Sport stärkt die Persönlichkeit

Juni 2015 | Fitness & Entspannung

Ob beim Judo, Klettern oder Fußball: Mit Sport soll man nicht nur die Muskeln, sondern auch das Selbstvertrauen, die Entscheidungskraft, kurz: die Persönlichkeit stärken können. Was ist dran?
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Auf diese beiden Abende in der Woche baut der 43-jährige Egon: Dienstags trifft der Topmanager sich mit einem Studienfreund zum Krafttraining im Fitnesscenter, freitags mit einigen Kollegen zum Volleyballspielen. „Das Training macht nicht nur Spaß“, sagt er, „seitdem ich regelmäßig sportle, bin ich auch viel ausgeglichener und im Job deutlich souveräner.“ Dass die Muskeln seine Persönlichkeit stärken, davon ist er überzeugt. Zahlreiche Untersuchungen geben Egon recht: Körperliche Aktivität ist eine Wohltat für die Psyche und stärkt verschiedene Charaktereigenschaften – vom Ehrgeiz bis zum Teamgeist.

Selbstsicherheit:
Aufschwung dank Muskelkraft

Indem man beim Training regelmäßig Erfolge einfährt und über sich hinaus wächst, steigt die Selbstsicherheit – unabhängig davon, was oder wieviel trainiert wird. „Ob man einen Marathon unter drei Stunden schafft, ob man regelmäßig vier Kilometer läuft oder auch nur täglich flott spazieren geht – in jedem Fall kann sich ein Erfolgsgefühl einstellen“, betont MMag. Gernot Schauer, Sportwissenschafter, klinischer und Gesundheitspsychologe aus Linz. Der Zuwachs an Kräften, z. B. durch Krafttraining, tut das Seinige. „Der Aufbau der Muskulatur kann das Selbstwertgefühl positiv verändern“, betont Schauer. „Davon profitieren besonders jene, denen es an Selbstsicherheit mangelt.“ Damit nicht genug: „Regelmäßig ausgeübter Sport stärkt die Überzeugung, dass man es selbst in der Hand hat, physisch und psychisch gesund zu bleiben“, verweist Gernot Schauer auf das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Damit Hand in Hand geht ein Zuwachs an Eigenverantwortung. „Beim Sport ist die Verantwortung auf sich selbst und nicht auf das Außen gelenkt“, betont der Sportpsychologe.
 
Teamgeist:
Mit der Mannschaft zum Erfolg

Speziell Ballsportarten im Team – Volleyball, Fußball, Basketball – fördern wichtige soziale Kompetenzen: Teamgeist, Empathie, Rücksichtnahme. „Als Teil vom Team macht es keinen Sinn, nur auf sich zu schauen und das eigene Spiel durchzuziehen“, erläutert Schauer. „Stattdessen lernt man, sich auf die anderen ein- und abzustimmen.“ Man gleicht beim Volleyball die Schwäche eines Mitspielers aus oder setzt beim Fußball gezielt auf die Angriffsstärke eines Teamkollegen. Auch bannt, wer im Team aktiv ist, die Gefahr der sozialen Isolierung. „Speziell durch Mannschaftssport kann das soziale Leben aktiviert und gefördert werden“, erklärt Schauer.

Einfühlungsvermögen:
Tiere als Trainingspartner

Beim Training mit Vierbeinern ist besonderes Einfühlungsvermögen gefragt – ob beim Springreiten oder Voltigieren, beim Frisbee-Spielen oder Laufen mit dem Hund („Dogging“). „Über die Interaktion mit Tieren bekommt man eine unmittelbare Rückmeldung auf das eigene Tun und Fühlen“, ist der Sportpsychologe überzeugt. „Man muss seine Emotionen beherrschen, da die Tiere relativ rasch auf das eigene Handeln reagieren.“ Dank der tierischen Sparringspartner lassen sich Unsicherheiten ausmachen und man lernt außerdem, entscheidungsfreudiger bzw. selbstbewusster zu agieren.
Für entscheidungsschwache Menschen sind auch Ballsportarten sehr empfehlenswert: In einem Sekundenbruchteil muss entschieden werden, wie der Tennisball zu spielen, wem der Fußball zugepasst werden muss.

Durchhaltevermögen:
Mehr Biss dank Sportsgeist  

Auch stärkt, wer regelmäßig Fußball oder Tennis spielt, ausdauernd seine Bahnen im Sportbecken zieht oder sich beim Marathon durchbeißt, das Durchhaltevermögen. „Wenn man etwa beim Tennis im Rückstand ist, setzt man sich, anstatt aufzugeben, mit dem Problem auseinander: Mit welchen Strategien oder Techniken kann ich die aktuelle Spiel-Matchkrise überwinden?“ gibt Schauer ein Beispiel. Der sportliche Ehrgeiz hilft auch in anderen Lebensbereichen: „Sport macht widerstandsfähiger gegen Krisen und über eine vorhandene Krise kommt man besser hinweg“, ist Gernot Schauer überzeugt. Andererseits lernt man, Niederlagen buchstäblich sportlich zu nehmen. „Indem man es anerkennt, wenn man beim Training am Ende der Fahnenstange anlangt, trainiert man quasi die eigene Fehlbarkeit“, bestätigt der Sportpsychologe. Neben der körperlichen wächst die psychische Widerstandsfähigkeit, die Resilienz, wenn man oft und richtig trainiert. Auch ist, wer regelmäßig seinen Tennisgegner oder einen Berg bezwingt, zuversichtlicher, auch in anderen Lebensbereichen punkten zu können.

Konzentrationsfähigkeit
Aktiv im Hier und Jetzt

Beim Sporteln lässt sich obendrein das Konzentrationsvermögen trainieren – eine Fähigkeit, die in unserer „Multitasking-Gesellschaft“ zunehmend abhandenkommt. „Die Aufmerksamkeit ist beim Training auf den eigenen Körper, die Atmung, das Hier und Jetzt gerichtet. Die Belange des Alltagsgeschehens treten in den Hintergrund“, beschreibt der Experte den Effekt. Besonders „aufwändige technische Disziplinen“ sind geeignet: Beim Klettern etwa braucht es volle Konzentration, jeder Handgriff muss sitzen. „Man kann dabei gleichermaßen die Aufmerksamkeit und das Abschalten trainieren“, ergänzt der Experte. „Auch bei koordinativ anspruchsvollen Sportarten wie Skifahren oder Kraulen wird die Aufmerksamkeit stark fokussiert.“ Bewegung in freier Natur – ob beim Wandern oder Mountainbiking – stärkt die Aufmerksamkeit besonders: Man achtet konzentriert auf Umgebung und Untergrund, während die Ruhe ringsum entspannend wirkt.

Ausgeglichenheit:
Ballsport als Stressventil

Apropos: Sport ist ein hochgeschätztes Ventil für Spannungen und Stress. Insbesondere Ballsportarten wie Tennis und Squash können eine „Emotionsregulierung“ bewirken, erklärt Schauer. Bedrückte oder depressive Menschen fühlen sich unbeschwerter, impulsive und aufbrausende Menschen lernen, „Emotionen wie Wut nicht ungebremst heraus zu lassen, sondern zu dosieren“, erläutert der Sportpsychologe.
Während außerdem vielen Entspannungsmethoden wie Yoga und Tai Chi zu Ausgeglichenheit verhelfen, ist für andere wiederum ein „Achtsamkeitstraining in Kombination mit Bewegung, beispielsweise meditatives Laufen oder Bergwandern besser geeignet“, so der Experte.
Wer körperlich aktiv ist, hat nicht nur ein Stressventil, sondern entwickelt auch eine gewisse Stressresistenz und reagiert auf akuten Stress weniger stark als Bewegungsmuffel. „Die vegetativen Reaktionen des Körpers, zum Beispiel der Anstieg von Herzfrequenz oder Blutdruck, fallen weniger heftig aus“, erläutert Gernot Schauer. Schließlich werden beim trainierten Menschen nicht nur weniger Stresshormone ausgeschüttet, es kommen vermehrt stressabbauende Hormone ins Spiel: Speziell bei Ausdauersportarten wie Schwimmen, Laufen, Radfahren werden, wie man erst seit kurzem weiß, Endocannabinoide frei. „Diese Botenstoffe wirken stimmungsaufhellend und angstmindernd“, berichtet der Sportwissenschafter.

Ressourcen:
Kraft tanken in freier Natur

Indem man dem angeborenen Bewegungsdrang nachkommt, lässt sich obendrein psychischen Beschwerden wie Erschöpfungszuständen oder Burn-out wirksam vorbeugen, sagt Schauer. „Bewegung in der freien Natur etwa ist bestens dafür geeignet, psychische Probleme zu regulieren und eine innere Balance zu erlangen.“ Die günstigen Effekte kommen nachweislich auch Jugendlichen zugute, die durch die Natur wieder in Kontakt mit sich selbst kommen: „Bei meinen erlebnispädagogischen und -therapeutischen Trainings in der Natur zeigt sich immer wieder, wie sich coole Teenager auf die Natur einlassen, einen Berg oder Baum bestaunen können“, erzählt Schauer. Damit nicht genug: Eine Studie der Paracelsus Medizinischen Universität Salzburg belegt auch die therapeutische Wirkung von Bergwandern (MEDIZIN populär hat in Ausgabe 5/2013 berichtet) bei Depressionen.

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Arthrose, Bluthochdruck, Diabetes:
Sport als Medikament

Längst erwiesen ist, dass regelmäßige Bewegung hilft, körperlich gesund zu bleiben und außerdem vor verschiedenen Krankheiten schützen kann. Im Krankheitsfall – ob bei Asthma oder Alzheimer, Diabetes oder Depressionen, Krebs, Venenleiden oder Osteoporose – ist Sport längst etablierter Teil der Behandlung. Mit gezielter Bewegung lässt sich außerdem dem Verschleiß von Gelenken, einer Arthrose, entgegen wirken. Auch erhöhte Werte von Blutfetten, Cholesterin oder Bluthochdruck lassen sich verbessern – und damit das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall reduzieren.

Stand 06/2015

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