Krummer Penis: Wenn das Sexualleben darunter leidet

März 2014 | Partnerschaft & Sexualität

Meist trifft es Männer ab 40 Jahren, und manche trifft es schwer: Eine Penisverkrümmung kann so stark ausfallen, dass Sex schmerzhaft oder gar unmöglich wird. Wie es dazu kommt, und wie die Medizin helfen kann.
 
Von Mag. Sabine Stehrer

Das Phänomen ist so altbekannt wie häufig: Schon auf antiken Vasen und Grabbeigaben in Pompeji wurde es dargestellt, und heute erfährt es nach Schätzungen von Experten fast jeder zehnte Mann am eigenen Leib. Erstmals   beschrieben wurde die Penisverkrümmung im Jahre 1743 vom französischen Chirurgen Francois Gigot de la Peyronie. Darum nannte man es zunächst die Peyronie-Krankheit, wenn sich ein erigierter Penis auf „unnatürliche“ Art und Weise biegt.
Bei den meisten Betroffenen krümmt sich das Glied während der Erektion bis zu 30, 50 und noch mehr Grad nach oben in Richtung Bauchnabel. Seltener biegt sich der Penis zur einen oder anderen Seite, noch seltener nach unten. „Es können auch Deformationen entstehen, die den Penis wie eine Sanduhr aussehen lassen, und solche, die ihn verkürzen“, beschreibt Univ. Prof. Dr. Ralf Herwig, Facharzt für Urologie und Andrologie an der Universitätsklinik für Urologie am AKH Wien, die verschiedenen Ausprägungen des Problems.
Eine Penisverkrümmung, in der Medizin heute Induratio penis plastica (Ipp) genannt, fällt aber nicht nur optisch auf, oft tut sie auch weh: „Betroffene haben häufig Schmerzen bei der Erektion“, sagt Herwig. So kann Sex zur Qual werden, auch für die Partnerin: „Durch die Krümmung des Penis kann die Frau Schmerzen beim Eindringen und beim Geschlechtsverkehr spüren.“ Ist das Sexleben einmal derart beeinträchtigt, lassen emotionale Probleme nicht lange auf sich warten, schlimmstenfalls kommt es zu depressiven Verstimmungen bis hin zu Depressionen. Dennoch nehmen viele das Problem hin, weil sie sich dafür schämen, weiß der Experte.

Keine Selbstbehandlungen!

Besonders häufig betroffen sind Männer zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Die Krümmungen entstehen meistens langsam, sie können aber auch ganz plötzlich, sozusagen über Nacht, auftreten. In jedem Fall gilt: „Gelegentlich mindert sich eine Penisverkrümmung von selbst, bis sie kaum noch sichtbar und spürbar ist. Manchmal bildet sie sich sogar ganz zurück“, so Herwig. Ist es aber bis zu einem halben Jahr nach dem Auftreten noch nicht zu Rückbildungen gekommen, dann ist nicht mehr damit zu rechnen.  Im Gegenteil: „Meistens werden nach und nach nicht nur die Krümmungen immer ausgeprägter, sondern auch die Schmerzen beim Geschlechtsverkehr stärker.“ Manchmal ändert die Krümmung auch die Richtung, oder die Schmerzen treten zusätzlich im nicht-erigierten Zustand auf – und es kommt zu Erektionsproblemen. Spätestens jetzt heißt die Devise: Scham überwinden und bitte zum Arzt! Denn: „Entgegen anderslautender Versprechungen bringen Selbstbehandlungen mit Streckapparaten oder Vakuumpumpen rein gar nichts“, warnt Ralf Herwig.

Medikamente, Stosswellentherapie

Wie weit fortgeschritten die Penisverkrümmung auch ist: „Für eine ärztliche Behandlung ist es nie zu spät, denn es gibt für jedes Krankheitsstadium eine Möglichkeit der Therapie“, versichert der Männerarzt. Freilich ist die Behandlung im Anfangsstadium am einfachsten: „Ist die Krümmung gerade erst oder kürzlich aufgetreten und ist sie nicht so ausgeprägt, kann sie eventuell mit Medikamenten rückgängig gemacht werden, die in Form von Tabletten, Pulvern oder Injektionen gegeben werden“, so Herwig. Die Mittel hemmen die hinter dem Problem steckenden Entzündungsprozesse und lösen die Ablagerung (Plaque) auf, die sich aufgrund der Entzündung gebildet  und zur Krümmung geführt hat. Herwig: „In Kombination mit diesen Medikamenten kann eine Stoßwellentherapie dabei helfen, dass die Schmerzen bei der Erektion und beim Geschlechtsverkehr rasch abnehmen.“

Operativ begradigen

Die Alternative, die sich laut Herwig in jedem Stadium einer Verkrümmung empfiehlt, ist eine Operation, bei der die Krümmung rückgängig gemacht wird. Dazu stehen heute verschiedene Verfahren zur Verfügung. Bei einer Variante des Eingriffs wird dafür die Gegenseite der Krümmung verkürzt, so dass der Penis wieder gerade wird. „Durch diese Operation verliert der Penis jedoch an Länge. Daher ist diese Methode für Männer, die einen kurzen Penis oder eine stärkere Verkrümmung haben, eher nicht geeignet“, räumt Ralf Herwig ein.
Ihnen empfiehlt der Urologe eine andere Art der Operation: Dabei wird die Plaque an der Krümmung entfernt, und es wird sogenanntes alloplastisches Material eingesetzt; konkret ist das ein Teil eines Rinderherzbeutels. Auch auf diese Art und Weise wird der Penis wieder gerade, büßt dabei aber nur wenig oder gar nichts an Länge ein.
Bei Männern, die aufgrund der Verkrümmung bereits eine Erektionsstörung bis hin zur Impotenz entwickelt haben, bietet sich an, bei dem Eingriff gleich zusätzlich eine spezielle Erektionshilfe zu implantieren, so Herwig. „Dabei handelt es sich um ein Schwellkörperimplantat, das von außen nicht sichtbar und auch nicht spürbar ist, über eine Minipumpe am Hodensack aktiviert wird und eine Erektion herbeiführt.“
All diese Eingriffe seien, so Herwig, relativ risikoarm. Nur sehr selten komme es zu Folgen wie Wundentzündungen oder vorübergehenden Taubheitsgefühlen. „Der überwiegende Teil der Operierten ist mit dem Ergebnis höchst zufrieden, denn danach normalisiert sich das Sexleben oft rasch“, versichert Ralf Herwig. Aus Befragungen ist bekannt: Dank ihres nunmehr kerzengerade und schmerzfrei erigierten Penis haben schon an den Tagen unmittelbar nach dem Eingriff zwei Drittel der Patienten wieder Geschlechtsverkehr, ein halbes Jahr nach der Operation ist das bei über 90 Prozent der Fall.

Minirisse als Wurzel des Übels?

Wie kommt es überhaupt dazu, dass sich ein Penis derart krümmt? „Dazu gibt es keine vollständigen wissenschaftlichen Erklärungen, sondern nur Hypothesen“, berichtet Herwig über den aktuellen Stand der Forschung. Vermutet wird etwa, dass die Entzündung und Plaquebildung, die die Krümmung zur Folge haben, durch Mikroverletzungen beim Sex entstehen, winzige Minirisse, die meist nicht bemerkt werden. Da aber nicht bei allen Männern solche Mikroverletzungen feststellbar sind, glaubt man auch, dass die Betroffenen zusätzlich eine Bindegewebsstörung haben, bei der sich das normalerweise elastische Bindegewebe am Penis in poröses Gewebe umwandelt, das leicht verletzt werden kann.
Darüber hinaus nimmt man an, dass Erektionsprobleme zu den Verformungen führen: „Wenn der Penis beim Geschlechtsverkehr nicht ganz steif ist, drohen eher Verletzungen“, erläutert Herwig. Das würde auch erklären, warum Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen Risikofaktoren für eine Penisverkrümmung sind. Herwig: „Diese Erkrankungen gehen aufgrund von Gefäßschädigungen und Durchblutungsstörungen oft auch mit Erektionsproblemen einher.“
Einer Penisverkrümmung vorbeugen kann Mann laut Herwig nur, indem er beim Geschlechtsverkehr Vorsicht walten lässt, um Mikroverletzungen zu vermeiden – und das vor allem dann, wenn die Erektion nicht ganz vollständig ist.

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Von Geburt an krumm


Etwa 0,5 Prozent der Männer haben eine angeborene Penisverkrümmung. „In diesen Fällen steckt eine anlagebedingte Fehlentwicklung des Penis dahinter“, erläutert der Urologe und Androloge Univ. Prof. Dr. Ralf Herwig. Die Fehlentwicklung kann dazu führen, dass sich das Penisgewebe mit den Schwellkörpern asymmetrisch ausbildet, oder auch dazu, dass die Harnröhre kurz bleibt. Beides zieht eine Penisverkrümmung nach sich.
Im Gegensatz zur erworbenen Penisverkrümmung verändert sich die angeborene Form nicht; das heißt, sie bildet sich weder zurück, noch wird sie stärker. Doch auch sie kann Betroffene sehr belasten und überdies zu Schmerzen während der Erektion führen. Ist das der Fall, kann eine Operation helfen. „Der Eingriff sollte dann bereits beim Eintritt in das Erwachsenenalter erfolgen“, empfiehlt der Experte.

Stand 02/2014

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