Schuppen auf der Haut

Januar 2014 | Kosmetik & Pflege

Was dahinterstecken kann und was hilft
 
Nicht immer sind Schuppen auf der Haut harmlose Zeichen von Trockenheit, die sich mit einfachen Tricks zum Verschwinden bringen lassen. Oft steckt ein gesundheitliches Problem dahinter, das nach besonders sorgfältiger Pflege – und ärztlicher Hilfe verlangt.
 
Von Mag. Helga Schimmer

Es ist ein natürlicher Regenerationsprozess: Die Oberhaut (Epidermis) erneuert sich ständig, ihre Zellen durchwandern binnen vier Wochen die einzelnen Schichten, verhornen dabei und werden schließlich an der Oberfläche abgestoßen. Diese Schuppen sind allerdings so winzig, dass man sie nur unter dem Mikroskop sehen kann, denn sie bestehen lediglich aus einzelnen Zellen oder kleinen Zellverbänden. „Die normale Abschilferung der obersten Hornschicht passiert unbemerkt“, fasst Dr. Andreas Schindl, Dermatologe in Wien und Retz, den stetigen Vorgang zusammen.
Mit bloßem Auge sichtbar und damit störend werden Schuppen erst, wenn sich etwa 500 Zellen zusammenrotten. Solche größeren Anhäufungen sind ein Zeichen für krankhafte Hautveränderungen, die mit einer beschleunigten Zellteilung in der untersten Epidermis-Schicht, dem Stratum basale, einhergehen. Die Ursachen für diese Störung sind vielfältig: Mitunter reichen kleine Verletzungen oder einfache Entzündungen aus, um eine Schuppung der Haut zu bewirken. So muss sich beispielsweise beim Sonnenbrand ein ganzes Hautareal auf einmal erneuern.

Rötungen und Krusten: Schuppenflechte (Psoriasis)

Wenn zusätzlich zu den Schuppen Symptome wie Rötung, Schwellung, Wärmegefühl oder Schmerzen auftreten, kann eine schwerwiegende Hauterkrankung vorliegen. „Auch bei Juckreiz oder Krustenbildung an den betroffenen Stellen, ist es an der Zeit, einen Arzt aufzusuchen“, sagt Schindl.
Eine der häufigsten Formen krankhafter Hautschuppung zeigt sich bei der Schuppenflechte oder Psoriasis, an der in Österreich rund 250.000 Menschen leiden. Ist die Krankheit stark ausgeprägt, belastet sie nicht nur körperlich, sondern auch seelisch schwer. Sie ist nicht ansteckend, stigmatisiert die Patienten jedoch durch deutlich sichtbare, oft großflächige rötliche Erhebungen mit silbrig-weißen Schuppen.
Trotz intensiver Forschung ist die Entstehung der Schuppenflechte noch nicht restlos geklärt. Sicher ist, dass ihr eine genetische Veranlagung zugrunde liegt, die Fehlvorgänge im Immunsystem bewirkt. Diese wiederum kurbeln die Erneuerung der Hornzellen übermäßig an: Der eingangs geschilderte Regenerationsvorgang dauert – anstatt der 28 Tage bei Gesunden – bei Psoriatikern lediglich acht bis zehn Tage. Das Ergebnis sind Schuppenaggregate, die, scharf begrenzt, in mehreren Lagen auf der entzündeten Haut liegen.
Sowohl das erstmalige Auftreten der Krankheit als auch die Schwere der erneuten Schübe hängen von auslösenden Faktoren wie lokalen Hautschäden, mechanischer Reizung oder Infektionen ab. Andreas Schindl: „Leider ist Psoriasis nicht heilbar, aber die heutigen Therapiemöglichkeiten vermögen die Symptome deutlich besser zu lindern als noch vor einigen Jahren.“
Wegen der geringen Nebenwirkungen kommt in erster Linie eine lokale Behandlung etwa mit Kortisonsalben, die oft zusätzlich Salizylsäure oder Harnstoff (Urea) enthalten, zum Einsatz. Stärkere Ausprägungen von Schuppenflechte können außerdem durch eine zeitlich begrenzte UV-Lichttherapie günstig beeinflusst werden. Während klassische Psoriasis-Medikamente in Form von Tabletten oder Infusionen häufig schwere Nebenwirkungen haben, machen die neueren Biologika den Patienten Hoffnung: Die Injektionspräparate versprechen rasche und gute Wirkung.
„Über den Behandlungserfolg entscheidet aber auch die richtige Basispflege der Haut. Ideal sind Ölbäder, Duschöle und fetthaltige Lotionen – im Grunde alles, was die Haut geschmeidig macht und vor Austrocknung schützt“, empfiehlt Schindl.

Jucken und Kratzen: Neurodermitis

Bei Neurodermitis beginnt die Qual meist schon in der Kindheit. „Die Beschwerden sind zwar nicht permanent vorhanden, bei einem Schub ist der Juckreiz aber bisweilen so unerträglich, dass betroffene Areale blutig aufgekratzt und damit Infektionen begünstigt werden“, so Schindl. Die Hautschuppung bei Neurodermitis zeigt sich üblicherweise in Hautfalten wie hinter den Ohren, unter den Achseln, in den Kniekehlen und Armbeugen.
„Den wohl wichtigsten Rat zur Vorbeugung beherzigen Mütter, wenn sie ihr Baby lange stillen und andere Kost frühestens ab dem sechsten Lebensmonat zufüttern“, sagt Schindl. Wer dennoch an Neurodermitis erkrankt, sollte auf bekannte Nahrungsallergene wie Kuhmilch, Hühnereiweiß und Nüsse verzichten. Bemerkt man, dass sich die Erkrankung nach Genuss einer bestimmten Speise verschlechtert, lässt man diesen Auslöser künftig weg.
Gemieden werden sollten darüber hinaus Leistungsdruck und alles, was die Haut austrocknet. Hilfreich sind molke- oder ölhaltige Badezusätze, die weder allergiefördernde Duftstoffe noch Konservierungsmittel enthalten. „Im Rahmen der hautärztlichen Therapie von Neurodermitis wenden wir neben Kortison- und Harnstoff-Rezepturen auch Antihistaminika an, die den Juckreiz lindern“, sagt der Experte. Beim Einsatz von neueren Wirkstoffen wie Tacrolimus, die bestimmte Immunreaktionen unterdrücken, muss der behandelnde Arzt bei Kleinkindern Nutzen und Risiken individuell abwägen. Bei großflächigen Formen der Neurodermitis können UV-Bestrahlungen durch den Hautarzt helfen.

Wie Fischschuppen: Ichthyosis

Unter dem Begriff Ichthyosis („Fischschuppenkrankheit“) fasst man durch Gendefekte hervorgerufene Verhornungsstörungen zusammen. Eng aneinanderliegende gräuliche bis grünliche Schuppen zeigen sich schon im frühen Kindesalter großflächig an Armen und Beinen. Die Krankheit ist weder ansteckend noch schmerzhaft, nach derzeitigem Wissensstand kann sie nicht geheilt werden. Hautarzt Schindl: „Durch Salben mit Salizylsäure oder Urea ist jedoch eine deutliche Linderung der Symptome möglich. Auch Retinoide werden erfolgreich eingesetzt.“ Die tägliche Hautpflege gestaltet sich aufwendig, denn die Devise lautet: Schmieren, schmieren, schmieren! Zudem hat sich Salz aus dem Toten Meer in der Behandlung bewährt.

Fleckenherde: Schüppchenrose

Die ebenfalls nicht ansteckende Schüppchenrose, auch Röschenflechte genannt, wird vermutlich durch eine Virusinfektion hervorgerufen. Sie beginnt oft am Rumpf mit einem hellroten Fleck, dessen Rand sich schuppt. Weitere Herde bilden sich in einigen Tagen oder Wochen. Zwar heilt die Krankheit von selbst, den Arzt sollte man trotzdem aufsuchen: Er kann nicht nur eine juckreizstillende Salbe verordnen, sondern auch andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausschließen.

Meist am Kopf: Seborrhoisches Ekzem

Das Seborrhoische Ekzem ist durch eine Überproduktion von Talg gekennzeichnet. Es bilden sich fettige gelbliche Schuppen meist am Kopf und im Gesicht, manchmal auch auf Brust und Rücken. Dazu können stark gerötete und juckende Entzündungsherde auftreten. Die genaue Ursache für diese Hautausschläge ist noch nicht geklärt, wahrscheinlich handelt es sich um eine Reaktion auf die Ausscheidungen des Pilzes Malassezia furfur, der auch an der Entstehung von fettigen Kopfschuppen beteiligt ist. „Fragen Sie Ihren Arzt nach dem Anti-Pilz-Wirkstoff Ketoconazol, mit dem gute Behandlungserfolge erzielt werden“, so der Expertenrat.

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Selbsthilfe bei schuppenden Hauterkrankungen

  • Verwenden Sie zur täglichen Reinigung keine Seife, sondern schwach saure Syndets (pH 5,5). Salzbäder beruhigen die Haut, Öl- und Molkebäder geben ihr das beim Waschen verlorene Fett zurück.
  • Vermeiden Sie Irritationen, indem Sie die Haut anstatt zu rubbeln vorsichtig trocken tupfen.
  • Harnstoffhaltige Fettcremen machen die Haut geschmeidig und helfen, die Schuppen abzulösen. Ausnahme: beim Seborrhoischen Ekzem keine fetthaltigen Pflegemittel verwenden.
  • Hohe Luftfeuchtigkeit und warme Temperaturen wirken sich positiv aus. Aufenthalte am Meer mildern meist die Beschwerden. Vorsicht: Auf guten UV-Schutz achten!
  • Verzichten Sie auf Nahrungsmittel, die Ihre Krankheit verschlimmern. Bei Psoriasis können dies z. B. Kaffee, Alkohol, scharfe Gewürze und Zitrusfrüchte sein.
  • Beseitigen Sie die Stressfaktoren in Ihrem Leben und praktizieren Sie Entspannungstechniken wie etwa Yoga, Progressive Muskelrelaxation oder Autogenes Training.

 

Stand 01/2014

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