Zöliakie: Leben mit Glutenunverträglichkeit

Oktober 2013 | Ernährung & Genuss

„Torte gab es immer nur für die anderen“
 
Christian Holzer war noch ein Baby, als bei ihm Zöliakie festgestellt wurde. Das Leben mit der Unverträglichkeit gegenüber dem Getreidebestandteil Gluten, der in vielen Nahrungsmitteln steckt, bedeutet vor allem Verzicht. Für MEDIZIN populär schildert der heute 32-Jährige, wie er mit der Krankheit zurechtkommt.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

MEDIZIN populär
Herr Holzer, bei Ihnen wurde Zöliakie diagnostiziert, als Sie noch ein Baby waren. Woran hat man bemerkt, dass Sie diese Krankheit haben?

Christian Holzer

Als ich von der Muttermilch auf getreidehaltige Babykost umgestellt wurde, habe ich viel geschrien, wahrscheinlich weil ich starke Bauchschmerzen hatte. Ich habe mich auch sehr oft erbrochen. Also haben mich meine Eltern vom Kinderarzt untersuchen lassen. Das war aber vor mehr als 30 Jahren, als Zöliakie eher noch unbekannt war. So hat es eine Zeit lang gedauert, bis schließlich an der Universitätsklinik in Graz die richtige Diagnose gestellt wurde.

Wie wurde Ihnen damals geholfen?

Helfen kann man Zöliakie-Patienten nur mit einer glutenfreien Diät. Also haben meine Eltern mir ausschließlich Glutenfreies zu essen gegeben. Das klingt einfach, war es aber nicht. Viele Lebensmittel mussten meine Eltern für mich in Deutschland bestellen und in Reformhäusern besorgen, und meine Mutter hat für mich im wahrsten Sinn des Wortes immer eine Extrawurst zubereiten müssen.

Wann haben Sie selbst bemerkt,dass bei Ihnen etwas anders läuft als bei anderen?

Ich glaube, das war bei den ersten Geburtstagspartys, zu denen ich als kleines Kind eingeladen worden bin. Da gab es immer nur für die anderen Torte und für mich ein glutenfreies Brot, das ich selber mitgehabt habe.

Haben Sie nie ein Stück Torte probiert?

Oh doch, auch normale Nudeln und Pizza habe ich einmal gekostet, und das hat mir alles sehr gut geschmeckt. Aber das habe ich dann rasch büßen müssen – mit Bauchweh, Übelkeit, Erbrechen. So habe ich das Probieren dann wieder für längere Zeit sein lassen.

Fällt es Ihnen auch heute noch schwer, ausschließlich glutenfrei zu essen?

Nein, denn inzwischen hat sich viel getan. Mittlerweile gibt es schon in ganz normalen Supermärkten eine große Auswahl an glutenfreien Lebensmitteln. Und in der EU sind Lebensmittelhersteller inzwischen dazu verpflichtet, auf der Packung darauf hinzuweisen, falls ein Produkt Gluten enthält. Unabsichtlich passiert es mir aber schon hin und wieder, dass ich Gluten esse, vor allem im Urlaub. Ich reise gern nach Italien, wo es schwierig ist, wirklich glutenfrei zu essen. In manchen Hotels und Restaurants werden zwar glutenfreie Gerichte angeboten, die man in der Küche aber in der Nähe von normalen Speisen zubereitet. Und da kann es vorkommen, dass glutenhaltiges Pizzamehl in den glutenfreien Pizzateig gerät, und das spüre ich dann sofort.

Ist das der Grund, warum Ihr Bruder die Website www.glutenfrei-unterwegs.at gegründet hat?

Genau! Dort bekommen von Zöliakie Betroffene wie ich einen schönen Überblick über gastronomische Betriebe im In- und Ausland, in denen glutenfreies Essen angeboten und sorgsam zubereitet wird.

Und wenn Sie nicht auf Reisen sind: Wie beeinflusst die Zöliakie Ihren Alltag?

Also wenn meine Lebensgefährtin und ich kochen, gibt es einen Topf mit normalen Nudeln für sie und einen Topf mit glutenfreien Nudeln für mich. Hin und wieder isst sie auch meine Nudeln mit. Arbeitskollegen und Bekannte haben bisher allesamt verständnisvoll reagiert, wenn ich erklärt habe, warum ich dies oder das nicht essen kann. Und bei Geburtstagspartys von Freunden bekomme ich heute schon automatisch eine eigene glutenfreie Torte (lacht).

Also fühlen Sie sich durch die Krankheit kaum noch benachteiligt?

So kann man das auch wieder nicht sagen. Das ständige Aufpassen ist schon mühsam, und ein zusätzlicher Nachteil ist, dass glutenfreie Lebensmittel wesentlich teurer sind. Außerdem muss ich mich öfter vorsorglich vom Arzt untersuchen lassen als andere. Auch wenn ich mich darauf eingestellt habe, lebenslang meine Diät halten zu müssen, um beschwerdefrei zu bleiben, setze ich große Hoffnungen in den medizinischen Fortschritt. Vielleicht wird Zöliakie ja irgendwann heilbar sein…

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