Sporteln ohne Schuhe: Gesunder Barfuß-Trend

Juni 2015 | Fitness & Entspannung

Was bei manchen Sportarten schon immer gang und gäbe war, zeigt sich bei anderen jetzt als neuer zarter Trend: Auf dem Golfplatz zum Beispiel, aber auch auf der Laufbahn trainieren immer mehr Menschen barfuß. MEDIZIN populär über die vielen Vorteile vom Sporteln ohne Schuhe.
 
Von Mag. Alexandra Wimmer

Liebend gern graben wir unsere Zehen in den warmen Sand, streifen mit nackten Füßen über taufeuchte Wiesen oder genießen sonnenwarme, glatte Kieselsteine unter den Sohlen – gut so! Wer bloßfüßig geht und erst recht, wer ohne Schuhe sportelt, tut Körper und Seele wohl. „Barfußgehen ist Doping für die Füße und vermittelt ein völlig neues Fußgefühl“, schwärmt der Orthopäde Prof. Dr. Harald Effenberger aus Bischofshofen.

Gesunder Ballengang
Gut trainierte Füße sind die Basis für eine gute, richtige Körperhaltung. Sie entlasten und unterstützen die Wirbelsäule und beugen Haltungsschäden vor. „Wenn keine Schuhsohlen die Fußsohlenreflexe abblocken, werden natürliche Bewegungsabläufe aktiviert, Stöße gedämpft und Unebenheiten automatisch ausgeglichen“, erklärt Harald Effenberger. Der Fuß wird dann nicht wie beim Gehen mit Schuhen über die Ferse, sondern über den Fußballen abgerollt. „Dadurch wird der Druck, der über Ferse und Hüfte an die Wirbelsäule geht, abgeschwächt und gedämpft“, verdeutlicht der Orthopäde. „Die vielen kleinen und großen Zehen- und Mittelfußknochen, Gelenke, Sehnen und Muskeln fangen ihn ab. Auf diese Weise wirkt eine trainierte Fußmuskulatur als Stoßdämpfer.“

Fördert Fußentwicklung
Von klein auf fördert das Barfußgehen die Entwicklung und Gesundheit der Füße. „Die flachen Füße der Kleinkinder entwickeln die gesunden Wölbungen am besten durch Barfußlaufen“, erläutert der Orthopäde. Der Nachwuchs gewinnt an Trittsicherheit, auch die Gesamtkoordination und Raumwahrnehmung werden „hochgradig verbessert.“ Bloßfüßig entgeht man außerdem buchstäblich den Zivilisationskrankheiten der Füße. „Die Kräftigung der Fußmuskulatur verringert das Risiko für Fußfehlstellungen“, betont Effenberger. Werden diese hingegen kaum trainiert, weil sie immer in Schuhen stecken, riskiert man Fehlstellungen wie Knick-, Senk-, Spreizfüße oder den Hallux valgus. „Je kräftiger die Fußmuskulatur, umso geringer ist die Verletzungsgefahr“, nennt der Arzt einen weiteren Vorteil. „Die Schulung der Sensomotorik senkt außerdem das Sturzrisiko.“

Kräftigt die Muskulatur

Nicht nur aus diesen Gründen profitiert auch im Erwachsenenalter, wer oft barfuß unterwegs ist. Mit Barfußgehen oder -laufen lassen sich Beschwerden wie Rückenschmerzen vorbeugen bzw. diese lindern. Weil es die Wadenmuskulatur aufbaut und kräftigt, hilft Bewegung ohne Schuhe außerdem in der Vorbeugung bzw. Behandlung von Venenleiden (z. B. von Krampfadern). Durch die uneingeschränkte Bewegung wird die Muskelpumpe besser wirksam. „Das entlastet die Blutgefäße und kann die Bildung von Krampfadern verringern“, erklärt der Mediziner.

Sorgt für Wärme und Wohlgefühl

Hinzu kommt der gesundheitsfördernde Kneipp-Effekt: „Die Fußmuskeln erzeugen beim Barfußlaufen besonders viel Wärme“, weiß Harald Effenberger. „Wechselnde Temperaturreize und der Massageeffekt des Untergrunds aktivieren zusätzliche Körperwärme und stärken außerdem die Abwehrkräfte.“ Auch der Psyche tut Barfußgehen gut: „Der unmittelbare Kontakt der Fußsohlen mit dem Boden wirkt entspannend und bewusstseinserweiternd. Stress wird abgebaut, neue Energien werden getankt, die Konzentration wird gefördert“, zählt der Arzt auf. „Barfußsport kann außerdem die Behandlung von körperlich oder psychisch bedingten Beschwerden des Bewegungsapparats, insbesondere der Wirbelsäule, unterstützen.“

Massiert und beugt Fusspilz vor  

Bloßfüßig können sich die Fußsohlenreflexe ungehindert entfalten. „Damit aktiviert Barfußsport auf natürlichem Weg die Fußreflexzonen und hat durch den Massageeffekt positive Auswirkungen auf die Organe und den Blutdruck.“ Können die Füße regelmäßig – erst recht jetzt im Sommer – Frischluft tanken, beugt man einem weiteren Leiden, Fußpilz, vor. „Zusätzlich stärken die Gerbstoffe in der Erde den Säuremantel der Haut“, ergänzt der Facharzt.

Behutsam starten
Gründe genug, um die warmen Frühlingstage und den bevorstehen Sommer für mehr Fußfreiheit zu nutzen. Das Wichtigste dabei: die Füße beim Gehen oder Laufen bewusst anheben! Und weil der Körper sich erst an die neue „Gangart“ gewöhnen muss, sollte man mit kurzen Trainingseinheiten beginnen. Ansonsten riskiert man Überlastungserscheinungen wie gezerrte Muskeln oder sogar einen Bruch. Wer spitze Kiesel oder stechendes Gras fürchtet, kann sich mit dem Tragen von Barfußschuhen behelfen: „Dank der flexiblen Sohle der Schuhe und indem sie jede Zehe einzeln umschließen, genießt man die Effekte vom Barfußgehen und schützt zugleich die Füße“, erläutert der Mediziner. Allmählich lässt die Schmerzempfindlichkeit aber ohnehin nach. „Die Fußsohlenhaut wird ein wenig dicker und widerstandsfähiger, die Fußnerven werden mit den neuen Eindrücken vertraut“, so Effenberger. Wann Vorsicht geboten ist? „Bei Beschwerden wie einer Fußfehlstellung oder Arthrose sollte der Fuß vor Trainingsbeginn von einem Orthopäden oder einer Orthopädin untersucht werden“, rät der Arzt.

Wandern und spazieren

Sportler, die (auch) barfuß trainieren, können sich über viele zusätzliche Trainingseffekte freuen. Schon bloßfügiges Spazieren oder Wandern erhöht z.B. das Tastempfinden; auf einem Barfußwanderweg bzw. Barfußparcours lässt es sich besonders gut „schulen und schärfen“. „Je unterschiedlicher das Gelände und die Bodenbeschaffenheit, desto besser werden die Füße trainiert“, erklärt der Arzt. Warum nicht an einem schönen Sommertag einen der rund 25 heimischen Barfußwanderwege erschließen oder in einem Barfußpark über Kies, Holz, Lehm, Erde, Sand streifen? „Barfuß wird der Kontakt viel intensiver wahrgenommen“, sagt der Facharzt. Die Reaktivierung des Tastsinns regt obendrein die Durchblutung, das Herzkreislaufsystem und letztlich den gesamten Organismus an.

Laufen

„Barfußlaufen wird weiters als Trainingsergänzung für den Laufsport empfohlen“, berichtet Harald Effenberger. „Barfüßig oder mit ganz dünnen, nicht gedämpften Sohlen zu laufen, fördert einen aktiven und ökonomischen Laufstil.“ Studien zufolge ist man barfuß außerdem bedeutend sicherer unterwegs. „Läufer mit festem Schuhwerk verletzen sich dreimal häufiger als jene, die barfuß oder mit sehr leichten Schuhen laufen“, so der Arzt. „Beim Barfußlaufen bewegt man sich nämlich von alleine in einer stoßfreien Gangart, die für Knie- und Hüftgelenke wesentlich schonender ist.“

Golfen und Klettern

Barfuß zu spielen kann auch Teil des Golftrainings sein, betont der Experte. „Die Balance, der aktive Spannungsaufbau, der Bodendruck, der Lastwechsel sowie der Widerstand des Beines werden barfuß intensiver empfunden als mit Schuhen“, erläutert der Orthopäde. Auch ein stabiler Stand lässt sich auf diese Weise gut trainieren. Da Barfußgolfen allerdings nicht der Etikette entspricht, obliegt es dem jeweiligen Club, es zu erlauben.
Bloßfüßig zu klettern ist ebenfalls nicht jedermanns Sache. „Wenn es aber das Gelände und die Fitness erlauben, hat das Training im Klettergarten oder an der Kletterwand als Fußgymnastik für Kinder sicher einen besonderen Reiz“, ist Effenberger überzeugt.
Fazit: Allen Vorteilen zu Trotz sind Barfußgeher und -sportler immer noch ein ungewöhnlicher Anblick – höchste Zeit, aktiv etwas daran zu ändern.

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Barfußsportarten:
Von Akrobatik bis Turnen

Viele Sportarten werden seit jeher barfuß ausgeübt – sehr zum Wohl der Sportler: Kampfsportarten wie Karate, Judo, Taekwondo; Beachvolleyball, Footvolley (verknüpft Fußball mit Beachvolleyball); Turnen, Akrobatik; Slacken. „Bei den fernöstlichen Kampfsportvarianten verleiht der direkte Kontakt der Füße zum Boden den Kämpfern Stabilität und ermöglicht eine bewusstere Wahrnehmung der Bewegungen“, erläutert der Orthopäde Prof.
Dr. Harald Effenberger.
Sporteln im Sand, sei es beim Beachvolleyball oder Footvolley, ist besonders herausfordernd: „Beide Sportarten erfordern eine ausgeprägte Technik, Koordination und Körperbeherrschung im Sand – Voraussetzung dafür ist eine intensive Barfuß- und Beinarbeit“, so der Orthopäde. Und beim Turnen und der Akrobatik? „Hier sorgt die durch Barfußaktivität gekräftigte Fußmuskulatur und das Fühlen des Bodens für die richtige Haltung.“ Mit den in Parks jetzt überall gespannten Seilen, Slacklines, trainiert man insbesondere das Fußgewölbe.

Stand 05/2015

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