Dicke Augen

November 2013 | Medizin & Trends

Die wichtigsten Ursachen für geschwollene Lider

Dicke Augen nach einer schlaflosen Nacht kennt jeder. Wenn das Problem aber auch im Laufe des Tages nicht verschwindet, kann eine ernstzunehmende Erkrankung dahinterstecken. MEDIZIN populär über die sieben häufigsten Ursachen für geschwollene Augenlider.

Von Mag. Sabine Stehrer

Zu viel Alkohol am Vorabend, Schlafmangel oder auch eine Nacht, die wir auf einem zu flachen Polster zugebracht haben: Alles das kann dazu führen, dass wir morgens beim ersten Blick in den Spiegel zurückschrecken. Schließlich lassen uns dicke Augen krank, müde und um Jahre gealtert aussehen. Wie die Schwellungen entstehen? „Fast immer kommen sie dadurch zustande, dass im Gewebe rund um die Augen mehr Flüssigkeit als sonst gespeichert wird“, erklärt Dr. Anton Hommer, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie in Wien. Was Mediziner Ödem nennen, kann sich überall am Körper bilden. Rund um die Augen sind die Flüssigkeitsansammlungen aber nicht nur besonders gut sichtbar, sie fallen oft auch sehr ausgeprägt aus. Hommer: „Das liegt daran, dass die Haut am Ober- und Unterlid sehr dünn und das darunterliegende Bindegewebe sehr locker ist.“ Gehen die Schwellungen auf eine schlechte Liegeposition oder eine durchzechte Nacht zurück, verschwinden sie im Laufe des Tages wieder – meist oft schon binnen weniger Stunden. „Wenn nicht, hat sich die Flüssigkeitsansammlung in der Haut um die Augen fast immer aufgrund einer Erkrankung des Auges oder der Lider gebildet“, so Hommer. „Und hinter länger anhaltenden Schwellungen steckt manchmal auch eine andere Erkrankung.“ Für MEDIZIN populär zeigt der Arzt die sieben häufigsten Ursachen für geschwollene Augen auf und erklärt, was man dagegen tun kann.

1. Gerstenkorn – Wärme wirkt

Eine der häufigsten Krankheiten des Auges, die zu Schwellungen führen, ist das sogenannte Gerstenkorn. „Dabei ist die Schwellung fast immer nur
auf ein Lid beschränkt, wird schnell größer, rötet sich und tut weh“, verdeutlicht Hommer. Das Korn selbst entsteht meist am Wimpernansatz und ähnelt wegen seiner Form und eitrigen Füllung einem Pickel. „Verursacht wird das Gerstenkorn meistens durch eine Infektion mit Staphylokokken, Bakterien, die sich häufig auf der Haut und Schleimhaut, aber zum Beispiel auch auf Lebensmitteln befinden“, erklärt Hommer. Hilfreich ist, die Schwellung mit wärmenden Auflagen, z. B. einer Wärmeflasche, zu bedecken. „Dadurch wird das Gerstenkorn schnell reif und geht meist von selber auf.“ Mit einer antibiotischen Salbe kann man die Wundheilung fördern.
Bleibt ein Gerstenkorn verschlossen, kann es sich abkapseln und zu einem Hagelkorn werden. „Das ist zwar weder schmerzhaft noch gefährlich, aber oft sehr lästig“, so Hommer. Der Augenarzt kann die Verdickung in einem kleinen Eingriff unter lokaler Betäubung mit einem scharfen Löffel entfernen. Manche Gerstenkörner bleiben  geschlossen und bilden sich binnen Wochen und Monaten von selbst zurück.

2. Bindehautentzündung
Ein Fall für Augentropfen

Wenn sich zusätzlich zu Schwellungen um die Augen die Augäpfel röten, die Augen schmerzen und stark tränen, ist sehr oft eine Bindehautentzündung  die Ursache, so Hommer. Meistens sind Viren oder Bakterien Überträger des Augenleidens. Manchmal entsteht die Entzündung der Haut im Auge auch durch zu viel UV-Licht oder Reizungen, z. B. durch Kontaktlinsen, bei Allergikern durch Pollen und andere Allergene. Hommer: „Behandelt wird die Bindehautentzündung mit Augentropfen, die abschwellend und je nach Bedarf zusätzlich antibakteriell oder antiallergisch wirken.“

3. Kosmetika
Wenn nötig, Antihistaminika

„Bei Frauen schwellen oft die Augen an, weil sie Kosmetika oder einen ihrer Inhaltsstoffe nicht vertragen oder sogar allergisch darauf sind“, so Hommer. „Die Betroffenen erkennen meist selbst, dass der neue Lidschatten oder die neue Wimperntusche der Auslöser für die Beschwerden war, und verwenden die Kosmetika nicht mehr.“ Wollen die Schwellungen, Rötungen & Co trotzdem nicht verschwinden, empfiehlt sich der Gang zum Arzt. Tropfen und Salben mit Antihistaminika können helfen.

4. Quincke-Ödem
Auslöser meiden

Schließlich kann noch als besondere Form der allergischen Reaktion das sogenannte Quincke-Ödem zu einer Schwellung im Augenbereich führen. Hommer: „Dabei handelt es sich um eine allergische Reaktion auf Nahrungsmittel oder Umwelteinflüsse, die anfallsartig auftritt.“ Die Schwellungen sind dann mit einem Juckreiz verbunden, die Beschwerden klingen spätestens nach drei Tagen wieder ab. Mit Antiallergika lässt sich das Quincke-Ödem lindern. Neuerlichen Anfällen können Betroffene vorbeugen, indem sie den Auslöser meiden.

5. Trockene Augen 
Augentropfen bringen Linderung

Auch trockene Augen führen oft zu Schwellungen. Ein Jucken, Brennen und paradoxerweise ein vermehrter Tränenfluss gehören außerdem zu den Beschwerden beim sogenannten Sicca-Syndrom. „Trockene Augen können durch zahlreiche Faktoren verursacht werden“, sagt Hommer. Dazu zählen    z. B. Umwelteinflüsse wie intensive Sonnenbestrahlung, Wind, Staub, aber auch trockene Heizungsluft im Winter, trockene Luft durch die Klimaanlage im Sommer, Bildschirmarbeit und die Hormonumstellung am Beginn der Wechseljahre. Die Beschwerden lassen sich lindern, indem man während der Bildschirmarbeit öfter Pausen macht, einen Luftbefeuchter verwendet, bei Sonnenschein eine Sonnenbrille trägt und spezielle Augentropfen verwendet, die für eine ausreichende Benetzung der Augen sorgen.

6. Insektenstich
Kalte Umschläge helfen

Hommer: „Insektenstiche im Bereich der Augen können äußerst schmerzhaft sein und zudem noch ausgeprägte Lidschwellungen verursachen.“ Um die Schwellungen zu lindern, empfiehlt Hommer kalte Auflagen.

7. Probleme mit Niere, Herz, Schilddrüse
Ärztliche Behandlung nötig

Da hauptsächlich die Nieren für die Ausscheidung von Flüssigkeit aus unserem Körper zuständig sind, bleibt mehr Flüssigkeit im Körper, wenn dieses Organ nicht richtig funktioniert. „So kann sich auch im Augenbereich Flüssigkeit sammeln, die Ober- und Unterlider anschwellen lässt“, sagt Hommer. Bei Herzschwäche wird ebenfalls mehr Wasser im Körper gespeichert. Das liegt daran, dass ein schwaches Herz das Blut unzulänglich durch den Körper pumpt, deswegen die Nieren nicht ausreichend funktionieren und sich u. a. im Gewebe um die Augen Wasser sammelt. Auch Schilddrüsenerkrankungen führen dazu, dass mehr Flüssigkeit im Körper gespeichert wird. „Bei einer ausgeprägten Schilddrüsenunterfunktion schwillt manchmal das gesamte Gesicht an, besonders aber der Augenbereich“, schildert Hommer das Problem. Der Augapfel tritt hervor, wenn das Gewebe dahinter anschwillt – eine typische Erscheinung bei der Schilddrüsenerkrankung Morbus Basedow. Welche gesundheitlichen Probleme hinter geschwollenen Lidern auch stecken, sie müssen jedenfalls ärztlich behandelt werden.

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Sonderfall Tränensäcke

Der Volksmund nennt sie zwar Tränensäcke, doch in den hängenden Gebilden unterhalb der Augen sind gar keine Tränen drin. Vielmehr werden die Tränen, die das Auge befeuchten und sich bei jedem Lidschlag über das Auge verteilen, von den Tränendrüsen produziert und durch den Tränenkanal abtransportiert. „Bei dem, was wir als Tränensack bezeichnen, handelt es sich um das Unterlid, das geschwollen aussieht, weil darin zum Beispiel viel Fett eingelagert ist“, erklärt der Wiener Augenfacharzt Dr. Anton Hommer. „Tränensäcke treten oft familiär gehäuft und meistens erst im reiferen Alter auf.“  Wird dieser Sonderfall unter den Schwellungen als störend empfunden, kann man die Tränensäcke operativ entfernen lassen.

Buchtipp:
Wedrich, Faschinger, Schmut, Mein Auge.
Erkrankungen, Behandlungen, Informationen
ISBN 978-3-902552-62-4, 256 Seiten, € 19,90, Verlagshaus der Ärzte

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