Gesunde Augen

Oktober 2014 | Medizin & Trends

10 Fragen, 10 Antworten
 
Schaden die winzigen Buchstaben auf Smartphone & Co der Sehkraft? Verschlechtert sich die Sicht tatsächlich durch das Tragen einer Brille? Was bringen Entspannungsübungen für die Augen? Für MEDIZIN populär beantwortet Univ. Prof. Dr. Christoph Faschinger von der Augenklinik der Medizinischen Universität Graz zehn wichtige Fragen zur Gesundheit der Augen.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

1. Kann man mit der Ernährung wirklich etwas für vollen Durchblick tun?

„Besonders Diabetiker sollten sich bei der Ernährung genau an die Anweisungen ihres Arztes halten“, rät Augen-Experte Univ. Prof. Dr. Christoph Faschinger. Der Grund: Sind die Blutzuckerwerte hoch, besteht die Gefahr, dass Blutgefäße in der Netzhaut geschädigt werden, es also zur sogenannten diabetischen Retinopathie kommt. Ansonsten gilt: Der Pflanzenfarbstoff Lutein etwa aus Spinat, Rucola, Kresse und verschiedenen Kohlarten soll Forschungen zufolge der häufigen altersbedingten Makuladegeneration vorbeugen. Wegen ihres hohen Gehalts an Beta-Carotin, der Vorstufe von Vitamin A, sagt man Brokkoli, Paprika und Karotten nach, gegen Sehschwächen zu helfen. Was ist dran? „Vitamin A ist zumindest für den Aufbau der sogenannten Sehpurpure notwendig, die für das Sehen notwendig sind, aber auch für die Regeneration von Bindehaut- und Hornhautzellen“, stellt Faschinger klar.

2. Verschlechtert sich die Sicht tatsächlich durch das Tragen einer Brille?

„Normalerweise kann das nicht geschehen“, sagt Faschinger. „Nur wenn die Gläser in ihrer Stärke falsch oder zerkratzt sind, kann es durch das Tragen einer Brille zu einer Verschlechterung der Sicht kommen.“ Warum sich die Meinung so hartnäckig hält, dass man nach längerem Tragen des Sehbehelfs schlechter sieht als zuvor? „Mit Brille hat man sich an das scharfe Sehen gewöhnt, legt man sie ab, empfindet man dann die eigene Fehlsichtigkeit im Vergleich als ausgeprägter“, erklärt Faschinger den Hintergrund der „optischen Täuschung“. Tatsächlich können Brillen die Sehschärfe auch verbessern, allerdings nur bei Kindern bis zum achten Lebensjahr, da sie das Sehen noch erlernen.

3. Schaden die winzigen Buchstaben auf Smartphone & Co der Sehkraft?

„Normalerweise strengt es die Augen nur an, wenn man längere Zeit auf kleine Displays schaut“, weiß Christoph Faschinger. Der Muskel, der bei der Nahtätigkeit aktiviert wird, kann sich dann nur mehr langsam entspannen, und der scharfe Blick in die Ferne ist erst nach einiger Zeit wieder möglich. Schaden kann das Lesen der winzigen Buchstaben der Sehkraft tatsächlich, wenn man es übertreibt und täglich extrem lange praktiziert. Faschinger: „Damit kann man genauso wie bei langem Arbeiten am Computer Kurzsichtigkeit hervorrufen oder eine bestehende Kurzsichtigkeit verschlechtern.“ Die Erklärung: Bei langer Naharbeit wird das Rundherum, die Umgebung unscharf gesehen, sozusagen fast ausgeblendet. Diese Unschärfe bedingt die erhöhte Ausschüttung eines Stoffes, der das Längenwachstum des Augapfels fördert – und das führt zu Kurzsichtigkeit.

4. Warum wird Autofahren in der Nacht mit zunehmendem Alter zum Problem für die Augen?

„Das liegt fast immer daran, dass so wie der Mensch insgesamt auch die Augen altern und sich daher nicht mehr so schnell wie früher auf den Wechsel von Dunkel auf Hell und umgekehrt einstellen können“, erläutert der Augenarzt. So blenden die Lichter der entgegenkommenden Autos derart stark, dass sie irritieren. Bei manchen macht aber auch eine Erkrankung an Grauem Star die Nachtfahrt zum Problem. Die Nachtblindheit, die der Volksmund gerne als Erklärung für die Schwierigkeiten heranzieht, kommt in Wahrheit äußerst selten vor.
   
5. Sollte man lieber ausgeruht in der Früh oder müde nach der Arbeit einen Sehtest machen?

„Vor allem für Kurzsichtige ist es wichtig, in der Früh oder am Vormittag zum Sehtest zu gehen“, empfiehlt Faschinger. „Durch die Anstrengungen, denen die Augen tagsüber etwa bei stundenlanger Computerarbeit ausgesetzt sind, kann sich die Fehlsichtigkeit der Augen bei ihnen um einiges verschlechtern.“ Experten vermuten, dass sich der Augapfel durch den Druck des Lides beim Blinzeln um eine Spur verlängert: 0,3 Millimeter mehr führen schon zu einer Dioptrie mehr. Wird der nur temporär erhöhte Dioptrien-Wert gemessen und auf der Grundlage dieser Messung eine Brille gefertigt, kann das Tragen dieser zu starken Brille zu Augenschmerzen und Kopfweh führen. Bei Weit- und Alterssichtigkeit hat man Veränderungen in diesem Ausmaß nicht festgestellt, so dass der Zeitpunkt beim Sehtest keine Rolle spielt.

6. Optiker oder Augenarzt: An wen soll man sich zum Vermessen der Brillenstärke besser wenden?

„Wenn es nur um das Vermessen geht, sind Augenarzt und Optiker gleichwertig“, sagt Faschinger. Welche Brillenstärke man benötigt, erfährt man aber auch, wenn man zur Vorsorgeuntersuchung zum Augenarzt geht, was man ab dem Alter von 40 Jahren ohnedies jedes Jahr tun sollte. Dort wird nicht nur ein umfangreicher Sehtest gemacht, der Arzt schaut sich auch die Augen ganz genau an – und das kann einem viel Kummer und Leid ersparen: „Durch diesen Blick in die Augen können wir Ärzte Augenerkrankungen erkennen, die im Frühstadium gut therapierbar sind, sofern sie länger unbehandelt bleiben, aber zu Sehbehinderungen bis hin zur Erblindung führen“, sagt Experte Faschinger. Dazu zählen etwa der Grüne oder Graue Star, Gefäßverschlüsse oder die altersbedingte Makuladegeneration. Zudem kann der Augenarzt an der Beschaffenheit der Augen auch noch erste Anzeichen anderer Erkrankungen erkennen: hohen Blutdruck etwa, Diabetes oder erhöhten Hirndruck und sogar entzündliches Rheuma, wenn es zu einer Regenbogenhautentzündung geführt hat.

7. Was versteht man unter einer Bildschirmbrille?

„Eine Bildschirmbrille ist genau auf die eine Distanz bis zum Bildschirm und die andere Distanz zur Tastatur abgestimmt“, erklärt Faschinger. „Diese Brille erhöht die Sehschärfe und ist für Menschen empfehlenswert, die alterssichtig sind und viel am Bildschirm arbeiten.“ Auch wer täglich bei der Computerarbeit Beschwerden wie Kopfschmerzen bekommt, sollte es einmal mit einer solchen Brille versuchen.  

8. Warum tränen Augen oft so stark, wenn man doch eigentlich trockene Augen hat?

„Das passiert deswegen, weil aufgrund dieses sogenannten Sicca-Syndroms die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit nicht mehr stimmt“, weiß Augenarzt Faschinger. Schleim, Wasser und Fett sind nicht mehr in dem Verhältnis vorhanden, das es ermöglicht, die Augen zu benetzen und einen schützenden Film darüber zu bilden. Deswegen fließt die Tränenflüssigkeit einfach ab. „Spezielle Augentropfen oder Augengele helfen“, sagt Faschinger, der Betroffenen dringend rät, zum Augenarzt zu gehen. Wird das Sicca-Syndrom nicht oder nicht richtig behandelt, kann es zu Hornhautschäden führen, die das Sehvermögen beeinträchtigen.

9. Entspannungsübungen für die Augen – bringt das etwas?

„Wer täglich lange Zeit vor dem Bildschirm sitzt, sollte unbedingt Entspannungsübungen machen, um einer Überlastung der Augen und Entwicklung einer Kurzsichtigkeit vorzubeugen“, empfiehlt Faschinger. „Es reicht aber, alle 50 Minuten eine Pause von zehn Minuten zu machen und entspannt ins Narrenkastl, in den Himmel, in die Weite zu schauen oder die Augen zu schließen und an etwas Schönes zu denken.“

10. Können Augen wirklich einen Sonnenbrand bekommen?

„Bei intensiver Sonnenbestrahlung schädigen die UV-Strahlen der Sonne die Zellen der Binde- und Hornhaut, und es kann zu einer Bindehaut- und Hornhautentzündung bis hin zu verblitzten Augen kommen, die sehr schmerzhaft sind“, erläutert Christoph Faschinger. Meist sind die Augen bei einem solchen Sonnenbrand auch gerötet und jucken, manchmal ist sogar vorübergehend die Sehschärfe beeinträchtigt. In sehr schweren Fällen, also nach extrem starker UV-Bestrahlung, kommt es mit Zeitverzögerung zur sogenannten Schneeblindheit. Dabei sind die Augen so entzündet und die Lider so zugeschwollen, dass man vorübergehend gar nichts sieht. Die Entzündung sollte dringend von einem Augenarzt behandelt werden.

Buchtipp:
Wedrich, Faschinger, Schmut
Mein Auge. Erkrankungen, Behandlungen, Informationen
ISBN 978-3-902552-62-4
256 Seiten, € 19,90
Verlagshaus der Ärzte

Stand 10/2014

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