Von Apfel bis Zwiebel: Cholesterinsenker auf dem Teller

Juli 2013 | Ernährung & Genuss

Bei jedem zweiten Österreicher, so schätzen Experten, sind die Cholesterinwerte aus dem Lot. Nicht immer braucht es Medikamente, um die gefährlichen Folgen zu bannen. Mutter Natur hat uns mit einer Vielzahl regelrechter Cholesterinsenker beschenkt. Für MEDIZIN populär zeigen Ärzte auf, wie man das Problem mit der richtigen Kost in den Griff bekommen kann.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Es tut nicht weh und kann trotzdem tödlich sein: zu viel Cholesterin im Blut. Laut Experten hat hierzulande jeder Zweite einen erhöhten Cholesterinspiegel und damit ein erhöhtes Risiko für eine Gefäßverkalkung (Atherosklerose), die wiederum Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall im Schlepptau hat. „Atherosklerose-bedingte Herz-Kreislauferkrankungen sind weltweit die führende Todesursache“, unterstreicht Prim. Univ. Prof. Dr. Friedrich Hoppichler, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Salzburg und Vorstand des präventivmedizinischen Instituts „SIPCAN – Initiative für ein gesundes Leben“, die Brisanz. Wie es dazu kommt? „Cholesterinablagerungen in den Arterien führen zu Einengungen oder sogar Gefäßverschlüssen, sodass die Blut- und Sauerstoffversorgung der zu ernährenden Organe eingeschränkt ist – ein fataler Zusammenbruch droht.“ Umso wichtiger ist es, erhöhten Blutfetten rechtzeitig auf die Spur zu kommen.

Wachsendes Problem

Um das persönliche Risiko für eine Herz- oder Gefäßerkrankung zu ermitteln, werden die wichtigsten Blutfettwerte bestimmt. Das sind neben dem Cholesterin die Triglyceride (siehe auch „Blutfette, Bauchfett & Co“ weiter unten). „Den größten Einfluss auf das Erkrankungsrisiko hat das Cholesterin, erhöhte Triglyceride leisten einen zusätzlichen Beitrag“, erklärt Univ. Prof. Dr. Thomas Stulnig, Facharzt für Innere Medizin sowie Stoffwechsel- und Hormonspezialist in Wien. Gerade von der „kombinierten Erhöhung“ von Cholesterin und Triglyzeriden sind immer mehr Menschen betroffen: Sehr häufig findet sie sich im Zusammenhang mit viel Bauchfett, dem metabolischen Syndrom oder Diabetes. „Im Zusammenhang mit der Zunahme von Adipositas wird auch die Anzahl der Patienten mit Fettstoffwechselstörungen weiter ansteigen“, blickt Friedrich Hoppichler in die Zukunft. Körperliche Anzeichen dafür, dass die Blutfettwerte entgleisen, gibt es so gut wie keine – regelmäßige Kontrolle ist das Um und Auf. „Das gilt ganz besonders bei familiärer Vorbelastung, wenn bereits einmal erhöhte Blutfett- oder Blutzuckerwerte festgestellt wurden oder eine Bauchfettsucht vorliegt“, betont Internist Stulnig.

Ernährung als Therapie  

Der erste – manchmal auch einzige – notwendige Schritt, wenn die Blutfette (Lipide) erhöht sind, ist die Umstellung der Ernährung. Schließlich hat das, was auf unseren Tellern landet, einen großen Einfluss auf den Cholesterinspiegel. Damit die Werte bei falscher, fettreicher Kost tatsächlich entgleisen, braucht es außerdem die entsprechende Veranlagung. „Es gibt Menschen, die sich ungesund ernähren und trotzdem normale Cholesterinspiegel haben“, führt Stulnig an. „Wer die Veranlagung dazu hat, höhere Cholesterinspiegel zu entwickeln, ist jedoch bei falscher Ernährung besonders gefährdet.“ Daneben gibt es vererbte Fettstoffwechselerkrankungen, wie z. B. die familiäre Hypercholesterinämie, bei denen das Cholesterin unabhängig von der Kost enorm ansteigt.
So oder so ist die Ernährungsumstellung die Basis jeder Therapie: „Ist nur das Cholesterin erhöht, ist der Effekt der Ernährungstherapie allein allerdings begrenzt“, sagt Thomas Stulnig. „Bei diesen Patienten muss das stark erhöhte Cholesterin fast immer durch Medikamente, Statine, gesenkt werden“, ergänzt Hoppichler. Sind Cholesterin und Triglyzeride erhöht, hat die Umstellung des Speisezettels hingegen einen sehr großen Effekt.

Frage des Fetts

A und O ist die Wahl des richtigen Fetts, die Fettqualität: Bei der (fettarmen) Zubereitung sollte man pflanzliche Fette (z. B. Oliven- und Rapsöl), die einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren haben, wählen. Diese senken das schlechte LDL-, nicht aber das gute HDL-Cholesterin. „Tierische Fette sollte man hingegen vermeiden, weil sie einerseits Cholesterin und andererseits viele gesättigte Fettsäuren enthalten, die das LDL-Cholesterin ansteigen lassen“, betont Thomas Stulnig, von dem gerade erst ein Buch zum Thema (siehe Buchtipp) erschienen ist. „Diese ungünstigen Fettsäuren sind etwa in Butter, Schmalz, Wurst, fettem Fleisch, fettem Käse und fetten Milchprodukten enthalten“, ergänzt Hoppichler, der zugleich vor der Wirkung warnt: „Gesättigte Fettsäuren heben den LDL-Cholesterinspiegel doppelt so stark an, wie mehrfach ungesättigte Fettsäuren ihn absenken können.“ Die tägliche Aufnahme von Nahrungscholesterin, das naturgemäß in tierischen Lebensmitteln enthalten ist, sollte deshalb unter 200 Milligramm liegen; das entspricht etwa dem Cholesteringehalt von einem Ei.
Ähnlich schädlich wie gesättigte Fettsäuren sind Transfettsäuren, z. B. in gehärteten Fetten, fettreichen Mehlspeisen, Knabbereien oder Fertigprodukten. Weitere „Cholesterinbomben“: Innereien, Geflügelhaut sowie Schalentiere aus dem Meer. Zurückhalten sollte man sich auch bei zucker- und weißmehlhaltigen Nahrungsmitteln: „Die enthaltenen Kohlenhydrate gehen sehr rasch ins Blut und lassen die Triglyzeride und in Folge oft auch das Cholesterin stark ansteigen“, so Thomas Stulnig. „Den Konsum von Alkohol, der den Triglyzeridwert oft stark in die Höhe treibt, sollte man einschränken, wenn man zu erhöhten Triglyzerid- und Cholesterinwerten neigt.“
Die Reduktion von tierischen Fetten sollte mit einer gesteigerten Zufuhr von Ballaststoffen einhergehen, also mit reichlich Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. „Vor allem die löslichen Ballaststoffe aus Obst und Gemüse können die Cholesterinaufnahme im Darm regulieren“, sagt Internist Hoppichler.

Anderer Lebensstil

Weil auch Bewegungsmangel, Stress und Rauchen die Blutfette in die Höhe treiben, sollte insgesamt ein gesunder Lebensstil gepflegt werden: „Körperliche Aktivität steigert das HDL, beschleunigt den Abbau von LDL-Vorstufen und senkt somit die Blutfettwerte“, gibt Hoppichler ein Beispiel. Weiters hat, das zeigt eine Metaanalyse von mehr als 70 Studien, schon eine geringe Gewichtsreduktion günstige Auswirkungen auf die Triglyzerid- und die HDL-Werte. Da auch Stress und ständige Alarmbereitschaft den Blutdruck, aber auch den Fettstoffwechsel beeinträchtigen, sind Entspannungsmaßnahmen auch im Sinne der Blutfettwerte.
Von all den Maßnahmen profitieren übrigens auch jene, deren Blutfette (noch) nicht erhöht sind: Wie aktuelle Forschungen zeigen, stellt ein niedriger Cholesterinwert auch bei Menschen mit geringem Erkrankungsrisiko einen Schutzfaktor für Herz und Gefäße dar.

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Blutfette, Bauchfett & Co:
Geballte Gesundheitsgefahr

Blutfette erfüllen wichtige Aufgaben im Organismus: Triglyzeride dienen als Energieträger, Cholesterin, das der Körper zu über zwei Drittel selbst erzeugt, benötigen wir u. a. zur Bildung von Nervenfasern, Zellwänden, Hormonen, Gallensäure. Während die LDL (Low Density Lipoprotein)-Teilchen das Cholesterin in den Körper verteilen und an den Wänden der Blutgefäße ablagern, transportieren HDL (High Density Lipoprotein)-Teilchen das Cholesterin aus den Wänden der Blutgefäße ab und zurück zur Leber. Weil sie damit auch Einfluss auf unser Risiko für eine Gefäßerkrankung haben, unterscheidet man oft zwischen dem „schlechten“ LDL- und dem „guten“ HDL-Cholesterin.
„Prinzipiell gilt: Je höher das HDL-Cholesterin, desto besser. Es wirkt gefäßschützend und reduziert das Risiko für eine Herz- oder Gefäßerkrankung“, erklärt der Salzburger Internist Prim. Univ. Prof. Dr. Friedrich Hoppichler. Mit einem hohen LDL-Wert steigt hingegen die Gefahr, an Herz oder Gefäßen zu erkranken. Wie hoch das Risiko tatsächlich ist, hängt neben dem Cholesterinspiegel von weiteren Faktoren ab, betont der Wiener Internist und Stoffwechselexperte Univ. Prof. Dr. Thomas Stulnig: „Besteht Bluthochdruck oder Übergewicht? Ist der Bauchumfang erhöht? Ist der Betreffende Raucher? Hatte der Patient oder jemand aus der Familie früher schon einmal eine Herzkreislauferkrankung?“ Je höher das Risiko bzw. je mehr Begleiterkrankungen ein Patient hat, umso niedriger ist der Wert, ab dem man erhöhte Blutfette behandelt und desto niedriger ist der angestrebte Zielwert. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hat z. B. ein Diabetiker ohne Herzerkrankung ein genauso hohes Risiko wie ein Nicht-Diabetiker, der bereits einen Herzinfarkt erlitten hat, so die Experten.        

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Die zehn besten Cholesterinsenker

Äpfel enthalten reichlich von dem wasserlöslichen Ballaststoff Pektin, der cholesterinreiche Gallensäure im Darm bindet und damit das Cholesterin senkt. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass sich durch die regelmäßige Zufuhr von Apfelpektin das LDL-Cholesterin schon nach wenigen Wochen drastisch senken lässt. Pektin ist außerdem reichlich in Erdbeeren, Johannisbeeren, Zitrusfrüchten enthalten.

Artischocken haben einen hohen Anteil an Bitterstoffen, welche die Magen- und Gallensaftproduktion anregen. Das wiederum kurbelt die Fettverdauung an – mit günstigen Folgen für den Cholesterinspiegel. Die gesunden Bitterstoffe sind außerdem in Salaten wie Radicchio oder Chicorée sowie in Kräutern wie Löwenzahn oder Beifuß enthalten.

Avocados: Die enthaltenen einfach-ungesättigten Fettsäuren senken das schädliche LDL-Cholesterin und das günstige HDL-Cholesterin wird erhöht. Einfache ungesättigte Fette finden sich z. B. auch in Pflanzenölen wie Olivenöl, Erdnuss- oder Haselnussöl.

Bohnen enthalten einen hohen Anteil an Saponinen; das sind sekundäre Pflanzenstoffe, die die Ausscheidung von Cholesterin fördern. Wie eine amerikanische Studie zeigt, lässt sich der Cholesterinwert bei einem Konsum von 120 Gramm Bohnen pro Tag schon nach drei Wochen um zehn Prozent senken. Auch alle anderen Hülsenfrüchte wie Erbsen, Linsen und Kichererbsen sind reich an Saponinen.

Fische: Fettreiche Meeresfische wie Hering, Makrele, Thunfisch und Lachs enthalten große Mengen an mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren, die die Triglyzeride sehr gut senken und vor Herzinfarkt schützen können. Weiters haben auch Forelle oder Saibling aus heimischen Gewässern einen – wenn auch nicht so ausgeprägt – günstigen Einfluss auf den Fettstoffwechsel. Omega-3-Fettsäuren sind außerdem in Pflanzenölen wie Raps-, Lein- und Walnussöl enthalten.

Ingwer: Die enthaltenen Gingerole sind nicht nur für den scharfen Geschmack der Wurzel verantwortlich, sie fördern außerdem die Umwandlung von Cholesterin zu Gallensäuren und können damit den Cholesterinspiegel im Blut senken. Ob man gern asiatische Gerichte kocht oder ihn als Tee trinkt, schon mit zwei Gramm Ingwer täglich lässt sich eine positive Wirkung erzielen.

Leinsamen sind reich an Omega-3 Fettsäuren und haben zudem einen hohen Anteil an unlöslichen Pflanzenfasern, Ligninen, die beim Abbau von Cholesterin im Darm helfen. Die Substanz senkt vor allem das schädliche LDL-Cholesterin. Außerdem reich an Ligningen sind z. B. Flohsamen und Birnen.

Vollkorngetreide: Die in Dinkel, Hafer, Weizen etc. enthaltenen Ballaststoffe senken das LDL-Cholesterin und wirken damit günstig auf die Blutfettwerte. Ob bei Brot, Gebäck oder Nudeln: Wer die Vollkorn-Variante wählt, unterstützt damit seinen Fettstoffwechsel – und bleibt länger satt.

Walnüsse enthalten neben mehrfach ungesättigten Fettsäuren auch Phytosterine, sekundäre Pflanzenwirkstoffe, die im Darm die Aufnahme des tierischen Cholesterins aus der Nahrung verringern und das LDL-Cholesterin reduzieren. Phytosterine sind reichlich in Nüssen und Pflanzensamen (z. B. Sonnenblumen- und Sesamkerne) und -ölen enthalten.

Zwiebeln: Zwar treiben sie einem beim Schneiden Tränen in die Augen, doch wirken die enthaltenen Schwefelverbindungen höchst günstig auf die Blutfette. Auch andere Lauchgemüse gelten als probate Cholesterinsenker: Knoblauch und ganz besonders Bärlauch sind reich an der wertvollen Schwefelverbindung Alliin.   
 

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Das besondere Schmankerl für Sie: Rezepte für cholesterinarme Gerichte zum Download

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Neue Therapie: Antikörper senken Cholesterin

Rund 25 Millionen Menschen nehmen regelmäßig cholesterinsenkende Präparate ein; die medikamentösen Cholesterinsenker, Statine, sind weltweit überhaupt die am meisten verwendeten Medikamente und können das LDL-Cholesterin um bis zu 50 Prozent senken.
Ein neues, wirksameres Therapiekonzept hat der Internist Univ. Prof. Dr. Hermann Toplak von der Medizinischen Universität Graz jetzt mit seinem Team untersucht. Das zugrunde liegende Prinzip: Sowohl an den Leber- als auch an anderen Körperzellen sitzen LDL-Rezeptoren, also Sinneszellen, die LDL aus dem Blut eliminieren und damit den Cholesterinwert senken. In den Zellen wird aber auch das Eiweiß PCSK-9 gebildet, das sich oft an den LDL-Rezeptor „anhängt“. „Das PCSK-9 kann man sich vorstellen wie ein rotes Kreuz, mit dem man Bäume markiert, die gefällt werden müssen. Ist ein LDL-Rezeptor mit dem PCSK-9 markiert, wird er abgebaut“, erklärt Hermann Toplak. Die Grazer Forscher haben nun zusammen mit anderen Zentren einen Antikörper untersucht, der das PCSK-9 von den LDL-Rezeptoren entfernt. „Damit stehen mehr LDL-Rezeptoren zur Verfügung, die schließlich den LDL-Wert senken.“ Wird der Antikörper 14-tägig verabreicht, lässt sich der LDL-Spiegel um bis zu 60 Prozent senken. „Die neue Therapie steht den Patienten spätestens Anfang 2015 zur Verfügung“, ist Toplak zuversichtlich.

Buchtipp:

Stulnig, Moosheer, Ernährung bei erhöhten Blutfettwerten: Cholesterin & Triglyzeride. ISBN 978-3-85175-974-7
120 Seiten, € 14,90, Maudrich 2013

Stand 07/2013

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