Zöliakie: Schon einer von 100 Österreichern betroffen

Oktober 2013 | Ernährung & Genuss

An Zöliakie, auch Gluten-Intoleranz oder Sprue genannt, leiden heute auch hierzulande so viele Menschen wie nie zuvor: Schon jedem 100. Österreicher macht der Getreidebestandteil Gluten zu schaffen, indem er nach dem Genuss von Brot, Nudeln & Co für Bauchweh und andere Symptome sorgt. Nur eine glutenfreie Diät ermöglicht den Betroffenen, beschwerdefrei zu leben und Folgeerkrankungen vorzubeugen.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Was mit Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall sowie Übelkeit bis hin zum Erbrechen beginnt, setzt sich manchmal in Kopfweh, Hauterkrankungen, Depressionen, Eisenmangel und Blutarmut fort. Auch Diabetes, Osteoporose, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Epilepsie, sogar das lebensbedrohliche T-Zell-Lymphom im Bauchraum und bei Frauen Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten können die Folge von Zöliakie sein, die auch Gluten-Intoleranz oder Sprue genannt wird. „So weit kommt es aber nur, wenn die Krankheit lange Zeit unerkannt und daher unbehandelt bleibt“, beruhigt Prim. Univ. Prof. Dr. Ludwig Kramer von der 1. Medizinischen Abteilung mit Gastroenterologie am Krankenhaus Hietzing in Wien. Und das ist selten, denn die unangenehmen Beschwerden füh­ren die Betroffenen meist schon frühzeitig zum Arzt.

Der Feind im Essen

Zöliakie liegt dann vor, wenn das Immunsystem das Klebereiweiß Gluten, das in Hafer, Roggen und Weizen und daher in vielen Lebensmitteln steckt, als Feind betrachtet. Dadurch wird beim Kontakt des Dünndarms mit Gluten eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut ausgelöst, was zunächst oft zu Bauchweh und Durchfall führt. Wird weiter Gluten gegessen, wird die Entzündung chronisch. Irgendwann können wichtige Nährstoffe wie Eisen, Kalzium und Vitamine nicht mehr wie bei Gesunden über den Darm vom Körper aufgenommen werden. „So entstehen Mangelerscheinungen, und diese können die genannten Folgeerkrankungen verursachen“, so Kramer.

Diät wirkt schnell

Das Gute: Wird die Diagnose früh gestellt und danach eine glutenfreie Diät eingehalten, kann beim Gros der Patienten die Entzündung im Dünndarm rasch zum Abklingen gebracht und Schlimmeres vermieden werden. Betroffene, die konsequent nur noch Brot, Nudeln, Mehlspeisen, Fertigprodukte wie Saucen und Gewürze sowie Süßigkeiten ohne Gluten zu sich nehmen, sind oft schon nach wenigen Wochen frei von Bauchschmerzen & Co. Kramer: „Wenn die Symptome trotz der Diät anhalten, helfen wir mit Medikamenten, sogenannten Immunsuppressiva.“ Hat sich aus der Entzündung bereits ein Geschwür entwickelt oder sind andere Folgeerkrankungen aufgetreten, werden diese entsprechend mitbehandelt, bis es den Zöliakie-Patienten wieder besser geht.

Immer mehr Betroffene

Zöliakie-Patienten gibt es immer mehr, derzeit ist hierzulande bereits jeder 100. betroffen. Kramer über die Gründe für den Zuwachs: „Teils liegt die Zunahme wohl daran, dass die Zöliakie bekannter als früher ist und daher öfter diagnostiziert wird.“ Teils spielen nach Meinung des Experten aber auch die veränderten Ernährungsgewohnheiten mit der stetig wachsenden Vorliebe für industriell gefertigte, glutenreiche Nahrung eine Rolle. Auch der heute weit verbreitete Vitamin-D-Mangel gilt laut Kramer als Risiko, an Zöliakie zu erkranken. Besonders gefährdet sind darüber hinaus Frauen, denn das weibliche Immunsystem neigt eher als das männliche zu Überreaktionen. Die Krankheit, die vererbt wird, aber nicht bei jedem ausbricht, trifft vor allem zwei Altersgruppen: Babys und Kleinkinder sowie Menschen zwischen dem 30. Lebensjahr und der Lebensmitte.

Webtipp:www.glutenfrei-unterwegs.at

Buchtipp:
Wolzt, Feffer-Holik, Ring,
Gesund essen & trotzdem krank.
Gluten-, Laktose-, Fruktose-, Histaminintoleranz
ISBN 978-3-99052-066-6
160 Seiten, € 14,90
Verlagshaus der Ärzte

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