Quitte: So gesund ist die herbe Herbstfrucht

Oktober 2013 | Ernährung & Genuss

Beinahe in Vergessenheit geraten, taucht das Stiefkind unter den Herbstfrüchten wieder vermehrt auf unseren Märkten auf. Zum Glück – denn die lange Zeit verschmähte Verwandte von Apfel und Birne hat viel für unsere Gesundheit zu bieten.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Sie gilt von alters her als Symbol für Liebe, Glück, Schönheit, Fruchtbarkeit und einiges Gute mehr: die Quitte. Trotz ihres hervorragenden Rufs hat das Kernobst zuletzt ein Schattendasein in unseren Obstgärten und Küchen geführt – verdrängt von ihren nächsten Verwandten, den Äpfeln und Birnen. Was die quittengelbe Frucht, die wie Apfel und Birne zur Familie der Rosengewächse gehört, auszeichnet? „Quitten sind wasserreich, der Anteil liegt bei 80 Prozent“, erklärt die Innsbrucker Ernährungswissenschafterin Dr. Birgit Wild. „Außerdem wird die Frucht den kalorienarmen Obstsorten zugeordnet.“ Mit rund 50 Kilokalorien pro 100 Gramm ist die Quitte ähnlich figurfreundlich wie „Cousin“ Apfel. Und während die Frucht wenige Kalorien enthält, hat sie es punkto Nährstoffe in sich.

Top in Sachen Ballaststoffe

Besonders bemerkenswert: der hohe Anteil an Ballaststoffen wie z. B. Pektin, welche die Verdauung fördern und stärken. „Von allen Früchten ist die Quitte die pektinreichste, mit ihrem Anteil schlägt sie sogar Apfel und Birne“, schwärmt Brigit Wild. Die gesunden Folgen? „Pektine haben eine sehr hohe Quellkraft; sie absorbieren die im Darm aufgenommenen Schad- und Giftstoffe und machen sie damit unschädlich.“ Eine ähnliche Wirkung haben diese Ballaststoffe übrigens auf Nahrungscholesterin: „Ein Teil des Cholesterins wird vom Pektin gebunden und ausgeschieden und verbleibt damit nicht länger im Körper“, sagt Wild. Quitten sind damit wertvolle Cholesterinsenker.

Vitamine
und Mineralstoffe

Auch in Sachen Vitamine lässt sich die herbe Herbstfrucht mit der flaumigen Schale nicht lumpen: „Die Quitte ist reich an Vitamin C“, erläutert die Ernährungsexpertin. Außerdem enthält die Frucht die Spurenelemente Eisen und Zink. „Das Eisen ist blutbildend und stärkt das Immunsystem.“ Zink benötigt unser Körper u. a. für den Zucker-, Fett- und Eiweißstoffwechsel und für eine starke Immunabwehr. Daneben stecken auch reichlich Kalium und Kieselsäure in dem Obst. „Kalium hat eine entwässernde Wirkung und ist günstig bei Bluthochdruck“, weiß Wild. „Kieselsäure wiederum ist gut für das Bindegewebe, die Venen und die Festigkeit der Blutgefäße. Sie gilt auch als Anti-Aging-Mittel und fördert ein straffes Hautbild.“ Weiters enthält die „Nährstoffbombe“ Natrium, Mangan, Tannine, Gerbsäure; die Samen der Quitte sind reich an Schleimstoffen.

Köstlich als Marmelade & Mus

Von der Fülle an Nährstoffen profitiert man glücklicherweise auch, wenn man die Quitte im gekochten Zustand genießt; schließlich sind die Früchte, wie sie bei uns gedeihen, roh nicht essbar – zu herb und zu bitter schmeckt das Fruchtfleisch. Dies könnte auch ein Grund sein, weshalb der fruchtige Tausendsassa, der wegen seiner griechischen Heimat auch „kretischer Apfel“ genannt wird, zuletzt an Bedeutung verloren hat: „Äpfel und Birnen lassen sich im Haushalt leichter verarbeiten und können auch roh verspeist werden“, sagt Birgit Wild.
Nichtsdestotrotz: Zu Mus, Kompott, Marmelade, Saft oder Gelee verarbeitet, schmeckt die Quitte vorzüglich – vorausgesetzt, man entfernt vor dem Verarbeiten den bitter schmeckenden Flaum, indem man ihn z. B. mit einem groben Tuch gründlich abreibt. „Gekocht hat die Quitte einen fruchtigen Geschmack, den man vielleicht als Mischung von Apfel, Birne und Marille beschreiben könnte“, sagt Birgit Wild. Bei der Zubereitung braucht es etwas Geduld, die Garzeit beträgt mindestens 45 Minuten. Dafür liefert die Frucht beim Einkochen praktischerweise das Geliermittel gleich mit: Werden Quitten zu Gelee oder Marmelade verarbeitet, sorgt das enthaltene Pektin für den „Geliereffekt“.

Heilsame Wirkung

Quitten-Gerichte munden nicht nur, sie haben auch eine gesundheitsfördernde Wirkung: „Ernährungsmedizinisch wird die Quitte beispielsweise bei Durchfallerkrankungen eingesetzt. Durch ihren hohen Gerbstoffgehalt wirkt sie einerseits stopfend und bindet außerdem krankmachende Keime“, erklärt die Expertin. Eine lange Tradition in der Volksmedizin haben die Samen der Quitte; reife Quittenkerne bestehen aus Schleimstoffen, Amygdalin und Öl. „Amygdalin enthält zwar giftige Blausäure, die beim Kochen jedoch verloren geht“, weiß Birgit Wild. „Für Quittentee beispielsweise lässt man die Samen rund zehn Minuten in heißem Wasser ziehen.“ Die günstigen Effekte der Kerne? „Sie helfen bei Erkältung, Bronchitis, Halsschmerzen. Da sie auch entzündungshemmend wirken, empfiehlt man sie auch bei Gastritis und Darmentzündungen sowie bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum“, berichtet die Ernährungswissenschafterin. „Der Tee wird außerdem empfohlen bei Schlaflosigkeit, Unruhe und Nervosität.“
Nach längerer Kochzeit wird aus den Samen Schleim ausgekocht, der früher ebenfalls eine hochgeschätzte Arznei war. Quittenschleim hilft bei Husten den Schleim zu lockern und bei Verdauungsproblemen mild abfüh­rend. Äußerlich kann er z. B. gegen spröde Haut, rissige Lippen, Sonnenbrand, Hautentzündungen oder Hämorrhoiden verwendet werden.
Heute punktet die Quitte nicht nur als Heil-, sondern auch als hochprozentiges Genussmittel, fügt Birgit Wild hinzu: „In der modernen Schnapsbrennerei etwa ist die Herbstfrucht sehr geschätzt.“

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Seit 6000 Jahren Kult:
Uraltes Nahrungs- und Heilmittel

Die Quitte wurde schon vor etwa 6000 Jahren in Mittelasien kultiviert, in Mitteleuropa ist sie in wärmeren Gegenden seit dem 9. Jahrhundert heimisch. Bereits Hippokrates nutzte die (rohe) Frucht zur Blutstillung, und auch Hildegard von Bingen schätzte ihre Heilwirkung. Weltweit gibt es rund 200 verschiedene Quittensorten, einige (z. B. die Shirin-Quitte in der Türkei) kann man auch roh genießen. Der Quittenbaum blüht von Mai bis Juni, die Früchte werden von Oktober bis November geerntet – und sind damit die letzten Früchte der Herbstsaison.

Rezept für den gesunden Genuss:
Quittenmarmelade

Zutaten:

1 kg Quitten
400 g Zucker
Saft von einer Zitrone
Sternanis, Zimtstange nach Geschmack

Zubereitung:

Quitten waschen, mit einem Tuch gründlich abreiben, Stiel und Blütenansatz entfernen. Mit Schale und Kerngehäuse in Stücke schneiden, mit Wasser knapp bedeckt ca. 45 bis 60 Minuten weichkochen. Zimtstange oder Sternanis nach Geschmack mitkochen.
Saft abgießen (kann man für Geleeherstellung verwenden) und Fruchtstücke durch ein Sieb streichen.
Quittenpüree mit Zucker und Zitronensaft mischen, aufkochen lassen, unter ständigem Rühren ca. 6-10 Minuten weiterkochen. Gelierprobe machen. Marmelade noch heiß in Gläser füllen und sofort verschließen.

Stand 10/2013

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