Geschnitten, geschürft, verbrannt

Februar 2013 | Kosmetik & Pflege

Was Sie bei Hautverletzungen tun und lassen sollten
 
Ob Schnitt-, Schürf-, Brand- oder Platzwunden: Auch noch so kleine Verletzungen müssen richtig behandelt werden, damit sie nicht zum großen Problem werden. Lesen Sie in MEDIZIN populär, was Sie im Ernstfall tun und lassen sollten.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Schürfwunden
Meistens kommen sie vom Sturz auf Asphalt oder Schotter beim Sport im Freien, und meistens sind es die Knie, Ellbogen und Hände, die davon betroffen sind: „Bei Schürfwunden ist die Haut vielfach nur oberflächlich verletzt, deswegen bluten sie nicht so stark, verursachen dafür aber stark brennende Schmerzen“, verdeutlicht Dr. Elisabeth Lahnsteiner, Allgemeinmedizinerin und Wundspezialistin mit Wundordination in Wien. Nicht selten allerdings ist das Problem verschärft, denn: „In Schürfwunden finden sich oft Schmutz, Staub oder kleine Steine“, weiß die Ärztin. „Um eine Infektion zu vermeiden, ist deswegen sorgfältiges Spülen mit einer antiseptischen Lösung wichtig.“ Nach dem Reinigen müssen Schürfwunden mit sterilen Pflastern oder Vliesverbänden aus der Hausapotheke abgedeckt werden.

Nicht selbst herumdoktern, wenn…
…die Schürfwunde stark verunreinigt oder zerklüftet ist, blutet oder nässt. Dann sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen, empfiehlt Lahnsteiner. „Denn dann muss die Wunde gründlich gereinigt, desinfiziert und mit speziellen Wundtherapeutika versorgt werden.“ Dazu verwendet man kühlende und gelhältige Verbände, die den Heilungsprozess beschleunigen, und Schaumstoffverbände, die Wundflüssigkeit aufsaugen.

Schnittwunden
Wenn es um die häufigsten Ursachen für Schnittwunden geht, belegen Arbeiten in der Küche den ersten Platz. Der am weitesten verbreitete, bestens vertraute und besonders blutrünstige Unfallhergang: Man will etwas aufschneiden, rutscht mit dem Messer ab und schneidet sich in einen Finger der anderen Hand.
Da die Haut an den Händen sehr dünn ist und Blutgefäße sowie Nerven dicht unter der Hautoberfläche liegen, tun Schnittwunden an den Fingern nicht nur extrem weh, sondern bluten auch besonders stark. Das versetzt viele Opfer in Panik, so Wundspezialistin Elisabeth Lahnsteiner: „Es ist aber wichtig, Ruhe zu bewahren und die Wunde zu versorgen“, betont die Ärztin.
Da auch noch so kleine Wunden Komplikationen verursachen können, ist richtiges Vorgehen das Um und Auf: „Ideal ist, die Wunde zunächst mit einer antiseptischen Lösung zu reinigen“, so Lahnsteiner. Hat man keine solche zur Hand, kann man die Schnittfläche mit lauwarmem Wasser ausspülen. „Blutet die Wunde nach der Reinigung immer noch, legt man einen leichten Druckverband mit einer sterilen Gaze und einer Binde an.“ Wenn die Blutung gestoppt ist, kann man eine Wund- und Heilsalbe auftragen. Das beschleunigt die Heilung, beugt Entzündungen vor und verhindert, dass auffallende Narben zurückbleiben. Abschließend schützt man die Wunde mit einem wasserabweisenden Pflaster. „Auch damit ist man vor Infektionen geschützt“, so Lahnsteiner.

Nicht selbst herumdoktern, wenn…
…die Schnittwunde stark blutet. Dann gehört sie in ärztliche Hände, appelliert die Expertin. Die Tücher, mit denen man die Blutung gestoppt hat, sollte man mit zum Arzt nehmen. So kann er einschätzen, wie hoch der Blutverlust ist und ob für die Behandlung z. B. auch kreislaufstärkende Mittel notwendig sind. „Tiefere Wunden werden genäht, was nach einer lokalen Betäubung schmerzfrei möglich ist, und mit Wundhaftstreifen versorgt“, so Lahnsteiner. „Die Nähte werden nach zehn bis zwölf Tagen entfernt.“
Unbedingt zum Arzt sollte man auch dann, wenn die Schnittwunde am Tag nach der Versorgung zu schmerzen beginnt, gerötet und geschwollen ist. Lahnsteiner: „Dabei handelt es sich um eine akute Entzündung oder beginnende Wundinfektion.“ In diesem Fall können spezielle Silberverbände oder keimabtötende Wundauflagen helfen, gegebenenfalls müssen Antibiotika genommen werden.    

Brandwunden

Auch wenn es um Brandwunden geht, ist der Haushalt Unfallort Nummer eins. Meist sind es Herdplatte und Bügeleisen, von denen die brennende Gefahr ausgeht. Die Folgen hat jeder schon am eigenen Leib verspürt: Die verbrannte Haut tut höllisch weh, rötet sich, eine Brandblase entsteht.
Derartige Wunden versorgt man am besten, „indem man die verbrannte Haut zuerst zehn bis 15 Minuten lang unter einen Strahl kühles Wasser hält“, so der Rat der Expertin. Anschließend trägt man idealerweise eine Kortisonsalbe auf die Wunde auf, die den Schmerz stillt und entzündungshemmend wirkt, danach eine Brand- bzw. Wund- und Heilsalbe. „Darüber gibt man am besten einen Salbengitterverband und erst darauf ein Pflaster, das die Wunde gut abdeckt und sie vor Keimen schützt“, so die Expertin. „So kann die Haut, die sich an der wunden Stelle neu bildet, nicht wieder reißen, wenn das Pflaster entfernt wird.“

Nicht selbst herumdoktern, wenn…
…die Brandwunde Blasen bildet und sich weiß verfärbt. „Dann muss man sie unbedingt rasch vom Arzt versorgen lassen“, so Lahnsteiner. „Große flüssigkeitsgefüllte Blasen müssen aufgestochen und mit keimabtötenden, wundheilungsfördernden Spezialverbänden versorgt werden“, verdeutlicht die Ärztin die Vorgehensweise, die in professionelle Hände gehört.

Platzwunden
Ungeschicklichkeiten beim Putzen sind eine häufige Ursache für Platzwunden. Ein Klassiker unter den Unfallhergängen: Man wischt den Boden unterm Tisch auf, richtet sich dabei auf und stößt mit dem Kopf gegen die Tischplatte. Aber auch der Zusammenstoß mit einer Tür, die just dann geöffnet wird, wenn man an ihr vorbeigehen will, steckt hinter vielen Platzwunden an Kopf bzw. Stirn. „Dabei platzt die Haut auf, was nicht nur weh tut, sondern meist auch heftig blutet, ein Bluterguss und eine Schwellung bilden sich aus“, schildert Lahnsteiner die Unfallfolgen. Und die richtige Vorgehensweise? „Auch in diesem Fall ist eine sorgfältige Wundreinigung mit einer antiseptischen Lösung wichtig, um Infektionen vorzubeugen “, so die Ärztin. „Anschließend gibt man einen Druckverband aus der Haus- oder Autoapotheke auf die Wunde.“

Nicht selbst herumdoktern, wenn…
…die Haut stark aufgeplatzt ist. Dann muss die Wunde vom Arzt versorgt werden, so Lahnsteiner. „Er schneidet die zerklüfteten Wundränder unter einer lokalen Betäubung weg und näht die Wundränder anschließend aneinander.“ So kann vermieden werden, dass sich eine wulstige Narbe bildet.    

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4 Fehler der Wundversorgung

Schnittwunde mit eiskaltem Wasser ausspülen

  • In den Finger geschnitten und schnell unters eiskalte Wasser damit: Viele denken, dass man so die Blutung schnell stoppen kann und dass die Schnittwunde so schneller heilt. Doch das Gegenteil ist der Fall: „Wenn die Wunde auskühlt, heilt sie schlechter“, korrigiert die Wiener Wundspezialis­tin Dr. Elisabeth Lahnsteiner einen häufigen Fehler der Wundversorgung.

Viel Luft an die Wunde lassen

  • Am besten lässt man die Wunde offen, und wenn man schon ein Pflaster verwendet, dann eines, das viel Luft durchlässt – auch mit diesem Irrtum räumt Lahnsteiner auf: „Es ist ein Aberglaube, dass dadurch die Wunde schneller heilt. Im Gegenteil, die Gefahr ist dadurch größer, dass zusätzlich Keime hineingeraten und sich die Wunde entzündet.“

Spucke auf die Wunde geben

  • Mit Spucke die Wunde reinigen bzw. desinfizieren – für die Ärztin ein Kardinalfehler in der Wundversorgung: „Das ist absolut unhygienisch “, warnt sie.

Auf die Wunde blasen

  • Vor allem kleinen Kindern versucht man über den Schmerz hinwegzuhelfen, indem man auf die Wunde bläst, die sie sich beim He­rumtollen zugezogen haben. Doch die Wundexpertin weiß: „Das hat überhaupt keinen Einfluss auf die Wundheilung. Und die Wärme, die dadurch auf die Wunde einwirkt, kann den Schmerz sogar noch verstärken.“

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Folgen falscher Wundversorgung

Wenn eine Wunde schlecht gereinigt und unzulänglich geschützt wird, können krankmachende Keime eindringen. Ein Zeichen dafür ist, dass die Wunde auch Tage nach der Versorgung noch schmerzt und die Haut rundherum gerötet ist. Die Auswirkungen falscher Wundversorgung zählt Wundspezialistin Dr. Elisabeth Lahnsteiner auf: „Die Folgen einer bakteriellen Infektion reichen von einer Entzündung der Wunde, die nur noch mit Antibiotika zum Abklingen zu bringen ist, über eine Erkrankung an Wundstarrkrampf, der man allerdings mit einer Tetanus-Impfung vorbeugen kann, bis hin zu einer Sepsis.“ Eine Sepsis kann dazu führen, dass der verwundete Körperteil amputiert werden muss, in sehr schlimmen Fällen besteht sogar Lebensgefahr.

Buchtipp:
Stöger, Hauterkrankungen von A bis Z. Hilfe mit westlicher Ernährung und nach der TCM, ISBN 978-3-99052-025-3, 288 Seiten, € 24,90
Verlagshaus der Ärzte 2012

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