Sex: Neue Würze fürs Liebesleben

Oktober 2013 | Partnerschaft & Sexualität

Viele Langzeit-Paare klagen darüber, dass ihr Sexleben fad schmeckt und ihnen der Appetit darauf mehr und mehr vergeht. In ihrem soeben erschienenen Buch und im Gespräch mit MEDIZIN populär gibt die Gynäkologin und Sexualberaterin Dr. Alexandra Meixner Rezepte für neue Würze im Liebesleben.
 
Von Mag. Karin Kirschbichler

MEDIZIN populär
Frau Dr. Meixner, es gibt schon so viele Sexualratgeber, und jetzt haben Sie noch einen geschrieben, wenn auch einen sehr erfrischenden. Brauchen wir wirklich so viel Nachhilfe beim Sex?

Dr. Alexandra Meixner
(lacht) Ich verstehe mein Buch ja nicht als Ratgeber, sondern vielmehr als eine Sammlung von Informationen und Rezepten. Daraus kann sich jeder und jede aussuchen, was den eigenen Vorlieben am meisten entspricht, da kann nach eigenem Geschmack variiert und gewürzt werden. Beim Sex ist es ja wie beim Kochen: Es ist einmal gut zu wissen, welche Zutaten man überhaupt braucht. Dann kann man die Rezepte abwandeln, wie man will.
Und was den Bedarf angeht: Ich glaube schon, dass Sexualität, so wie sie uns berührt und verunsichert, immer noch zu selten angesprochen wird. Von Plakatwänden, aus Autowerbungen, bunten Magazinen springt uns das Thema Sex zwar ständig entgegen. Aber über das eigene sexuelle Erleben zu reden, das erfüllt uns immer noch mit sehr viel Scham.

Weil es nicht den Idealen entspricht, die uns vermittelt werden?

Ja, zum Beispiel. Diese medialen Sex-Phantasiegebilde setzen uns enorm unter Druck und hinterlassen bei uns ein Gefühl der Unzulänglichkeit. In meinen Sexualberatungen fragen mich viele: Bin ich normal, wenn es bei mir anders läuft? Was ich vermitteln möchte, ist: Ja, wir sind normal, wenn wir Probleme in der Sexualität haben. Und: Sexualität fällt uns nicht in den Schoß, sie darf gelernt werden!

Probleme im Bett haben ja sehr viele. Laut einer Studie sind 56 Prozent der Männer und 76 Prozent der Frauen mit ihrem Liebesleben unzufrieden. Warum ist Sex so anfällig für Störungen?

Weil Sex eine Art der zwischenmenschlichen Kommunikation ist. Da kommt es zu Missverständnissen, da treffen unterschiedliche Ebenen, vielleicht sogar verschiedene Sprachen aufeinander. Kommunikation ist immer anfällig für Störungen.

Und warum wird sie mit der Zeit fad?

Auch die normale, verbale Kommunikation schläft in der Beziehung mit der Zeit ein. Man glaubt, den anderen in- und auswendig zu kennen, hört nicht mehr richtig zu, spricht immer weniger miteinander. So ist das mit den Jahren oft auch beim Sex. Dabei übersieht man die Veränderungen beim anderen, aber auch bei sich selber. Im Grunde ist Sex wie gute Küche: Es wird fad, wenn immer dasselbe auf den Tisch kommt, auch wenn es sich dabei um Lachs oder Kaviar handelt. Wir wollen Abwechslung, vom Haubengericht bis zur Hausmannskost ist da alles drin…

Darf es auch einmal Fastfood sein?

Absolut, und manchmal tut’s auch eine kalte Jause! Wir verbinden Sexualität mit so viel Leistungsdruck, streben nach noch längerem Durchhalten, nach noch ausgefalleneren Stellungen, das alles mit dem alleinigen Ziel, einen Orgasmus zu erlangen. Ich finde, beim Sex sollte es in erster Linie um eine lustvolle gemeinsame Erfahrung gehen, ähnlich wie bei einem genussvollen gemeinsamen Essen.

Was kann ein Paar tun, dem beim „gemeinsamen Essen“ langweilig geworden ist. Wie lässt sich der Appetit aufeinander wieder anregen?

Langeweile schleicht sich auch deswegen oft ins Schlafzimmer ein, weil man aufhört, in die Partnerschaft zu investieren. Zu mir in die Praxis kommen oft Männer und Frauen, die eine Außenbeziehung haben. Für die zwackt man sich jede Minute ab, man schreibt so oft wie möglich eine SMS, trifft sich auf eine halbe Stunde zwischen zwei Sitzungen. In einer Langzeit-Partnerschaft macht man das nicht mehr, und deswegen wird’s fad. Zur Rettung der bestehenden Beziehung schlage ich dann etwa vor, genau zu beobachten, was man alles in den „neuen“ Partner investiert. Wenn man dieselbe Zeit und Mühe in die „alte“ Partnerschaft hineinsteckt, beginnt man sie wieder als etwas Besonderes zu sehen. Das wirkt meist sehr belebend, auch auf den Sex.

Fast so, als wäre man wieder frisch verliebt?

Genau! Es kann auch helfen, die erste Begegnung oder die Phasen der ersten Verliebtheit nachzuspielen. Da kommt das Herzklopfen zurück, nimmt man den Partner eine Zeit lang wieder anders wahr. Und ein ganz gutes „Kochrezept“, von dem es unzählige Variationen gibt: ein regelmäßiger Fixtermin mit dem Partner, der Partnerin. Wie man diese Zeit auch gestaltet, man sagt damit: Das investiere ich, das bist du mir wert!

Haben Sie ein Lieblingsrezept für erfüllte Sexualität?

Nein, ein Rezept, das bei allen Problemen im Bett gleich gut wirkt, gibt es nicht. Aber eine wichtige Zutat bei sexueller Langeweile ist Mut. Man sollte sich etwas trauen, etwas, das man sich vielleicht selber gar nicht zugesteht oder woran man bis jetzt nicht einmal zu denken gewagt hat.

Und wie kann man das dann dem Partner oder der Partnerin schmackhaft machen?

So wichtig es ist, über sexuelle Wünsche zu reden, so schwer fällt das vielen. Nicht alle Paare sind geübt in der Offenheit zueinander, oft gibt es da noch sehr viel Scham. Da empfehle ich dann gern eine Übung, die sich ebenfalls gut abwandeln lässt: Man schreibt zehn Phantasien auf ein Blatt Papier, legt es dem Partner, der Partnerin vor und lässt ihn oder sie raten, welche die eigenen sein könnten. So kommt man zwar ins Gespräch über Sex, kann sich aber schützen, wenn man will. Sollte das Gegenüber auf einen Wunsch schockiert oder sonst wie negativ reagieren, dann man muss ja nicht zugeben, dass das der eigene war. Dennoch ist ein erster, großer Schritt getan – und vielleicht sogar der Gusto wieder geweckt!

***************

7 Zutaten für guten Sex
von Dr. Alexandra Meixner

1. Guter Sex beginnt, wenn Sie die Kleider noch anhaben!
Der Ausspruch der US-Sexforscher William Masters und Virginia Johnson bedeutet nichts anderes, als dass das Feuer der Erotik vor der Schlafzimmertür entzündet wird. Als Anzünder fungieren der alltägliche Umgang miteinander, die wechselseitige Wertschätzung der Beziehung, die nichtsexuelle Zärtlichkeit, die Sprache usw. Und die Fähigkeit, Nähe ausdrücken zu können, ohne damit eine Aufforderung zum Sex zu verbinden.

2. Reden, reden, reden!
Haben Sie schon einmal Ihren Partner oder Ihre Partnerin gefragt, was er oder sie beim Sex gerne hätte? Am Anfang ist das nicht nötig, ich weiß – da reicht schon der Anblick des oder der Angebeteten aus, um einen „Augasmus“ zu bekommen. Aber später braucht es rund um die körperliche auch die verbale Kommunikation. Mit den richtigen Worten zur rechten Zeit lässt sich so manches Problem vermeiden oder lösen.

3. Erkennen Sie Ihr ­sexuelles Wesen und versöhnen Sie sich mit sich selbst!
Erforschen Sie Ihre eigenen Wünsche, Phantasien und Vorstellungen, ergründen Sie Ihr eigenes sexuelles Profil! Und: Söhnen Sie sich mit all Ihren Körperteilen aus – egal wie diese aussehen, sie können Ihnen viel Freude bereiten!

4. Nehmen Sie sich Zeit!
Tragen Sie in Ihren Kalender fix Zeit für Zweisamkeit ein und beachten Sie, dass diese genauso unaufschiebbar ist wie andere Termine. Versuchen Sie dabei aber nicht, Sex zu erzwingen, wenn Sie nicht in Stimmung sind.
Das könnte in Frustration enden, die nicht nur die sexuellen Gefühle in eine Abwärtsspirale stürzt, sondern auch die Lust an Ihrer gemeinsamen Zeit gefährdet.

5. Vermeiden Sie Routine und lassen Sie Ihre Phantasien spielen!

Das bedeutet nicht, dass Sie sich Druck machen und nach immer neuen Spielarten suchen sollen. Schon kleine Variationen bringen Abwechslung in die gemeinsame Sexualität, seien es verschiedene Orte oder Tageszeiten für das Liebesspiel oder unterschiedliche Arten, die Initiative zu ergreifen.

6. Machen Sie das Bett zur kampffreien Zone!
Ich kann Ihnen nur den Rat geben: Wenn Sie einen Kampf beginnen und sich Gemeinheiten um die Ohren hauen möchten, verlassen Sie bitte das Bett! Suchen Sie einen Ort in Ihren Gemächern auf, den Sie zur Kampfzone erklärt haben, aber verseuchen Sie nicht das Bett mit Giftigkeiten!

7. Seien Sie realistisch!
Wir sollten versuchen, Sex in unseren Alltag zu integrieren und nicht auf ein Podest zu heben. Sex hat nicht die Kraft, die ihm angedichtet wird; er kann weder das Leben und schon gar nicht die Welt verändern. Häufig ist Sex nur auf eine ruhige, faule Art angenehm und schön. Und wenn er vorbei ist, muss man trotzdem noch mit dem Hund vor die Tür.

Buchtipp:

Meixner, „Ätsch. Erster! Sex ist ernst genug, um darüber zu lachen“
ISBN 978-3-902533-47-0
208 Seiten, € 19,90 Galila Verlag, 2013

Stand 10/2013

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