Plumpsen, Stolpern, Stürzen

August 2013 | Fitness & Entspannung

Die wunden Punkte der Sommersportler
 
Jetzt zieht es selbst jene auf Fahrrad, Fußballplatz oder Volleyballfeld, die im Winter nur schwer vom Sofa zu bewegen sind. Mit oft schlimmen Folgen: Sportverletzungen haben in der warmen Jahreszeit Hochsaison. MEDIZIN populär über die fünf besonders wunden Punkte der Sommersportler.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Im Galopp über die bunte Sommerwiese – und plötzlich macht der Reiter plumps; im vollen Karacho den Berg hinunter – auf einmal stürzt der Mountainbiker über ein Hindernis; im erbitterten Zweikampf um den Fußball – doch letztlich stolpert der Stürmer über seinen Gegner: Drei Szenen aus dem Sommersport, die ihre Fortsetzung auf der Unfallstation des nächsten Krankenhauses nehmen. Wie so viele Aktivausflüge in diesen Wochen und Monaten: „Jetzt in der warmen Jahreszeit nimmt die Zahl der Patienten mit Verletzungen, die sie beim Sport im Freien erleiden, deutlich zu“, bestätigt Doz. Dr. Patrick Weninger, Facharzt für Unfallchirurgie in Wien, was seine Kollegen in Salzburg jedes Jahr in Zahlen gießen.
Laut der jüngsten Sommersport-Statistik von Unfallchirurgen der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität geht es auf dem Fußballplatz besonders gefährlich zu. Rund drei Viertel aller sommerlichen Sportverletzungen kommen von Fouls, Stürzen und zu kraftvollen Schüssen auf dem grünen Rasen. Etwas mehr als ein Zehntel der Sommersportunfälle passieren beim Radfahren und Mountainbiken. Der Rest der Blessuren stammt von Basketball, Volleyball, Handball, Inlineskaten, Kampfsport, Laufen, Tennis, Bergwandern und Reiten. Kinder wiederum kommen nicht selten direkt vom Freibad ins Spital. Meist rutschen sie beim Herumtollen aus, oder sie tun sich beim Sprung vom Brett oder Stockerl weh.
An welchen Stellen sich die – kleinen wie großen – Sommersportler am häufigsten verletzen? Hier ihre besonders wunden Punkte:

1. Kopf

„Am Kopf und im Gesicht verletzen sich sehr häufig Radfahrer beziehungsweise Mountainbiker, aber auch Inlineskater“, so Weninger. Bei Radfahrern passiert das Unglück meist dann, wenn sie von Pkw-Lenkern übersehen und angefahren werden, dabei stürzen und mit dem Kopf gegen das Auto oder auf den Boden prallen. Mountainbiker und Inlineskater hingegen übersehen meist ihrerseits z. B. Bodenwellen oder Steine, weil sie zu schnell unterwegs sind und zu Fall kommen.
Die Palette der häufigen Kopfverletzungen reicht von Beulen und Schürfwunden über Nasenbeinbrüche, Kieferverletzungen und Zahnausbrüche bis hin zu schweren Schädel-Hirn-Traumen, die lebensbedrohlich sein können. Aufmerksames Fahren bei angemessener Geschwindigkeit würde ebenso davor schützen wie „ein Helm, der den Kopf so gut wie möglich bedeckt“, appelliert Weninger.

2. Schultern

„Bei Basketball- und Volleyballspielern, aber auch bei Mountainbikern werden besonders oft die Schultern in Mitleidenschaft gezogen“, erklärt Weninger. Während Mountainbiker typischerweise vom Rad auf die Schultern fallen, verletzen sich Wurfballspieler meist beim Wurf. Weninger: „Häufig sind Verletzungen der Schultergelenkkapseln sowie Bänder- und Sehnenrisse, oft kugeln sich die Sportler auch die Schulter aus, und manchmal kommt es zu Brüchen der Schulterknochen.“ Verletzungen an diesem wunden Punkt sind besonders unangenehm, weil die Schulter oft lange ruhig gestellt werden muss, um wieder heil zu werden. Wie man sich vor davor schützen könnte? „Wurfballspielern könnte es helfen, sich vor dem Spiel gut aufzuwärmen und dabei die Schultern intensiv zu lockern, Mountainbiker können Schulterprotektoren tragen“, rät Weninger.

3. Hände & Handgelenke

„An den Händen und Handgelenken verletzen sich auffallend häufig Inlineskater, wiederum die Radfahrer und Mountainbiker, aber auch die Kampfsportler und Reiter“, sagt Weninger. Der typische Unfallhergang: Im Stürzen strecken die meisten reflexhaft die Arme aus und versuchen, sich mit den Händen abzufangen. „So kommt es zu Abschürfungen an den Händen, oft zu einem Speichenbruch oder einem Kahnbeinbruch im Handgelenksbereich“, kennt Weninger die Folgen.
Damit ein Bruch abheilt, ist es notwendig, das Handgelenk ruhig zu stellen. „Manchmal müssen die Betroffenen sogar operiert werden“, so Weninger. Während Speichenbrüche meist binnen sechs Wochen verheilen, kann es nach Kahnbeinbrüchen bis zu drei Monate lang dauern, bis das Handgelenk wieder voll funktionstüchtig ist. Schützen kann man sich vor solcher Unbill auf dreierlei Art und Weise: „Man kann Handprotektoren tragen, Handschuhe anziehen, die vor Abschürfungen schützen, und ein Falltraining absolvieren.“ Dabei lernt man so zu fallen, dass man vor schwereren Verletzungen gefeit ist.

4. Knie

„Die Knie sind die wunden Punkte vor allem der Fußballer, aber auch der Läufer, Bergwanderer und Tennisspieler“, weiß Weninger. Während sich Bergwanderer, Läufer und Tennisspieler oft durch falsches Auftreten, versehentliches Ins-Leere-Steigen oder beim Bergablaufen verletzen, wird für Fußballer meist der Schuss zum Verhängnis, aber auch ein Foul des Gegners. Weninger: „Die Bandbreite der möglichen Verletzungen reicht vom Meniskusriss über Bänder-, Sehnen- und Knorpelverletzungen bis hin zu Brüchen der Kniescheibe und anderer Gelenksknochen.“
Knieverletzungen sollte man unbedingt rasch von einem Experten begutachten und therapieren lassen, rät Weninger. „Denn unbehandelt können sich viele Schäden rasch verschlimmern, die zunächst noch harmlos erscheinen, weil sie nur bei bestimmten Bewegungen schmerzen.“ Das beste Beispiel dafür ist der Meniskusriss: Genäht werden kann nur unmittelbar nach dem Riss. Später muss der Meniskus oft entfernt werden, woraufhin das Knie oft lebenslang Probleme macht.
Wie schützt man sich vor Knieverletzungen? „Indem man die gefährlichen Sportarten nur mit gut trainierter Beinmuskulatur ausübt, die die Knie stabilisiert, und beim Mountainbiken und Inlineskaten zusätzlich Knieprotektoren trägt.“

5. Sprunggelenke

„Die Sprunggelenke sind ebenfalls beim Fußballspielen, aber auch beim Basketball, beim Laufen und Tennisspielen besonders gefährdet“, weiß Weninger. Der häufigste Grund für die Verletzung sind Fehltritte. „Dabei werden oft Bänder der Sprunggelenke gezerrt, Sehnen verletzt und gerissen, oder es kommt zu Brüchen der Gelenksknochen“, erläutert Weninger. Bei manchen Brüchen und Rissen ist eine Operation notwendig, manchmal muss das Gelenk für die Heilung ruhig gestellt werden.
Wie man sich schützen kann? „Zur Vorbeugung vor Sprunggelenksverletzungen eignet sich sehr gut ein Koordinationstraining. Während der sportlichen Aktivität kann man die Sprunggelenke mit speziellen Orthesen stabilisieren“, so der Rat des Experten.

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Die 10 beliebtesten Sommersportarten

  • Fußball
  • Radfahren und Mountainbiken
  • Volleyball
  • Kampfsport
  • Skaten
  • Tennis
  • Laufen
  • Basketball
  • Reiten
  • Handball

Die 5 unfallträchtigsten Sommersportarten

  • Fußball
  • Radfahren und Mountainbiken
  • Basketball
  • Volleyball
  • Inlineskaten

(Quelle: Sommersport-Statistik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg)

Stand 07/2013

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