Männer und Alkohol

November 2013 | Medizin & Trends

Die besonderen Gefahren für das starke Geschlecht
 
Das starke Geschlecht hat eine große Schwäche für Bier, Wein, Schnaps & Co. Jeder Vierte trinkt hierzulande so viel, dass seine Gesundheit auf dem Spiel steht. Welchen Schaden zu viel Alkohol gerade bei Männern anrichten kann, zeigen Experten für MEDIZIN populär auf.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Nach Dienstschluss ein Bier, zum Abendessen ein Achterl Wein und danach ein Schnapserl – oder zwei – für die Verdauung: Dass Alkohol hierzulande ein fixer Bestandteil gesellschaftlicher Ereignisse ist und auch gern gewohnheitsmäßig in den eigenen vier Wänden getrunken wird, ist hinlänglich bekannt und statistisch belegt. Im weltweiten Vergleich der Nationen trinken nur die Franzosen noch mehr. Zwar berauschen sich Österreicherinnen und Österreicher gleich häufig mit der Volksdroge Nummer eins, doch wenn es um die Mengen geht, halten die Vertreter des starken Geschlechts den Negativrekord. 24 Prozent der Männer und damit mehr als doppelt so viele wie Frauen konsumieren täglich so viel Alkohol, dass sie damit ihre Gesundheit gefährden. Unter den abhängigen Alkoholikern ist der Überhang der Männer noch größer: Da steht das Verhältnis bei zirka 4 zu 1.

Zum Trinken verleitet

Gründe dafür gibt es mehrere, weiß Prim. Univ. Prof. Dr. Michael Musalek, Psychiater, Psychotherapeut und ärztlicher Leiter des Anton Proksch-Instituts, ein Therapiezentrum für Abhängige in Wien: „Männer haben Voraussetzungen, die eher zum Trinken verleiten.“ Diese sind körperlicher, psychischer und sozialer Art. Die soziale Seite besteht darin, dass Trinkfestigkeit beim Mann als positiv betrachtet – und entsprechend unter Beweis gestellt wird. Zudem schüttet das männliche Gehirn beim Trinken von Alkohol größere Mengen des Glückshormons Dopamin aus, was ganz unmittelbar ein Wohlgefühl auslöst. So empfinden es Männer als weit vergnüglicher, sich zu betrinken, als Frauen. Darüber hinaus müssen sie nicht so sehr leiden, wenn sie einmal über den Durst getrunken haben, denn Männer vertragen mehr Bier, Wein, Schnaps & Co als Frauen. Die Gründe dafür: Sie haben mehr Körpermasse, wo sich der Alkohol stärker verteilen kann, und im männlichen Magen ist noch dazu das alkoholabbauende Enzym Alkohol-Dehydrogenase aktiver.

Gefährliche Gewohnheit

Ungeachtet dessen gilt: „Männer, die täglich und über Jahre über die für Männer gültige Harmlosigkeitsgrenze von 24 Gramm Alkohol hinaus trinken, müssen mit einer Reihe von gesundheitlichen Problemen rechnen“, warnt Musalek. 24 Gramm, das entspricht z. B. der Menge von einem halben Liter Bier oder einem Viertelliter Wein. Musalek: „Für viele Männer ist es normal, jeden Tag das Zwei- und Dreifache dieser Menge zu trinken.“ Damit riskieren Männer, früher und häufiger eine Reihe gesundheitlicher Probleme zu bekommen als Frauen. Vor allem die Organe werden dadurch in Mitleidenschaft gezogen: „Zuviel Alkohol reizt die Organe und kann Entzündungen, Erkrankungen und Tumore verursachen“, verdeutlicht Univ. Prof. Dr. Bernhard Ludvik, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechsel am Wiener Allgemeinen Krankenhaus. Besonders gefährdet sind Leber, Magen, Darm und Bauchspeicheldrüse.
Wer häufig Alkohol trinkt, handelt sich außerdem ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und damit für einen Schlaganfall ein. Da mit dem Alkohol viel Zucker konsumiert wird, droht Männern, die viel trinken, zudem eine Insulinresistenz. „Das bedeutet, dass das Insulin schlechter wirkt und der Zucker im Blut nicht mehr ausreichend abgebaut wird“, erklärt Ludvik. So kann es zu einer Erkrankung an Diabetes kommen. Alkoholmissbrauch führt darüber hinaus dazu, dass der Körper nicht mehr ausreichend Vitamin D bilden kann. Bei einem Mangel an diesem wichtigen Nährstoff droht Knochenschwund, in der Fachsprache Osteoporose genannt. Schließlich kann erhöhter Alkoholkonsum noch Konzentrations- und Gedächtnisstörungen bis hin zu Demenz nach sich ziehen. „Zuviel Alkohol über Jahre irritiert die Reizübermittlung zwischen den Nervenzellen im Gehirn“, erklärt Ludvik den Mechanismus.

Selbstüberschätzung & Aggressionen

Das Dopamin, das bei Männern durch Alkoholkonsum in größeren Mengen ausgeschüttet wird, sorgt nicht nur für Wohlbefinden, sondern auch für eine Stärkung des Selbstwertgefühls. „Oft resultiert daraus eine Selbstüberschätzung“, weiß Musalek. Diese bringt mit sich, dass sich Männer nach zu viel Alkohol eher als Frauen in gefährliche Situationen begeben, z. B. alkoholisiert mit dem Auto nach Hause fahren. Nicht selten äußert sich die Selbstüberschätzung nach Alkoholkonsum auch in aggressivem Verhalten. Musalek: „Männer fangen im Rausch eher Streitereien oder Raufereien an, die zu Verletzungen führen.“ Manchmal richten alkoholisierte Männer die Aggressionen auch gegen sich selbst, verletzten sich oder entwickeln Selbstmordgedanken.

Bierbauch & Männerbusen

Alkohol macht Männer dick, und das hat mehrere Gründe: Zum einen lagert sich das Fett aus dem Alkohol leicht im Körper ein, „und zwar vor allem um die Körpermitte, wodurch der klassische Bierbauch entsteht“, erklärt Ludvik. Zum anderen ist die Leber so stark mit dem Abbau von Alkohol beschäftigt, dass sie nicht mehr dazu kommt, ausreichend Fett abzubauen. Ludvik: „Bei Männern, die zu viel Alkohol trinken, kommt es außerdem zu einem Überschuss der Östrogene, der weiblichen Sexualhormone, gegenüber dem männlichen Sexualhormon Testosteron.“ Und das führt oft zur Gynäkomastie: Den Männern wächst ein Busen.

Schlafstörungen & Schlafapnoe

„Alkohol hat zwar die Eigenschaft, dass er nach einiger Zeit müde macht und leicht einschlafen lässt, doch nach erhöhtem Alkoholkonsum ist das Durchschlafen schwierig“, so Musalek. Die Schlafstörungen entstehen, da der Organismus durch den Alkohol belastet ist. Männer schnarchen nach dem Trinken von Alkohol außerdem intensiver und leiden eher an Atemaussetzern, der sogenannten Schlafapnoe, die die Schlafqualität noch zusätzlich beeinträchtigt.

Erektionsstörungen & Impotenz

Da im Körper von Männern, die viel Alkohol trinken, das Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Sexualhormonen gestört ist, leiden sie oft an Potenzproblemen, weiß Ludvik. „Dabei reicht die Palette von Erektionsstörungen bis hin zur Impotenz.“ Ein Problem, das nicht nur die Männer selbst belastet, sondern auch ihre Partnerinnen: Die Unfähigkeit, ein normales Sexualleben zu führen, zerstört häufig Partnerschaften.

Minus 17 Lebensjahre

In Summe kostet die große Schwäche für Alkohol das starke Geschlecht viele Lebensjahre: Männer, die nicht mit dem Trinken aufhören können und täglich mehr als einen halben Liter Bier oder mehr als einen Viertelliter Wein zu sich nehmen, haben damit zu rechnen, 17 Jahre kürzer zu leben als ihre Geschlechtsgenossen, die maßvoll mit Alkohol umgehen. Experten wie Musalek und Ludvik raten zur Reduktion unter die Harmlosigkeitsgrenze (24 Gramm), und dazu, an zwei Tagen pro Woche gar keinen Alkohol zu trinken. Wer das nicht schafft, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

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