Harnstatus

März 2013 | Gesundheitslexikon

Was eine Urinprobe über die Gesundheit verrät
 
Schon Farbe, Geruch und Gewicht des Harns verraten einiges über den Gesundheitszustand etwa von Blase und Nieren. Darüber hinaus können Experten noch viel mehr aus einer Urinprobe „lesen“: Die Harnuntersuchung ist eine der ältesten medizinischen Diagnoseverfahren. Heute empfehlen Ärzte, sie regelmäßig vorsorglich durchführen zu lassen.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Schon wenige Löffel voll genügen, um eine Vielzahl an Erkenntnissen zu gewinnen. Insbesondere der Gesundheitszustand der ableitenden Harnwege (Harnleiter, Harnblase, Harnröhre) und der Nieren lässt sich am Urin „ablesen“. „Indirekt kann man außerdem Rückschlüsse auf mögliche Leberschäden oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes ziehen“, ergänzt Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres, Labormediziner am Klinischen Institut für Labormedizin am Wiener AKH und Präsident der Ärztekammer für Wien. Der Körpersaft kann auf verschiedene Arten untersucht werden, am schnellsten mithilfe eines Teststreifens. „Außerdem kann man den Harn unter dem Mikroskop beurteilen“, sagt Thomas Szekeres. Dafür wird der Harn zuerst geschleudert, zentrifugiert, im Anschluss wird das sich absetzende Harnsediment begutachtet.
Urin besteht zu 95 bis 99 Prozent aus Wasser und nur zu einem bis fünf Prozent aus festen Stoffen.

Diabetes, Entzündungen

Die Untersuchung bringt beispielsweise ans Licht, wenn sich Blut im Harn befindet – selbst, wenn dieses mit freiem Auge nicht sichtbar ist. „Man kann sowohl einzelne Blutzellen, Erythrozyten, als auch stärkere Blutungen auf dem Teststreifen und natürlich unter dem Mikroskop feststellen“, verdeutlicht Thomas Szekeres.  
Auf diese Weise lassen sich Blutungen in den Nieren oder dem harnableitenden System, wie sie z. B. durch Verletzungen, Steine, starke Entzündungen oder auch Tumore verursacht werden, entdecken. „Zeigen sich auf dem Teststreifen Abbauprodukte von Blut, wie Bilirubin oder Urobilinogen, kann dies ein Hinweis auf einen Leberschaden sein“, gibt der Arzt ein weiteres Beispiel. Auf eine Entzündung deutet wiederum, wenn man Bakterien oder Bakterienprodukte im Urin findet. „Auch weiße Blutkörperchen, Leukozyten, sind ein Entzündungshinweis“, so Szekeres. Leukozyten befinden sich nämlich nur dann im Urin, wenn der Organismus sie benötigt, um eine Entzündung, wie zum Beispiel einen Harnwegsinfekt, zu bekämpfen. Eine Nierenerkrankung wiederum kann sich durch Eiweiß (Albumin) im Urin äußern.
„Eine der wichtigsten Teststreifenuntersuchungen ist jene auf Zucker, also Glukose“, ergänzt Labormediziner Szekeres. „Indem man überprüft, ob Zucker im Harn ist, lässt sich feststellen, ob jemand Diabetiker ist oder nicht.“ Auch andere Stoffwechselerkrankungen wie Gelbsucht hinterlassen im Urin ihre Spuren.

Nierensteine, Fleischtiger

Die Körperflüssigkeit verrät den Ärzten aber noch mehr: So liefert der pH-Wert des Harns Hinweise auf das Risiko für bestimmte Nierensteine. „Am pH-Wert zeigt sich auch der Einfluss der Ernährung“, erläutert Szekeres. „Je mehr Fleisch man beispielsweise isst, umso saurer ist der Harn. Umso weniger man davon isst, umso basischer ist er.“ Speziell bei Risikopersonen, die z. B. schon unter Nierensteinen leiden, wird manchmal auch versucht, den Harn-pH-Wert durch Medikamente zu beeinflussen.
Außerdem können im Urin bestimmte Stoffwechselprodukte nachgewiesen werden, beispielsweise Ketone, die beim Abbau von Fett anfallen. „Ketonkörper findet man nicht nur bei Diabetikern sondern auch, wenn jemand zum Beispiel wegen einer Nulldiät im Hungerzustand ist“, verdeutlicht der Labormediziner.

Farbe, Geruch, Gewicht

Nicht zuletzt werden Farbe, Geruch und Gewicht des Urins begutachtet. Der Harn sollte goldgelb gefärbt sein, andernfalls kann eine Krankheit wie Gelbsucht dahinterstecken. Auch wenn der Körpersaft trüb und nicht wie üblich klar ist, muss weiter untersucht werden: Zur Trübung der Flüssigkeit kann es durch verschiedene Partikel – rote oder weiße Blutkörperchen, Bakterien, Kristalle etc. – kommen. „Unter dem Mikroskop kann man im Harnsediment beispielsweise Kristalle feststellen, die wiederum einen Hinweis auf Nierensteine geben können“, sagt Thomas Szekeres. „In manchen Fällen kann man sogar Tumorzellen feststellen.“ Dies sei aber noch kein „Tumorbeweis“, betont der Facharzt, auch gebe es auf der anderen Seite „genug Tumore, die keine Zellen im Harn als Folge haben.“.
Infektionen und andere Erkrankungen können außerdem dazu führen, dass der Urin plötzlich anders riecht. „Werden zum Beispiel aufgrund eines Diabetes Ketonkörper gebildet, hat der Harn einen acetonartigen Geruch“, erklärt Szekeres.   
Das gemessene „spezifische Gewicht“ wiederum zeigt an, wie gut die Nieren in der Lage sind, den Harn zu konzentrieren. Diese Fähigkeit der Nieren hat in der Folge Einfluss auf die Harnmenge, die jemand durchschnittlich in der Blase hat und die ausgeschieden wird.
So beunruhigend sie auch sein mögen – manche Veränderungen des Harns haben eine ganz harmlose Ursache: So beeinflussen etwa bestimmte Lebensmittel die Farbe (z. B. rote Rüben) und den Geruch (z. B. Spargel) der Körperflüssigkeit.

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„Eine Urinprobe, bitte!“
Das sollten Sie wissen

Für die Untersuchung benötigt der Arzt zwischen 20 und 40 Milliliter, also einige Löffel voll Harn. Empfehlenswert ist, stets zur gleichen Zeit – nämlich in der Früh – und unter denselben Bedingungen – nämlich nüchtern – eine Harnprobe zu nehmen. Auf diese Weise lassen sich auch die Untersuchungswerte längerfristig am besten vergleichen. „Man sollte den Morgenharn verwenden, also den ersten Harn, den man in der Früh produziert, und vorher nichts gegessen haben“, betont der Wiener Labormediziner Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres. Weil auch Medikamente das Ergebnis verfälschen können, sollte man vor der Medikamenteneinnahme den ersten Harn sammeln. Außerdem können anstrengende Tätigkeiten und Sport die Werte beeinflussen und sollten unmittelbar vor der Harnabgabe vermieden werden. Und Frauen sollten keine Urinprobe während der Menstruation abgeben.
Weil sich in der Harnröhre möglicherweise Bakterien befinden, wird häufig ein „Mittelstrahlharn“ verlangt. „Dazu wird die erste Portion vom Harn verworfen und erst die nächste Portion aufgefangen“, erklärt Szekeres den Vorgang.

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