Krebs bei Kindern

Oktober 2014 | Medizin & Trends

Was zum Durchhalten der Therapie motivieren kann

Jedes Jahr erkranken in Österreich rund 250 Kinder und Jugendliche an Krebs, die weitaus meisten davon in den ersten zehn Lebensjahren. Dank besserer Chemotherapien werden die Heilungschancen immer größer und liegen inzwischen bereits bei 75 Prozent. Doch das Durchhalten der Therapie fällt gerade den Kleinen sehr schwer. Viele Tage lang viele Tabletten und Infusionen, von denen es ihnen (zunächst) oft noch schlechter geht. Nun hilft „Camillo Pastillo“, der Held eines neuen Buches, die Kinder zum Durchstehen der Therapie zu motivieren.

Von Mag. Sabine Stehrer

Wird bei einem Kind die Diagnose Krebs gestellt, sind die Eltern die wichtigsten Personen, wenn es um die Hilfe beim Durchhalten der Therapie geht“, sagt Dr. Reinhard Topf, leitender Psychologe des St. Anna-Kinderspitals in Wien, wo sich auch ein Kinderkrebs-Forschungsinstitut befindet. Dank frühzeitiger Diagnosen und besserer Chemotherapien können statt wie noch 1960 nur 20 Prozent heute 75 Prozent aller betroffenen Kinder und Jugendlichen langfristig geheilt werden, das sind drei von vier. Die Erfolgschance ist umso größer, je therapietreuer die Erkrankten sind.
Wie schwierig es sein kann, die jungen Krebspatienten dazu zu motivieren, die Behandlung mitzumachen – das weiß Eva Morent-Gran, deren Tochter an Leukämie erkrankt war und heute geheilt ist. „Die Kinder bekommen morgens viele Tabletten, dann eine Infusion, dann wieder sehr viele Tabletten, und so geht es dahin, und danach fühlen sie sich schlechter als davor“, sagt sie. Die Folge: Viele verweigern irgendwann die Behandlung und nehmen ihre Medikamente nicht mehr. Morent-Gran und Danielle Willert haben nun gemeinsam mit dem Psychologen Topf sowie Ärzten und anderen Experten Abhilfe geschaffen: Sie haben ein neues Bilderhandbuch geschrieben und gezeichnet, in dem der Held „Camillo Pastillo“, eine Tablette, kindgerecht darüber informiert, wie die Krankheit Krebs entsteht, wie die Krebszellen durch die Chemotherapie dauerhaft zerstört werden können, mit welchen Nebenwirkungen zu rechnen ist, und was z. B. gegen typische Begleiterscheinungen der Therapie wie Müdigkeit oder Übelkeit hilft.

Leukämie bei Kindern am häufigsten

Krebs bei Kindern und Jugendlichen ist eine seltene Krankheit. Während hierzulande jedes Jahr rund 35.000 Erwachsene neu an Krebs erkranken, wird die Diagnose bei rund 250 Kindern und Jugendlichen im Alter bis zu 19 Jahren gestellt, Buben sind häufiger betroffen als Mädchen. Sehr oft sind die Erkrankten noch im Säuglingsalter. Mit zunehmendem Alter nimmt die Zahl der Neuerkrankungen stetig ab. Unter den 10- bis 14-Jährigen liegt sie etwa bei zehn Neuerkrankungen pro Jahr. Die weitaus meisten Kinder und Jugendlichen erkranken an Leukämie, also Blutkrebs. Auch Hirntumore und Lymphome, das sind bösartige Erkrankungen des Lymphsystems, Hodenkrebs, Knochenkrebs, Tumoren in den Gelenken und Darmkrebs kommen bei Kindern und Jugendlichen vor. Warum Krebs überhaupt schon in jungen Jahren entstehen kann, weiß man nicht. Als mögliche Ursachen werden eine ererbte Neigung zur Bildung von Tumoren gezählt, aber auch der Einfluss von Umweltfaktoren.

Buchtipp:
Morent-Gran, Willert, Camillo Pastillo. Bilderhandbuch zu Wirkungen und Nebenwirkungen der Chemotherapie, ISBN 978-3-99009-007-7
64 Seiten, € 19,90, edition besser leben, Wien 2010

Betroffene erhalten das Buch im St. Anna-Kinderspital in Wien gratis.

Leseproben und Bestellmöglichkeit im Internet unter www.camillo-pastillo.at

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