus der Ärzte, 2011

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